Bin ich durch meine Beziehung depressiv geworden?

Hallo

Ich bin seit etwas mehr als einem Jahr mit meinem Freund zusammen und wir wohnen auch zusammen (beide Ende 20).

Ich bin gegen aussen schon immer sehr fröhlich und positiv gewesen, aber ich war schon immer sehr sensibel und oft traurig. Wenn jemand gemein zu mir ist/war oder mich kritisiert hat, hat mich das immer sehr getroffen. Mittlerweile kann ich damit besser umgehen, aber ich habe viele Tage an denen ich über den Sinn des Lebens nachdenke und einfach nicht zufrieden bin, weil ich denke, "das kann doch nicht mein Leben sein, bin ich wirklich dafür hier?".

Nun bin ich wie gesagt mit meinem Freund zusammen. Wir haben uns kennengelernt und die Gefühle haben sich beiderseits sehr schnell entwickelt. Ich hatte vorher Beziehungen, jedoch hatte ich solche starken Gefühle noch nie. Ich wollte/will heute noch dauernd Zeit mit ihm verbringen und am liebsten die ganze Zeit an seinem Hals kleben (ich tu's natürlich nicht!!). Er war so lieb zu mir wie noch keiner, hat mir 1000 süsse Nachrichten geschrieben, mir immer wieder gesagt wie sehr er mich liebt und wie schön ich bin und so weiter. Leider ist in der Kennenlernphase (alles innerhalb der ersten drei Wochen, wir waren kein Paar) von beiden Seiten einiges passiert, dass so sicher nicht die feine Art war.

Wir konnten aber eigentlich gut damit umgehen und es war weiterhin alles super, wir sind dann wie gesagt auch sehr schnell zusammengezogen und ich war so glücklich wie noch nie. Ich war mir zu 100% sicher, dass ich ihn mal heiraten werde. Und ich habe vorher nie an Heirat gedacht.

Leider, seit ca. anfangs Jahr, hat sich vieles sehr stark verändert. Er ist nicht mehr so aufmerksam und lieb, gibt mir nicht mehr diese Liebe und Nähe die ich brauche. Ich bin wie gesagt sehr sensibel und nehme alles sehr stark wahr. Da ich diese Liebe und Zuneigung ja von ihm immer erhalten habe, fällt es mir jetzt umso schwerer sie nicht mehr zu bekommen. Wir haben oft darüber gesprochen und er meinte einmal, dass er irgendwie mit den Dingen von Anfang nicht umgehen kann und mich zwar noch liebt, seine Gefühle sich aber seitdem verändert haben. Das hat mich natürlich stark getroffen, denn ich dachte bis zu diesem Zeitpunkt zwischen uns sei alles ok und wir lieben uns.

Nun ist er wie gesagt sehr anders geworden. Wir unterstützen uns immer noch in allem gegenseitig und können zusammen lachen, aber sein Interesse ist sehr zurückgegangen. Manchmal komme ich abends heim und freue mich ihn zu sehen und sage "Ich hab dich vermisst heute!" und seine Antwort ist dann "es waren ja nur 8 Stunden". Solche Beispiele gibt es viele. Es geht mir ja auch nicht darum, dass ich heute vor Sehnsucht fast gestorben bin, sondern ich meine das ja eher so süss. Früher hat er mir dauernd sowas gesagt. Heute kaum noch.

Ich merke, dass mich die Situation immer mehr einnimmt. Ich bin extrem unsicher geworden und sehe in jeder Frau eine potenzielle Konkurrentin. Ich kann mich schlecht auf was konzentrieren, da ich mir dauernd Gedanken darum mache, was er wohl gerade denkt oder macht. Ich weiss selbst, dass das nicht normal ist, und habe deshalb auch einen Termin für eine Therapie vereinbart. Aber es kann doch nicht sein, dass ich eine Therapie brauche, um es in meiner Beziehung auszuhalten? Ich bin auch zunehmend traurig. Ich weine extrem oft und manchmal ist nicht einmal etwas vorgefallen, es passiert einfach. Ich fühle mich dauernd nervös und aufgeladen, als würde gleich etwas schlechtes passieren.

