Komme in Deutschland nicht klar

Ich habe lange Jahre nicht in Deutschland gelebt, und bin jetzt seit 10 Monaten wieder hier.
Wir leben zur Zeit in Süddeutschland, ziehen aber bald um in den Osten.
Ich komme hier einfach nicht an.
Die Gesellschaft und ihre Konventionen hier....ich hätte Deutschland für moderner gehalten.
Mein Partner und ich sind nicht verheiratet, wir haben auch keine gemeinsamen Kinder.
Ich habe zwei Kinder von zwei Vätern und das sieht man auch.
Ein Kind ist von einem Kenianer, das andere von einem Inder.
Mein Partner hat auch ein
Kind, was seit 6 Monaten bei uns lebt, die Mutter ist Chinesin.
Ich arbeite Voll, völlig normal in meinen Augen.
Ich habe eine Nanny gesucht und die anderen Mütter angesprochen, ob sie mir da eine Empfehlung aussprechen können...😃
Es gab Erstaunen, Ungläubige Blicke und den Hinweis, dass sich hier die Mütter! ab spätestens 16.00 selbst kümmern.
Halbtags arbeiten und gut....das war der Tipp.
Dann die Kinder, sie fallen natürlich auf rein äußerlich.
Und es ist auch klar, dass mein Partner nicht der Vater sein kann und ich nicht die Mutter seines Kindes.
Er ist zwar auch kein Deutscher, aber man sieht es halt.
Alle drei Kinder eben völlig unterschiedlich vom Aussehen.
In der Schule haben mich mehrmals Eltern gefragt wie wir so unterschiedliche Kinder adoptieren könnten...
Wenn ich dann sage, dass die alle "selbst gemacht" sind, dann sieht man die Fragezeichen in den Augen.
Wir leben in einer Kleinstadt, ich hoffe doch in Berlin wird das niemand interessieren.
Die Mütter tratschen über mich/ uns.
Die Kinder werden in der Schule ganz normal behandelt, aber bis auf ein oder zwei Kinder, kommt kein Kind zu uns zum Spielen.
Eine Wohnung zu finden war auch eher gewöhnungsbedürftig....
Die Fragen der Vermieter waren teilweise grenzwertig.
Ist das nur in bestimmten Regionen in Deutschland so?
Ich kenne das in dem Ausmaß nicht...

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Süddeutschland ist leider - genau wie Österreich, wo ich herkomme - nicht grade für Toleranz bekannt.
Alles, was nicht in die "Norm" fällt, wird kritisch beäugt. Schrecklich!

Versuch es gelassen zu sehen. Lächeln, winken und Arschloch denken.

In Berlin wird das bestimmt besser, denke ich.

LG Claudi

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Ich würde nicht auf ganz Österreich festlegen. Das finde ich nicht in Ordnung. Den somit greifst du mich auch an oder setzt mich damit gleich.
Im Grunde sind Großstädte in diesem Bezug immer besser, als kleine Orte.

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Im Grunde hat sie recht mit Österreich. Ich lebe in Wien, was noch am 'offensten' sein sollte und kenne genug Menschen mit rückständigen Meinungen. Andere Hautfarbe wird eher angenommen, aber vollzeitarbeitende Mütter schon weniger (und fangen wir erst Recht nicht an über arbeitende Mütter direkt nach dem Mutterschutz zu reden). Teile Deutschlands sind da sicher nicht anders.

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Ihr seid ja eine Multikultifamilie. Wahnsinnig cool! Ich fände es eher interessant, aber ich glaube, dass gerade in kleinen Städten diese Offenheit nur nach außen gelebt wird.
In den Köpfen sind viele für andere Familienformen als Mutter-Vater-Kind noch nicht offen.

Ich denke, dass ihr in einer Großstadt weniger das Gefühl haben werdet, aufzufallen.

