Gehen oder bleiben - Kann sich ein Choleriker über Nacht ändern?

Hallo,
Ich brauche dringend einen Rat aus einer neutralen Sicht.
Ich bin seit fast zwei Jahren mit meinem Mann zusammen. Es ging alles ziemlich schnell in unserer Beziehung. Aus dem Nichts fängt er manchmal einen Streit an und ich muss immer diejenige sein, die nachgibt, sonst eskaliert die gesamte Situation. Es kamen immer wieder solche cholerischen Ausraster im Laufe unserer Beziehung vor und ich habe sie leider immer klein geredet und ihm verziehen. Er ging eine Weile zum Psychologen und nahm ein pflanzliches Mittel gegen mittelschwere Depressionen ein. Die Ausraster wurden mit der Zeit weniger, aber sind nie wirklich verschwunden. Ich wache jeden Morgen mit der Hoffnung auf, dass er nicht mit schlechter Laune aufwacht, da er mich sonst morgens schon zutiefst stresst. Ich bin eher ein harmonischer Mensch, der langsam aber gut gelaunt in der Tag starten möchte. Eigentlich bin ich eine Frau, die wirklich nicht nah am Wasser gebaut ist, aber in unserer Beziehung habe ich so viel geweint wie noch nie zuvor. Ich weiß auch gar nicht, warum ich ihn geheiratet habe. Eine innere Stimme hat mir vor unserer standesamtlichen Trauung geraten, ihn nicht zu heiraten, aber ich habe mich leider nicht getraut auf meine innere Stimme zu hören und ich habe sie ignoriert und bereue es nun sehr! Er respektiert auch nicht jeden, bzw ich habe immer wieder bammel, wenn er jemanden 'neues' aus meinem Freundeskreis kennenlernt, da ich nicht weiß wie er sich demjenigen präsentiert, mit Respekt oder Desinteresse... als wir zusammengezogen sind durfte ich den gesamten Haushalt alleine schmeißen, obwohl er 1-2 Stunden vor mir zu Hause war. Ich wurde dann schwanger, er war außer sich vor Freude, aber ich nicht, da in meinem Inneren wieder diese Stimme war, die mich fragte, ob es richtig sei!? Innerhalb von 2 Monaten ist er während der Schwangerschaft 2 mal grundlos ausgerastet. Er schlägt mich zwar nicht, aber er schleudert Sachen, die er gerade in der Hand hält durch die Gegend und verhält sich wie ein kleiner trotziger Junge. An dem 2. Abend an dem er ausgerastet ist, war zu wenig Käse auf der Pizza. Am Ende des Abends waren wir im Krankenhaus, da ich Blutungen bekam. Meine Schwangerschaft mußte aufgrund einer Blasenmole abgebrochen werden. Er war an dem Tag meiner OP (Ausschabung) mit einem Freund zum Essen verabredet und konnte ihm ja 'nicht mehr absagen'.
Er ließ mich ganz alleine im Krankenhaus und sah zu wie sie mich vom Krankenzimmer in den OP brachten und fuhr tatsächlich los zum Essen. Nach der OP schrieb ich ihn an, dass alles gut lief und bedankte mich für die Nachfrage... er sagte mir, dass er davon ausgegangen ist, dass meine Schwester, die mit meiner Mutter bei mir waren, ihn nach der OP benachrichtigen würde.Er versuchte sich an dem Abend telefonisch zu entschuldigen und kam am nächsten Morgen ins Krankenhaus um um Verzeihung zu bitten, aber für mich war es nach der OP so schmerzhaft alleine zu sein ohne meinen Mann an meiner Seite. Ich hatte in dem Moment nicht nur eine OP, sondern unser Kind verloren. Er ist heute fest der Meinung, dass es kein Kind war, da es ja eine Blasenmole war. Ich bin aber diejenige, die eine körperliche Veränderung mitgemacht hat und etwas in mir gespürt hat. Als ich nach Hause kam war er für mich da, versuchte viel mit mir darüber zu reden und weinte auch mit mir. Meine Mutter war bei uns, um uns etwas zu unterstützen. Von einem Moment in den nächsten fing er an zu brüllen und war stink sauer. Weder meine Mutter noch ich begriffen den Grund seines Ausrasters. Meine Mutter war entsetzt und bat mir an zu ihr zu fahren, woraufhin er meine Mutter anschrie, dass seine Frau zu Hause bleibt und er nicht möchte , dass sie sich einmischt. Nachdem er sich beruhigt hatte, sprach er wieder ganz normal mit meiner Mutter als nichts gewesen sei, er hat sich nicht bei ihr entschuldigt. Drei Wochen später war mein Geburtstag, ich hatte die Hoffnung, dass er mir einen schönen Geburtstag vorbereiten würde, nichts besonderes den Frühstückstisch decken und Blumen. Aber es kam nichts von ihm, er brummte mich morgens im Bett an, 'alles Gute zum Geburtstag'. Ich weinte den gesamten Tag, da ich dachte, dass der erste Geburtstag nach der Eheschließung etwas besonderes sein wird, zumal so viel davor auch passiert ist. Wir sind letztendlich zu seinen Eltern gefahren, wo seine Mutter Blumen und selbstgebackene Muffins vorbereitet hat.. seitdem bin ich sehr distanziert und sehr kalt ihm gegenüber (seit 4Wochen). 3 Wochen später machte er mir an einem x-beliebigen Sonntag ein teures Geschenk und deckte den Frühstückstisch. Ich fragte ihn was das soll, da mein Geburtstag ja schon 3 wochen her war und dieser Tag überhaupt keine Bedeutung habe, daraufhin sagte er mir dass er mir ja nicht zwingend an meinem Geburtstag was schenken müsse. Ich habe mich null darüber gefreut und brach stattdessen erneut in Tränen aus.Er versteht nicht warum, da er sich nun unter Kontrolle hat und auch im Haushalt hilft. Er ist aktuell ein sehr lieber, verständnisvoller und vor allem ruhiger Mann, der er vorher nicht war. Ich weiß aber nicht, ob er gerade eine Show abzieht oder ein Mensch tatsächlich sein cholerisches Verhalten von jetzt auf sofort ablegen kann.

