Streit um nichts!

Am Sonnabend sagte ich meiner Frau, das wohl der Rosmarinstrauch im Garten eingegangen ist, weil er ganz grau geworden ist und vertrocknet aussieht. Sie sagte, dass er nicht tot ist und wieder grün. Dem hinzu fügte sie pauschal und ungefragt hinzu, das ich doch gar keine Ahnung im Garten hätte. Darüber ärgerte ich mich sehr und fragte sie, warum sie mir das so jetzt unbedingt sagen müsste. Sie sagte, das sei doch so und da sei doch nichts dabei. Ich kenne doch schließlich kaum Blumen und Pflanzen im Garten. Ich soll mich nicht so haben. Sie konnte nicht verstehen, warum ich mich davon verletzt. Daraus hat sich ein handfester Streit entwicklt, weil ich der Meinung war, das es völlig unötig war aber sie drauf bestand, weil es so sei, das ich keine Ahnung hätte. Keiner war bereit, seine Meinung aufzugeben. Nach längerer Zeit hat sie dann gesagt, das es ja nicht so gemeint war, aber ich ja wirklich keine Ahnung hätte vom Garten. Wir haben seit über zwanzig Jahren ein Haus mit Garten und in der Tat sind die Blumen ihr Gebiet aber ich kümmere mich viel um Gemüsepflanzen, wie die Anzucht der Gemüsepflanzen und weitestgehend die Gartenbewässerung und auch das Rasenmähen.
Tja, das sind die "wirklichen Probleme" einer schon etwas längeren Ehe. Wie seht ihr das ? Wie hätte man diesen Streit rechtzeitig beenden können?
Liebe Grüße

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Der Klassiker aller Kommunikationsprobleme:
Eine Aussage auf der Sachebene wird persönlich aufgefasst. Deine Frau hat offensichtlich den Satz nicht sachlich aufgegriffen „Der Strauch sieht welk aus“ sondern vermutlich als persönlichen Angriff darauf, dass sie sich nicht genug darum gekümmert hat. Deswegen auch die für dich verletzende Antwort von ihr.
Manchmal ist man dünnhäutig und fasst sachliche Informationen falsch auf. Jeder von euch hätte diesen „absurden“ Streit beenden können. Du hättest dich fragen können, was an deiner Aussage hätte missverstanden werden können und sie hätte ihre Antwort besser reflektieren können- also „was genau stört mich an der Aussage meines Mannes“.
Ihr habt beide die Kurve nicht gekriegt. Ist doch nichts schlimmes dabei und meiner Meinung nach völlig normal.
Btw. wenn ich alle Sträucher weggeschmissen hätte, die der Meinung meines Mannes nach tot sind, hätten wir kaum Pflanzen oder würde unnötig Neue kaufen. Aber er weiß selbst, dass er für die Pflanzenwelt zu ungeduldig ist.
Mach jetzt aus der Mücke keinen Elefanten- wenn das eure einzigen Streitthemen sind, dann ist doch die Welt in Ordnung.

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Hallo

Was hängt dir besonders nach, dass du hier deswegen einen Thread eröffnet hast? Was wurmt dich am meisten? Streiten dürftet ihr ja schon öfter in dieser längeren Ehe. Ansonsten: Du weißt, was du bist und was du kannst - lass dich nicht beirren.

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<< Ich soll mich nicht so haben >>

Das wäre die vernünftige Lösung gewesen. Aber du warst zum Streiten aufgelegt und hast die Gelegenheit dazu genützt.

Auch deine Frau konnte aufgestauten Zorn loslassen. Ihr habt einander etwas Gutes getan.

Manchmal entlädt sich verdrängte aufgestaute Wut auf Unschuldige. Das könnte auch ein Grund für euren Streit gewesen sein.

Erinnert euch daran, warum ihr geheiratet habt.

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Hallo!

Ich sehe das wie April85. Deine Frau hat sich durch deine Bemerkung wahrscheinlich persönlich angegriffen gefühlt und "zurückgeschlagen".

