Verzweifelt - was soll ich tun?

Hallo!

Ich habe mich verliebt. Es war nicht geplant, es geht um meinen Arbeitskollegen, irgendwie hat es sich entwickelt und es ist mir erst aufgefallen als es zu spät war.

Ich bin mit meinen Freund seit 6 Jahren zusammen. Ich weiss, dass es schon länger nicht mehr prickelnd läuft: keine Zärtlichkeiten, keine Interesse an mir. Bitte versteh es nicht falsch: er ist ein toller Mensch! Er kann liebevoll sein, er ist zuverlässig, kann aufmerksam sein, unterstützt im Haushalt und sonst wo.
Nur gerade im letzten halben Jahr kam kein Kuss mehr, keine Umarmung, absolutes Desinteresse. Ich habe es immer wieder angesprochen, es ist nichts passiert.

Dann kam besagter Kollege. Ich habe daher mit meinem Partner geredet und es kam anders als erwartet: er brach in Tränen aus, schwor Besserung, er würde sich bemühen, er liebt mich so sehr. Für ihn kommt das komplett überraschend, er kennt aber fairerweise auch nicht den Hintergrund, wieso ich da jetzt plötzlich agiere.

Ich bin verzweifelt. Ich kann nicht mehr essen, nicht mehr schlafen. Mir ist dauerhaft schlecht und ich habe zurecht ein schlechtes Gewissen beiden Männern gegenüber.
Einerseits fürchte ich das ich wirklich wirklich verliebt bin. Andererseits bricht es mir das Herz meinen Partner so zu sehen, meine Gefühle für ihn sind ja nicht plötzlich verschwunden. Er versucht auch alles umzusetzen, nach dem ersten Gespräch vor einer Woche. Und was tue ich? Ich weise ihn ab. Obwohl ich mir genau das so lange gewünscht habe.

Was soll ich tun :( ich wäre euch so dankbar für Erfahrungen, Tipps, was auch immer. Ich weiß, niemand kann mir sagen was richtig ist. Es hilft aber andere Meinungen zu lesen.

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Dass nach 6 Jahren die Schmetterlinge nicht mehr flattern ist total normal, das würde mit dem neuen Arbeitskollegen ganz genau so sein. Halte dir das vor Augen, bevor du in deiner jetzigen Beziehung resignierst. Wenn du sie durch eine neue, (noch!) aufregende ersetzt, wirst du langfristig nicht unbedingt glücklicher sein, da bin ich mir ziemlich sicher.

Ich persönlich würde den Kontakt zum Kollegen komplett abbrechen und mich erstmal darum kümmern, das „Feuer“ in der aktuellen Beziehung wieder anzufachen.

So eine Fremdliebelei ist ja auch irgendwie ein Warnschuss für deinen Partner, dass er ebenfalls Verantwortung dafür trägt, dass es zwischen euch gut läuft, wenn du sagst, er hat es in letzter Zeit ziemlich j schleifen lassen, eure Beziehung in Schuss zu halten.

Viele Männer werden mit der Zeit einfach träge, das sehe ich oft. Bei Frauen übrigens auch: sie nehmen alles für selbstverständlich und verlieren den Respekt und die Wertschätzung für ihren Partner. Unter diesen Umständen wundert es nicht, wenn die Beziehung einschläft. Das gute ist, dass man daran aber „arbeiten“, also die eigene Haltung verändern kann. Bei dir sind es ja tolle Vorraussetzungen, wenn er sich nun endlich Mühe gibt.