Nun würde ich gern eure Meinung /Erfahrungen lesen.

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Hallo,


ich kann mir nicht vorstellen das er sich von einem Tag auf dem anderen um 180 Grad wendet. Vielleicht bemerkt er das du das Spiel nicht mehr länger mitspielst und reißt sich deshalb zusammen. Spätestens bei seinem nächsten Ausbruch solltest du Konsequenzen ziehen bevor du weiter in eine Abhängigkeit rutschst.

Er hat die ganze Zeit keine Einsicht gezeigt und macht dich in kleinen Schritten kaputt. Wenn du so weiter lebst wirst du dich irgendwann ihm unterordnen und nur noch funktionieren.

Versuche bitte nicht alles mit dir allein ausmachen. Rede mit jemanden über alles damit es dich nicht von innen auffrisst. Nimm Hilfe an wenn du das Gefühl hast das du so nicht mehr weiter funktionieren möchtest.

Viele Grüße

blaue-Rose

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Hallo blaue-Rose,

Danke für deine schnelle Antwort.
Du hast recht damit, dass es mich kaputt machen wird. Ich spüre jetzt schon eine unglaubliche Leere in mir und weiß einfach nicht was ich möchte. Meine Familie rät mir dazu mich zu trennen, meine Freunde können ihn schlecht einschätzen,da sie ihn aufgrund Corona nur selten gesehen haben, aber die Situation als schwierig sehen.
Ich war immer eine unabhängige und selbstbewusste Frau, die wusste was sie will. Aber aktuell bin ich nur noch durcheinander...

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So hart es sich jetzt auch anhören mag, ich denke von der selbstbewussten Frau die immer weiß was sie möchte ist nicht mehr viel über. Genau das macht deutlich wo er dich hingebracht hat. Du funktionierst, aber unter leben stellt man sich etwas anders vor.

Kann es sein das du mittlerweile Angst hast? Angst vor ihm! Angst vor seinen Ausbrüchen und vor allem Angst vor seiner Reaktion hast wenn du ihm sagst das du dich trennen möchtest!

