Ich frage für meine Freundin...

Hallo,

die Geschichte meiner Freundin ist mir anders herum passiert, daher bin ich befangen...


Situation: Sie hat sich Knall auf Fall heftigst in einen Bekannten/Freund verliebt. Sieht nach durch ein Hobby was beide 3 Monate gemeinsam betrieben jetzt zig Parallelen und ist hin und weg.
Er in einer Beziehung. Keine Kinder. Sie in einer Beziehung. Ehe, seit 20 Jahren zusammen, 2 Kinder.
Nach einer Kneipentour haben sie sich ihre Liebe nun gestanden. Dies hat alles noch befeuert. Gelaufen ist wohl nix, bis auf Gesäusele und Schmuserei.
Sie sagt, ihre Gefühle für ihren Mann seien weg oder verschütt. Sie sagt aber auch, bis zu dem Verlieben sei ihre Ehe rundum glücklich und sie sehr zufrieden gewesen .
Sie hat ihrem Mann auch alles gebeichtet. Jetzt sind beide total fertig: Er weil er Angst hat, dass sie doch vielleicht geht, sie weil sie ihm nicht klar sagen kann, was sie will.
Sie hat sich mit ihrem Verliebten jetzt ein Kontakt Verbot auferlegt, welches sie auch einhält. Sie denkt aber immerzu an ihn und hofft eigentlich dass er sich meldet.
Dem Verliebten geht es wohl auch schon besser und er kann wieder mehr Abstand gewinnen. Ihr geht es richtig mies. Ich finde sie schon auch egoistisch, was ich sonst null von ihr kenne.
Sie hofft zB, dass ihr Ehemann vielleicht jetzt auch eine andere kennenlernt und ebenfalls eine Trennung erwägt... Bei dem letzten Punkt war ich schon sehr kritisch mit ihr, ich finde das schon sehr feige. Ich habe ihr jetzt weder zur Trennung noch zu sonstwas geraten. Steht mir nicht zu. Ich habe wohl an sie appelliert, dass der Umgang fair bleiben muss.
Wer hat hier Erfahrungswerte? Wie schnell kann man sich entlieben? Denn das ist die andere Option, die sie jetzt sieht...

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Hallo,

das was deiner Freundin passiert ist, kann jedem passieren.
(Ist mir auch schon passiert.)

Ich finde nicht, dass deine Freundin feige ist oder dass man sie auf einen fairen Umgang extra hinweisen muss.

Deine Freundin hat sich fremdverliebt. (Das hat sie sich vorher sicher nicht ausgesucht.)
Sie hat den Kontakt zu diesem Mann abgebrochen, aber ihr geht es schlecht damit.
(Auch nicht verwerflich.)

Sie ist nicht fremd gegangen, sondern hat sofort mit ihrem Mann darüber gesprochen. Ich finde das mutig von ihr und alles andere als feige. (Viele Menschen hätten sich wohl eher dazu entschieden, heimlich eine Affaire zu führen, weil es so schon bequem wäre.)

Dass sie nun nicht so recht weiß, was sie will, kann ich ebenfalls gut nachvollziehen. Manchmal braucht es etwas Zeit, um mit solchen Situationen zurecht zu kommen und sich neu zu sortieren.

"Entlieben" kann man sich wohl nur, wenn man den Kontakt gänzlich abbricht.
Doch vermutlich wird das nicht den Kern der Problematik treffen, sondern nur das derzeitige "Symptom" bekämpfen.

Ich denke, sie sollte dringend mal darüber nachdenken, ob mit ihrer Ehe wirklich alles so stimmt, wie sie bisher dachte und daran arbeiten. Sonst dauert es nicht lange, bis der nächste Mann daher kommt, in den sie sich derart verknallt.

LG

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Danke für Deine Antwort!
Das war missverständlich ausgedrückt... Ich habe viel Verständnis für sie! Nur merke ich, dass da ein Teil in ihr ist, der es bequem fände, wenn ihr Mann jetzt gehen würde. Damit sie nicht "schuld" ist... das hat sie auch so zugegeben... Und da bin ich anderer Meinung. Und ich frage mich tatsächlich auch, ob ihr nicht eben doch etwas fehlt...

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Nicht böse gemeint, aber Affären sind alles andere als bequem.

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Sie hofft, dass ihr Mann eine andere kennen lernt.... Klingt nicht danach, dass sie ihren Mann liebt, sondern eher Mitleid empfindet.

