Kein vernünftiges Gespräch möglich

Hallo meine Lieben,

mein Lebensgefährte und ich sind seit 16 Jahren zusammen. Einfach war es nie, wir sind sehr unterschiedlich, aber die Liebe war immer da und hat uns getragen. Seit einigen Monaten fällt mir vermehrt auf, dass mit meinem Partner kein ruhiges, vernünftiges Gespräch, egal zu welchem Thema, mehr möglich ist. Er nimmt wirklich ALLES persönlich, interpretiert in meine Aussagen die für mich unfassbarsten Dinge hinein, die ich nie gesagt, nicht einmal angedeutet habe. Wenn ich ihm etwas Gutes tue, irgendeine Kleinigkeit, egal was, unterstellt er mir, das würde ich nicht für ihn machen, sondern für irgendjemand anderen. Er ist andauernd beleidigt und eingeschnappt. Mit ihm zu reden, habe ich mehrmals versucht, es ist unmöglich. Ich bekomme keine Antwort, wenn ich ihn etwas frage, sondern nur Vorwürfe, Unterstellungen, Ausflüchte - passiv-aggressiv in Reinkultur meiner Meinung nach. Ich kann mir schon vorstellen, dass er zornig ist, weil er eben alles persönlich nimmt, nur ist das eben nicht der Fall.

Ein Beispiel: Ich brauche eine neue Küche. Vor einiger Zeit habe ich ein paar Mal erwähnt, dass ich in ein Küchenstudio in unserem Ort schauen möchte. Kommentar von ihm: Wieso muss es gerade dieses Küchenstudio sein? Nach einiger Zeit habe ich ein anderes Studio erwähnt, das ich mir gerne ansehen möchte. Kommentar von ihm: Wieso muss es gerade das Küchenstudio sein? Er wüsste einen Tischler, der könnte mir eine schöne Küche machen. Na gut, aber bei dem kann ich mir halt keine Küchen anschauen und ich möchte mir ja einmal eine Vorstellung machen. Ich schließe nicht aus, dass dieser Tischler dann die Küche anfertigt. Am Wochenende hat er wieder von dem Tischler angefangen und ich hab dann gemeint, es wirkt, als würde er es persönlich nehmen, sollte ich die Küche nicht von diesem Tischler machen lassen. Und er sagte, ja, das nimmt er persönlich! Weil der macht für viele reiche Leute die Möbel, der ist für alle anderen gut genug, aber für mich anscheinend nicht! Aha - das hab ich nie gesagt. Ich möchte einfach vorher Eindrücke sammeln. Ein weiteres Gespräch darüber war unmöglich, er redet sich dann in Rage und behauptet irgendwelche Sachen. Dann ist wieder ein paar Tage Funkstille, in denen wir so gut wie nicht miteinander sprechen.

Ich bin ein Mensch, mit dem man ruhig und vernünftig reden kann, aber bei ihm stoße ich an meine Grenzen, weil er permanent sabotiert. Wenn ich ihn in einer ruhigen Stunde darauf anspreche, endet das sofort im Streit, das habe ich mittlerweile aufgegeben. Ich weiß einfach nicht mehr, was ich tun soll. Kennt das jemand und hat Tipps, wie man mit so etwas umgehen kann?

LG Allexa

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Wie anstrengend. Eure Kommunikation klingt ziemlich kaputt.

Hast du ein Gefühl woran es liegen könnte? Das würde bei der Lösungsfindung helfen.

Du sagst die Liebe hat euch bisher immer getragen. Ist das für ihn (aktuell) auch noch der Fall? Ich mag ihm nichts zurückinterpretieren aber ich hatte zweimal so eine Phase mit meinem Ex in der mein Ex angefangen hat an allem rumzukritteln und ich ihm nichts mehr recht machen konnte. Ähnlich zu dem was du beschreibst. Das erste mal ging er mir fremd (erst nach der Trennung aufgeflogen) und beim zweiten war er zu feige die Beziehung zu beenden und hat entschieden mich ausm Haus zu ekeln. Man sollte meinen dass 14 Jahre es wert sind anständig auseinander zu gehen. War aber nicht so.