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Ein ähnliches Problem hatte meine beste Freundin mit ihrem Mann, 8jahre Beziehung, 10Jahre Ehe.... Viele ups und downs... Und aus heiterem Himmel verguckt sie sich in ihren Optiker, der ihr schöne Augen macht. Plötzlich mag sie ihr Leben mit Mann und Kind nicht mehr, will ausziehen, will einen anderen Mann (der ein Ach so spannendes Leben führt)....
Ich bin ein ehrlicher Mensch und sagte ihr nicht : "ja tu es und trenn dich" ... Ich sagte auch nicht "das hat alles seinen Grund".
Ich meinte zu ihr, dass sie sich in den Hintern beisst, wenn sie nicht wenigstens versucht die Ehe zu retten ( evt mit Paartherapie, offenen Gesprächen,...). Erst wenn das scheitert, kann man gehen.
Ich war in deiner Situation auch. 11 Jahre Beziehung. Mein damaliger Freund war wie deiner.... Lieb, zuverlässig aber es gab wenig miteinander. Ich verliebte mich in meinen Kollegen. Und war genau wie du jetzt durcheinander, schlaflos, ohne Appetit. Irgendwann haben wir eine Paartherapie gemacht, die letztendlich gescheitert ist, weil mein Ex sich nicht an unsere Absprachen gehalten hat(obwohl er die Therapie wollte 🤷🏻‍♀️). Wir haben uns getrennt und es richtig so. Aber alles versucht es zu kitten.
Hör in dich rein. Was ist dir wichtig. Was ist dir an deinem Partner wichtig. Was ist seine Superkraft? Er hat eine Chance verdient.

Mit meinem Kollegen ging es übrigens auch nach der Trennung nicht weiter. Ich merkte, dass es nicht funktioniert und ich Zeit für mich brauchte....
(nach 2 Jahren liefen wir uns wieder über den Weg und haben eine Familie gegründet)...

LG Audrey

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Du wirst von einem Diamanten geblendet, sobald dieser dich nicht mehr blendet wirst du sehen was du an deinem Smaragd hast.

Aber solange du den Diamant blenden lässt, wirst du wie du selbst sagt dein Smaragd abweisen.

Ich würde dem Diamant erstmal den Rücken zeigen und deinem Smaragd die Chance geben was zu ändern, schauen ob wieder was da ist... jetzt wo er weiß das dich irgendwas/wer blendet.

Wenn du dich doch gegen dein Smaragd entscheidest und der Diamant immer noch funkelt dann wird er der richtige sein und anders rum...

Alles gute Bei deiner Entscheidung. Entscheide aber bitte wie gesagt ohne geblendet zu werden.

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So ging es mir damals auch . Meinen Kollegen konnte ich nicht ignorieren, wir haben eng zusammen gearbeitet. Aber es blieb alles auf professioneller Ebene. Ich habe mich mit meinem Kollegen gut verstanden. Aber er hat nichts versucht. Ich auch nicht.

Aber ich habe gemerkt, dass ich mich in der Gegenwart meines Kollegen viel besser gefühlt habe, als an der Seite meines Mannes. Ich bin Montags gern und gut gelaunt von meinem Mann weg gefahren und mit schlechter Laune am Freitag wieder heim gekommen. Was folgte waren ewig lange Gespräche mit meinem Mann. Wir haben viel versucht. Wir mussten damals aber erkennen, dass wir uns zu weit auseinander entwickelt haben. Wir konnten die Ehe nicht retten. Und haben uns daher einvernehmlich ohne Vorwürfe getrennt.

Ich bin dann ausgezogen. Ein paar Monate später haben mein Kollege und ich erste Annäherungsversuche gemacht. Das war vor 6 Jahren. Heute leben und arbeiten wir zusammen und sind glücklich.

Für mich war es damals der richtige Weg. Rückblickend hätte die Trennung von meinem Ex-Mann schon sehr viel eher passieren sollen. Wir waren seit vielen Jahren eigentlich nur noch eine WG. Aber aus dieser WG sind meine zwei tollen Kinder entstanden, die nicht da wären, hätten wir uns wesentlich eher getrennt.

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Ich habe das auch erlebt, allerdings nicht mit einem Kollegen sondern einem alten Schulfreund, den ich über FB wiedergefunden hatte. Erst nur viel und täglich geschrieben, Fotos ausgetauscht, dann telefoniert, und wir merkten beide, da sind Gefühle. Beide in langjährigen eingeschlafenen Beziehungen mit Kindern. Ich war auch wie du schlaf- und appetitlos, den einen Tag euphorisch und glücklich, den nächsten am Boden. Mein Mann merkte meine Veränderung, dachte, ich hätte eine Depression, sorgte sich, schickte mich zum Arzt... Irgendwann konnte ich nicht mehr und habe ihm gestanden, dass ich mich in einen Anderen verguckt habe.

