Wenn man ständig böse Absichten unterstellt bekommt...

In mir kommt gerade die Frage auf, von welchen bösen Absichten muss ich bei jemandem ausgehen, der sie mir ständig unterstellt?
Generell glaube ich, dass Menschen meist das unterstellen, was sie selbst leben oder zu leisten bereit sind.
Mein Partner unterstellt mir zunehmend oft Absicht und Boshaftigkeit, wenn ich ihn nicht richtig verstehe, etwas nicht umsetzen kann oder auch in der Definition der Wortwahl.
Zum Beispiel hat er sich gerade böse weh getan. Ich habe ihn gefragt ob ich ihn ins Krankenhaus bringen soll und etwas später, als er das verneinte und sich beruhigen wollte, ob ich ihm Zigaretten holen soll. "Soll ich...?"
Da hat er mir vorgeworfen das wäre eine negative Ausdrucksweise und würde bedeuten ich wolle das gar nicht tun bzw es wäre mir zuwider. Das verbunden mit der Aussage er könne die hohle Phrase nach 10 Jahren nicht mehr hören und der Begründung das Soll im Konto stünde ja auch für etwas negatives.
Ich war wie vom Donner gerührt, weil ich das nie negativ assoziiert habe und lediglich abklären wollte, ob die angebotene Handlung seinen Wünschen entspricht - zumal mir an anderen Stellen auch mal blinder Aktionismus vorgeworfen wurde, wenn ich z.B. zur schnellen Lösung eines Problems etwas teuer oder doppelt gekauft habe.

Ich verstehe dabei durchaus, dass man vielleicht mal übertrieben reagiert, wenn man gerade Schmerzen hat, aber es ist ja nicht nur die eine Situation.

Nachdem ich mich immer häufiger solchen oder ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt sehe und dabei immer wieder feststelle, dass mir böse Absichten unterstellt werden, wo ich einfach keine hatte, meist sogar im Gegenteil, frage ich mich heute unter anderem, wie er denn mir gegenüber denkt, wenn er mir hilft oder etwas nicht schafft oder mich falsch versteht.

Muss ich dann Absicht unterstellen?

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Dieses "soll ich" mag ich auch nicht so gerne, vor allem nicht in inflationärem Gebrauch. Es ist bei mir tatsächlich so, wenn mein Partner ständig "soll ich dies, soll ich jenes" fragt, das Gefühl entsteht, er muss dauernd irgendwas für mich erledigen. Er soll gar nix, ich kann ja auch darum bitten oder es selbst erledigen. Ich bin nicht seine Chefin, er ist nicht mein Angestellter.

Also nur mal als Beispiel: "Soll ich Tee kochen?" klingt einfach anders, als "Möchtest Du auch Tee mittrinken, ich würde welchen kochen".

Im Unterschied zu Deinem Partner empfinde ich es aber nicht so, dass dahinter eigentlich Unlust steckt. Auf die Idee würde ich nicht kommen, dass das "soll ich" bedeuten könnte, man fragt, obwohl man gar nicht will. Die einfachste Lösung ist, die Formulierung zu ändern oder nur noch zu fragen, wenn es angebracht ist. Er ist ja schon groß, er kann selbst sagen, wenn er ins KKH gefahren werden möchte.

Aber definitiv würde ich mal mit ihm reden, denn an der Unterstellung, Du meinst es eigentlich nicht so, ist aus seiner Sicht wohl was dran. Nicht bezüglich Deiner Unlust, sondern bezogen darauf, dass er das nicht grundlos so empfinden wird. Vielleicht hat er das Gefühl, in Eurer Beziehung besteht ein Ungleichgewicht?

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Danke für deine Antwort.
Wenn ich mir was zu essen mache oder Tee oder ähnliches, dann frage ich auch "möchtest du auch", aber ich rauche z. B. nicht, also bezieht sich die Frage ob ich ihm jetzt in diesem Augenblick Zigaretten holen soll, auch nur auf seine Wünsche.
Klar ist er groß und könnte mir sagen, ob er ins Krankenhaus will, aber erstens machte ich mir Sorgen und zweitens hat er an anderer Stelle schon mal gemeckert, dass ich nicht mal gefragt hätte, ob er einen Arzt braucht.

