Liebe nach 20 Jahren

Ihr Lieben,

ich brauche euch mal, um herauszufinden, wie es hier weitergehen soll.

Ich bin mit meinem Mann seit 20 Jahren zusammen. Er war mein erster Freund und der einzige, den ich je geküsst habe, von allem anderen mal zu schweigen.

In den letzten Jahren ging es mit unserer Beziehung steil bergab, wir haben uns sehr voneinander entfernt. Ich will hier nicht zu lange erzählen, aber auf jeden Fall lief es darauf hinaus, dass ich vor etwa einem Jahr für mich feststellte, dass ich kreuzunglücklich war, und das Gefühl hatte, ich hätte ihn nie heiraten sollen. Ich habe Monate mit mir gerungen und mir schließlich eingestanden, dass diese Beziehung für mich zur Last geworden ist, ich mich emotional völlig entfernt habe. Ich hatte ein furchtbar schlechtes Gewissen, ihm weh zu tun und den Kindern die heile Familie zu zerstören, war aber letztendlich so unglücklich mit der Situation, dass ich mich dennoch dazu entschlossen habe, ihm zu sagen, dass ich mich trennen möchte.

Das war Ende September, und wir sind nun noch nicht getrennt. Er ist völlig zusammengebrochen, sprach von Selbstmord, hatte Panikattacken, aß nicht mehr. Änderte die Dinge, die ich seit Ewigkeiten an ihm kritisiere, über Nacht (und hält das bis jetzt tadellos durch). Wir machen eine Paarberatung.

Mein Problem ist nun folgendes:
Er stellt sich auf den Kopf für mich, will alles richtig machen. Er hat plötzlich seine große Liebe zu mir wiederentdeckt, findet mich anziehend, ist komplett verliebter Teenager, will so viel Zeit wie möglich mit mir verbringen, braucht ganz viel Nähe, will am liebsten richtig knutschen und auch endlich wieder Sex mit mir haben. Er gibt sich wirklich die größte Mühe, und zeigt sich als guter Partner und Papa (wir haben zwei Kinder).
Nur... ich mag ihn ja noch, und ich werde ihn immer als Teil meines Lebens und meiner Familie sehen. Sein Wohlergehen ist mir wichtig. Ich fürchte nur, dass ich mehr als positive freundschaftliche Gefühle auf meiner Seite vielleicht nicht mehr kommen werden. Und frage mich dabei: erwarte ich vielleicht zu viel Gefühl? Dass da nach 20 Jahren keine Schmetterlinge mehr da sind, ist ja eigentlich völlig normal. Aber wie fühlt sich Liebe nach langer Zeit an?

Ja, es tut gut, wenn wir uns in den Arm nehmen.
Küsschen gehen mir leicht von den Lippen, aber längere Küsse, knutschen, Zungenküsse widerstreben mir zutiefst.
Ich finde ihn nicht sexuell anziehend und habe nicht das Bedürfnis mit ihm intim zu werden. Mit einem anderen, neuen Mann könnte ich mir das hingegen durchaus vorstellen. Es mag aber sein, dass wir Sex auch wieder "lernen" können. der Versuch steht noch aus. Über unsere Wünsche in diesem Bereich haben wir bereits gesprochen und sind uns im Prinzip einig.
Würde er ausziehen, glaube ich, dass mir zwar ein Partner fehlen würde, aber ich habe im Moment nicht das Gefühl, dass ich ihn vermissen würde.
Ich mag ihn wirklich, und ich will, dass es ihm gut geht. Er ist mir wichtig. Wir verstehen uns gut und können viel miteinander lachen.
Er hat Fehler, und sich in den letzten Jahren nicht gerade von seiner Schokoladenseite gezeigt, aber er hat eigentlich ein gutes Herz und ist ein echter Familienmensch.
Und nun frage ich mich: Wie fühlt sich eigentlich Liebe nach einer so langen Beziehung an? Erwarte ich zu viel romantisches Gefühl und ist es irgendwie normal, dass man sich schätzt und einfach als Familienmitglied und Freund mag? Sollte ich mich nicht glücklich schätzen, einen Mann zu haben, der mich aufrichtig liebt und gerade alles für mich gibt? Ist mein Anspruch an meine eigenen Gefühle zu hoch, zu sehr Hollywood?

Ich habe das Gefühl ich sehne mich nach einem neuen Mann an meiner Seite, danach auch wieder "richtig" zu lieben. Wobei neu natürlich auch Herzklopfen und Schmetterlinge bedeutet, die ich in einer so langen Beziehung einfach nicht erwarten kann. Also sind da einfach meine Erwartungen zu hochgestochen?