Ein ähnliches Beispiel aus unserem Alltag...
Als mein Mann unsere Tochter wickelte, sagte er sowas wie: "Mensch, der Windelmülleimer ist ja schon wieder randvoll!"
Ich fühlte mich direkt angesprochen und dachte, das sei ein Vorwurf, dass ich ihn noch nicht geleert hatte.
Nach einem kurzen Wortgefecht kam aber heraus, dass das nur so dahingesagt und überhaupt nicht vorwurfsvoll gemeint war. Mein Mann wollte eher darauf hinaus, dass unsere Tochter anscheinend eine gute Verdauung hat.😅

Was uns hilft:
Direkt in der Situation zu fragen, wie es gemeint ist. Oder andersrum zu sagen, dass das kein Vorwurf sein soll, sondern nur eine Feststellung.

Ps: Und wie du schon selbst andeutest... es gibt Schlimmeres.😉

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Genau das ist der Grund, warum ich davon überzeugt bin, dass man mit einem Partner immer irgendwann genau da endet, wo ihr auch seid.
Ich lebe daher ein anderes Modell, bin verheiratet auf dem Papier, bleibe wegen des Kindes und liebe einen Mann, der ebenfalls verheiratet ist und aus unterschiedlichen Gründen auch bleibt.
Darüber können alle Leser gerne urteilen - mein Lebensmodell, welches ich mir erträumt habe, ist es auch nicht, aber um Schluss zu machen ist es längst zu spät.

Es gibt schwere Momente, in denen man sich wünscht, dass man zusammen leben kann, aber es ist gut so, wie es ist.
Wir sparen uns den Liebeskiller „Alltag“, streiten nicht über Geld, Kinder, Urlaube oder Pflanzen.
Denn ich kenne in meinem Umfeld nicht eine einzige Ehe, die nicht von all dem Alltagskram zerfressen ist.
Jeder bleibt aus Pflicht, weil es halt so ist wie es ist, man macht sich keine Gedanken, lebt immer im gleichen Trott.

Das ist jetzt sicher keine Empfehlung, die ich aussprechen will, „such dir eine Nebenbeziehung“, es zeigt nur, wie zermürbend es sein kann, wenn man sich nur noch in Kleinigkeiten verstrickt, die sich oft hochschaukeln, Wut über ganz andere Themen zum Vorschein kommen und das alles, weil man schon längst den Draht zueinander verloren hat.

Ich genieße meine Zweitbeziehung und ja, es ist Liebe seit vielen Jahren. Nur weil man sich nicht mit Haus/Hof/Kind zueinander bekennt, sagt das nicht, dass man sich nicht lieben kann.
Wir haben auch zwischenmenschliche Differenzen manchmal, keiner ist perfekt, aber wir schätzen und respektieren uns, sind uns nahe und lassen uns leben.

Das ist doch das, was leider irgendwann abhanden kommt, weil der Alltag erdrückt, wenn man nicht aufpasst.

Wenn ihr euch liebt, geht mehr aufeinander zu. Oder geht mal ein Weilchen auf Distanz zueinander - man freut sich wieder mehr aufeinander.

Ich bin sehr froh, dass ich es anders kenne und erleben darf, ich würde mit meiner Liebe niemals eine feste Beziehung wollen - die Angst vor all der Routine, dem Verlust der Leidenschaft und vor allem des Respekts wäre viel zu groß.

Alles Gute!

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Zieht dein Modell nicht auch Probleme mit sich? Toleriert dein Mann den anderen?
Das Leben in einer Zweckgemeinschaft (wegen der Kinder) muss man mögen.

Ich bin das Kind einer Zweckgemeinschaft.
In meiner frühen Jugend hab ich es erst realisiert. Ab da hätte ich mir gewünscht, dass meine Eltern sich trennen. Auch wenn sie versucht haben es gut zu tarnen, hab ich es immer gespürt, dass in unserer Familie etwas nicht stimmt. Schon als kleines Kind, aber da konnte ich damit noch nichts anfangen.
Drum sage ich, wenn eine Ehe am Ende ist, sollte man es auch zu Ende bringen.
Man tut seinen Kindern keinen Gefallen damit.

Einerseits findest du dein Modell gut, andererseits schreibst du, dass du es dir dein Leben so nicht vorgestellt hast.
Ist nicht böse gemeint, aber so ganz glücklich klingt es nicht.

Wird die ein und dieselbe Affäre nicht irgendwann auch zum Alltag?
Da passiert doch nach Jahren auch nix mehr Neues, oder?

Ich will dich bei Gott nicht verurteilen. Jeder soll leben wie er gern möchte.

