Veränderte Beziehung durch Krankheit?

Hallo ihr lieben,
eigentlich würde ich mir gerne nur mal was von der Seele schreiben und freue mich über eure Gedankengänge dazu.
Mein Freund und ich sind ein Jahr zusammen, wir sind eigentlich sehr glücklich. Er ist nicht unbedingt der geborene Hausmann, ich bin schnell zickig, aber alles im Rahmen. Wir hatten anfangs viele Schwierigkeiten mit Eifersucht etc, aber mittlerweile können wir uns auch ganz human streiten. Das so als Ausgangssituation.
Nun bin ich krank geworden bzw. habe erneut einen schlimmen Schub einer Darmentzündung gehabt, es folgte Krankenhaus, dann anaphylaktischer Schock auf das Antibiotkum, wieder Krankenhaus. Seit Mittwoch bin ich zu Hause, das alles zieht sich nun seit drei Wochen und ich fühle mich innerlich irgendwie leer. Das Kortison hat mir meine Geschmacksnerven kaputt gemacht, alles was ich gerne gerochen habe, riecht nun eklig und mein Freund strengt mich an. Er hat die Wohnung in Schuss gehalten, hat jede Sekunde am Handy mit mir verbracht, weil er mich ja nicht besuchen durfte, aber irgendwie fühlt es sich gerade so schwer für mich an. Ich habe fast das Gefühl, als würde ich gerade in nichts mehr einen Sinn richtig sehen, aber viel mehr quält mich das schlechte Gewissen, dass ich froh bin, dass er heute zu seinem Kumpel gefahren ist. Er ist wirklich toll, er liebt mich abgöttisch und ich ihn, aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass ich es gerade nicht schaffe Krankheit, Arbeit, Beziehung und auch mich selbst unter einen Hut zu bekommen. Ich hab ihm gesagr, dass mich die letzten Wochen und auch die Medikamente momentan sehr einschränken, er ist sehr verständnisvoll und nimmt Rücksicht. Aber irgendwie zweifel ich gerade an allem, vor allem, weil ich keine Freude oder Liebe irgendwie empfinden kann. Das klingt irgendwie total komisch und ich bin auch eigentlich nicht der depressive Typ, aber vielleicht versteht jemand was ich meine mit dieser inneren Leere.
Ich freue mich auf eure Gedanken.

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Gute Besserung!
Jetzt brauchst Du deine Energie um gesund zu werden. Das da nicht viel Energie „übrig“ ist um dem anderen Liebe zu geben, ist normal. Ich würde das jetzt nicht überbewerten. Alles Gute!

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Würde auch sagen, dein Körper und Geist ist nach allem jetzt wahrscheinlich im Selbstheilungsmodus und deshalb hast Du keinen Nerv auf irgendwas anderes, was dich anstrengt. Und ein anhänglicher Partner, der viel Aufmerksamkeit wünscht, ist anstrengend in so einer Zeit.

Vergleiche es ein bisschen mit Frauen mit einer Wochenbettdepression. Die sind auch in der Zeit nach der Geburt nicht fähig, sich um ihre Babys zu kümmern und an ihnen zu erfreuen, weil es ihnen selbst zu schlecht geht und das Kind sie überfordert. Das vergeht irgendwann, wenn es der Frau auch besser geht, dann kann sie sich irgendwann auch aufs Kind einlassen. Und so ähnlich ist das jetzt bei dir psychologisch auch, du hast vielleicht auch ein Trauma von allem das ausheilen muss (viele Frauen mit Wochenbettdepression haben auch eine traumatische Geburt gehabt). Vielleicht blödes Beispiel, da das auch hormonell bedingt sein kann, aber ein anhänglicher Freund, der Aufmerksamkeit will während man einfach ne Ruhephase braucht nach ausgestandener Erkrankung kann ja auch psychologischen Druck aufbauen.

Gute Besserung, wird sicher wieder alles wie es war, erbitte dir bis zur vollständigen auch seelischen Genesung von deinem Freund mehr Ruhe, was bedeutet, dass Du auch nicht per Handy 24/7 verfügbar sein musst.

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Krankheit kann so vieles verändern.

Gibt es vom Krankenhaus einen Seelsorger?
Sonst ein Forum oder eine Selbsthilfegruppe für deine Erkrankung?

1. Darmprobleme können so vieles beeinflussen. Immunsystem. Psyche. Bis hin zu Depression, die im Zusammenhang mit der Darmgesundheit steht. Geht es dem Darm gut, wird die Depression besser. Nicht wegen Grüblen oder mit der Krankheit hadern. Sondern weil wichtige Stoffe nicht über den Darm transportiert werden und das dann platt gesagt, zum glücklich sein fehlt.

2. Weil Krankheit auch das Leben verändert und andere Gedanken aufkommen, als sonst.

Was in der Schulmedizin leider immer mehr zu kurz kommt: dass Menschen auch Begleitung brauchen mit der Krankheit umzugehen.
Sowohl mit der Veränderung und dem "was tut mir gut".
Als auch, dass seelische Begleitung sich gut auf die Genesung auswirkt.

Schlechtes Gewissen, wenn man trotz Krankheit geliebt wird oder umsorgt wird, zeigt das auch auf. Dieses: wer krank ist versteckt sich am besten und kommt erst wieder vor, wenn es einem gut geht, damit die Gesellschaft das Tabu Krankheit nicht mitansehen muss :-[

Bei Therapeuten ist da manchmal die Schwierigkeit, dass sie auch aufs Heilen ausgelegt sind. Krankheit ist nicht so heilbar, also sind sie überfordert. Mit Pillen können sie nichts machen. Die Heilung obliegt ja den Ärzten.
Dass man manchmal seelischen Beistand braucht, wird auch das leider manchmal übersehen.
Wobei es natürlich auch gute Therapeuten gibt! Jene, die ihre Aufgabe im Begleiten sehen.

Seelsorger oder sprechen mit anderen Betroffenen, kann da sehr gut tun.
Auch mit der Zwickmühle: schlechtes Gewissen, wie alles wuppen - wenn das wollen nicht dem Können entspricht. Sich zu gestehen, dass es Veränderungen gibt. Sich zugestehen, dass man nicht mehr alles unter einen Hut bekommen muss. Bzw. Austausch wie man selbst verändern kann (z.B. Krankschreibung, weniger Überstunden, Freunden mal absagen und beim nächsten Mal klappt es wieder).

4

Du bist krank und geschwächt durch deinen Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa.

Warte, bis es dir wieder besser geht, dann geht es auch deine Psyche wieder besser. Kortison ist ganz schön heftig, da bekommt man manchmal auch Depressionen oder Angstzustände, also eine veränderte Psyche als Nebenwirkung.

Ich würde zum Arzt gehen und besprechen, ob nicht eine andere Therapie in Frage kommt und du das Kortison, das du nicht verträgst, langsam ausschleichen kannst. M. Crohn kann man mittlerweile mit anderen, besser verträglichen Medis behandeln, z.B. mit einer Immunsuppression. Bei mir hatte das geholfen - ganz ohne Nebenwirkungen. Gemacht wurde es in einer Uniklinik. Notfalls musst du eine 2. ärztliche Meinung einholen.....