Wie seht ihr das?

Vielen Dank!

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Ich bin seit fast 23 Jahren mit meinem Man zusammen, davon 20,5 Jahre verheiratet und 3 Kinder. Wir hatten unsere Höhen und ein paar Tiefen. Es gibt ein paar Sachen die mich stören, aber viel mehr die ich an ihm liebe. Er ist nicht mein 1. Freund...daher konnte ich da einiges gut einschätzen bei ihm.
Momentan ist nach jahrelanger "Ruhe" wieder mehr Leidenschaft bei uns eingezogen--ich fand ihn aber immer attraktiv und anziehend und dass du ihn eben nicht mehr als Mann magst sondern eher als Freund deutet nicht grade daraufhin, dass du ihn noch liebst.
Dass einem nach 20 Jahren nicht ständig Schmetterlinge durch den Bauch fliegen oder man nicht ab und zu mal in einem Tagtraum einen anderen Typen hat...normal würde ich sagen ;-)
Aber so völlig ohne Leidenschaft sein ist doch doof, dafür bist du noch zu jung.
Vielleicht trennt ihr euch mal eine Weile, manchmal weckt das ja die Leidenschaft wieder. Und wenn nicht, weißt du wenigstens welchen Weg du gehen musst.

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Du sehnst dich eher nach dem Gefühl der Verliebtheit, nicht danach, "richtig" zu lieben.
Den Fehler machen so viele Paare, einer merkt, dass er unglücklich wird, aber wartet jahrelang ab, bis gar nichts mehr geht gefühlsmäßig.
Ich glaube, dein Mann kann noch monatelang Männchen machen, die Möglichkeit, dass du deine kaputten Gefühle wieder kitten kannst, ist eher gering, Freundschaft ja -Partnerschaft nein.
Es sei denn, dein Mann würde sich darauf einlassen, dass ihr euch sehr, sehr langsam wieder annähert, was aber auch keine Garantie für ein gutes Ende ist.
Zumal du dich gedanklich schon so weit entfernt hast, Sehnsucht nach einem neuen Mann zu haben.

Eine Paarberatung sollte stattfinden, wenn einer von beiden eine Schieflage empfindet und nicht erst, wenn der Karren vor die Mauer gefahren wurde.

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Ich weiß nicht recht, ich habe eher das Gefühl, ich empfinde für meinen Mann eben nur noch Freundschaft, obwohl ich doch auch lieben möchte. Und ich frage mich, ob mir da nicht etwas essentielles im Leben fehlt. Oder ist das noch Liebe, die ich da empfinde? Sollte ich ihn nicht auch vermissen, mich mal nach ihm sehnen, mir seine körperliche Nähe wünschen? Ist so etwas nur Teil frischer Verliebtheit und deshalb normal, dass es nach so vielen Jahren nicht mehr so ist?

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Das meinte ich ja in meinem vorigen Beitrag, du hast zu lange gewartet und ausgehalten, dabei ist deine Liebe auf der Strecke geblieben, von daher verstehe ich dein Nichtvermissen und deine Abneigung gegen körperliche Nähe.
Damit will ich dir aber keine Schuld geben.
Bei euch ist vermutlich irgendwann die Kommunikation eingeschlafen.

Zu deiner Frage, ich kenne in meinem sehr nahen Umfeld (Familie) fünf Ehepaare, sie sind ganz sicher nicht mehr verliebt, aber lieben sich, alle länger als 40 Jahre verheiratet.
Die Kinder sind aus dem Haus, sie verbringen viel und gerne Zeit miteinander und die Art, wie sie miteinander umgehen, ist einfach schön.
Also ja, das gibt es.

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Ich tausche mit Dir.

Seit die Kinder da sind zeigt mein Mann so viele schlechte Eigenschaften (ständiges Rumgemeckere, Rumgeschreie, teils ausfällig werdend), dass ich ihn sofort gegen deinen Mann tauschen würde.

Einfach mal Harmonie und keinen Stress und Geschrei wären für mich der Himmel auf Erden.

Was Du suchst ist vermutlich die anfängliche Verliebtheit. Danach schwächt es auch beim nächsten Partner ab.

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Naja, die Harmonie haben wir plötzlich, seit ich gesagt habe, dass ich daran denke mich zu trennen.
Davor gab es viel Stress, übelste Flucherei seinerseits bei allem, was ihm gegen den Strich ging, von nicht funktionierender Elektronik bis Niesen, Beleidigungen und Respektlosigkeiten. Dass meine Gefühle für ihn weggebröckelt sind, kam nicht von ungefähr.