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Warum ihr alle unterschiedlich ausseht wirst du wahrscheinlich immer wieder erklären müssen. Würde ich euch sehen, würde ich wahrscheinlich auch als erstes denken, dass die Kinder adoptiert sind. Damit würde ich aber verbinden, dass ihr ein großes Herz für Kinder habt. Also nichts Negatives.
Würde ich dann wissen, dass es eure Kinder sind, würde ich es interessant finden und würde mehr erfahren wollen. Z. B. Wie lange du wo gelebt hast, ob die Kinder mehrere Sprachen sprechen. Sowas halt.
Denn wann trifft man schon auf so eine multikulturelle Familie?
Ich finde da nichts Abwertendes dabei.
Es tut mir auch leid für euch, dass ihr auf so engstirnig denkende Menschen trefft und eure Kinder auf Grund ihrer Herkunft zum Teil ausgeschlossen werden.
Ich denke auch, dass ihr in einer Großstadt wahrscheinlich weniger Probleme haben werdet.
Solange ihr trotzdem noch genügend Zeit für eure Kinder habt, spricht doch nichts gegen eine Nanny. Schlimm finde ich es nur, wenn Menschen Kinder in die Welt setzen, die dann nahezu rund um die Uhr Fremdbetreut werden.
Aber wie es bei euch ist weiß ich ja nicht.
Alles Gute für euch!

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Hallo,


ich denke das kann dir über all passieren. Ich vermute aber auch, das je größer die Stadt ist, je kleiner das Problem wird. Allerdings nimmt in meinen Augen auch die Ablehnung gegen andere Kulturkreise allgemein zu( ist aber nur mein persönlicher Eindruck).

Ich weiß auch das Frauen die mehrere Kinder von verschieden Männern haben zum Teil schief angesehen werden. Das ist in meinen Augen zwar eine sehr veraltete Auflassung, sie ist aber leider immer noch anzutreffen.

Versucht euer Leben zu leben und lasst euch von " dummen" Äußerungen nicht beeindrucken.

Freundliche Grüße

blaue-Rose

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Guten Morgen,
ich kann zwar nur für Bremen sprechen und nicht für Berlin, aber hier kräht echt kein Hahn nach der Abstammung. Durch die Geschichte der Hanse ist Bremen seit jeher ein Drehkreuz für Händler aus vielen fremden Ländern gewesen, und gerade das Stadtviertel in dem ich lebe ist durch seine lange Hafentradition schon immer bunt gemischt gewesen. Es gibt zwar auch etwas konservative Stdtteile, aber im Großen und Ganzen heisst es hier: leben und leben lassen.
Denke in Berlin wird das nicht viel anders sein.
Einen schönen Tag,
Alexandra

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Also was Voll arbeitende Mütter mit drei Kindern betrifft, bist du in Süd-West-Deutschland tatsächlich auf dem
Mond gelandet. Da wirst du im Osten besser ankommen, denn da ist es normal das Mütter ab dem 1lj wieder arbeiten, die Kids in Kita und Hort sind.

Ansonsten sind Fragen bei privaten Vermietern leider immer dümmlich. Da muss jeder durch.

Gib dir Zeit. Kommt erstmal an und versuche es deine Kinder nicht spüren zu lassen.

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Das ist verallgemeinernd. Ich habe wie andere Mutter nach dem Mutterschutz nach der Geburt des 1..Kindes wieder Vollzeit gearbeitet. Wurde ausgerechnet von ostdeutschen Frauen darauf angesprochen, dass das doch nicht geht. Ich komme aus Süddeutschland. Bei uns gibt es alle möglichen Kombinationen. Ich kenne es auch nicht dass man wegen augenscheinlich verschiedene Abstammung der Kinder angesprochen wird.

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Also ich lebe schon immer in Ostdeutschland. Ich kann es bestätigen, dass die Mütter hier überwiegend 1 jahr Elternzeit nehmen und einen Vollzeitkimdergartenplatz in Anspruch nehmen.
Es war im Osten scheinbar schon immer so, dass die Frauen nach der geburt wieder voll arbeiten gegangen sind. Ich erinnere mich noch an die wochenkrippe zu ddr Zeiten. Da wurden die Kinder Montag morgen abgegeben und Freitag erst wieder geholt( schrecklich).
Die Zeiten sind zum Glück vorbei, aber an allem anderen empfinde ich nichts verwerfliches.
Ich könnte mir aber gar nicht vorstellen, 2 Jahre zuhause zu bleiben ohne Geld. Ich finde das elterngeld für ein Jahr schon wenig. Wir haben immer 2 gute Vollzeit Einkommen gehabt. Bin froh, nach der Elternzeit wieder volles Geld zu verdienen. Vom Mann *aushalten lassen* möchte ich nämlich nicht.

