Effizienz vs Entschleunigung

Hallo ihr Lieben,

Vielleicht erinnert sich jemand an meinen letzten Post. Ich wollte mein Leben gerne etwas entschleunigen und mehr ein Leben führen welches ich persönlich mit dem Begriff "Hausfrauenleben" assoziiere. Zum Beispiel indem ich mir einfach Mal Zeit nehme Marmelade selbst zu kochen, statt sie mal eben im Supermarkt mit den Einkaufswagen zu werfen. (In der Hoffnung mit dieser Bezeichnung niemanden auf die Füße zu treten 🙈) Meine Eltern waren früher Meister der Effizienz und so bin auch ich etwas mit der Einstellung aufgewachsen, dass man in kurzer Zeit möglichst viel schaffen sollte. Nun versuche ich davon abzukommen und Mal einen Gang runter zu schalten. Aber trotz allem macht es mich immer noch verrückt meinem Mann zuzuschauen wenn er was tut. Wenn er sich Tee machen möchte holt er sich erst die Tasse aus dem Schrank, öffnet dann einen Teebeutel, geht raus in den Flur um das Papier vom Teebeutel direkt in den Papiermüll zu werfen, holt sich in Ruhe einen Löffel aus dem Schrank... und setzt DANN das Teewasser auf! Hätte er das Wasser zuerst aufgesetzt, wäre es in der Zeit schon am Kochen. Und während er dann aber wartet dass das Wasser kocht schaut er den Topf an! Anstatt Mal die Spülmaschine einzuräumen oder irgendwas Sinnvolles zu tun. Gleiches im Großen! Er wollte letztens für den Urlaub Sachen waschen und packen und noch Rasen mähen. Er hat angefangen mit Rasen mähen, ist dann in den Baumarkt weil ihm noch irgendwas zum Vertikutieren fehlte, hat letztendlich den ganzen Tag im Garten verbracht, Sonntag Vormittag erst gewaschen und dann abends feuchte Sachen eingepackt 🙈 Meine Frage wäre ob ich da einfach zu empfindlich bin oder ob sich da andere auch so dran stören würden? Mich reizt das so sehr das mit anzusehen, aber ich will ihn ja auch sein Leben leben lassen wie er das möchte. Er sagt es ist ihm egal wenn er Montag die Sachen im Hotel trocknen lässt, er macht sich nichts aus Effizienz.

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Ich würde da auch wahnsinnig werden - aber ich möchte auch nicht mein Leben entschleunigen.

Dein Mann macht das aber schon, also entschleunigen. Kommt da prima mit klar und findet eine für ihn logische Lösung. Du kannst gar nicht entschleunigen, wenn du von denjenigen genervt bist, die das schon tun.

Davon ab, ist alles selber einkochen und Co alles andere als entschleunigen, sondern zusätzliche Arbeit.

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Also du möchtest für dich entschleunigen, kannst aber nicht mitansehen, wenn er es bereits tut.

Ja, ich setze öfter mal das Wasser zu letzt auf und bleibe dabei. An manchen Tagen beruhigt mich das. An manchen ist es notwendig, weil es mir sonst überkocht und ich dann länger mit aufwischen beschäftigt bin.
Manchmal setze ich auch das Wasser zuerst auf. Effizient ist das nicht immer. Manchmal klappt es super und ich erledige nebenher noch einiges, ohne dass was schief geht. An anderen Tagen habe ich dann heißes Wasser in der Küche, aber zu wenig für den Tee.

Wobei ich Teewasser effizienter im Waserkocher mache. Das ist auch sicherer.
Milch kocht mir da schon öfter über. Die Sauerei zum Aufwischen ist alles andere als effizient.

Wenn mein Kind etwas macht, was ich nicht mit ansehen kann, dann gehe ich einfach aus dem Raum. Problem gelöst. Sie ist groß genug, so dass sie keinen Aufpasser mehr braucht. Es stresst mich? Also gehe ich raus, nehme mir ein Buch, mache sonst was.
Aufgaben sind bei uns verteilt. So lange sie ihre erledigt, freue ich mich, dass ich es nicht machen muss. Wie sie es macht? Ihr Ding. Immerhin macht es sie und nicht ich.