An ihrer Stelle würde ich erstmal auf Distanz mit beiden Männern gehen, bis für mich klar ist wohin die Reise gehen soll.
Im schlimmsten Fall steht sie am Ende alleine da,wenn die Männer das nicht mitmachen.

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Hey! Danke Dir! Ich habe ihr auch zu Abstand geraten! Zu beiden !
Sie sagt zwar sie sähe sich alleine, hat aber panische Angst vor Veränderung. Verständlich....

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Deine Freundin ist fair. Sie hat sich ,nur‘ verliebt aber nix ist gelaufen. Und sie hat mit ihrem Mann geredet. Das ist der beste Weg, den sie in dieser Situation hätte einschlagen können. Dass sie jetzt darüber nachdenkt, ihr Mann würde sich auch verlieben, ist natürlich ziemlich unwahrscheinlich. Das weiß sie auch. Trotzdem wäre es dann leichter. Solche Gedanken sind verständlich.

Deine Freundin muss sich bewusst machen, was sie möchte. Will sie mit ihrem Mann zusammen bleiben? Dann müssen sie beide arbeiten an ihrer Beziehung. Und sie darf den neuen Mann nicht mehr sehen. Die Sehnsucht wird aber noch etwas anhalten. Dann reicht ein zufälliges Treffen, um die ganzen Gefühle wieder hochkochen zu lassen. Dann geht alles wieder von vorne los.

Wahrscheinlich ist in ihrer Ehe auch nicht alles in Ordnung. Das fällt dann im Nachhinein an solchen Dingen auf. Deswegen müssen beide etwas tun, wenn sie die Ehe retten wollen.

Oder sie geht. Damit habe ich keine Erfahrung aber die Leidenschaft füreinander wieder aufleben zu lassen, stelle ich mir echt schwer vor.

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Genau so!#pro

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Danke!
Sie hat ihrem Mann den Verknalltheitszustand leider nicht ganz freiwillig gestanden. Noch dazu, hat sie wirklich wegen akuter "Vermissung" des anderen, naja - ich würde sagen- Liebeskummer... Also die Sehnsucht ist massiv und Gefühle für ihren Mann sind wie weg. Dass das alles irrational und zu emotional ist, weiß sie selbst. Und obwohl sie sich Kontakt zu dem anderen wünscht, weiß sie , dass eine Zukunft mit diesem im Grunde unrealistisch ist.
Schwierig und am schmerzhaftesten für sie: Sie weiß nicht, was sie will. Sie hat ihrem Mann gegenüber plötzlich eine Blokade, sagt sie. Er leidet wie ein Tier und sie kann ihm nicht sagen: Es wird schon wieder. Als hätte der andere einen Schalter umgelegt.
Ich habe sehr offen nach ihren Bedürfnissen in der Ehe gefragt und ob da nicht doch was fehlte. Aber sie sagt Nein bzw sie wüsste nicht was. Das ist der Punkt, an dem ich doch überrascht bin. Kann ich in einem Moment noch glücklich und zufrieden sein, und 2 Monate später überlege ich 20 Jahre hinzuwerfen ?
Ich verurteile sie nicht. Garnicht. Ich will ihr nur bei der Entscheidungsfindung beistehen. Egal wie sie sich entscheidet. Ich war leider die Ehefrau eines verknallten Mannes. Solche Dinge passieren. Ich hätte nie gewollt, dass ihn jemand zwingt bei mir zu bleiben, obwohl er nicht will...

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Hm, warum ist Sie egoistisch? Klar ist es nicht schön, aber sie hat es gestanden ehe es zu was kam und hat die Karten auf den Tisch gelegt. Ich finde das fair. Nicht schön aber manchmal nimmt das Leben so einen Lauf.

Was sie tut muss sie entscheiden, an der 'Ehe arbeiten oder sie beenden, wenigstens hat sie es gesagt ehe sie was getan hat und das finde ich super ehrlich gesagt.

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Ich verstehe nicht ganz, weswegen du diesen Wunsch nach einer "Trennung von Seiten des Mannes" so hart verurteilst. Ist es denn so verwerflich, dass man sich nach einer "einfachen" Lösung sehnt und das vor einer Freundin aussprichst? Und eigentlich, zumindest aus meiner Erfahrung, spricht daraus eher der Wunsch, dass man an der Beziehung eigentlich festhalten möchte. Bei mir zumindest hat sich herausgestellt, dass es so war.