Dann dasselbe wie bei dir: Er war geschockt und weinte, änderte sein Verhalten sofort, kämpfte um die Ehe und um mich. Ich habe dann den Kontakt zu dem Schulfreund abgebrochen, auch weil ich unsere Familie und alles, was wir uns aufgebaut hatten, nicht zerstören wollte für sowas Ungewisses, von dem ich nicht wusste, ob es passt und hält. Mein Schulfreund meinte zum Abschied noch "Wenn es nicht jetzt wegen mir ist, dass Du gehst, dann gehst du in ein paar Jahren für einen Anderen."

Ich hatte auch wie Du Probleme, die neu aufflackernde Verliebtheit meines Mannes zu ertragen, er klebte plötzlich ständig an mir, wollte kuscheln, küssen, machte Komplimente, wollte viel Sex.... mir war das alles zu viel, innerlich sehnte ich mich weiter nach dem Anderen. Ich war froh, als es sich bei meinem Mann dann nach einem halben Jahr legte und wir wieder in normale Fahrwasser gerieten. Ich hatte in der Zwischenzeit Liebeskummer gehabt wegen dem Anderen wochenlang. Unsere Ehe plätscherte dann noch ein paar Jahre so vor sich hin, bis die Prophezeiung eintraf: Ich lernte wieder einen Mann kennen, der mein Herz höher schlagen ließ.

Das war für mich dann der Anlass, die Ehe als gescheitert zu betrachten und zu beenden. Mit diesem Anderen ist es nichts geworden, damit hatte ich auch nicht gerechnet, ich wäre so oder so gegangen, weil mir da einfach klar wurde, dass ich etwas anderes brauche und suche. Ich weiß nicht, ob ich es finde, aber lieber bin ich allein und habe wenigstens noch die Hoffnung auf ein neues Glück irgendwann, als zu resignieren in einer freudlos gewordenen Beziehungen mit dem ewigen frustrierenden "Soll das jetzt schon alles gewesen sein"-Gefühl die ganze Zeit.

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Ich denke, du musst ergründen, was hinter diesen Gefühlschaos steckt und dir im Klaren werden, was du willst.

Ich kenne aus meinem Freundeskreis tatsächlich beide Seiten: die Eine, in der die neue Verliebtheit nur eine „Flucht“ aus dem Alltagstrott war aber auch die, in der der anfänglich neue Flirt die Liebe des Lebens war und sich daher die Trennung trotz langjähriger Beziehung gelohnt hat.

Der Alltag würde natürlich auch bei einer neuen Beziehung irgendwann einkehren aber ich finde auch, man darf den Alltag in einer Beziehung nicht mit Desinteresse gleichsetzen, den. Desinteresse ist definitiv das Todesurteil für jede gute Beziehung.
Es klingt schon sehr, als ob sich dein Freund nun bemüht aber aus deinem Text lese ich auch heraus, dass du deinen Kollegen dennoch nicht vergessen kannst.
Wie sieht er das überhaupt, ist er genauso verliebt und würde dich gerne näher kennenlernen?

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Erstens einmal würde ich aufhören mit schlechtem Gewissen. Sich zu verlieben, grad wenn man in der Beziehung emotional verhungert, ist ganz normal.

Entscheidend ist dann, was man daraus macht. Du bist soweit du schreibst nicht fremd gegangen, sondern hast es deinem Partner gesagt, für mich eine sehr gute Reaktion!

Jetzt gibt es 2 Optionen: dem jetzigen Partner eine ehrliche Chance geben oder Schluss machen.

Schmetterlinge nicht mehr zu haben ist völlig normal nach einigen Jahren. Nicht normal ist keine Zärtlichkeit & Desinteresse, selbst nach 20 Jahren nicht und sollte man sich mMn auch nicht damit abfinden. Du hast nur ein Leben und ein Recht darauf, vom Partner gesehen zu werden.