Der liebe Alkohol

Mein Mann trinkt. Er kann weder aufhören, noch auf Dauer reduzieren. Er hat alles schon probiert - weniger trinken, gar nicht trinken, Radler statt Bier, alkoholfreies Bier, Tee statt Vodka, Sport statt Alkohol, all das hat nix gebracht. Einerseits will er reduzieren, andererseits lässt er nicht mit sich reden.

Er wird nicht laut oder aggressiv. Er ist nach wie vor sehr verantwortungsbewusst und hat noch nie seine Pflichten vernachlässigt (wir haben Kinder). Und dennoch - er trinkt und das macht mich wahnsinnig.

Vermutlich war er schon so als ich ihn kennengelernt habe - vor 20 Jahren. Ich kann mich nicht erinnern. Er hat schon immer sehr gern getrunken und ich hatte nie Problem damit. Wirklich unrund bin ich vor ca 7 Jahren geworden, als wir eine Krise hatten. Seitdem habe ich alles Mögliche probiert - in Ruhe reden, Unterstützung anbieten, streiten, mit Trennung drohen (war ernst gemeint). Mittlerweile gibt es keinen Sex mehr. Nicht als Strafe, sondern weil ich es einfach nicht mehr kann/will. Hilft aber auch nichts.

Nun will ich mich vorübergehend trennen, und ihm sagen, dass ich wieder komme, wenn er sich professionelle Hilfe sucht. In der Hoffnung, dass er aufwacht. Meine Frage an euch ist, hat das wer schon hinter sich und hat es was gebracht? Wie trennt man sich auf Zeit - wo gehe ich hin, wo bleiben die Kinder, wie lange? Ich will meinen Kindern nicht das Gefühl geben, verlassen zu werden.

Danke vorab,
Nelly

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Guten Morgen,

meine Tante hat das gemacht. Mein Onkel war Alkoholiker und er hat sich erst Hilfe gesucht als er niemanden mehr hatte. Meine Tante ist mit den Kindern gegangen. Das hat meinen Onkel wachgerüttelt er hat sich helfen lassen und ist jetzt trocken. Sie sind jetzt auch wieder zusammen.

Sofern dein Mann keinen Leidensdruck verspürt, wird er sich auch nicht ändern.

Liebe Grüße

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Hast du Kontakt zu Unterstützung für Angehörige von Alkoholerkrankten?

Al- Nons? (hier im Forum schon öfter gelesen, wie es richtig heißt)


Ihn kannst du nicht ändern. Auch nicht, ob er sich therapeutische Hilfe sucht oder nicht.

Für dich selbst kannst du Hilfe holen und therapeutische Unterstützung.

Selbst wenn er jetzt dir zuliebe um einer Trennung zu umgehen eine Therapie anfängt. Diese führt nur zum Ziel, wenn er es wirklich selbst will.

Für dich selbst kannst du Entscheidungen treffen. Ob er nun Therpie macht oder nicht.
Selbst wenn es zur Trennung kommt, kann es bei dir langfristige Folgen und Fragen bleiben.
Daher würde ich bei dir selbst anfangen: Unterstützung von Al-Nons (oder wie die Gruppe heißt).

Im Grunde, das, was du hier über diesen Beitrag machst ;-)
nur intensiver, beständiger, konkretere Fragen, Tipps/Austausch zu dem komplexen Thema, Entscheidungshilfen, für sich selbst was tun....

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Wieviel trinkt er denn? Und was ist vor 7 Jahren passiert, dass du es offenbar 13 Jahre lang weder bemerkt hast noch es dich gestört hat und auf einmal schon? Man kann auch Bier, Vodka und Wein trinken ohne Alkoholiker zu sein. Die Masse und Regelmässigkeit macht es doch aus. Wenn er das alles natürlich z.B. täglich braucht oder wöchentlich bis zum umfallen, ja dann hat er ein Problem. Wobei hier eher das Wort "braucht" ausschlaggebend ist.

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Kannst (und willst) Du vorübergehend zu deinen Eltern?
Wie sieht der Wohnungsmarkt bei euch aus?
Wie alt sind die Kinder? Aber grundsätzlich würde ich sie mitnehmen.