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Zufrieden ist er sicher nicht, er fühlt sich mir öfters unterlegen, wobei ich ihm aus meiner Sicht keinen Anlass dazu gebe. Es ist halt so, wenn er etwas machen möchte im Haus oder Garten und ich bin nicht sofort zu 100% davon begeistert und seiner Meinung, dann ist er schon beleidigt, meinen Argumenten hört er nicht zu. Er ist selbständig und führt erfolgreich eine Firma, aber im Privaten scheint sein Selbstwertgefühl ziemlich gering zu sein. Dort ist er eben der Chef und kann bestimmen, bei uns daheim ist das halt nicht so. Er ist zu mir gezogen und fühlt sich nach 15 Jahren immer noch nicht wirklich zu Hause und ist daher extrem heikel, wenn ich mitentscheide und auch einmal zu etwas nein sage. Er hatte keine schöne Kindheit, für die Eltern war alles und alle anderen wichtiger als die Kinder. Ich denke, daran könnte es auch liegen. Man hört ja oft, dass solche Sachen mit zunehmendem Alter wieder aus der Verdrängung auftauchen. Ich habe ihm auch schon gesagt, ob er nicht eine Therapie machen möchte, nein, will er nicht, braucht er nicht, er ist nicht das Problem, das bin ich.

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Aus meiner Sicht schätzt du eure Konstellation völlig falsch ein. Ich sehe ihn nicht als den schwachen Part bei euch daheim an. Defacto ist er der der massiv dominiert wo es hingeht.
Klingt unlogisch?

Die Opferrolle ist die Mächtigste im ganzen Spiel. Denn jedes Mal wenn er sie einnimmt und dir die Schuld in die Schuhe schiebt macht er dich zum Täter.
Kombiniert mit schmollen und anderen Verhinderungstaktiken zur ergebnisoffenen Kommunikation macht er dich quasi mundtot. Du hast in dem Setting keine Change eine gleichberechtigte Partnerschaft auf Augenhöhe zu führen. Er dominiert was geschieht und va wie Entscheidungen getroffen werden und wenn du nicht tust wie er will straft er dich mit Täterrolle und Schweigen, als Liebesentzug bis Du wieder tust wie es ihm passt.
Therapie verweigern gehört da zum Bild. Wäre ja noch schöner wenn ihm einer seine Manipulationszügel aus der Hand nimmt.
Du wirst dir gerade schon 3x überlegen wie du normale Themen ansprichst und wo du erst gar nicht anfängt weil die Leier nicht wieder von vorne losgehen soll. Damit dominiert und manipuliert er sich schon im Keim.

Lösungsfindung? Schwierig.
Dem bei kommt man nicht mit sanftem reden bei, sondern mit ziemlich harten Bandagen. Nämlich indem man ihn aus seiner Opferrolle rausprügelt und die Täterrolle verweigert. Und er wird sich weigern diesen bequemen Sessel ohne weiteres aufzugeben. Dh wenn du da ohne Paartherapie rangehst kann und wird es erst mal mächtig knallen.

Ich hatte und habe für meinen Geschmack schon zu viele Exemplare dieser Art in meinem Umfeld. Wenn ich sehe dass schon wieder so ein faules Ei dabei ist gehe ich auf Distanz. Geht nicht immer und nicht immer 100%ig, meine Schwiegereltern gehören leider auch zu der Gattung, aber die Möglichkeit hast du ja in einer Paarbeziehung absurderweise nicht.
Wenn er keine Therapie will würde ich dir empfehlen dass du dir professionelle Hilfe holst wie du diesen Zirkel durchbrichst.

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Aus dem Beispiel kann man nur wenig ziehen, aber ich lese doch einen gewissen Stress und eine gewisse Verzweiflung heraus.

Ich denke, dass eine Paartherapie eine gute Idee wäre, um über diese Kommunikationsprobleme zu reflektieren. Wenn ihr nämlich vor einer fremden neutralen Person steht und über solche Situationen redet, werdet ihr euch beide mehr zusammenreißen und offener sein für die Sichtweise des anderen bevor ihr quasi "ausrastet". Der Therapeut wird gewisse Dinge neutraler werten können, aber auch neutraler zum Nachdenken anregen.