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Hallo,

tut mir leid, was du durchmachen musst.
Ich kannte auch so einen cholerischen Menschen - mein ehemaliger Chef und Narzisst, wie er im Buche steht. Der war damals schon Ende 60 und hat zeitlebens seinem Umfeld das Leben zur Hölle gemacht. Ich habe 1 1/2 Jahre für ihn gearbeitet und war anschließend ein nervliches Frack. Es hat weitere 2 Jahre gedauert, bis ich mich wieder einigermaßen stabilisiert hatte, sodass sich beim Gedanken an ihn nicht gleich mein Magen umdrehte, und dass obwohl ich eigentlich eine starke Persönlichkeit bin.

Ich denke nicht, dass sich dein Mann noch ändern wird. Ich rate dir dringend, dich an einen Fachanwalt für Familienrecht zu wenden und die Scheidung einzuleiten. Ggf. lässt sich sogar die Ehe noch annullieren. Lass dich bitte nicht so fertig machen, wie ich es getan hab. Ich habe ja nur für diesen *Piep* gearbeitet, du musst 24 Stunden am Tag mit ihm verbringen.
Hole auch deine Eltern mit ins Boot. Ich denke, sie machen sich Sorgen nachdem, was deine Mutter mitbekommen hat.

Es wird nicht besser werden, sondern immer schlimmer, bis nur noch ganz wenig von dir selbst übrig ist. Bitte lasse das nicht zu. Und auch wenn es traurig ist, dein Baby hat die richtige Entscheidung getroffen, nicht mit diesem Mensch aufwachsen zu müssen. Außerdem hat der kleine Stern seiner Mutter ermöglicht, einen Neuanfang zu wagen. Sieh es vielleicht von dieser Seite.

Alles Liebe

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>>>Gehen oder bleiben<<<

Gehen!

Noch keine zwei Jahre zusammen und schon so viel Leid deinerseits. Willst du für den Rest deines Lebens morgens mit Bauchschmerzen aufwachen und hoffen, dass der Herr gnädigerweise keine schlechte Laune hat? Bauchschmerzen haben, wie er sich in Gesellschaft benimmt?
Ich wüsste nicht, was mich an diesem Mann festhalten lassen sollte.
Die Heirat war überhastet, aber das lässt sich korrigieren.

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Ich habe keine Erfahrungen, ob sich sowas von heute auf morgen ändern kann.
Ich denke allerdings nicht in diesem Ausmaß. Er hat überhaupt keinen Respekt vor dir.
Mein Mann hatte früher auch eine leicht cholerische Art. Mit der Zeit wurde er sogar ruhiger. ABER seinen Liebsten gegenüber war er NIE cholerisch. Er hätte sich auch nie wie ein Pascha aufgeführt. Und wenn, dann hätte er das besonders in der Gegenwart meiner Mutter nur einmal gemacht.

Was ich auch mit Sicherheit weiß ist, dass ich mit einer Sache nicht leben könnte. Und das sind unberechenbare Lebewesen. Egal ob Mensch oder Tier, ich kann über viel hinwegsehen. Niemand ist perfekt, aber das von dir geschilderte würde für mich schon reichen (und davon finde ich den Geburtstag noch am wenigsten schlimm), dass ich keine ruhige Stunde mehr hätte. Und da müssten viele Jahre im perfekten Einklang vergehen, dass ich mich erst wieder in Sicherheit wiegen würde.

Hättest du ihn nicht geheiratet, wärst du dann noch bei ihm? Ich habe diesen Eindruck nämlich nicht.
Wir reden hier ja auch nicht von 20 glücklichen Jahren und dann einer Phase von Depression.

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Ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass Choleriker sich NICHT ändern!!
Im Gegenteil- das krankhafte Verhalten bleibt lebenslang bestehen!

Du beschreibst hier 1:1 meinen Vater (mittlerweile 82 Jahre alt). Er hat seine Frau (meine Mutter) nach 50 Jahren Ehe soweit kaputt, dass sie schwerkrank ist und das Haus nicht mehr verlässt.
Mein Bruder hatte mit 48 Jahren noch nie eine Frau, lebt sozial isoliert, hatte Alkoholprobleme, heute clean, kann mit Menschen nicht umgehen.
Ich selbst bin nach einer Kindheit mit psychischer und physischer Gewalt durch ihn mit 17 Jahren ausgezogen, hatte früh eine langjährige Beziehung, welche mir Halt gab trotz wiederkehrender Depressionen. Ich habe versucht, das Beste aus allem zu machen und einen Weg für mich gefunden, das zu verarbeiten.