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Mein bald Exmann ist auch Alkoholiker, das weiß er auch.
Im Gegensatz zu deinem Mann war er dadurch gewalttätig und psychisch extrem labil.
Ich habe ihn jahrelang angefleht, auch professionelle Hilfe zu suchen - er hat es immer abgelehnt, weil er sich selbst nicht als Alkoholiker gesehen hat.
Selbst seine regelmäßigen Ausraster waren für ihn kein Grund... ich bin ja eh bei ihm geblieben.

Ich habe ihn dann von einem Tag auf den anderen verlassen, mit Kind.
Hab zuerst aus der Notwendigkeit in einer Airbnb-Unterkunft gewohnt, dann bei meinen Eltern, bis ich eine eigene Wohnung gefunden habe.
Ich hatte aber nie die Absicht zurückzugehen.

Er hat sich in eine stationäre Reha einweisen lassen, aber wegen seinen psychischen Problemen. Dort durfte er 8 Wochen keinen Alkohol trinken.
Nach der Reha hat er es ein paar Wochen geschafft, trocken zu bleiben... aber anscheinend nur weil er auf der Reha eine neue Freundin kennen gelernt hat.
Nachdem sie ihn auch verlassen hat - wieder wegen Gewalt, hat er wieder begonnen zu trinken.
Jetzt hat er sich angeblich im Griff, trinkt aber trotzdem immer wieder... aber nur in Maßen, laut seiner Angabe...
er ist und bleibt leider ein Alkoholiker.

Es kann sich in meinen Augen wirklich nur etwas ändern, wenn dein Mann sich bewusst gezielte Hilfe sucht und selbst den Wunsch hat, trocken zu werden.
Und dazu ist in meinen Augen notwendig dem Alkohol zu 100% abzuschwören. Selbst ein Glas oder ein Schluck kann zu einem fatalen Rückfall führen.

Wie wäre es, wenn er einmal ein Treffen der anonymen Alkoholiker besucht oder ihr ein gemeinsames Gespräch bei einer Entzugsklinik besucht.
Vor allem weil Kinder im Spiel sind, sollte dein Mann umdenken. Sie wachsen wahrscheinlich mit dem Bild auf, dass es ganz normal ist täglich Alkohol zu trinken und einen ständig betrunkenen Vater um sich zu haben, ist sicher auch nicht angenehm für sie... und für dich sicher auch nicht.

Kannst du zu deinen Eltern oder Freunden gehen? Oder sag deinem Mann dass er ausziehen muss, solange er professionelle Hilfe ablehnt.

Alles Gute für euch!

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Trinkt er denn tgl?

Da ich in einer Familie gross geworden bin wo mein Vater Alkoholiker war, inkl ausrasten, schlagen, der Versuch das Auto in die Luft zu jagen weil er dachte das meine Mama alk im Auto versteckt vor ihm, bin ich da sehr empfindlich.

Für mich passen tgl Alkoholkonsum und Kinder nicht zusammen. Erst recht nicht, wenn er die Verantwortung für die kinder hat wenn du nicht da bist.

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Meine Mutter hat jahrelang versucht meinen Vater zu ändern denn er war (ist) genau so wie du es beschreibst. Irgendwie im Job erfolgreich, sehr sogar und kriegt soweit alles super hin. Und dennoch: täglich wurde (wird) ein Mindesmaß getrunken, am WE gern mehr. Ein Anlass findet sich immer und häufig auch Freunde oder Bekannte die mitmachen. Seit seinen Teeniejahren geht das so... seine Leber will ich nicht sehen. Dazu raucht er wie ein Schlot.
Meine Mutter hat es nicht geschafft ihn zum Umdenken zu bewegen um es mal konkret zu sagen, auch durch Trennung nicht. Aber das war sicher auch besser so. Mein Vater hat keinen Leidensdruck, im Gegenteil. Sein Leben war doch trotz/wegen Alkohol immer nett. 😉
Inzwischen hat er eine Partnerin die mitsäuft.
Nun rennen beide gemeinsam in ihr Verderben und man merkt jetzt schon deutliche Auswirkungen des Alkohols aber immerhin muss meine Mutter das nicht mehr mit ansehen. Es war besser für sie, zu gehen. Das war vor ca 15 Jahren und die absolut richtige Entscheidung.