Außerdem braucht dein Partner vielleicht Mal ganz klar eine Ansage von Dir: Ich bin unzufrieden mit der Art und Weise wie Du mit mir redest. Mir fehlt Respekt. Ich fühle mich nicht akzeptiert und gewertschätzt so wie ich bin. Ich ziehe eine Trennung in Betracht, wenn sich unsere Kommunikation nicht verbessert. Ich mache sicher auch Fehler und muss hier und dort an mir arbeiten, aber es kann nicht sein, dass mir ständig für alles negative Absichten unterstellt werden, die ich so gar nicht habe. So kann ich nur verlieren und werde nie genug sein in deinen Augen. Daran muss sich etwas ändern. Ich möchte eine Paartherapie.

Nicht nur reden, streiten und im Kreis drehen, ihm sagen, dass du es nicht Kommentarlos hinnimmst, es Konsequenzen geben wird und dass du mit ihm an dieser Sache arbeiten möchtest.

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Paartherapie will er nicht. Wir hatten vor ein paar Jahren einmal ein solches Paartherapiewochenende, das hat genau drei Tage gehalten. dann war alles wie vorher.
Manchmal sagt er auch, ich kann ihn ja hinausschmeißen, wenn mir was nicht passt, als würde er die Verantwortung dafür auf mich abwälzen wollen. Von sich aus würde er glaube ich nicht gehen.

Wenn ich ihm sage, dass er mich respektlos behandelt, dann wird mir aus seiner Antwort klar, dass er gar nicht weiß, was ich mit Respekt meine. Er sagt dann in huldigendem Tonfall "Oh meine Königin" oder sowas ähnliches. Wenn ich mich ihm erklären möchte und dazu natürlich ein bisschen mehr als ein, zwei Sätze sagen muss, verdreht er die Augen, sagt bla bla bla und greift mich verbal an, also keine Chance, mich im verständlich zu machen. Mittlerweile versuche ich das auch gar nicht mehr. Ich erzähle ihm auch vieles nicht mehr, harmlose Kleinigkeiten, weil ich weiß, ich bekomme keine normale Antwort darauf. Vieles hält er mich auch einige Zeit später vor. Mittlerweile ist unsere Beziehung ziemlich schweigsam. Sex interessiert mich unter diesen Umständen natürlich nicht, das passt ihm auch nicht, aber er würde nie von sich aus irgendetwas unternehmen, was der Beziehung förderlich wäre. Naja, das stimmt nicht ganz, er macht dann irgendeine Arbeit am Haus, aber das ist natürlich nicht das, was in so einer Situation helfen würde.

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Und warum genau bist du dann mit ihm zusammen?

Ein Mann der mir verbal klar sagt, dass nur ich an allem Schuld bin, er an nichts arbeiten will, und nur ich mich abrackern soll um irgendwas hinzubiegen, wäre für mich beziehungsunfähig und verschwendete Lebenszeit.

Ich denke, dann solltest Du tatsächlich gehen und dir Respekt verschaffen. Zurückkommen kannst du immernoch wenn Du merkst, er hat was draus gelernt und gibt sich Mühe, aber wahrscheinlich glaubt er schon, dass Du das nie tun wirst, er mit dir lebenslang alles machen kann und so bist du halt der Punchingball der seinen Lebensfrust abbekommt.

Daraus kann in meinen Augen gar nichts Gutes erwachsen und wirklich jeder Mensch auf dieser Welt sollte sich dafür zu schade sein. Man ist einfach so am Arsch in dieser Welt, wenn einen der Mensch, den man am dichtesten an sich ran lässt, dauerhaft verletzt und sich gar keine Mühe mehr gibt einen gut zu behandeln.

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Dann schmeiß ihn raus. Warum sollte man sich so etwas antun? Der Gedanke ist absurd.

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Glaub mir, das frage ich mich selbst auch oft. Ich bin ein Mensch, der sich mit solch schwerwiegenden Entscheidungen und überhaupt großen Veränderungen eher schwer tut, und die Hoffnung stirbt halt zuletzt. Ich bin mir aber schon bewusst, dass ich das nicht verdient habe und bei weitem nicht so ein schlechter Mensch bin, wie er mich glauben lassen möchte.