Ab wann spricht man von einem Alkoholproblem?

Guten Abend,

Ich möchte Euch um eine Meinung bitten.


Ab wann fängt für Euch ein Problem mit Alkohol an? Was sind die Anzeichen ?

Kurz zu meinem Mann:

Er trinkt gerne Bier/ Jacky und Vodka.

Manchmal kann er wochenlang nix trinken.
Manchmal scheisst er gleich rein und trinkt mehrmals in der Woche.

Feierabendbierchen oft
Freunde kurz zu Besuch, wird zu Alkohol gegriffen

Baustelle aushelfen, nach der Arbeit, wird getrunken

Feierlichkeiten wird immer gesoffen


Wegen Alkohol gibts oft Streit, ich bin keine verklemmte Sau aber möchte Euch schildern wieso es mich stört.

Er hält sich nicht an Abmachungen

Bleibt länger weg mit Kollegen um zu trinken

Momentan hat er Urlaub und gönnt sich beinah täglich was

Nun ist er grad angetrunken und hat so unsere 3 jährige Tochter ins Bett gebracht!!! Bei aller Liebe aber das ist mir einfach zu viel des Guten.

Ich trinke selber gerne mal ABER nur tatsächlich wenn große Feierlichkeiten anstehen die vielleicht 1 mal im Monat anstehen wenn nicht sogar noch weniger...

Er sagt er hat kein Problem und kann darauf verzichten...okay

Paar Tage, manchmal paar Wochen geht es gut aber dann artet es wieder aus...

Ich bin pissig und hab mich grad ins Bett gelegt weil ich weiß zu diskutieren nützt jetzt in dem Zustand absolut nichts.

Eigentlich möchte ich nur von Euch wissen wie ihr zu dem Thema Alkohol steht und ab wann es in euren Augen zu viel wird..?

Bitte um einen netten und ruhigen Austausch

Ich brauche keine Vorwürfe, ich möchte auch diesbezüglich nicht übertreiben und die Spielverderberin sein aber das vorhin mit seinem Zustand und unserer Tochter hat mir einfach den Rest gegeben 😒

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Die Frage, wo Missbrauch aufhört und Sucht anfängt , ist gar nicht so leicht zu beantworten.
Und dann gibt es ja noch die Differenzierung zwischen physischer und psychischer Sucht... man ist ja nicht gleich von heute auf morgen Pegeltrinker, auch wenn man schon längst nicht mehr ohne Alkohol kann.

Es ist aber auch total egal, ob und inwiefern dein Mann den Kriterien eines Alkoholikers entspricht. Selbst wenn er morgen bereits mit Korn gurgeln würde, machst du da als Außenstehender nix dran, denn Alkoholismus ist eine Krankheit, die einem einredet, man hätte sie nicht. Betroffene sind häufig die letzten, die ihr Problem erkennen und du stehst als Angehörige vor einem Dilemma, das du nicht auflösen kannst: streitet er ab, süchtig zu sein, weil er süchtig ist oder streitet er es ab, weil es wirklich nicht stimmt? Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich an dieser Frage, jahrelang abarbeiten kann, ohne eine Antwort zu finden...

Spart dir solche Überlegungen. Sie sind nicht zielführend. Fakt ist, dass du ein Problem mit seinem Konsum hast und das darfst du auch haben. Selbst wenn alle anderen Frauen in deiner Umgebung es okay finden, wenn ihre Kerle bei jeder Party saufen, ist es absolut in Ordnung, dass du da an deine Grenzen stößt.
Es hat meines Erachtens nichts mit Spaß verderben zu tun, wenn man wenig Freude dabei empfindet, den Partner häufig deutlich alkoholisiert zu sehen und es als ein No go zu empfinden, dass er das Kind angetrunken ins Bett bringt.

Das sind deine Grenzen und du hast ein Recht drauf, die zu artikulieren. Du bist deswegen keine Spaßbremse und du bist zu recht "pissig", wenn dein Partner deine Bedenken bagatellisiert und einfach so weiter macht. Das ist wenig partnerschaftlich.