Das Problem ist: wo kein Leidensdruck ist, da wird auch keine Veränderung stattfinden.
Jetzt mag dein Mann das noch easy wegstecken aber irgendwann wird auch er vergesslich, schläfrig, bekommt kaum einen Bissen mehr runter und wird zusehends dünner und kränker. Seine Haut wird deutliche Zeichen davon tragen... Zugeben wird es vermutlich nicht. Aber geh lieber bevor er dich zum dritten Mal fragt, was fürs WE geplant ist, vergisst, dein Kind von Sport abzuholen oder bereits zum 2. Mal erzählt, dass er morgens einen Strafzettel bekommen hat und behauptet das noch nie erwähnt zu haben. Und nein mein Vater ist gewiss nicht dement aber hat sich ganz sicher schon die ein oder andere Gehirnzelle weggesoffen.

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Hallo,

du kannst niemanden zu Veränderungen zwingen, aber du kannst selbst entscheiden, was du tust. Manche Menschen müssen erst am Boden liegen, um ihre Abhängigkeit und die Folgen zu begreifen. Denn er hatte ja nie so recht einen Grund es zu ändern, du lebst seit 20 Jahren damit, es gibt auch eine Co-Abhängigkeit. Auch die Druckmittel, die du bisher angewandt hast, nützen nichts, wenn er es nicht einsieht. Und nein, Alkohol und Verantwortung passen nicht zusammen. Lass mal eine Situation sein, in der er nüchtern sein muss, um handlungsfähig zu sein und es passiert was, weil er alkolisiert ist. Auf Dauer sehe ich nur die Trennung als Lösung, wenn er weiterhin seiner Sucht nachgeht.

LG, Anna

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Hallo Nelly,
dein Gedanke ist prinzipiell richtig, dein Ansatz völlig falsch.
Bisher warst du nicht konsequent, sodass dein Mann deine Drohungen als hilfloses, nicht ernstzunehmendes Gerede abgetan hat- zu Recht. Vielleicht hast du es ernst gemeint- aber welche Drohung hast du noch gleich umgesetzt? Also.
Dein Mann weiß, dass er alles nur auszusitzen braucht, derweil munter weitertrinken kann und alles bleibt für ihn, wie es ist.

In genau dieselbe Kerbe schlägt deine Trennung auf Zeit, die schon dem Gedanken eine Trennung widerspricht, weil du deine Rückkehr bereits beim Auszug planst.
Dein Mann ist sicher nicht dumm und wittert diesen Plan bereits, wenn du mit dem kleinen Koffer vor ihm stehst und planst, ins Hotel zu ziehen, bis er "dieses Mal wirklich" trocken ist. Also nächste Woche oder so.
Trennung auf Zeit ist auf demselben Level wie die Trinkpause, obwohl man eigentlich trocken werden will.

Mein Tipp: Trenn dich, weil du ein anderes Leben willst und deine Kinder anders, ohne suchtkrankes Umfeld, aufwachsen sollen und nicht, weil du damit deinen Mann therapieren oder beeinflussen willst. Letzteres ist das Denken einer Co-Abhängigen.

Such dir eine ordentliche Wohnung mit Mietvertrag (den kannst du immer noch kündigen) und plane ein Leben ohne ihn. Vielleicht nimmt er dich dann ernst und ist bereit, wirklich etwas zu ändern. Vielleicht folgen auch nur Lippenbekenntnisse ohne wirkliche Änderung, weil er dich immer noch nicht ernst nimmt. Dann bleibt ihr in der Wohnung. Vielleicht ist es ihm auch völlig egal, wo ihr wohnt, solange er ungehindert weiter trinken kann. Dann bleibt ihr auch in der Wohnung.
Aber egal, welche der drei Wandlungen eintritt- ihr werdet ein besseres Leben haben. Das sollte dein Focus sein und nicht der Konsum deines Mannes.

Liebe Grüße
Schoko