Ich weiß was zu tun ist, aber ich habe Angst.

Liebe Urbiamitglieder, mir geht es wirklich sehr schlecht gerade...
Seit einem Jahr bin ich mit meinem Freund zusammen. Wie es so ist lernt man sich erst nach und nach besser kennen, die Macken und Schwierigkeiten. Erstmals so richtig aufgefallen im gemeinsamen Urlaub ist mir bei ihm ein Problem mit Alkohol... Wenn er anfängt kennt er keine Grenze und trinkt bis nichts mehr geht. An jenem Abend, im Urlaub, war er um 20 Uhr schon so betrunken, dass er, wie komatös ins Bett fiel. Eigentlich hatten wir noch auf eine Veranstaltung gehen wollen, uns den ganzen Tag darauf gefreut...
Tags darauf war ein ernstes Gespräch fällig und wir verabredeten, wenn er dann doch mal wieder trinkt und ich merke, es wird zu viel, dass ich ihm das sage... Ganz "verbieten" wollte ich es nicht ich denke, ein erwachsener Mensch muss selbst wissen wie er mit dem Thema umgeht... Zumal er ebenso wie ich weit über 40 ist.

Am letzten Freitag hatte er Geburtstag und ihr könnt es euch vielleicht denken. Er trank erneut völlig drüber. Ich habe ihm irgendwann dann ein Wasser hingestellt und paar Cracker und gesagt ich denke, es reichte jetzt... Völlig verächtlich sagte er dann "ja Mutti". Ich bin dann aufgestanden und habe mich ins Wohnzimmer verzogen.
Er kam dann hinterher, nicht ganz bei sich und fing das Diskutieren an (sinnlos mit so Betrunkenen). Ich habe dann lediglich gesagt, dass ich das einen sehr verletzenden Spruch fand und er mich jetzt bitte in Ruhe lassen solle. Er diskutierte weiter, das sei jetzt also Totschlagsargument (für was habe ich nicht verstanden), dann brach er heulend zusammen und beschimpfte sich als Vollidioten und Trottel. Ich fühlte mich wie im Irrenhaus.

Das ist jetzt eine Woche her und je länger ich darüber nachdenke umso sicherer bin ich mir, dass ich mich trennen muss. Ich möchte das noch etwas erklären. In meiner Beziehung davor bin ich sehr schlecht behandelt worden (Beledeidigungen, Gewalt) und ich habe Jahre gebraucht um darüber hinwegzukommen. Auch dieser Mann hatte ein Problem mit Alkohol. Der Unterschied ist vielleicht, dass mein Nochfreund etwas einsichtiger zu sein scheint was das Thema angeht aber auf der anderen Seite kann ich mir ein Leben an der Seite eines Mannes der zu solchen Ausfällen neigt nicht vorstellen. Mehr noch ich kann es mir auch psychisch nicht leisten.

Ich habe selber echt große Baustellen gerade. Die Coronasituation setzt mir finanziell und existenziell extrem zu und ich hatte beinharte Wochen hinter mir. Jetzt bin ich niemand, der groß Gewese um sich und seine Befindlichkeiten macht. Ich habe jedoch meinen Freund durchaus gebeten jetzt kommt es nett zu mir zu sein. Das ging ja irgendwie schief. An seinem Geburtstag holte ich ihn ab, da war er bereits verkatert und ungepflegt er hatte reingefeiert gehabt. Ich hatte eine Geschenketüte mit lauter Kleinigkeiten und einer Karte, die wurde nicht einmal groß beachtet. Einen Kuchen hatte ich gebacken und als das Saufdrama seinen Lauf nahm stand ich in der Küche um ihm sein Lieblingsessen zu kochen. Wie Muttis es so tun... Und dann wage ich es noch ihn vom Weitertrinken abhalten zu wollen damit der Abend nicht komplett wieder gelaufen ist.

Seine Reaktion jetzt auch halt, es geht ihm schlecht weil er mich beleidigt hat. Was soll ich dazu noch sagen, da fehlen mir die Worte.

Eine Trennung ist schon unausweichlich aber jetzt kommt es ich habe massiv Angst davor. Schon wieder alleine. Ich war lange lange Zeit alleine vor dieser Beziehung mir braucht keiner mehr sagen wie toll das sein soll. Das tut sich gerade vor mir auf wie ein schwarzes Loch und mir geht es richtig schlimm damit. Vor allem jetzt noch in der Coronazeit kann ich die Dinge gar nicht tun die ich eigentlich tun würde um meine Belastung zu reduzieren. Ich scheue also vor dem Schritt zurück weil ich wirklich Angst habe alleine zu sein wieder. Kann das jemand verstehen oder auch wenn nicht vielleicht hilft ja auch Kopf waschen.