Er setzt sein Saufen über deine Bedürfnisse und die des Kindes? Sollte ihm nicht wenigstens das zu denken geben?

Glaub mir, ich habe das jahrelang durch. Lass dir nicht einreden, dass du das Problem bist.

Wenn Alkohol ein Problem ist, ist Alkohol das Problem.

Ich weiß nicht, warum unsere Gesellschaft da so einen blinden Fleck hat (doch, ich weiß es, aber das führt zu weit). Ersetze in deinem Text Alkohol durch Kiffen oder eine andere Droge und du würdest ganz viel Verständnis ernten.

Was ich an deiner Stelle machen würde? Meine Grenzen knallhart artikulieren und mich nicht selbst kleinreden, dass du Spaßverderberin bist.
Und wenn du merkst, dass du damit nichts ausrichtest, tja, dann würde ich mich trennen.

Ich hampele damit noch rum. Ich weiß also, wie blöd die ganze Sache sein kann.

Al anon könnten dir vielleicht helfen.

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Vielen herzlichen Dank für deinen tollen und hilfreichen Beitrag!!!!🙌🏼🙌🏼🙌🏼

Tatsächlich kriege ich oft zu hören ich soll nicht übertreiben und es so hinnehmen, in den meisten Fällen tue ich das auch aber in solchem Fall wie heute zb konnte ich nicht einfach drüber weg sehen und es beschäftigt mich 😕

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Tatsächlich ist es höchstwahrscheinlich so, dass du das Problem hast, nicht er. Das soll nicht heißen, dass sein Konsum harmlos ist, sondern ihm höchstwahrscheinlich egal. Er kann damit wunderbar leben. Du halt nicht.
Deswegen rechne damit, dass er keinen Anlass sieht, irgendwas zu ändern. Du musst überlegen, wo deine Grenzen sind.

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Ps: Ich habe etwas vergessen hinzuzufügen.

Meinem Mann sieht man den Alkoholkonsum extrem an. Sogar nach 1-2 Bier. Es gibt tatsächlich Menschen die trinken bis zum geht nicht mehr und denen merkt man das irgendwie nicht an aber mein Mann wird tatsächlich unausstehlich und leiert nach einem Bier als hätte er einen Kasten weggesoffen 🧐

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2 zielsichere Fragen:

1. kann er vormittags/bereits nach dem Aufstehen was trinken?
2. Wenn er anfängt zu trinken, hat er dann Probleme damit aufzuhören?

Wenn beide mit "Ja" beantwortet -> Alkoholproblem.

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Hey
1 Frage definitiv nein und die zweite jein...

In der Woche beim Bier bleibt es auch bei 1-2 Bier.

Stehen größere Sachen an wie Partys oder länger mal auf einer Baustelle aushelfen dann gibts oft kein Stopp mehr.
Es ist tatsächlich so schwer im allgemeinen zu beantworten weil es immer so unterschiedlich sein kann 😕

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Das ist exakt so wie bei meinem Mann.
Nur, dass bei uns jeden Freitag oder Samstag Anlässe gefunden werden, wo gebechert wird ohne Rücksicht auf Verluste.

Was mich am meistens verletzt, ist, dass er sich dabei nicht an Absprachen hält. Ich kann mich nicht drauf verlassen, dass er nichts oder wenig trinkt, wenn er aufs Kind aufpasst.

Unsere Ehe ist daran fast zerbrochen, wir haben schon die Sxheidung durchgerechnet, angeblich hat er es JETZT verstanden. Mein Vertrauen ist aber zutiefst erschüttert.
Ich vergleiche seinen rücksichtslosen Konsum gerne mit einer Affäre:
Augenscheinlich nimmt man dem Partner nix weg. Er wird nicht ausfällig, wenn er getrunken hat. Aber ich kann mich nicht auf ihn verlassen, ich habe keine Priorität, ich habe 0 Mitspracherecht, weil dann sofort die Bevormundungskeule rausgeholt wird.

