Arbeitsloser Ex-Ewigstudent?

Arbeitsloser Ex Ewigstudent

Hallo, es geht um meinen Mann. Er ist unlängst 36 Jahre alt geworden. Er ist 2018 im Dezember mit seinem Masterstudium fertig geworden. Insgesamt hat er, Achtung, etwa 15 Jahre für Bachelor und Master gebraucht. Elektrotechnik übrigens. Er hat in dieser Zeit kein Praktikum gemacht. Er hat einige Jahre als Bäckereiverkäufer etwa 25 Stunden in der Woche gearbeitet. Das Studium hat er mit einem Schnitt von geschätzt 2,5 bis 3 abgeschlossen. Es fehlte ihm lange an Motivation, weshalb das ganze auch ewig gedauert hat. Er wollte es aber unbedingt beenden, meinte auch eigentlich, dass ihn der Bereich definitiv interessiert

Nun ist er seit dem er fertig studiert hat arbeitssuchend. Er hatte 4 Vorstellungsgespräche, alle mit Absagen. Lediglich letzten Oktober bis Dezember nahm er eine mehr als unterbezahlte Trainee Stelle an, die er dann eben auch wieder gekündigt hat, weil das dort zusätzlich zum niedrigen Gehalt auch noch kaum was mit seinem Studium zu tun hatte.

Nun kommt meine Frage. Meint ihr, dass er überhaupt jemals einen Job bekommen wird? Ich persönlich sehe seine Chancen als so gering, dass ich ihm das gerne sagen würde und ihn nahe legen würde sich komplett neu zu orientieren. Meiner Meinung nach ist er das letzte Glied unter allen Bewerbern und ich persönlich würde mich auch nicht für ihn entscheiden, als Arbeitgeber, weil mindestens ein anderer besser geeignet sein wird.

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Wie wäre es wenn er einstweilen einen anderen Job macht? Piep egal ob es was mit seinem Studium zu tun hat oder nicht. Wobei er beim langjährigem Studium ohnehin nicht der Motivierteste war.
Tut mir leid, aber für mich klingt es so als sei er einfach zu faul zum Arbeiten. Kann das sein?
Neu orientieren? Da hätte ich Angst das er nochmal 15 Jahre braucht.

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Dass er im Studium keine Arbeitserfahrung in dem Bereich gesammelt hat, ist natürlich nicht förderlich, klar. Aber nach 4 Vorstellungsgesprächen sollte er noch nicht aufgeben. Wenn du sagst, dass ihn der Bericht an sich interessiert, dann ist es vielleicht zu früh, sich umzuorientieren. Gibt es denn Stellen in eurer Region?

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Das ist einer DER aktuellen Mangelberufe, war er schon beim Arbeitsamt?

Die müssen da doch Stellenangebote haben. Das wird schon noch!

Ich würde ihm an deiner Stelle den Rücken stärken und ihn mental unterstützen!

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Naja Elektriker werden gesucht sprich Handwerker, Leute, die arbeiten können und Ahnung von der Praxis haben.

Bei uns haben sich auch Leute mit Masterabschluss beworben und sagten bereits beim Vorstellungsgespräch, dass sie keine Berufserfahrung haben aber gerne Summe x verdienen möchten... Sowas brauchen wir aber nicht.

Ich finde es allgemein schwierig ohne Praxiserfahrung in dem Beruf zu arbeiten, denn selbst als Elektroplaner sollte er nicht nur in der Theorie wissen wie welche Schaltung aufgebaut wird.

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Kommt vielleicht drauf an, wo man wohnt. Flexibel muss man natürlich schon sein.