Wenn ich Dir einen Rat geben darf: Nimm Deine Beine in die Hand und lauf, so weit und so schnell Du kannst!!

Er wird Dich fertigmachen. Fall bitte nicht auf sein angeblich jetzt so liebevolles Verhalten rein! Das macht er, weil er genau weiß, dass Du Lunte gerochen hast. Er will Dich jetzt wieder sichern. Wenn er das geschafft hat, geht es wieder los. Dann schlägt er wieder zu (wenn auch nicht körperlich), und Du stehst da wie ein begossener Pudel und heulst Dir die Augen aus dem Kopf.
Und immer so weiter.....Du verzeihst ihm...er meint es ja nicht so und ist doch ansonsten ein ganz lieber Kerl....bis es wieder passiert....

Löse Dich aus dieser Spirale, denn er wird es nicht tun!!
Leider hast Du damals nicht auf Dein Bauchgefühl gehört und ihn geheiratet.
Rette jetzt, was noch zu retten ist.
Rette Dich!!!

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft!

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Du hast dich zu deinem Nachteil verändert, lebst mit ständiger Angst, bist unglücklich und hast Sorgen die du ohne ihn nicht hättest. Nur um des-verheiraten-seins musst du nicht mit Jemanden zusammen sein der dir nicht gut tut!
Ich habe selbst 10 Jahre lang in einer Beziehung gesteckt, die mir nicht gut tat und hab mich immer daran geklammert zu glauben, dass sich alles noch zum Guten wenden würde...
Heute bin ich froh den Schritt gewagt zu haben und meinen Weg gefunden zu haben.
Ich wünsch dir Kraft und alles Gute!

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"Er ist aktuell ein sehr lieber, verständnisvoller und vor allem ruhiger Mann, der er vorher nicht war."
Klar - Aufgrund deiner über Wochen hinweg gezeigten Reaktion weiß er ja, dass es fünf vor 12 ist. Frauen, die sich wie du behandeln lassen, wachsen nicht auf Bäumen, das weiß er.

Ich glaube nicht an eine dauerhafte Änderung. Gerade mal zwei Jahre zusammen, die rosarote Zeit, in der der Himmel sonst noch voller Geigen hängt - und bei euch ein solches Disaster in dem er immer ausgeteilt und du immer eingesteckt hast.

Such nicht nach Entschuldigungen. Seine Ausraster sind doch nur die Spitze des Eisbergs. Oder was ist der Grund dafür, dich alleine den Haushalt erledigen zu lassen und dir am Tag der Ausschabung nicht zur Seite zu stehen, wenn nicht völlige Gleichgültigkeit dir gegenüber?

Du hast jetzt die Wahl:
Entweder du machst weiter den Fußabtreter für ihn oder du stehst in ein paar Jahren vor demselben Trauerspiel, nur womöglich mit einem Kind, das so aufwachsen muss:
"Ich wache jeden Morgen mit der Hoffnung auf, dass er nicht mit schlechter Laune aufwacht, da er mich sonst morgens schon zutiefst stresst."

Vor allem aber empfehle ich dir, genau zu hinterfrage, wie du in eine solche Situation geraten konntest, damit die Alarmglocken künftig früher schellen. Was in aller Welt hat dich dazu gebracht, dich so behandeln zu lassen und nicht in der Anfangszeit dich zu schützen und die Flucht zu ergreifen vor einem Mann, er dich ausnimmt wie eine Weihnachtsgans?

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Lesen. Verstehen. Handeln.
https://www.re-empowerment.de/gewalt/formen/non-physische-gewalt/

Alles Gute.

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Bitte, bitte pack deine Sachen und gehe!

Möchtest du wirklich ein Kind in einem solchen Umfeld aufwachsen lassen? Mit einem cholerischen, völlig unberechenbarem Vater? Das ist doch keine Umgebung für ein Kind!