Und wenn ich mich doch mal gestresst fühle, keine Lust habe den Raum zu verlassen, dann denke ich ganz bewusst an eine Tante. Diese räumt alles um, was andere schon erledigt haben, weil sie es nicht mit ansehen kann. Sie nimmt anderen Sachen aus der Hand, weil es ihr nicht schnell genug geht.
Das stresst mich dann sooo sehr, dass ich mit der Entschleunigung anderer kein Problem mehr habe. Ich grinse dann in mich hinein und freue mich, dass es Menschen können.

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was dein Mann da macht, hat doch nichts mit entschleunigen, er hat einfach keinen Plan

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meinst du die TE?
Ich bin ohne Mann. Ich hab von mir selbst geschrieben. Und ja, es entschleunigt mich.
Mal keinen Plan zu haben, tut mir übrigens verd***mmt gut. Mental overload zurück in Basic. Das Gefühl von alle Zeit der Welt haben. Nichts planen müssen, sondern planlos einfach tun. Sehr entspannend - für mich.

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Ich musste gerade so lachen bei der Beschreibung von deinem Mann...Meiner ist auch so. Er braucht für Dinge die ich in 10 Minuten erledigen könnte gut und gerne drei mal so lang 🤣🙈 Und ja, ich kann dabei auch nicht zuschauen also lasse ich es in der Regel. Wenn er was im Haushalt macht dann eigentlich nur weil ich nicht kann z.b ich bin krank oder unser Kleiner lässt sich nicht ablegen z b sonst mache eh ich alles da ich in Elternzeit bin und (im Normalfall) Zeit hab. Er kocht dafür zu 99% alle drei Mahlzeiten am Tag.
Einkaufen z.b kann ich aber mit ihm zusammen gaaar nicht, dass macht mich echt aggressiv 🤪🤪 Der schlendert durch den Laden als hätte er noch nie einen Supermarkt von Innen gesehen. Ich meine gut, er geht selten mit zum Einkaufen und meint dann wenn er schon mal mitfahren kann möchte er sich auch in ruhe umsehen aber da werde ich echt verrückt. Wir gehen rein, ich gehe los und hol alles was wir brauchen in der zeit ist er gerade am Obst und Gemüse vorbei 🤣 Wie lange sich ein Mensch Fleisch anschauen kann oder Gewürze 🙄🙄
Also ich verstehe voll was du meinst. Zuhause mach ich einfach was anderes und schau nicht hin aber beim einkaufen komm ich halt nicht weg. Da bin ich halt echt schon 10 mal fertig mit dem Wocheneinkauf bevor er überhaupt die Hälfte vom Laden erreicht hat.

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Mir geht es 1:1 genauso. Führt dazu dass ich nicht zusehen kann wenn mein Mann kocht. Und dass ich das Haus verlasse wenn er was tun muss. Ich hab dann einfach die Abmachung mit ihm: bis 18. 00 folgendes in diesem Stil erledigt.
Wie und wann und in welcher Reihenfolge ist dann seine Sache.
Ist für uns beide entspannter so.

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Für mich steht Effizienz nicht entgegen Entschleunigung.

Den größten Stellenwert, wenn ich an Entschleunigung denke, hat für mich mehr Freizeit und Erholung.
Ein wesentlicher Faktor der gesteigerten Beschleunigung ist definitiv, dass man immer höhere Ziele hat und man diese Ziele kaum noch mit einem Gehalt erreichen kann. Das führt zu einem jonglieren aus Haushalt, Kinderbetreuung und Vollzeit Arbeit. Zum Entschleunigen braucht man Zeit und diese gewinnt man unter anderem auch durch Effizienz. Natürlich nur bis zu einem gewissen Punkt. Aber ja, wenn ich keine Freude an selbstgemachter Marmelade habe, sondern lieber eine Stunde in der Wanne liege und Musik höre, dann wähle ich die effiziente Variante und Kauf die Marmelade einfach.

Mehr Entschleunigung könnte man natürlich erreichen indem man entweder seine Ansprüche runter schraubt oder indem man in einem Land lebt, wo die Lebenserhaltungskosten deutlich geringer sind bei gleichem Gehalt (zB Remote).