Ich habe das Gefühl, ich kann es ihm nicht recht machen.

Und er scheint tatsächlich das Gefühl zu haben, dass ein Ungleichgewicht besteht, aber das kann ich für mich in der Form nicht bestätigen.
Ich mache fast den kompletten Haushalt allein, inkl. Wäsche und Büro, ich arbeite mehr als er, hab den längeren Fahrtweg und verdiene mehr, was ich ihm aber nie sage, weil es eigentlich nicht wichtig ist.
Ich habe irgendwann gesagt, er soll kochen, weil ihm eh nie passt was ich koche und er es besser kann. Da besteht vielleicht ein Ungleichgewicht von meiner Seite aus.

Dennoch danke für den gedanklichen Input

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Hättest Du gleich gesagt, dass er unter Depressionen leidet, wäre der Zusammenhang klarer gewesen. Denn erstmal muss man dann vermuten, dass sein Denken dort ursächlich herstammt. Dass Du das Gefühl hast, ihm nichts Recht machen zu können, würde ich auch dort einsortieren.

Du solltest ein Forum oder eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von psychisch Kranken aufsuchen, die können Dir da sehr viel mehr weiterhelfen. Du rutscht gerade in eine sehr unvorteilhafte Situation mit ihm, die am Ende dazu führen kann, dass Du ebenfalls erkrankst.

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Ich finde jeder ist für seine Gedanken selber verantwortlich und wenn es oft negativ ankommt, obwohl du eine positive Absicht hattest und auf jeden Fall keine negativen Gedanken, dann liegt es einfach schlicht und ergreifend an der Person. Auch Leute mit Burn Out, psychischen Problemen oder Depressionen kreisen häufig um negative Gedanken und haben genau diesen Aspekt nicht im Griff. Da wird ihre Umwelt schnell zur selbsterfüllenden Prophezeiung, weil sie zunehmend nur noch das wahrnehmen, was sie denken.

Sprich mit deinem Partner darüber, aber wenn er es nicht ernst nimmt, würde ich doch auf Abstand gehen und die Selbstschutzmechanismem hochfahren, denn solche Leute, machen einen - aus eigener Erfahrung - mürbe und man ertappt sich dann ständig bei zweifeln, ob man wirklich schlechte Absichten hatte, die man nie gehabt hätte, wenn einem diese Leute das nicht eingeredet hätten.

Ich sage meinen Kindern stets, dass sie auf ihre Gedanken gut acht geben müssen. Wenn sie eine negative Haltung zum Leben haben, kann kein positives Leben dabei herum kommen.

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Danke für deine Antwort.
Ja er hat Depressionen. Ich möchte aber vermeiden alles was er sagt als Symptom abzutun.

Nur wie du sagst, langsam zermürbt es mich und mir geht die Luft aus.

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Du denkst also ernsthaft, ein Mensch mit einer Depression sei für seine Gedanken "selbst verantwortlich"?! Aha.

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So ein Blödsinn. Wenn ich zum Einkaufen fuhr und es war nicht vorgesehen, dass mein Mann mitgeht, fragte ich ihn auch, ob ich ihm was mitbringen soll. Oder heute auch meine Tochter, meine kranke Nachbarin usw. usw. "Soll" ist bei uns absolut nicht negativ besetzt.
Als es meinem Mann in den Monaten vor seinem Tod immer mal schlecht ging, fragte ich ihn auch, ob ich einen Arzt rufen soll oder ihn ins KrHs bringen o.ä. ER weiß doch, wie es ihm geht oder was er braucht. Sollte ich ihn dann fragen, ob ich ihn ins KrHs bringen "darf" oder wie?
Es gibt Menschen, die müssen andere runtermachen, wenn es ihnen selber nicht gutgeht. Da könnte ich.....:-[:-[ Ein Freund meines Mannes war so, was hat der seine Frau runtergeputzt, auch vor anderen.
Sag Deinem Mann, dass er gefälligst sagen soll, was ihm WIRKLICH für eine Laus über die Leber gelaufen ist und er soll sich nicht hinter blödsinnigen Vorwürfen für Dich verstecken.
Das ist kindisch.
LG Moni