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Ich glaube nicht, dass man einen anderen im Tausch nehmen muss, wenn man den vorhandenen Partner nicht mehr will.
Keinen Stress und kein Geschrei kann man ja auch ohne Partner haben.

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Hallo!
Mein Mann und ich sind genau 16 Jahre zusammen! Er war nicht mein erster Freund, aber mein zweiter! Wir sind jung zusammen gekommen, ich bin jetzt gerade mal Mitte 30, und wir haben auch zwei Kinder!

Mir ging bzw. geht es sehr ähnlich wie dir, wobei ich den neuen Mann quasi schon vor Augen hatte! Hier lese ich oft "fremdverliebt". Ich möchte aber dazu sagen, dass da nie was lief, wenn überhaupt ein kleines bisschen Flirten!
Auch ich mag und schätze meinen Mann sehr! Wir kennen uns einfach in- und auswendig, sind sehr harmonisch miteinander und ein gutes Team! Ich kann mich immer auf ihn verlassen!
Aber das Verliebt-sein fehlt mir auch! Ich habe auch ehrlich gesagt schon über Trennung nachgedacht! Wir haben auch schon sehr offen miteinander gesprochen, aber für ihn wäre Trennung gar kein Thema!

Ich habe jetzt für mich beschlossen, dass ich darum kämpfen will, was wir miteinander haben! Eine Therapie wollen wir beide nicht. Ich rufe mir einfach immer wieder in Erinnerung, was ich toll an ihm finde und was ich an ihm habe! Keiner garantiert mir, dass ich es mit dem neuen Mann auch nur ansatzweise so gut hätte, wie mit meinen Mann! Mit jedem würde irgendwann der Alltag einkehren und wer weiß, was der andere für Macken hätte! Die Macken von meinem Mann kenne ich gut genug! Mein Mann gibt sich nach den Gesprächen auch einigermaßen Mühe, wobei ich merke, dass er sich auch meine Bemühungen gerne gefallen lässt... Ab und zu muss ich ihn dann doch wieder ein bisschen wach rütteln!
Wir sind noch nicht über den Berg würde ich sagen und die Gedanken an den anderen Mann und die Sehnsucht nach Schmetterlingen und Kribbeln im Bauch ist auch noch da! Aber wir kämpfen dafür!
Und wenn ich das noch erwähnen darf, hatten wir am Wochenende den besten Sex seit Ewigkeiten!

Und ab und zu stelle ich mir dann vor, wie wir beide in 20 Jahren Hand-in-Hand im Urlaub rumschlendern, glücklich und verliebt mit dem Wissen, dass wir eben auch diese Krise überwunden haben!

Ich wünsche dir und deinem Mann alles Gute!

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Gute Freundschaft wäre mir zu wenig.

Mein Mann und ich sind seit über 30 Jahren zusammen und seit über 20 verheiratet; die drei Söhne sind zwischen 12 und 20.

Klar hat man da kein Dauerherzklopfen mehr, wär ja auch anstrengend.
Zum Vermissen hab ich keine Zeit, er geht ja nur zwei, drei Mal pro Woche zum Arbeiten aus dem Haus (momentan etwa 50% im Büro, 50% Homeoffice).
Aber das gegenseitige Begehren ist schon noch da und das nicht selten (Homeoffice hat was, vor allem, wenn die Kinder in der Schule sind, und der Student lang schläft oder in der Bibliothek sitzt;-)).

Manchmal guck ich ihn nur an und denk "wow, ich bin so froh, dass ich ihn hab"#verliebt. Ich genieße die Zeit mit ihm, könnte mir keinen vorstellen, der besser zu mir passen würde und manchmal flattern auch die Schmetterlinge noch.

Ich kann eure Beziehung nicht beurteilen, ob das wieder was wird. Aber ich finde, du erwartest nicht zu viel, wenn du dir mehr als Freundschaft wünschst.

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Ich habe das Gleiche in grün hier: mein Mann hat sich vor 4 Monaten vom Saulus zum Paulus verwandelt, als ich endlich so weit war, dass ich mich trennen wollte. Davor lief es jahrelang sehr schief und ich hab's oft versucht zu thematisieren, aber nie Gehör gefunden und mich jahrelang selbst diszipliniert nach dem Motto "Denk an die Kinder, denk an alles, was ihr euch aufgebaut habt".
Mein Körper hat schon viel vorher reagiert: die Lust auf meinen Mann schwand und war irgendwann ganz weg.