Eigentlich erwarte ich heute, dass er mit mir die Schäden, die durch seinen Missbrauch an der Beziehung entstanden sind, mit mir aufarbeitet. Es ist aber bis heute so, dass da keine Problemeinsicht bei ihm ist. Er will sich jetzt zusammenreißen, weil er mich sonst verliert, nicht weil er sich einer "Schuld" bewusst ist. Ich bin nach wie vor die, die das Problem mit seinem Konsum hat, sein Konsum ist in seinen Augen unproblematisch...

Das ist alles so kompliziert. Ich hasse Alkohol. Ich trinke als Konsequenz für all das Leid, das ich durch ihn erfahren habe , keinen Tropfen mehr.

Ich wünsche dir viel Glück. Bleib stark und bei dir.

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Kurz und knapp: aufgrund deiner Schilderung ist es sehr naheliegend, dass mindestens ein Alkoholmißbrauch vorliegt, vermutlich eher schon eine Abhängigkeit

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Das habe ich versucht ihm vorsichtig nahe zu legen bzw. habe ihn gefragt ob es ihm fehlt und darauf hin meinte er...so wie manche Gelegenheitsraucher sind so bin ich auch ein Gelegenheitstrinker 🤷🏻‍♀️

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"Bin keine verklemmte Sau" und "ich bin pissig"
Na, hast du dich im Jargon schon dem Alk Konsum deines Mannes angepasst?
Ob sowas für ein Kind vorbildlich ist, sei mal dahingestellt..


Zur Sache:
Wenn er wochenlang nix trinkt und nach 1 bis 2 Bier aufhört ist alles ok. Ich denke, auch bzgl deiner Ausdrucksweise, ihr seid noch jung. Er will wohl einfach noch ein wenig leben und auch mal fünfe grade sein lassen.
Du wirkst aggressiv. Wenn du immer so steitsuchend bist will er wohl einfach mal feiern und Spaß.

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Wir sind beide 30....haben 3 Kinder, ich denke ich darf auch ab und zu pissig sein wenn er sich nicht an gewisse Abmachungen hält. Alkohol an sich ist nie ein Thema denn wie gesagt, ich trinke selber gerne mal aber nenne es halt nicht aus meiner Familie und unseren Umkreis dass man „grundlos“ trinkt...

Darf ich fragen aus welchen Sätzen du raushören willst wie „jung“ ich bin ?

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*kenne

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https://www.oberbergkliniken.de/selbsttest-alkoholabhaengigkeit

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Ein Alkoholproblem fängt da an, wo Du dich anfängst zu fragen, wo ein Alkoholproblem anfängt und dafür einen Beitrag bei Urbia schreibst. ;-)

Es ist vollkommen egal, was das Lehrbuch sagt. DU hast ein Problem mit seinem Alkoholkonsum (und das hätte ich an Deiner Stelle auch, zumal er nichts verträgt undcso kein dreijähriges Kind betreuen sollte), das ist hier ausschlaggebend. Leider muss er selbst das Problem einsehen und was ändern wollen. Will er das nicht, kannst Du nur in die Co-Abhängigkeit geraten oder gehen.

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Ich glaube, du kannst es vergessen, ihn davon zu überzeugen. Wichtig ist, dass du für dich eine Position findest. Findest du seinen Konsum ok oder ist es dir zu viel? Überschreitet er Grenzen?

Es gibt Kriterien, die du ranziehen kannst, um für dich abzustecken, ob er vielleicht ein Problem hätte- ABER es gibt so viele verschiedene Alkoholikerarten, dass dein Partner durch das Raster fällt, wenn du dich zu sehr an manchen festklammerst.
Quartalstrinker bspw. trinken wochenlang nichts, sind aber dennoch Alkoholiker. Pegeltrinker haben in der Regel keine Ausfallerscheinungen, sondern halten einen gewissen Pegel- sind dennoch Alkoholiker.