Mich interessiert das nur weil ich eben selbst aus einer kaputten Ehe stamme und eben nicht ganz verstehen kann warum man das eingestürzt Gerüst aufrecht erhält. Denn mein Fazit daraus ist, dass niemand der Beteiligten etwas Positives daraus hat.

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Wir steigen aus solchen sinnlosen Diskussionen gern aus mit: "Du hast Recht und ich habe meine Ruhe" ✌️ Für uns ist der Satz einfach die weiße Flagge, die dem anderen signalisiert, dass es die dumme Diskussion doch gar nicht wert ist und jeder gerade meint das er Recht hat.

Manchmal kommt es einfach vor, dass man den falschen Tonfall erwischt oder der andere etwas völlig falsch versteht.
Da drücken wir einfach fix den Not-Aus-Knopf. Meist reden dann später noch mal vernünftig, wenn sich die Situation etwas entspannt hat oder lachen dann auch schon mal direkt über das Missverständnis.

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Du hast Dich durch ihre Aussage angegriffen gefühlt, da sie undifferenziert war und diese sich deshalb unfair anfühlte.

Du hast Ihr Deine Gefühle (mehr oder weniger deutlich) mitgeteilt und sie ist nicht auf Deine emotionale Perspektive eingestiegen, weshalb es zum Streit kam.

Das ist völlig normal auch in einer langfristigen Beziehung. Über sachlichen Themen wurde bereits gesprochen, wenn was kommt, dann sind es in der Regel emotionale Probleme.

Manchmal staut sich in uns auch was (auch bei Deiner Frau), die durch Kleinigkeiten im Alltag an die Luft kommt.

Besser ist es diese miteinander zu besprechen, damit man langfristig glücklich bleibt. Es hilft auch die emotionale Probleme klar zu benennen um so schnell wie möglich vom Rosmarinstrauch weg zu kommen.

Und ich würde auch Dein Bedürfnis danach „in der Beziehung wertgeschätzt zu werden“ nicht als „nichts“ abtun.

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Ich wundere mich echt, wie man nach längerer Ehe sich noch über solche Kleinigkeiten streiten kann. Aber es müsste ja auch relativ leicht zu lösen sein. Bei dem Beispiel hier finde ich, dass deine Frau ganz offenbar den Streit angefangen hat. Zu sagen, der Andere habe keine Ahnung ist ja nicht gerade nett, und auch unsachlich, denn es kann ja nicht sein, dass du gar keine Ahnung hast, wenn du doch seit längerem auch etwas mit im Garten aktiv bist.

Ist dieses Beispiel denn typisch und habt ihr regelmässig ähnlichen Streit? Ich weiss, dass ich schon in der Schule, in der Oberstufe dann, von mindestens einem Lehrer "Kommunikationsregeln" gelernt habe, und mir hat das gerade in Beziehungen sehr geholfen. Schau doch mal, ob du solche irgendwo findest. Ich hab lange nicht mehr danach gesucht, weil mir das inzwischen ziemlich selbstverständlich ist. Aber das sind dann solche Punkte wie dass man "ich-Botschaften" senden soll nicht "du -Botschaften" - also keine Vorwürfe. Und dass man nie behaupten soll, der Andere macht "nie" oder "immer" .... irgendwas. Sachlichkeit und keine Verallgemeinerungen. Ich glaube, dass deine Frau das gebrauchen könnte, aber es ist natürlich wichtig, dass beide mitziehen.

Das hier fand ich spontan, aber es gibt wahrscheinlich bessere:

https://www.heisetraining.at/kommunikationsregeln/

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Bis zu dem Satz, dass ihr seid 20 Jahren Haus und Garten habt, dachte ich ihr seid noch nicht so lange zusammen, denn solche unnötigen Streitereien haben mein Mann und ich am Anfang unserer Beziehung geführt😂
Aber mal ehrlich, sei doch froh, wenn das euer einziges Problem ist.
Mein Mann und ich konnten hinterher immer gut über uns selbst lachen. Ich hoffe ihr könnt das auch.
Einigt euch einfach darauf, dass sie sich gut um die Blumen kümmert und du eben mehr der Gemüseexperte bist.
Beim Rosmarinstrauch wird sich noch zeigen wer recht hatte. Ich würde sagen der Verlierer spendiert einen großen Eisbecher😉