Lg

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Wo hast du denn bisher gelebt, dass ihr mit dieser bunten Konstellation nicht aufgefallen seid? Wenn dann auch noch die Väter bzw. die Mutter zum Umgang da sind, fällt eure Truppe eben auch.

In Vollzeit arbeitende Mütter sind in Deutschland mit einem Anteil von rund 25 % vertreten, wobei es erhebliche regionale Unterschiede gibt. Mich wundert allerdings, dass du davon überrascht bist, du hast doch früher hier gelebt und macht man sich bei so viel Weltoffenheit nicht schlau, wie die Verhältnisse im Land sind, in das man einreist?

Exotisch bist du aber als voll Erwerbstätige aber jedenfalls nicht, da wundert es mich schon, dass du deshalb schräg angeschaut wirst. Vielleicht haben sich die Mütter auch über die Erwartungshaltung gewundert, dass die Beschäftigung einer Nanny selbstverständlich ist. Hätte mich jedenfalls auch gewundert. Ich war zwar immer in Vollzeit tätig, hätte aber zu der Frage auch nichts sagen können.

Die Frage nach entsprechender Kinderbetreuung in Einrichtungen hätte man dir bestimmt besser beantworten können.

Ansonsten kann ich dir für ein besseres Ankommen - das gilt auch für Berlin - empfehlen, deine Ansichten zum Ausmaß der altmodischen Konventionen unter Hervorhebung der eigenen, natürlich weniger rückständigen Einstellung erst mal für dich zu behalten. Es kommt besser an, andere so leben zu lassen, wie sie es möchten, ohne die Nase zu rümpfen. Dir bleibt das ja auch unbenommen, sofern man der unterhaltsamen Geschichte Glauben schenken möchte.

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Fehler in Satz 2: die Truppe fällt natürlich "auf" und nicht "auch".
Kennt jemand noch ein Forum, bei dem man unmittelbar nach dem Absenden Fehler nicht korrigieren kann?

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ich glaube gerade der süden deutschlands ist recht traditionell und konservativ und ihr fallt als multikulti familie dort sehr auf.
ich wohne in marburg (hessen) hier interessiert es niemand und dadurch das es auch eine studentenstadt ist, sind viele verschiedene nationen vertreten.
ich als deutsche mit einem ausländischer verheiratet kann mir keine bessere stadt vorstellen.
ich vermute in berlin wird es so ähnlich sein, erstens großstadt und zweitens leben dort auch viele verschiedene menschen.
lasst euch nicht unterkriegen.

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Öhm ja, was genau dachtest du denn, hat sich in ein paar Jahren in diesem Land geändert?

Denn grundsätzlich müsste dir ja bekannt sein, wie es hier läuft. Klar, vielleicht hattest du einen anderen Fokus, keine Kinder oder so.
Aber zumindest ein Fettnäpfchen hättest du vermeiden können, sorry, in einem Kaff nach einer Nanny fragen....ja, wir hier hätten zumindest grölend auf dem Boden gelegen. Einfach weil wir es für einen Witz über unser Betreuungssystem gehalten hätten.

Und ich denke, getratscht wird auf der ganzen Welt. Und wie auch im Rest der Welt wartet niemand auf einen, will man irgendwo ankommen, dann muß man dafür was tun. Und man muß sich vorher etwas schlau machen, wenn du jetzt schon in einem Kaff die Wohnungssuche merkwürdig findest, dann warte mal auf die Großstadt.

Irgendwie kann ich nicht glauben, das du Deutschland kennst, vielleicht nur als Kind?

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Nicht ganz, ich bin jetzt Anfang 40 und habe Deutschland nach dem Abitur verlassen.