Ich weiss, dass viele mir zur Trennung raten würden. Ich habe mir das auch schon überlegt. Aber meine Gefühle sind zu stark, ich schaffe das nicht. Und wir streiten uns ja nicht, wir lachen oft zusammen. Aber halt nicht mehr gleich. Vielleicht übertreibe ich auch? Ich vermisse seine Nähe und dass er die ganze Zeit neben mir ist aber irgendwie trotzdem sehr weit entfernt macht mich fertig. Ich fühle mich nicht mehr wohl "zuhause". Mir geht es zwar schlecht, aber ich weiss, dass es mir mit einer Trennung noch viel schlechter gehen würde. Ich halte den Gedanken daran nicht aus.

Keine Ahnung was ich hören möchte, aber es tut gut es sich von der Seele zu schreiben.

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Ihr habt einfach ein unterschiedliches Bedürfnis nach Nähe und Distanz. Das Schlimme ist dass der, der mehr Nähe will als der Andere, in dem Fall Du, mit seinem "klettigen" Verhalten dem Anderen die Luft zum Atmen nimmt und ihn damit erst recht wegtreibt. Dadurch, dass Ihr sofort zusammengezogen seid, kommt dein Freund auch nie dazu, dich zu vermissen, die paar Stunden, die man nicht aneinander hängt, werden von ihm wahrscheinlich eher als "mal Luft holen können" empfunden.

Leider ist es so, dass solche Beziehungen, wo diese Bedürfnisse so arg auseinandergehen, nicht funktionieren auf Dauer. Du hast in meinen Augen schon ei sehr starkes Verlangen nach Aufmerksamkeit und Nähe. Eine Therapie ist sicher nicht schlecht, denn meist liegt das an mangelnder Selbstliebe, die du dann im Außen suchst. Nur ein Partner ist nicht dafür zuständig, dass Du dich ständig durch ihn bestätigst, liebenswert zu sein.

Kauf dir auch mal das Buch "Die 5 Sprachen der Liebe", vielleicht erkennst Du dann auch die Art, wie dein Freund seine Liebe zu dir ausdrückt, wofür du vielleicht blind bist momentan, weil du versuchst, ihm Deine Sprache der Liebe (Nähe und Zeit) aufzudrücken.

Wenn sich nichts ändert, vertreibst Du ihn leider. Wenn Du Dich trennst, hast du mit dem nächsten Mann garantiert dasselbe Problem, denn das liegt m.E. in dir selbst, es kommt nur durch die Beziehung hoch. Dein Freund scheint mir von der Beschreibung her ein "normaler" Mann zu sein, der auch relativ verständnisvoll noch auf Dein übersteigertes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit reagiert. Ich glaube nicht, dass eine Trennung und neue Beziehung dir da helfen würden, eher könntest Du es noch schlechter treffen.

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Es ist sehr traurig, dass es Dir so schlecht geht ...

... aber noch trauriger ist es, dass Du zwar der Realität ins Auge blickst, aber leider nicht die richtigen Konsequenzen daraus ziehen kannst.

Offensichtlich habt Ihr zu Beginn (in der Kennenlernphase) das Pferd schon getötet ... "Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab."

Aber das konntet Ihr beide nicht ... der Verliebt-Hormoncocktail, etwas unbedingt wollen, Stolz, nicht wieder mal eine Beziehung in den Sand setzen wollen, was sollen denn die Leute sagen, wenn man immer ach so verliebt gewirkt hat und, und, und ...

... es gibt 1.000 Gründe, warum man nicht absteigen konnte, obwohl man es sollte ...

... bei Dir kommt noch eine sehr ungesunde emotionale Abhängigkeit hinzu , die einen Schlussstrich erschwert ...

... Fakt ist:

Ihr tut Euch offensichtlich NICHT gut.

Und bei Deinem Freund habe ich das Gefühl, dass er eigentlich hätte schon längst Schluss machen wollen ... er traut sich aber aufgrund Deiner (emotionalen) Labilität nicht, weil er vermutlich Angst vor Szenen & Co oder Schlimmeres hat ...

... jetzt ist er ein bisschen eklig zu Dir und ziemlich gleichgültig Dir gegenüber, in der Hoffnung, dass Du Dich trennst ...

... dann tu ihm doch den Gefallen. Er wird Dich eh früher oder später austauschen, weil er innerlich schon weg ist. Und das schon sehr, sehr lange Zeit.

Und nutze die Therapie als Krücke, um die Trennung durchzustehen ... alles andere würde gar keinen Sinn machen.
Und nutze die Therapie außerdem, an Deiner emotionalen Stabilität zu arbeiten.

Sich so an einen Menschen zu hängen, ist ganz und gar nicht gut.

Alles Gute.

