Corona Auslöser Ehekrise?

Hallo,

ich hoffe auf ein paar Tipps um wieder die Kurve zu bekommen.
Eckdaten: als Jungendliche zusammengekommen, jetzt seit über 15 Jahren zusammen, verheiratet, Kind, Haus.
Wir waren vor Corona immer sehr aktiv, jeder hat mal abends seinen Vereinssport gemacht, er arbeitet unter der Woche, ich meistens am Wochenende, viele Treffen mit Freunden, Familie, etc.
Die Zeit die wir zusammen hatten, haben wir eigentlich intensiv genutzt und Sachen unternommen. Es war eigentlich recht harmonisch, mit normalen Streitigkeiten zwischendurch.
Seit Corona und den Lockdowns ist total die Luft raus. Es ist, als hätten wir uns nichts mehr zu sagen.
Man sieht sich öfter, da er auch tageweise im Homeoffice ist und wir weniger Aktivitäten haben als vorher. Sprich wir sind oft alleine, aber haben uns nichts zu erzählen. Wenn wir reden, dann nur über das Kind oder Einkäufe usw. Manchmal liege ich abends im Bett und frage mich, ob wir überhaupt 3 Sätze gewechselt haben. Wenn dann werden gegenseitig nur Vorwürfe gemacht (Haushalt, Kind,...). Nach Zweisamkeit sehne ich mich nicht und bin froh wenn ich alleine zu Hause bin. Wir haben wohl über die ganze Jahre verlernt miteinander zu reden, vor lauter Arbeit und Freizeitstress und das hat wohl immer ausgereicht. Aber jetzt? War es das? Können wir das wieder lernen, oder leben wir nur nebeneinander her? Vor einer Eheberatung habe ich irgendwie Angst...was wenn herauskommt, dass da nichts mehr ist? Und wahrscheinlich würde mein Mann da eher nicht mitmachen (Typ Pascha und nach außen Eisklotz)
Hat jemand sowas auch schon gehabt und wieder zueinander gefunden?

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Hallo Gekillte,

rein beruflich muss ich oft mit Menschen sprechen, die Probleme haben. Und was ich im Beratungssetting gelernt habe ist: manche tun sich sehr schwer wenn man sich nur gegenüber sitzt, oft fühlen sie sich bedrängt und können auf "Kommando" nicht kommunizieren. Eine meiner Lösungen ist gemeinsam mit ihnen etwas zu tun. Ein Jugendlicher hat mir einmal geholfen Weihnachtskarten zu falten, mit einem anderen habe ich ein Stück Garten umgegraben und mit einem dritten gemeinsam ein Modellschiff gebaut. Die Kommunikation über das gemeinsame tun, das gemeinsame Projekt hat ihnen geholfen auch über andere Dinge zu sprechen.
Gibt es etwas, was ihr gern macht? Etwas Handwerkliches oder Künstlerisches?
Gibt es etwas, was ihr schon immer machen wolltet (z.B. Eisangeln in Island, Klettern in den Alpen oder ein Stück Jakobsweg gemeinsam gehen) dann wäre jetzt der Moment das zusammen zu planen.
Man muss nicht immer Probleme wälzen wenn es gerade sowieso nicht läuft. Ein gemeinsames Projekt schafft wieder eine neue Verbindung und kann neue Gesprächsthemen eröffnen.

Viel Erfolg,
Lexa

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Danke für deine Worte und Tipps. Ich hab sie mir heute Nacht durch den Kopf gehen lassen und es hat mir sehr viel geholfen. Es gibt mir wieder Hoffnung, dass wir wieder zueinander finden können. Manchmal steckt man schon so tief drinnen und sieht nur noch schwarz. Du hast vollkommen recht, auf Kommando zu reden fällt uns beiden total schwer und wir finden nicht nicht richtigen Worte. So richtige gemeinsame Hobbys und Projekte haben wir leider nicht. Vielleicht ist das aber der richtige Anstoß, sich ein gemeinsames Hobby zu suchen und Ziele zu überlegen und wieder Gemeinsamkeiten zu schaffen. Wir sind jung zusammen gekommen, aber jeder hat sich individuell weiterentwickelt. Ich werde das jetzt mal in Angriff nehmen und das Gespräch suchen.
Du hast auch total recht, dass man nicht Probleme wälzen muss, wenn alles nicht so läuft...wir haben einfach gerade mehrere Baustellen (am Haus, bei der Arbeit, kein Kindergarten, Lockdown,...), da kommt wahrscheinlich nichts Gutes dabei raus, wenn man auch noch anfängt die Ehe zu zerhacken. Wahrscheinlich sind wir da einfach gerade in so einer Abwärtsspirale...

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Ich freue mich, wenn ich dir helfen kann. Darf ich noch einen Kommunikationstip loswerden?

Viele Grüße,

Lexa

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Wenn unser Kind in seltenen Momenten dann spontan von der Tante eine Stunde mitgenommen wird, ist es auch eine ganz komische Stimmung bei uns, weil wir nichts miteinander anzufangen/reden wissen. Ich verzieh mich dann und räum auf. Wenn wir gemeinsam mal spazieren sind und das Kind düst voraus, haben wir auch nichts mehr zu reden. Das ist doch verrückt.