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Dreifache Studienzeit, ein Jahr arbeitslos und nur vier Vorstellungsgespräche - tut mir leid, das klingt mir nicht nach sehr viel Engagement. Warum machte er kein Praktikum? Da hätte er sich schon in eine Richtung orientieren können.
Elektrotechnik ist so ein breitbandiges Studiengebiet, auf den Mann müssten einige Betriebe warten - wenn vielleicht auch nicht direkt am Wohnort.
Ich habe zehn Jahre lang Männer und Frauen beim Übertritt von der Bundeswehr ins Zivilleben erlebt (Berufsförderungsdienst), ihnen bei Bewerbungsschreiben geholfen, zu Bewerbungstrainings vermittelt und einiges mehr. Ein Bewerbungstrainin des Arbeitsamts oder eines anderen Bildungsträgers ist absolut empfehlenswert, man geht ganz anders in ein Vorstellungsgespräch rein.
Zeitungsanzeigen, mehrere Internetportale,
(nur ein Beispiel von vielen: https://de.indeed.com/Bachelor-Elektrotechnik-Jobs), Initiativbewerbungen bei allen Betrieben, die man so kennt - sorry, aber ich traue mir immer noch zu, mit einem Mann mit dieser Ausbildung 15 - 20 Vorstellungsgespräche in einem Jahr zu erarbeiten. Darf allerdings nicht an seinem Wohnort kleben.
Hast Du subjektiv die Meinung, dass er aktiv sucht? Wie lebt ihr gerade? Von Deinem Geld? Habt ihr Kinder? Also ich würde von ihm ganz sicher etwas mehr Einsatz erwarten, als mit schlecht bezahlten Aushilfsjobs so herumzudümpeln.
Noch eine "Neu-Orientierung" bringt nichts. Zum einen hätte ich Sorge, wie lange er dafür braucht und zum anderen braucht der Mann Praxis und nochmal Praxis. Ewige Theoretiker werden nicht gesucht. Hätte während seiner Arbeitslosigkeit schon längst in verschiedene Firmen reinschnuppern können, da macht sich auch besser im Lebenslauf.

Nicht böse sein, dass ich so direkt schreibe. Aber auch meine erwachsenen Kinder waren mehrfach arbeitslos, auch mein Mann und andere Familienmitglieder - aber da kenne ich Arbeitssuche eben anders.
Versuch ihn mal etwas "anzustoßen", dass er ins Rollen kommt - er kann sich doch so auch nicht wirklich wohlfühlen ?!?!
LG Moni

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Sehr hilfreiche Tipps #pro

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So ein ewiges Studium sieht schon alleine im Lebenslauf komisch aus, kommt da nun noch die Bewerbung für was ganz anderes dazu...

Was hat er denn erwartet? Er hat sich nie bemüht, sonst wäre er wohl mal auf die Idee gekommen Praktika oder Aushifsjobs in seiner Studienrichtung zu machen oder wäre sehr viel schneller fertig gewesen.

Wenn er überhaupt Fuß fassen will, wird er das wohl oder übel von ganz weit unten machen müssen und mit Leistung überzeugen.

Wenn es noch nicht zu spät ist, rate ich dringend zu Verhütung. Der Mann wird nie vernünftig finanzielle Verantwortung tragen können und ewig arbeiten damit er eine Rente beziehen kann.

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4 Vorstellungsgespräche kriegt man nicht einfach so. Irgend etwas scheint die Leute ja beeindruckt zu haben, dass zu persönlichen Gesprächen vorgeladen wurde. Klar ein positives Zeichen. Ich würde nun an seinen Selbstmarketing-Skills ansetzen. Was ging (wohl) schief in den Gesprächen? Man sollte authentisch sein und gleichzeitig 'das Richtige' sagen - eine Gratwanderung, ich weiss. Ich würde ihm zum jetzigen Zeitpunkt definitiv noch den Rücken stärken und ihn noch nicht aufgeben. Habt ihr Interviewgespräche zusammen geübt, so richtig mit allen möglichen (ja, auch dämlichen) Fragen, die kommen könnten? Ich denke, das kommt schon!