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Dass du eine Therapie anstrebst, ist ein guter Anfang.
Die Therapie ist nicht dafür gedacht, dass du es in deiner Beziehung aushältst, denn dann brauchtest du für jede weitere Beziehung eine Therapie.
Du solltest erkennen, warum du dich so verhältst, warum du so heftig klammerst. Du hast m.E. eine Vorstellung von "Beziehung", die keiner Realität standhält.
Du bist abhängig davon, dass dein Freund dir ständig signalisieren soll, wie sehr er dich liebt (1000 süsse Nachrichten) und du sagst Dinge, die du so nicht meinst "sondern ich meine das ja eher so süss", alles etwas zu zuckrig für meinen Geschmack.
Du solltest dringend etwas für deinen Selbstwert tun und dich mehr auf dich konzentrieren.
Deinem Text nach hätte ich dich eher zehn Jahre jünger geschätzt.

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Bist du sicher, dass deine Beziehung Ursache deiner Probleme ist?

Für mich liest sich das, als hättest du ein anderes Problem und interpretierst das jetzt in deine Beziehung rein...

Therapie find ich in deinem Fall gut, um genau das zu klären.

Hast du mit deinem Schatzi gesprochen? Weiß er, dass du eine Veränderung an ihm empfindest? Empfindet er eine Veränderung an dir?

Weiß er, dass du eine Therapie machen wirst? Und den Grund dafür? Was sagt er dazu?

Empfindet er dich als übertriebene Klette? Hast du darüber mit ihm gesprochen?

In einer starken, gesunden Beziehung kann er dich stützen und dir Kraft geben für die Therapie. Denn ja, für mich liest sich das, als läge bei dir eine psychische Erkrankung zugrunde. In einer gesunden, starken Beziehung steht man sowas gemeinsam durch. Voraussetzung dafür ist, dass er weiß, dass du ein Problem hast...

Rede mit ihm, falls noch nicht geschehen!


PS: Hier wird immer gleich Trennung in den Raum geworfen. Gerne von Geschiedenen... Als ob es gar keine funktionierenden Beziehungen geben könne. Solange keine (psychische) Gewalt im Spiel ist, bin ich der Trennung eher abgeneigt...

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Das ist aber nicht der, der permanente Vorwürfe macht wegen den ganzen angeblichen Verfehlungen in der Kennenlernphase und dich dadurch massiv unterdrückt, oder doch?

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Nein, wir machen uns eigentlich keine Vorwürfe deswegen. :-)

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"wir machen uns eigentlich keine Vorwürfe"

Eigentlich... also eigentlich doch...

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Die Beziehung klingt sehr toxisch.

Ihr seid einfach viel zu unterschiedlich. Vielleicht mag es für eine Freundschaft reichen, aber für mehr meiner Meinung nach derzeit nicht.

Ihr passt einfach derzeit nicht gut zusammen. Du wünschst Dir Dinge, die er aber nicht fühlt und die auch nicht passieren werden. Du hältst an einen Traum fest, eine Sehnsucht nach einem Mann und wünschst Dir, dass Dein derzeitiger Mann dir das alles gibt- was er nicht tun wird.

Irgendwo da draußen wartet dein Traumprinz der so ist wie Du es Dir wünschst.

Sehe den Tatsachen ins Augen, lerne, Dir ein eigenes neues schönes Leben aufzubauen. Erstmal alleine und dann mit einem Mann, der zu dir passt.

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"Die Beziehung klingt sehr toxisch."

Toxisch? Ist das nicht seeeeehr übertrieben? Mir scheint, heute ist man ziemlich schnell dabei, Beziehungen als "toxisch" zu bezeichnen (und die Partner als "narzisstisch"), wenn die beiden halt, wie Du ja auch schreibst, einfach nicht gut zusammenpassen.

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Da bin ich ganz deiner Meinung und dennoch habe ich dieses Wort gewählt. Obwohl ich dieses wirklich selten verwende.

Ich lese bei der TE keine positiven Gefühle mehr heraus. Ich lese nur noch Trauer & unerfüllte Sehnsucht im Liebesbereich.
Daher finde ich das Wort toxisch angemessen.

Lachen ist das einzige was die beiden verbindet. Das reicht nicht mal für eine Freundschaft...oder? Jedenfalls wird sie damit alleine nicht glücklich werden.

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Du beziehst deinen Wert aus dieser Beziehung. Das ist selbst in gesunden Beziehungen ungesund, also eigentlich ist so keine gesunde Beziehung möglich.

