Keine Nähe mehr

Hallo,

mich bedrückt etwas ganz gewaltig und ich weiß einfach nicht wie ich da wieder raus finde.

Mein Mann und ich sind seit 8 Jahren verheiratet und haben eine 2 Monate alte Tochter.

Ich fasse mal kurz:
Wir haben überhaupt keine Nähe, Zärtlichkeiten oder geschweige denn Sex mehr.
Und das liegt nicht an ihm, die Distanz geht nur von mir aus.

Mir tut es so leid, aber ich kann ihn nicht mehr an mich ran lassen. Seine Nähe ist mir immer zuviel und ich bekomme das Gefühl einfach nur weg zu wollen.
Seine Annäherungsversuche weiche ich immer aus und das führt dann meist zum Streit. Wenn ich meine Tochter Stille und er dann sexuelle Sprüche mir gegenüber macht (weil er meine brüste geil findet) empfinde ich sogar ekel vor ihm. Das passiert leider immer öfters.
Kuscheln ist mir zuviel Nähe. Küssen mag ich nicht mehr, weil ich Angst habe er will wieder mehr. Berührungen führen dazu dass ich alles zusammen Krampft bei mir.

Ihn macht das natürlich fertig, er fühlt sich ungeliebte und permanent angewiesen. Das ganze geht schon sicher ein halbes Jahr. Mir tut er leid aber ich kam nicht nicht anders..

Ich liebe ihn und möchte ihn nicht verlieren. Aber ich mache mir so Sorgen dass sich das nicht mehr ändern wird. Dachte erst es läge an der schwangerschaft. Aber es war auch schon davor so. Allerdings nicht ganz so schlimm.

Kennt das jemand?
Wie seid ihr aus diesem tief raus gekommen?
Kann das wieder was werden?

3

So geht es ganz vielen Frauen nach der Geburt. Es sind die hormone, die die Frau davor schützen wieder schwanger zu werden. Mir ging es ganz genau so. Den ganzen Tag klebt ein baby an dir und du musst dauerkuscheln. Dann nuckelt es ständig an deiner Brust herum. Alles schön und gut so. Und dann hast du endlich mal deinen Körper für dich, und was passiert? Der Mann klebt an dir und will an deiner Brust nuckeln. Darauf konnte ich gut verzichten. Je älter und mobiler das Baby wurde und je mehr ich meinen Körper auch mal wieder für mich hatte, desto mehr konnte ich wieder zärtlichkeiten zulassen und meinen Körper wieder mit meinem Mann teilen.

12

Die TE schrieb allerdings, dass es auch schon vor der Schwangerschaft tendenziell so war, nur nicht ganz so extrem.

1

Was liebst du an ihm?

2

Seine Loyalität, Ehrlichkeit, Humor... Vieles. Das körperliche ist irgendwie abhanden gekommen.

4

Besorge dir mal das Buch „ Stillbuch“ von Hanna Lothrop. Dort wird auch explizit auf das Thema Partnerschaft, Stillen, Nähe und Hormone eingegangen. Sehr zu empfehlen!

5

Hey...

oh das kenne Ich! Auch wenn das bei uns nicht mit einer Geburt zusammenhing....

Bei uns hatte tatsächlich folgendes geklappt. Wenigstens "zum erstmal Luft holen " -

Macht doch gemeinsam ab, IN EINEM RUHIGEN MOMENT, dass das Thema Sex für einen bestimmten Zeitraum NULL stattfindet.
Nicht mal Sprüche oder ähnliches. Keine Annäherung keine Berührung, nichts!

Das gibt dir Ruhe und Zeit und die Gewissheit dass er "nicht die Gelegenheit nutzt".

Bei mir kam dann von allein wieder die Lust. Und der Respekt!

6

Wie einige schon schrieben - völlig normal!

Nähe ist ein Grundbedürfnis. Deins wird über das (noch sehr kleine!) Baby gedeckt. Dein Mann schaut in die Röhre ;) das führt zu Konflikten.

Sex war für mich lange unvorstellbar und ich hab es klar kommuniziert. Mein Körper war ein komplett andere, ich eine völlig andere. Damit musste ich erst klar kommen.

Wir haben Kompromisse gesucht. Öfter mal als Familie kuscheln. Aber auch als paar mal umarmen. Wenn küssen nicht geht, eben erstmal nur umarmen. Und das dann z.B. immer morgens zum Abschied oder abends oder so.

Bei uns kam es dann mit fortschreitendem Alter der Motte von alleine zurück ;)

7

Das ist doch normal. Du hast ein 2 Monate- altes Baby. Dein ganzer Körper mit all seinen Hormonen steuert deinen Fokus total auf das Baby. Ich nehme an, Du hast keine Freunde die auch schon Mama sind. Das ist wirklich ein ziemlich normale Phänomen. Gibt euch Zeit. Dann wird das schon wieder
Lg

8

Sorry wenn ich das sage, aber das klingt nach einer Depression oder depressiven Verstimmung.

Ich kann dich da voll verstehen, weil es mir genauso geht. Mit den Jahren wurde die Nähe immer weniger. Aber das lag daran, weil es mir nicht gut ging und mir bis heute nicht gut geht. In meiner dritten und letzten Schwangerschaft hatte ich sogar einen kleinen Zusammenbruch gehabt, indem ich 2 Tage nur geweint hab. Meine hebamme hat mich damals aufgefangen und mich daraufhin mit dem Thema konfrontiert. Ich war damals auch in der Notaufnahme einer nervenklinik und hab dann stark nach einem Therapeuten gesucht und dank Schwangerschaft auch sehr schnell gefunden. Ohne kann es locker ein halbes Jahr dauern, bis man einen findet.