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Interviewgespräch mit einem Laien bringt nicht viel (ist NICHT abwertend gemeint). Dafür gibt es professionelle Bewerbungstrainings, die teilweise Personalchefs von Firmen als Mit-Dozenten haben usw. also richtig realistische Bedingungen.
Man kann einiges falsch machen und da gehört man schon vorbereitet. Kann man auch bei der Arbeitsagentur bekommen.
LG

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Ich würde nicht so schnell aufgeben. Er kann immer noch betonen, dass er Familie gegründet hat, nebenbei arbeiten musste, aber nie das Interesse an dem Fachgebiet verloren hat. Immerhin hatte er genug Elan und Motivation, es abzuschließen. Und so ein Fachgebiet hat immer Chancen, besser als wenn er Philosophie oder andere Geisteswissenschaften studiert hätte. Er kann sich professionell coachen lassen wie er sich am besten verkauft. Motiviere ihn zusätzlich! Viel Glück

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Hallo

Eine so lange Studienzeit ist schon eine Nummer, bei ein paar Richtungen wäre das ein KO, aber bei einem technischen Studium sieht es schon anders aus...

Wie viele Bewerbungen hat er den schon abgeschickt? Wie viele schickt er aktuell pro Monat ab? Hat er sich während der Trainee Stelle weiter beworben?

Wie motiviert ist er generell?

Vier Gespräche sind in manchen Branchen nicht viel (zb über 100 Bewerbungen auf eine Stelle, 10 werden eingeladen, was ja schon ein Kompliment ist, aber nur EINER kriegt zum Schluss einen Job). Über was anderes nachdenken kann er ja, aber im Moment auf jeden Fall so viel wie möglich - und ohne Ausreden - bewerben!

Noch Mal, weil wichtig: wie sieht es mit seiner Motivation aus?

LG

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Ich kenne mehr Akademiker die fachfremd Arbeiten als in ihrem Fachgebiet. Ingenieure, Mathematiker und Physiker die als Programmierer und Administratoren arbeiten, Chemiker, Ethnologen und Geowissenschaftler die im Management und Verwaltung arbeiten usw.

Insbesondere Geisteswissenschaftler müssen damit rechnen, als Quereinsteiger zu arbeiten. Das ist absolut nichts Ungewöhnliches, man muss sich halt einarbeiten - Das wird einem als Akademiker meist zugetraut.

Ich habe wegen Depressionen leider auch sehr lange für meinen Bachelor gebraucht und dann bin ich 3 Jahre wegen EZ ausgefallen und studiere nun weiter. Ja, nicht optimal, ich werde wohl auch erst Mitte 30 fertig werden. Es belastet mich etwas, dass mein CV eine Katastrophe ist (kann ja schlecht meine Prüfungsangst und Depressionen im CV erwähnen, dann lädt mich keiner ein). Ich finde es aber absolut okay fachfremd zu arbeiten. Ich habe in Verwaltungen gejobbt und finde den Bereich sogar ganz ansprechend, jedoch: Erst ein Master eröffnet mir die Tür für interessante Jobs in der Verwaltung in der ich auch mehr Verantwortung tragen und zum Beispiel Abläufe optimieren könnte.

Ich habe das Gefühl, dein Mann dümpelt so rum ohne klare Idee was er will, obwohl er den Abschluss nun hat. Sein Abschluss/CV ist nicht optimal, er kann dann nicht einfach einen Job kündigen, nur weil er nicht "perfekt" ist. Für seinen "Traumjob" muss er sich nun anstrengen und beweisen, dass er was kann. Er braucht Arbeitserfahrung, es muss im CV zeigen, dass er bereit ist zu arbeiten und zu leisten. Man kann parallel immer nach was besseren suchen, aber einfach hinschmeißen, weil es nicht "ideal" ist, das sollte man nicht tun.

Wie viele Bewerbungen hat er denn überhaupt geschrieben. Auch Akademiker müssen gut und gern mehrere hundert Bewerbungen schreiben, insbesondere wenn sie etwas suchen, das ihre Qualifikationen etwas übersteigt bzw. wenn der CV nicht optimal ist. Es ist machbar, aber es kommt einem nicht zugeflogen.