Irgendwann kommt jede Beziehung an den Punkt, wo nicht mehr alles rosarot ist und man sich gegenseitig mit Liebesschwüren überschüttet. Das ist normal. Wenn dann an die Stelle gegenseitiger Respekt, Wertschätzung, gute Kommunikation und Treue tritt, ist eigentlich alles in Ordnung.

Lies mal das Buch. Der Titel ist etwas irreführend und du musst echt nicht jeden Rat umsetzen, weil vieles überspitzt formuliert wird, aber das Prinzip der unabhängigen und gleichzeitig beziehungsfähigen Frau ist da schon ziemlich gut und unterhaltsam beschrieben. Vielleicht wird das deinen Fokus etwas gerade rücken und deinem Freund ein wenig Luft zum Atmen verschaffen.

Alles gute!

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Ich würde dir nicht gleich zur Trennung raten. Wieso auch? Er hat doch nichts gemacht...

Ich sehe es auch so, dass ihr einfach ein unterschiedliches Nähe - Distanz Bedürfnis habt. Und gerade am Anfang legen sich Männer ja immer mehr ins Zeug, was dann irgendwann nachlässt. Das ist völlig normal!! Alltag ist halt Alltag... man muss das zusammen überwinden und sich wieder einigermaßen Mühe geben. Besonders wenn es einen Part gibt, den es so stört wie dich jetzt.

Was genau ist denn da zwischen euch am Anfang vorgefallen?? Wäre vielleicht eine wichtige Info um es beurteilen zu können.

Und ich finde es gut, dass du eine Therapie machst! Und doch, es kann sein, dass du eine machen musst, damit du wieder glücklich in deiner Beziehung sein kannst, denn das Problem ist glaube ich etwas in dir, vielleicht ne depressive Verstimmung, das aufgearbeitet werden muss, damit du nicht mehr so abhängig von ihm bist!

Hast du Freundschaften? Familie? Ich glaube nicht, denn das passt ins Bild... ich lese das oft von Menschen die sehr an ihrem Partner Klammern, eben weil er ihr Zentrum des Lebens ist. Das ist immer gefährlich, besonders weil du ja siehst, Beziehungen können schnell mal in die Brüche gehen und Gefühle können sich verändern!

Mit der Therapie kannst du lernen, deinen Freund nicjt mehr als dein Zentrum zu sehen, aber als TEIL deines Lebens!!! Ich glaube das ist auch für ihn gut und macht dich gleich attraktiver, als jmd dem man sich vielleicht auch zu sicher ist. Weißt du?

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So wie sich das für mich liest, hast du keine Depression und dein Partner ist nicht der Grund deines fehlenden Selbstbewusstsein. Du warst davor schon sensibel und hast viel über Dinge nachgedacht. Das ist eher ein Charakterzug der eher auf eine niedrigere Wertschätzung für sich selber deutet als dass du depressiv bist.

Ich denke in der beziehung wird das aber auch ein grund sein, weswegen die beziehung nicht so flockig locker läuft. Eine Beziehung mit einer Person zu führen, die sich selbst nicht Wertschätzen kann, kann sehr zermürbend und anstrengend sein.

Du kompensierst es ja indem du fast schon süchtig nach seiner Liebe bist und nicht genug davon bekommen kannst.

Wenn aber der gemeinsame Alltag einkehrt, ist es eben nicht mehr wie auf der anfänglichen rosaroten wolke. Da fangen aber richtige liebesbekundungen statt indem z.b man solche liebesarmen Phasen aushält, weil Partner grad beruflich viel um die Ohren hat. Also da fängt es an, für den Partner Verständnis zu haben und nicht sich in seiner Aufmerksamkeit zu suhlen 😅

Was ich dir raten kann: versuch objektiv mit ihm zu reden. Hör ihn einfach zu was er denkt und wie er die Beziehung empfindet. Kommt ihr auf einen grünen Zweig oder wär vielleicht externe Hilfe angebracht?

Wenn dich nämlich deine Situation zu sehr belastet, dann wär eventuell eine Therapie sinnvoll. Nach einer Depression klingt das für mich nicht. Aber für ein Verhaltenstherapie wo man angewohnte Denkweisen eventuell überdenken sollte 😉

Und wie gesagt: so wie sich dein Text liest, hat dein Partner nichts für deine selbstzweifel zu tun. Ich vermute eher, dass sich ohne eine Verhaltensänderung (also dass du lernst dich selber mehr zu lieben) wie ein roter Faden durch all deine Beziehungen führen wird.