Mit Freunden will ich gerade nicht sprechen ich schäme mich so sehr, dass eine Beziehung erneut an den gleichen Gründen scheitert wie die davor. Bitte seid nicht zu hart mit mir. Mir geht es wirklich nicht gut und ich bin etwas verzweifelt.

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Ich kann dich gut verstehen. Das Leben mit einem Alkoholiker ist die Hölle. Dass du dir das nicht antun willst ist klar.

Die Angst vor dem Alleinsein kann dir niemand nehmen. Die Angst vor einem Leben mit diesem Partner sollte wesentlich größer sein.

Es war noch nie so leicht, einen Partner zu finden. Das Internet ist voll mit Menschen, die eine Partnerschaft anstreben. Meine Schätzung ist, dass ca. 5 % echte Perlen sind. Die meisten von diesen haben lange Partnerschaften hinter sich, in denen sie unglücklich waren. Einer solchen musst du erwischen, wenn er sich gerade getrennt hat und noch nicht von einer anderen geschnappt wurde.

Ich wünsche dir viel Glück #klee

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"Die Angst vor einem Leben mit diesem Partner sollte wesentlich größer sein."

Ja da hast du Recht aber momentan fühlt es sich nicht so an. Internetgeschichten sind nicht mein Ding ich habe auch da keine guten Erfahrungen gemacht. Ich möchte ja jetzt auch nicht auf Krampf einen neuen Partner suchen. Erst einmal diese Geschichte verarbeiten dann weitersehen. Ich habe trotzdem furchtbar Angst vor diesen langen öden Wochenenden die jetzt wieder auf mich zukommen und durch Corona ist es halt nicht besser, aber gut da werde ich schon durch...

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Dein Partner ist dir keine Stütze, sondern eine zusätzliche Baustelle...

Also stellt sich mir schon die Frage: was ist schlimmer?

Ich bin schon ziemlich lange alleine und ich sage sicher nicht, dass es immer toll ist und an manchen Stellen nicht ein Partner fehlt, aber auf Teufel komm raus muss das wahrlich nicht sein.
Warum hast du Angst davor? Welchen Mehrwert bringt dir diese Beziehung?

Und vor Freunden schämen musst du dich dreimal nicht. Ich bin mir sicher, dass echte Freund wollen, dass es dir gut geht und nicht noch schlechter.

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Der Mehrwert ist die Gesellschaft und Verbundenheit, gemeinsame Unternehmungen, gemeinsam geteilte Interessen und Gespräche. Nein auf Teufel komm raus sicherlich nicht und du hast ja auch Recht. Ich fand das Alleinsein trotzdem nicht schön, ich fand es schrecklich in ganz vielen Aspekten. Liegt aber auch daran, dass ich eigentlich ein Familienmensch bin...

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Hey!

Ich finde deinen Partner auch nicht sonderlich einsichtig. Statt dass er sich um dich kümmert, scheint er in Selbstmitleid zu baden, weil er dich nicht gut behandelt. Richtige Einsicht ist anders.

Ich würde dir auch zur Trennung raten. So hast du bessere Chancen, jemand passenderes zu finden.b vielleicht solltest du aufarbeiten, warum du immer an solche Kerle gerätst.
Ansonsten glaube ich, dass sich die Gewalt in deiner letzten Beziehung auch nicht von heute auf morgen entwickelt hat, oder? Ich fürchte, in der Beziehung mit einem Alkoholiker hast du ein hohes Risiko, dass es wieder so kommen könnte.

Ich wünsche dir, dass der nächste Partner besser passt.

Liebe Grüße
Schoko

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Ich fühle mit dir. Ich hatte vor ein paar Jahren mit knapp 20 ebenfalls einen Freund, der dem Alkohol etwas zu sehr zugeneigt war. Das Alter ist ein anderes, das Gefühl ist das selbe.

Dass du dich trennen musst, ist unausweichlich. Gut, dass du das siehst.
Dass alleine sein schwierig sein kann, gerade jetzt, ist eine Tatsache. Wie hier schon jemand schrieb, die Angst kann dir keiner nehmen.
Was ich mir aber bei deinem Beitrag denke: Lieber allein und im ersten Moment unglücklich drüber, als in einer Beziehung und dauerhaft unglücklich!
Die Trennung wird dir neue Türen öffnen und Platz für eine neue Liebe schaffen. Sicher nicht heute oder morgen, aber eines Tages. Und dann wirst du froh sein, den Schritt gegangen zu sein.

Sei mutig! Du schaffst das alles wunderbar allein, du brauchst keinen Ballast an deinem Bein!

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Verstehe ich es richtig, dass er in dem Jahr seit dem ihr zusammen seid 2x einen über den Durst getrunken hat?