Muss man sich abends Wenn das Kind im Bett ist, bewusst Zeit nehmen für Gespräche? Wir schauen dann immer nur einen Film und gehen ins Bett...klar, ab und zu haben wir auch mal noch Sex.
Aber mir fällt dann auch nichts ein zu reden wenn man sich die Zeit nehmen würde..

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Liebe TE,

ich weiß ja nicht wo ihr wohnt? In einem Hochrisikogebiet mit Ausgangssperre? Sind zwar etwas doofe Nachfragen. Ja ich denke euch fehlt wohl in mancher Dingen auch der Input, weil vieles durch Corona einschränkt ist. Ich würde sagen, trefft euch doch wieder mit Familie und Freunden (natürlich nicht mit großen Haufen) anstatt alleine zu Hause zu hocken. Wenn ihr die Gelegenheit gebt euer Kind über das Wochenende zur Oma, macht eucj einen schönen Abend mit Candle-light Dinner. Einfach mal für euch etwas machen. Sprecht über Urlaub z.B.

Das wäre zumindestens ein Ansatz.

LG Hinzwife

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Ja wir haben schon lange Inzidenzen weit über 200 und kein Ende in Sicht. Alles hat zu und das Wetter war bislang auch nicht toll.
Auf Zweisamkeit hab ich gerade echt keine Lust und wir können leider auch unser Kind niemandem länger abgeben. Aber ja, vielleicht muss man einfach wieder einen Anfang wagen.

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Ich kann mich gut daran erinnern, was ich zu Beginn von Corona oft dachte: Das wird so manche Ehe/Partnerschaft nicht überstehen. Das klingt schrecklich, aber ich bin echt der Meinung, dass diese Pandemie eben die Wahrheit zu Tage bringt, was bestimmte Beziehungen angeht. Sie bringt das zu Tage, was schon vorher da war, aber durch Ablenkung vertuscht wurde: Dass man nicht mehr zusammenpasst, weil man sich im Laufe der Zeit einfach in unterschiedliche Richtungen entwickelt.

Ich habs schon oft hier geschrieben, wenns um Liebe ging. Der Trend heutzutage geht dahin: Nicht viele Menschen ertragen das Alleinsein. Und dann bleibt man eben trotz Problemen, Diskrepanzen, unterschiedlichen Entwicklungen beim bisherigen Partner - bis der nächste potentielle Partner auftaucht. Viele Paare trennen sich so, einer (oder beide) lernt (lernen) jemand anderen kennen und trennen sich erst dann. Meine Meinung: Man verliebt sich nicht in andere, wenn die bestehende Beziehung intakt ist.

Die Angst vor dem Alleinsein bringt einen dazu, über Probleme hinwegzusehen. Leider habe ich in meinem eigenen Freundeskreis auch nur ein Paar, von dem ich überzeugt bin, dass sie sich wirklich lieben. Alle anderen sind nur aus Gewohnheit zusammen. Ich mische mich da nicht ein und vllt. denkt die ein oder andere, die diese Sätze liest, jetzt "woher will die das wissen?" und das ist eine berechtigte Frage, die ich aber jedem bei Nachfrage erklären kann.

Das bedeutet jetzt nicht, dass eure Beziehung zum endgültigen Scheitern verurteilt ist, aber ihr solltet beide schauen und nachhaken, ob es noch eine gemeinsame Basis gibt, auf die man aufbauen kann, oder ob die nicht mehr existent ist. Daraufhin würde ich evtl. eine Paartherapie anschließen, aber immer mit der Bedingung ehrlich zueinander zu sein. Eine Beziehung muss es m. M. n. abkönnen, sehr viel Zeit miteinander zu verbringen ohne zu streiten bzw. ohne das Gefühl zu haben, nebeneinander herzuleben.

But just my 2 cents...

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Ja, da geb ich dir recht...in Krisenzeiten sieht man, was übrig bleibt. Es ist halt auch eine harte Nervenprobe und alles Gewohnte fällt zusammen. Vielleicht ist es aber auch eine Chance. Ich sehe, was die letzten Jahre schief gelaufen ist und verloren gegangen ist und will wirklich daran arbeiten. Lieber jetzt, als in 10 Jahren festzustellen, dass gar nichts mehr da ist. Nach wie vor lieben wir uns und finden uns auch noch attraktiv. Es ist einfach zu viel auf der Strecke geblieben. Ich hoffe, dass uns das jetzt die Augen öffnet und wir einen guten Weg raus aus der Krise finden.
Ich gebe dir recht, dass viele nur noch aus Gewohnheit und Bequemlichkeit zusammen sind, aber nach vielen Jahren schleicht sich eben auch mehr die Gewohnheit ein. Ich halte auch nichts davon, eine langjährige Beziehung kampflos aufzugeben, vorallem wenn Kinder im Spiel sind. Ich bin selbst ein Scheidungskind und habe sehr unter der Trennung gelitten. Ich weiß dass wir jetzt daran arbeiten müssen. Ich bin aber auch der Meinung, wenn in der Beziehung nichts Gravierendes vorgefallen ist, man auch wieder zueinander finden kann und auch die Liebe wieder erwecken kann, solange man nicht total abgeneigt voneinander ist. Ich weiß, dass das nur mit Kommunikation funktioniert und das ist unsere größte Baustelle, an der wir wohl arbeiten müssen.