Ich hatte mich auch fremdverliebt, eigentlich rückblickend super dämlich, weil leicht zu verhindern gewesen. Es war jemand in den ich schon vor meinem Partner verliebt war, der mir aber signalisiert hat, er will mich gar nicht. Ich habe das also für mich verarbeitet und irgendwann Jahre später trafen sich unsere Wege wieder. Ich war verzweifelt.

Ich habe mit einer Therapeutin geredet. Habe das lange versucht mit mir selbst auszumachen. Rückblickend hätte ich da den Kontakt zu dem "Dritten" einstellen sollen. Ich glaube wir haben es uns nur unnötig schwer gemacht und lange versucht, Freunde zu bleiben. Doch es hat den Schmerz irgendwie nur maximiert und unnötig viel Kraft gekostet, da eine klare Grenze zu ziehen. Auch weil wir vollkommen andere Intentionen hatten. Der Mann in den ich mich verliebt hatte, hatte die Hoffnung, ich trenne mich doch noch. Und ja, vor dem Urlaub mit meinem Partner, den ich dann gemacht habe, hatte ich durchaus auch den Wunsch, dass sich mein Partner einfach trennt, weil er jemanden kennen gelernt hat. Mir kam das damals "fair" vor, aber wenn man innerlich zerrissen ist und unter Liebeskummer leidet, dann verblendet und verzerrt man gerne mal etwas.

Bin mit meinem Partner dann in den Urlaub gefahren und habe ihm dort unter Tränen gestanden, was in meinem Innern los ist und er doch schon lange geahnt hat, dass da was im Argen lag. Für mich war der Urlaub der beste Ort und die beste Variante. Wir hatten nur uns, keinen Alltag, da waren nur er und ich und das Chaos sich miteinander zwei Wochen den ganzen Tag auseinandersetzen zu müssen, denn es war klar, mit unsere Beziehung stimmt einiges nicht mehr. Wir hatten das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit wieder Sex, den ganzen Tag nur geredet und uns aktiv füreinander entschieden.

Es hat uns aber noch zwei Jahre gekostet, bis wir das wirklich verarbeitet haben. Heute kann ich ihn wieder ansehen und sagen, dass er der Mann meines Lebens ist, vielleicht auch gerade, weil wir das überwunden haben. Für mich ist aber auch klar, dass ich nicht noch einmal Situationen entstehen lasse, in denen so etwas geschehen kann. Es gibt einige Faktoren, die das Entstehen von "Verliebtheit" begünstigen. Aber nur weil "Eros" entflammt, fehlen da noch andere Komponenten der Liebe, die nur mit der Zeit entstehen kann. Nur weil das Bauchgefühl "Feuer und Flamme" ist vor Leidenschaft, sind eben Kopf und Herz noch lange nicht im Boot. Wir Menschen lassen uns gerne täuschen, und verwechseln Bauchliebe mit Herzensliebe, was fatale Folgen haben kann.

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Huhu,

Danke für Deine ehrliche Antwort.
Ich habe das Ganze von den anderen Seite aus erlebt... daher bin ich sicher auch befangen.
Mein Mann hatte plötzlich -oder auch nicht so plötzlich- eine Verehrerin und er fand sie auch toll. Sie haben geflirtet und es gab für meinen Mann diese neue Welt. Ich war abgeschrieben und konnte im Vergleich eh nur verlieren. Es lief auch nichts mit der anderen und er war sehr offen zu uns. Er hat damals immer gesagt, dass er sich NICHT trennen will. Ich habe aber selbst damals oft den Eindruck gehabt: Er will einfach nicht der Buh-Mann sein, er wartet einfach bis ich gehe. Das hat mich damals sehr wütend gemacht! Ich fand es einfach feige. Aber wie gesagt, ich hatte auch eine andere Rolle. Bei uns hat es dann auch tatsächlich im Urlaub diese aktive Entscheidung füreinander gegeben. Wir haben aber auch noch lange dran arbeiten müssen und erkennen müssen, wie es überhaupt dazu kommen konnte.

Ich bedrängen meine Freundin garnicht, in keine Richtung. Ich bin nur da für sie. Ich kann vieles auch sogar nachvollziehen.

Nur dass man nach 3 Monaten eine Ehe bereit ist hinzuwerfen, die noch dazu bis dato scheinbar optimal lief... Das leuchtet mir nicht ein. Das war nämlich bei uns schon anders. Wir hatten unsere Baustellen, und haben es einreißen lassen.