Verlass dich nicht auf die Mengen Alkohol, die er sichtbar konsumiert. Alkoholiker sind sehr einfallsreich. Du wunderst dich, dass er nach einer geringen Menge schon betrunken und vermeintlich nicht gewöhnt ist. Mich würde es nicht wundern, wenn er noch zusätzlich außerhalb deiner Sichtweite trinkt und du nur die Spitze des Eisberges siehst.

Für mich ist es naheliegend, dass er Alkoholiker ist.

Es bringt aber nichts, mit ihm darüber zu diskutieren. Er wird es nicht einsehen, sondern mit den üblichen Floskeln auflaufen. Er hat kein Problem, sondern alles im Griff. Er kann sicher auch jederzeit aufhören. Er trinkt nur, weil es ihm doch so gut schmeckt. Bestimmt hat er auch viel Stress und muss entspannen. Auf der Baustelle hat er es sich dann auch verdient, der Tag war ja anstrengend und mit dem Kollegen gehört sich das so. Das ist dann gemütlich. Wenn du damit ein Problem hast, stimmt deine Wahrnehmung nicht und du bist eine Spaßbremse. Na, wieviele der Aussagen hast du schon gehört?
Unterm Strich ist es müßig, darüber zu diskutieren. Jeder gesunde Mensch weiß, dass es auch andere, gesündere Getränke gibt, die nicht abhängig machen und mindestens genauso gut schmecken. Dass man durch Sport oder ein warmes Bad auch entspannen kann, dass der Grad der Gemütlichkeit nicht von den Umdrehungen des Getränks abhängig ist. Man kann sich auch fragen, warum er dann überhaupt noch trinkt, wenn du ihn darum bittest aufzuhören und er doch jederzeit aufhören kann? Und so weiter.
Wenn du dich auf Diskussionen einlässt, kannst du damit Jahre verbringen, ohne dass sich etwas ändert. Ihr dreht euch dann im Kreis.

Die Frage ist immer noch, ob du einen Partner möchtest, der so viel trinkt. Es wird immer mehr werden und in deinem Leben mehr Raum einnehmen. Wenn du das alles nicht willst, dann musst du für dich Konsequenzen ziehen.
Für mich wäre eine persönliche Grenze erreicht, wenn mein Partner sich alleine unter der Woche volllaufen lässt und dann mein Kind betrunken ins Bett bringt. Das hat doch nichts mehr mit dem geselligen Drink auf einer Feier zu tun, der für die meisten dazu gehört.
Mein Kind würde ich davor schützen.
Also, für dich sollte weniger im Mittelpunkt stehen, ob er nun Alkoholiker ist oder nicht. Die Frage ist, ob du mit ihm leben willst, wenn er seinen Konsum beibehält oder noch verstärkt.

www.Forum-alkoholiker.de würde ich dir empfehlen. Dort gibt es einen Bereich für Angehörige, aber auch einen Bereich für Alkoholiker. Wenn du dich dort einliest, könnte dir ein Licht aufgehen. Du kannst dort auch deine Geschichte vorstellen und um Rat oder Bewertung fragen.


Liebe Grüße
Schoko

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Von außen betrachtet sehe ich kein Alkoholproblem bei deinem Mann.

Nachdem ihr 3 Kinder habt, gehe ich davon aus, dass ihr euch schon einige Jahre kennt.
Wenn er schon immer so war, dann weißt du doch, dass er kein Trinker ist.

Ich gehe selbst gelegentlich mit den Kolleginnen nach der Arbeit auf ein bis zwei Gläschen. Gerade im Sommer.
Auch wenn Besuch da ist, trink ich gerne mal was. Bei Festen auch.
Mein Mann ebenso. Alkoholiker sind wir definitiv keine.
Mein Vater war ein Pegeltrinker. Ich kenne den Unterschied nur zu gut.