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Ich kann gut verstehen, dass Du durch die schlechten Erfahrungen in Deiner vorherigen Beziehung vorbelastet bist und, dass es eine sehr unangenehme Situation war, Deinen Partner sturzbetrunken zu erleben. Aber kann man von Alkoholismus sprechen, wenn er in dem Jahr zwei Mal betrunken war?

Wenn Du das Gefühl hast, nicht damit leben zu können, wirst Du Dich trennen müssen. Aber ich würde nicht sagen, dass er Alkoholiker ist, wenn er im Jahr zwei Mal trinkt.

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Danke schon einmal für die Antworten. Aber ich muss da wohl was klarstellen. Er war nicht "nur" zweimal betrunken sondern zweimal in meinem Beisein so dermaßen betrunken, dass gar nichts mehr ging. Das hat er im Urlaub im gemeinsamen Gespräch ja selbst eingeräumt: "Wenn er anfängt kennt er keine Grenze und trinkt bis nichts mehr geht" das war auch seine Aussage und ja ich sehe das als sehr problematisches Trinkverhalten an Kontrollverluste in Kauf zu nehmen. Besonders wenn man weit über 40 ist und sein Limit kennen müsste. Zum Alkoholiker habe ich ihn dadurch nicht genannt aber als jemand der zu problematischem Trinkverhalten neigt und wo die Beziehung drunter leiden wird. Das hat sie jetzt schon zum zweiten Mal hintereinander binnen kurzer Zeit. Anfangs mag er sich in meiner Anwesenheit noch gemäßigt haben aber wir wohnen nicht zusammen und im Nachhinein betrachtet gab es doch den ein oder anderen Abend wo er mir sehr kryptische Nachrichten schrieb die wie ich nun vermute unter zu viel Alkohol entstanden sind.
Wie dem auch sei waren beide Situationen keine schönen Erfahrungen für mich und natürlich habe ich auch Angst wie es weitergeht sollte das häufiger jetzt vorkommen.

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Also erst einmal, musst du dich vor allem vor deinen Freunden nicht schämen (!!) dass diese Beziehung aus den selben Gründen scheitert wie die andere. Das verstehe ich nicht? Was hat das denn mit dir zu tun? Und was für Freunde wären es, wenn sie dich deshalb irgendwie dumm anmachen würden??

Dann das hier zum Thema Single sein: „Das tut sich gerade vor mir auf wie ein schwarzes Loch und mir geht es richtig schlimm damit.“ Ich denke das ist das Problem! Keiner sagt dir, wie „toll“ es ist Single zu sein, aber es ist besser als mit einem Alkoholiker zusammen zu sein! Es ist besser als sein Leben lang Kompromisse einzugehen, die man eigentlich nicht machen will, nur damit man einen Partner hat? Ich bin selbst schon 8 Jahre Single, und ja, es gibt Momente der Einsamkeit. Aber das ist mir immer noch lieber, als mir „den nächst Besten“ zu schnappen.

Wie lange hast du denn alleine als Single gelebt? Es ist wichtig sowas auszuhalten!

Alkoholismus kannst du nur mit einer langen Therapie in den Griff kriegen. Aber da er das vermutlich nicht will, bleibt dir nix anderes übrig als zu gehen wie du schon sagst.

Wovor hast du Angst? Wenn er dich wirklich lieben würde, (und sich, und euch!) würde er eine Therapie machen!! Das einzige worin er sich weiterhin suhlt ist Selbstmitleid.

Ich würde ihn vor die Wahl stellen. Es wird nichts mehr getrunken. Und DOCH das kannst du ihm verbieten! Das hat nix damit zu tun, dass er schon erwachsen ist oder nicht. Es geht auch um DEIN seelisches Wohl! Er soll sich entscheiden. Der Alkohol oder ihr.

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Schon alles richtig, was du sagst, nur werde ich ihn nicht vor eine Wahl stellen und mich dann in Hoffen und Bangen begeben ob er eine Therapie überhaupt macht diese durchzieht diese Erfolg haben wird.
Dass ich mich trenne ist so gut wie fix, aber ich habe nun einmal Angst und hier einfach auf ein bisschen Verständnis gehofft. Ich war vor dieser Beziehung fast fünf Jahre alleine und nein ich fand das Singlesein nicht toll und mir graut es insbesondere vor den Wochenenden.

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Ich finde nicht, dass du mit einer Trennung gescheitert bist. Eher, wenn du mit diesem Menschen, der dir so offenkundig nicht gut tut, zusammen bleibst und sehenden Auges in dein Unglück rennst.

Eine Beziehung um der Beziehung Willen ist einfach Quatsch und nicht gut und zielführend 🤷‍♀️