Unzulänglicher Freund

Hallo,

ich hatte vor einer Weile schon mal das Problem geschildert, leider nur eine Antwort erhalten, die mit "ich kann dir da auch keinen Rat geben" begann. Irgendwie war mein Anliegen zwischen anderen Diskussionen untergegangen. Deshalb versuche ich es jetzt noch einmal.

Mein Freund ist manchmal sehr unzulänglich. Wenn er Sorgen hat, ist er sehr abweisend und kann nicht darüber sprechen. Meistens weiß ich nicht, worum es geht.

Später ist er dann wie ausgewechselt, liebevoll, aufmerksam. Wenn ich ihn darauf anspreche, sagt er, es sei nicht so wichtig, ich solle mir keine Gedanken machen. Wenn ich nachharke, kippt seine Stimmung wieder.

Seine dunklen Phasen dauern manchmal eine Stunde, manchmal einen Tag, nie wesentlich länger. Obwohl ich weiß, dass diese Stimmung temporär ist, belastet es mich.

Wie kann ich es schaffen, mich abzugrenzen und besser damit umzugehen?

Grüße in grau

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Vielleicht ist es auch nicht untergegangen, sondern es hat niemand gewusst, was er dir raten kann.

Du weißt ja eigentlich schon, was du willst: dich abgrenzen, um besser damit umgehen zu können. Und das ist ein Prozess, der in deinem Kopf stattfinden muss.

Du musst dich auf etwas anderes konzentrieren, dich ablenken. Was machst du gerne bzw was würdest du sonst tun, wenn dein Freund nicht gerade abweisend wäre?

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Danke für deine Antwort.

Was ich sonst so mache: mich um unsere Tochter kümmern. Das mache ich dann natürlich auch, aber bin dann nicht ganz bei der Sache und das merkt sie natürlich auch

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Liebe TE,

Tatsächlich frage ich mich, ob du dich wirklich abgrenzen willst?

Für mich persönlich wäre es unerträglich, wenn mein Partner mit Problemen (egal ob sie nur ihn, die Arbeit oder ebenfalls mich betreffen) nicht offen umgehen würde. Es geht nicht darum, dass man nicht auch mal schmollen darf oder sagen kann, dass einem einfach ne Laus über die Leber gelaufen ist und nicht drüber sprechen möchte. Mal geht das vieĺleicht. Aber grundsätzlich? Nein, jedenfalls für mich ginge das nicht.
Du sollst seine Laune ertragen, aber darfst nicht wissen, weshalb?
Ich würde meinem Partner in einem ruhigen, entspannten Moment sagen, dass ich mich bei solchem Verhalten auf Abstand gehalten fühle und dass du dir wünschen würdest, dass ihr auch über Probleme, evtl. ärgerliche Situationen und dergleichen offen sprechen könnt.
Ich jedenfalls würde das so nicht ertragen wollen.

Alles Gute für dich!

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Es ist sein Charakter. Er geht so mit Problemen um, macht Dinge lieber mit sich aus, kann sich schlecht öffnen. Manchmal erzählt er mir viel später, was los war, Monate später, wenn er das verarbeitet hat.
Ich habe schon mit ihm darüber geredet. Er sagt, ich dürfe das nicht auf mich beziehen.

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Hallo,

vielleicht hast du auch so wenig Antworten bekommen weil du immer "unzulänglich" = Anforderungen nicht entsprechend schreibst, aber offensichtlich "unzugänglich" = verschlossen/abweisend meinst. Ich war ehrlich gesagt auch etwas verwirrt darüber.

Ansonsten hast du dir ja schon die Antwort gegeben, du musst dich abgrenzen und sehen ob und wie du damit umgehen kannst.

LG, SoMe

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Danke für den Hinweis. Man lernt nie aus.

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Ich glaube dein Betreff ist missverständlich.

Du meintest wahrscheinlich, dass dein Freund manchmal "unerreichbar" für dich ist, sich zurückzieht, bzw. passiv-aggressiv ist.

Grüße

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Ja, das war schlecht ausgedrückt. Ich meinte "unzugänglich", unerreichbar trifft es auch.

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Das wäre für mich keine ausreichende Vertrauensbasis für eine Beziehung.

Wahrscheinlich würde ich mich auf kurz oder lang von meinem Partner trennen, wenn er ständig solche Geheimnisse mit sich rumträgt und unzulänglich ist.
Ich könnte demjenigen dann nicht ausreichend vertrauen.

Hat er jemanden getötet? Misshandelt? Oder was geht?..

Ich wünsche Dir jedenfalls, dass Du es erfährst.

Alles Gute.

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Irgendwann erzählt er mir dann manchmal, was los war. Aber da sind dann schon Wochen oder Monate vergangen und er hat selbst mit dem Thema abgeschlossen.

Einmal hatte er einem Freund Geld geliehen, eine hohe Summe, die der Freund dann nicht zurückzahlen wollte. Diesen Konflikt hatten die beiden wohl ein gutes Jahr. Erst als mein Freund das Geld dann wieder hatte, hat er mir davon erzählt.