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Liebe TE,

Ich weiß jetzt nicht so genau was ich unter Effizienz mir vorstellen soll. Ich habe einen behinderten Sohn, der vor ganz vielen Jahren
mehrmals die Woche Therapien hatte. Daneben einen Schichtarbeiter als Mann mit
wenig Zeit und einen großen Sohn, der keine
Behinderung hat. Effizienz war für mich, dass
ich mich nicht lange mit banalen Dingen aufgehalten hatte. Eingekauft wurde einmal die Woche, vorgekocht für 2 bis 3 Tage (1 Portion wurde eingefroren). Haushalt wurde
schnell nebenbei erledigt. Klar war ich zeitweise ziemlich durchgetastet. Dafür hatte
ich wenig Arbeit am Wochenende und hatte
genug Zeit für andere Dinge: Zeit für ein Buch
oder ein Entspannungsbad. Für mich hieß es in der Woche auch einen Zahn zuzulegen, damit ich soweit alles neben meiner Teilzeitarbeit soweit erledigen konnte. Den Rest den ich nicht schaffte übernahm mein
Mann.

Lg Hinzwife

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Oh ja, das Gefühl kenne ich.

Ich habe zwar nicht das Gefühl, dass ich zu sehr im Hamsterrad stecke und Entschleunigung brauche. Aber so planlose Aktionen nerven mich grundsätzlich auch.

Meinem Mann fällt das auch sehr schwer den Überblick über Abläufe zu haben und die Reihenfolge im Voraus sinnvoll festzulegen. Aber nach 20 Jahren hab ich gelernt damit zu leben. Wenn es mir sehr wichtig ist, sage ich was, oder mache es selbst. Wenn es mich nicht betrifft (Teewasser...), dann lasse ich ihn. Ob er nun seine Zeit mit der Tasse Tee auf dem Sofa genießt oder vor dem Herd, ist ja seine Sache. ;-)

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Oje, ich denke deine Erziehung steckt unsagbar tief in dir fest.

Du schreibst von Entschleunigung, bist aber immer noch akribisch dabei, noch aus der kleinsten Handlung etwas effizientes rauszuholen. Nicht nur das, du siehst es nicht mal anderen Personen. Das ist doch Entschleunigung, wenn man einfach entspannt auf das Teewasser warten kann. Und ich wette mit dir, das dein Mann entspannt am Urlaubsort ankam, trotz nasser Wäsche;-). Du auch?
Und ich denke, das ist genau das was dich stört....dein Mann macht es einfach und du kämpfst mit den Geistern der Vergangenheit. Willst jetzt unbedingt für dich etwas durchsetzen, was anscheinend nicht zu dir passt. Diese Effizienz, die du von deinen Eltern mitbekommen hast, die ist Fluch und Segen zugleich. Du mußt dich doch gar nicht für eine Variante entscheiden. Du kannst deine Fähigkeit Effizienz super im Alltag einsetzen, möchtest du dich entschleunigen, dann hilft sie dir trotzdem. Ich denke für dich ist es schon ein großer Schritt, wenn du deinen Tee auf deine Weise kochst und ihn dnanach in Ruhe auf der Terrasse trinken kannst, dabei einer webenden Spinne zuschaust, ohne gleich im Kopf den folgenden Ablauf der "Eliminierung" durchzuspielen. Du willst entschleunigen? Der erste Schritt ist nichtstun aushalten können oder Tee "falsch" kochen.

Ich kann mich noch gut an den anderen Post erinnern, weiß aber nicht mehr ob ich geantwortet habe. Ich musste damals so lachen, weil du so ein schräges Bild/Vorstellung von einer Hausfrau hattest. Fast schon wie in Hochglanzmagazinen oder Influencern, aber das ist nicht die Realtität. Und ganz weit weg von Entschleunigung.

Es ist schade, das dich das entschleunigte Verhalten deines Mannes stört, eigentlich kannst du viel von ihm lernen. Zeigt aber auch klar, das "eine ruhige Kugle" so gar nicht zu dir passt, bzw du gar nicht zulassen kannst.

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Die Geschichte mit dem Urlaub hätte mich auch wahnsinnig gemacht. Feuchte Sachen einpacken geht gar nicht 🙈

Aber die Sache mit dem Tee - das ist echt krass, dass dich das so stark triggert. Denn genau so Pausen (nämlich einfach mal den Topf anstarren und dabei die Gedanken schweifen lassen) braucht der Körper und das Hirn. Wenn du das (noch) nicht kannst, ok. Wenn du aber schon beim zugucken wahnsinnig wirst..

Würde ich tatsächlich mal über eine Therapie nachdenken.