Nach einem sehr großen Streit um unser Hauptthema wollte uch ausziehen.

Dann kam hier die gleiche Situation: Heulen und Flehen, Reue und die Totalverwandlung.

Allerdings konnte er mir nie erklären, warum er sich vorher jahrelang Scheiße verhalten hat und jetzt auf einmal, wo er seine Felle wegschwimmen sieht, anders kann.

Ich empfinde das als besonders perfide Art von Egoismus. Ich nehme ihm seine Verhaltensänderungen nicht ab. Sie kommen mir vor wie Hohn. Und ich soll jetzt auf einmal wieder, Schnipp, funktionieren? Da komme ich weder kopf- noch gefühlsmäßig hinterher. Das ist keine langsame Wiederannäherung, sondern eine Schockverwandlung von Mr. Hyde zu Dr. Jekyll.

Jetzt wird mir auch noch die Enttäuschung aufgebürdet, dass ich immer noch nicht mit ihm schlafen will, obwohl er vier Monate lieb war.

Das ist irgendwie alles so unsexy.

Keine Ahnung, wie Liebe sich nach 20 Jahren anfühlen sollte, in meinem Fall bin ich mir sicher: so nicht.

Und dann kannste nicht mal mehr rational begründen, was jezzt noch falsch läuft, obwohl der Mann alles tut, was man jemals verlangt hat... ist aber so: gefühlsmäßig läuft bei mir noch einiges falsch. Es fühlt sich falsch an. Keine Ahnung wieso.

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Das klingt wirklich nach dem gleichen in Grün.

Sinngemäß: "Ich mach doch wirklich alles und liebe dich doch so sehr und bin bereit mich zu verbiegen und dich auf Händen zu tragen - da musst du dich doch wieder in mich verlieben" - nein, muss ich nicht. Und allein der Druck hält mich auf Distanz...

Und ich fühle mich auch manchmal latent verarscht, dass ich 20 Jahre lang sage, dass ich z.B. die Flucherei aus der untersten Schublade nicht ertrage und vor den Kindern absolut unmöglich finde, und es ändert sich nichts, und wenn ich dann sage, er ist halt so, ich möchte damit nicht mehr leben, also trenne ich mich, dann geht es auf einmal!

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Und alles, was ich vorschlage, um den Druck zu minimieren: räumliche Trennung, erst Mal Eltern-WG ohne den Druck, Sex haben zu müssen, langsame Annährung (Paartherapie oderceinfach nur feste Abende Zuhause, an denen wir reden oder auch nur was spielen) wird abgelehnt. Nee, ich soll bitte schön jetzt und sofort wieder lieb und zugänglich sein.
Er ist es doch jetzt auch.

Die Schmetterlinge im Bauch waren jahrelang im künstlichen Koma (ich hab sie sediert, ums hier auszuhalten). Wenn man die jetzt aus ihrem Dornröschenschlaf reißt, kommen die bestimmt gar nicht klar und krepieren. Die wollen mit Samthandschuhen angefasst werden und brauchen ihre Zeit.

Und die kriege ich gefühlt nicht.

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Ich bin „erst“ 10 Jahre mit meinem Mann zusammen und klar, Schmetterlinge sind da nicht mehr so wirklich da. Aber tatsächlich finde ich das nicht schlimm.

Klar wird man manchmal etwas neidisch, wenn man frisch verliebte Paare trifft, wo alles noch spannend und neu und aufregend ist.

Trotzdem liebe ich meinen Partner wirklich aus vollstem Herzen und würde das nicht eintauschen wollen. Denn es bleibt nicht spannend und aufregend.

Meine Gefühle für meinen Mann sind auch definitiv stärker und romantischer, als für einen guten Freund (kann jetzt nicht erklären, warum oder woran ich es festmache, aber ich fühle es so).

Das klingt bei dir halt anders. Es gibt in meinen Augen nicht nur „verliebt/Schmetterlinge“ oder „Freundschaft“, sondern definitiv was dazwischen, bzw die Kategorie „liebe“. Die scheint dein Mann nicht zu erfüllen und ich vermute, das kommt auch nicht mehr 🤷‍♀️ Du bist da emotional schon raus aus der Nummer.

Er kann natürlich trotzdem ein toller Vater und ihr eine gute Familie sein. Nur ist er dann eben nicht mehr dein Partner, das würde ich strikt trennen!