Einmal ging es um seine Schwester. Sie hatte einen gewalttätigen Freund, von dem sie sich mehrmals getrennt hat, oft auch mit Hilfe ihres Bruders, um dann kurze Zeit später zu ihm zurückzukehren. Damit war er wohl über mehrere Monate immer wieder beschäftigt. Erst als sie dann schon eine ganze Weile nicht mehr mit diesem Typen zusammen war, hat mein Freund mir davon erzählt.

Einmal hatte er Probleme auf der Arbeit. Erst als er dann ein paar Monate später eine neue Stelle hatte, hat er mir von diesen Problemen erzählt.

Er will nichts verbergen. Er schafft es einfach erst, sich zu öffnen, wenn er mit etwas bereits selbst abgeschlossen hat. Ich finde das schade. Ich wäre natürlich gerne für ihn da. Wir haben auch mal darüber gesprochen. So ist es nun mal.

Die Frage ist bloß, wie ich damit umgehen kann, wenn er so unerreichbar ist.

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Dann hat er zu wenig vertrauen zu Dir. Oder einfach keine Lust es mit Dir zu teilen.
Auch wenn er Dir sagt, dass es "nichts mit Dir zu tun hat".

Ich finde Du Du warst schon sehr geduldig mit ihm. Ich hätte wahrscheinlich auch so wie Du erstmal sehr lange darauf gewartet, dass er sich ändert & gehofft, dass er sich mit der Zeit mehr öffnet.

Wenn er sich aber immer wieder so verhält und es sich nicht bessert würde ich mich trennen. Da es mir auf Dauer wirklich zu wenig wäre und mich sein Verhalten auch viel zu sehr nerven und traurig machen würde.

Fremde und Bekannte erzählen mir auch nicht alles.
Aber von meiner besten Freundin, dem besten Kumpel oder meinem Partner wünsche ich mir das schon..
sonst ist mir die Beziehung auch auf Dauer zu langweilig und nicht besonders genug. Ich möchte mit jemandem durch dick und dünn gehen. Und wissen wie der andere denkt/ was ihn beschäftigt. Für ihn da sein. In guten wie in schlechten Zeiten.

Folgende Möglichkeiten gibt es meiner Meinung nach nur damit es zwischen euch klappen könnte:

1. Du änderst Dich insofern, dass es Dir egal ist ob er Dir etwas sagt oder nicht & findest es toll, dass er vieles mit sich alleine ausmacht
2. Du findest es plötzlich toll nicht dass zu bekommen was Du möchtest und möchtest erniedrigt werden (eine Art SM Beziehung?)
2. Er ändert sich
3. Oder ihr trennt Euch und Du suchst Dir einen Partner, der besser zu Dir passt.

Auf mich macht Dein Partner jedenfalls keinen großen vertrauenswürdigen Eindruck und ich könnte ihm an Deiner Stelle wohl so oder so nur schwer glauben.

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Hm, unzulänglich ist da nun wirklich nicht passende Wort, wenn jemand so ein Brüter ist.

Nun ja, sowohl mein Mann Mann als auch ich sind so. Er noch etwas mehr. Personen, die jeden quersitzenden Pups lang und breit bequatschen wollen, die können uns nicht verstehen, wollen es nicht mal versuchen. Und umgekehrt ist es ja auch nicht anders. Von daher denke ich schon, das es wichtig ist, das man da ähnlich tickt, ansonsten wird das Zusammenleben für beide (!) Seiten zur Belastung.

Ich schreibe jetzt mal, wie wir denken/handeln:
-Nicht jedes Problem oder jede Sorge ist auch automatisch die des Partners.
-Erst sortieren wir uns und unsere Gedanken, um dann die Fakten dem Partner zu präsentieren. Erst dann sind wir beide offen für die Meinung oder Ansichten des anderen.
- Das wir etwas ausbrüten, ja das merkt man manchmal. Aber die Nachhakerei in der "Brutphase", wie man es aus frühreren Beziehungen kennt, das sparen wir uns. Im Grunde nervt es nur, unterbricht den "Brutprozess", ist für uns super anstrengend, erdrückend. Das konnte früher so weit gehen, das wir uns komplett zurückgezogen haben, also in früheren Beziehungen.
-Wir wissen, das wenn das Problem auch den Partner betrifft, dann erfahren wir das. Ganz ohne Bohrerei. Je weniger wir den anderen "nerven", desto schneller erfährt man ob es überhaupt ein Problem geibt.
-Wir beziehen die "Brutphasen" des anderen nicht auf uns selber, wir sitzen also nicht grübelnd in der Ecke und fragen uns, was der andere nun hat. Wir erfahren es ja bald sowieso.
-Wir brüten nicht um den anderen auszuschließen!
-Für uns hat jeder Mensch die Freiheit, Probleme zu haben, die nur ihn betreffen....man muß nicht über alles reden.