Ich würde dir empfehlen, jemanden zum Reden zu suchen. Es tut wirklich gut jemanden zu haben, der da einen versteht und helfen kann.

Ich glaube dir nämlich dass du deinen Partner sicherlich mit vollen Herzen liebst und nicht verlassen willst. Aber die Abneigung kann wirklich aufgrund deiner psychischen Gesundheit liegen, woran er in keinster Weise schuld sein kann. Oft weiß man selber nicht woran das wirklich liegt.

Ich wünsche dir eine gute Besserung und dass es dir bald besser geht 💝

9

p.s. es ist vor allem sinnvoll einen Therapeuten zu suchen, wenn du wirklich niemanden zum reden hast und standartfloskeln kommen, weil sie deine Situation viel zu viel mit ihrer eigenen vergleichen. Das kann sogar kontraproduktiv sein.

Und ja: unser kleinster ist jetzt 8 Monate alt. Im Bett läuft immer noch nichts. Mein mann belastet das sehr, aber er versteht mich besser und ich nehm seine Reaktionen auch nicht mehr so persönlich und druck machend mehr, da ich seinen Frust auch verstehe. Es muss da auch sehr viel kommuniziert werden. Und wir arbeiten dran. Wir sind wieder beim Level wo wir gern miteinander kuscheln 😊

10

Was mir z.b. als Lektüre sehr geholfen hat:

Gib dir die Liebe die du verdienst
Von Katharina Tempel

Gibts als Buch und Hörbuch.

Sie hat auch ein Youtube-Kanal "Glücksfetektiv", dass mir auch immer wieder geholfen hat, Dinge anders zu sehen und mich auch ein bisschen besser zu verstehen.

Kann ich wirklich jedem ans Herz legen, dem es mal nicht gut geht oder mal wegen was traurig ist.

11

Ich kenne es auch.
Allerdings haben wir noch weitere Baustellen in der Beziehung gehabt über lange Zeit.
Wir haben uns nicht zusammen raufen können und sind jetzt wo lütten 15 Monate alt ist getrennt.
Er machte Schluss. Er liebt mich nicht mehr, aufgrund fehlender Nähe. Entliebt.
(Er spielte mir damit aber in die Karten und ich freue mich tierisch auf den Neuanfang)

Geht noch mal in euch, setzt euch zusammen und sprecht beide Klartext.
Wenn keine weiteren Probleme in der Beziehung bestehen, sollte ihr das wieder hinbiegen können. Euer Zwerg ist ja noch so klein.
Aber seit beide ehrlich zu einander.

13

Passt zwar nicht zum Thema, aber ich wünsche dir alles Gute! Ich wollte mich auch immer solala trennen, "aber eigentlich war ja alles okay" und dann ist was passiert, was das Ende schnell herbeigezaubert hat. Wir sind jetzt fast ein Jahr schon getrennt und ich fühle mich großartig! Alles Gute :)

14

Danke für die lieben wünsche.
Ja , auch ich fühle mich jetzt schon ganz befreit und großartig. Noch wohnen wir zusammen, am Wochenende zieht er aus. In einem Monat ich.
Klar hab ich Ängste, wie es laufen wird mit Zwerg, aber das Gefühl von Erleichterung überwiegt da doch sehr.

15

Ich kenne das auch, es hat irgendwann während der SS angefangen und dann noch lange nachgehalten...
Mein Mann war auch angepisst weil er Zärtlichkeit wollte, er hat sich null Mühe gemacht zu verstehen was bei mir vor sich geht und wie ich mich fühle. Somit war er immer öfter abwesend, er hat mich im Stich gelassen auch als es mir immer schlechter ging.

So, 6 Jahre später: er hatte viel zu viele Monate später verstanden was da los war, es tat ihm sehr leid wie er reagiert hat. Aber er muss nun damit leben dass mein Respekt ihm gegenüber sehr gelitten hat und somit auch seine Anziehungskraft auf mich, und ich muss leider sagen dass ich etwas nachtragend bin und es noch immer nicht so ganz verziehen ist. Er ist nicht mehr mein Anker, nicht mehr so richtig mein Partner-in-crime, er hat bewiesen dass ich mich nicht auf ihn verlassen kann und auch wenn er jetzt daran arbeitet, wird die Erfahrung bleiben. Mal sehen wie es sich entwickelt, ich sehe dass er sich Mühe gibt und kann das hoffentlich auch irgendwann mehr wertschätzen.

Zurück zum deinen Fragen: einige Monate nach der Geburt wurde es langsam etwas besser, nach Absetzen der Stillpille und der Verwendung nicht-hormonaler Verhütungsmittel viel besser. Aber eben wg. o.g. Punkte nicht so viel wie vorher. Er gibt sich jetzt aber auch mit Streicheln und Kuscheln zufrieden wenn ich sonst nichts will und er schnallt mittlerweile dass es bei Frauen hormonell bedingt ein Auf und Ab der Gefühle sein kann, so innerhalb eines Monates. Also es kann wieder was werden, wenn der Mann versteht (oder verstehen will) warum und wieso es gerade so ist wie es ist und dann entsprechend rücksichtsvoll ist (evtl. hilft Fachliteratur damit er dich ernst nimmt).
Es sind natürliche Vorgänge und keine Zickereien oder ausgedachte Befindlichkeiten!

Alles Gute!