Die Abgrenzung kannst nur du selber machen, da kann man dir nicht helfen. Aber erfahrungsgemäß kann ich dir sagen, das es in einer Beziehung echt schwierig ist, wenn man so unterschiedlich tickt. Für beide Seiten! Ich kann dir agr nicht beschreiben, wie erleichtert wir waren, als wir merkten, das wir da ähnlich ticken. Erleichterung trifft es nicht mal, eher wie eine Befreiung...endlich ist da jemand, der einen versteht. Und trotzdem mussten auch wir unseren gemeinsamen Umgang damit lernen und ausbauen.

Ich gehe nicht davon aus, das dir meine Antwort in irgendeiner Weise helfen kann. Was für dich "dunkle Phasen", das ist für uns genau die Zeit, um eine Lösung zu finden oder halt festzustellen, das man sich in etwas reingesteigert hat und das nicht notwendig war.

Schlußendlich weiß ich nicht mal, ob das auch alles auf deinen Partner zutrifft.

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Ich danke dir für deine Antwort. Du hilfst mir damit mehr, als du denkst. Es ist gut, die andere Perspektive einzunehmen.

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Hallo, ich finde, das hast Du wunderbar geschrieben.
Ich bin auch so ein Mensch, der alles mit sich alleine ausmacht. Menschen, die solche Phasen dann persönlich nehmen, sind dann eher eine zusätzliche Last.

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Ist er unzulänglich oder unzugänglich? Bei deinem Text und der dazugehörigen Frage, kann man dir auch nichts raten!
Jemanden, den ich per se für unzulänglich halten würde, wäre auch nicht mein Freund.

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Hallo,

Also mein Mann hat auch mal solche Momente. Gerade wenn es auf der Arbeit nicht läuft.

Er ist dann auch oft kurz angebunden und möchte nicht so viel reden. Er zieht sich dann oft gleich zu Hause um und daddelt noch kurz am Handy. Kommt also dann 15 min später zu uns nach unten und dann geht es wieder. Ich gebe ihm die Zeit, dass er erstmal runterfahren kann.

Ich frage mittlerweile dann auch erst später mal wie war die Arbeit oder was ist los. Meistens erzählt er dann das was er für sinnvoll erachtet bzw was er halt erzählen darf wg Datenschutz usw.

Eine Zeit habe ich wirklich viel nachgebohrt, wenn ich merkte, dass er schlecht drauf war. Dann war er nur noch mehr genervt und seine Stimmung war im Eimer.
Ich musste mich da selber etwas zurücknehmen, da er einfach der Typ ist, der dann von selbst erzählt und dieses "ausgefrage" nicht ab kann. Wir haben uns darauf geeinigt, dass er halt dann erstmal seine 15/20 min alleine hat und dann entspannt zu uns kommt. Damit die Kinder einen entspannten Papa haben und keinen, der eine Fresse zieht(Entschuldigung für den Ausdruck) und keinen Bock hat. Bei uns klappt das wirklich gut und es ist für uns alle deutlich entspannter. Er musste sich da halt auch etwas anpassen und für sich eine Regelung finden.

Vielleicht lässt du ihm erstmal etwas Zeit, wenn er nach Hause kommt und fragst sonst später 1x nach und wenn er dann nicht erzählen will, dann ist es so. Entweder du kannst damit umgehen oder nicht. Er ist einfach so und wird sich da glaube ich nicht groß ändern.

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Danke für deine Antwort. Ich denke auch, dass er sich nicht ändern wird. Das ist einfach sein Charakter. Nur ich muss damit besser umgehen können.

15-20 Minuten nach der Arbeit ist ja ok, aber manchmal den ganzen Nachmittag oder den Abend ist schon schwer für mich auszuhalten.

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Tatsächlich ist es da auch einfach schwer, was zu raten.

Meine Mama ist zum Beispiel auch ein Mensch, die alles mit sich ausmacht und nicht darüber sprechen will. Die will dann einfach ihre Ruhe und keine Fragen hören. Wenn sie bereit ist, redet sie drüber, aber drängen bringt nix. So ist sie eben und ich akzeptiere das (ich bin gar nicht so, ich bin eher der Typ Explosion/offenes Buch und dann ist auch gut).

Rational WEIßT du, dass dein Freund nicht wegen dir so ist, sondern dass eben sein Wesen so ist. Trotzdem kannst du damit nicht umgehen 🤷‍♀️ Und erwartest letztlich, vielleicht auch unbewusst, dass dein Freund sich ändern wird. Aber ich vermute, das wird er nicht und du kannst es letztlich nur akzeptieren und annehmen (oder es eben lassen und erkennen, dass er nicht der richtige Partner für dich ist).

Es kamen ja Tipps für Strategien mit dem Umgang der Situation: Lenk dich ab, tu dir selbst was Gutes, schaffe Distanz und mache dir klar, dass nicht du das Problem bist; sondern es ein Wesenszug deines Freundes ist.