Sexleben zerstört?

Ich habe meine Situation vor einiger Zeit bereits hier unter dem Titel
"Ich will keinen Sex mehr mit meiner Frau"
geschildert (leider kann ich das Posting hier nicht verlinken).

Am vergangenen Wochenende habe ich meine Frau in ein Hotel am See eingeladen, um nochmal zu versuchen, in Ruhe über alles zu sprechen. Es war auch sehr gut und wir konnten ohne Streit über alles reden und uns einige Dinge vornehmen, auf die wir in unserer Kommunikation in Zukunft besser achten wollen.

Als wir am Sonntag wieder nach Hause kamen, sind wir uns nach sieben Monaten kompletter sexueller "Funkstille" körperlich wieder nähergekommen. Wir waren nach den guten Gesprächen wohl voller Hoffnung und hatten nach langer Zeit wieder Sex. Ich habe dabei gemerkt, dass ich leider nach wie vor nicht mit meiner Frau schlafen will, denn die Szenen aus der Vergangenheit kommen dabei verlässlich wieder.

Unsere Stimmung war danach am Boden und wir haben darüber gesprochen.
Ich habe meiner Frau gesagt, dass ich nach den vielen Jahren der Demütigungen innerlich einen Haken unter das Thema Sex gemacht habe. Mein Ego, das von ihr viele Jahre lang als Prellbock für ihre Wut aus der Vergangenheit benutzt wurde, ist nicht mehr wirklich geeignet für guten Sex.
Es war schwer, mir selbst das einzugestehen und es war eine schmerzhafte Erfahrung, die sehr am Selbstverständnis rüttelt.
Ihr fiel es immer eher schwer, zu glauben, dass ein Mann keinen Sex möchte, da in ihrer Welt jeder Mann immer will.

Sie sagt, dass sie mich liebt und dafür kämpfen will, dass wir wieder zueinander finden.
Für mich war es jedoch ein schweres Stück Arbeit, diesen "Haken" unter das Thema Sex zu machen. Jetzt, wo ich es annähernd geschafft habe, frage ich mich, ob es sinnvoll ist, das Thema erneut wiederzubeleben.

Auf der anderen Seite frage ich mich, ob eine Ehe ohne Sex auf Dauer überhaupt für beide Seiten funktionieren kann - vor allem dann, wenn das Verhalten meiner Frau in der Vergangenheit der Grund dafür ist, dass ich keinen Sex mehr mit ihr möchte.

Was denkt ihr?

1

Die Frage ist doch, kannst und willst du ihr verzeihen? Wenn nein, dann hat es wohl keinen Sinn.

Wenn ja, dann würde ich sagen, müsst ihr euch halt wieder einspielen, zusammen gute Erfahrungen sammeln, euch wieder annähern und so.

Mir klingt, als wärst du nachtragend.

2

„nach den vielen Jahren der Demütigungen“

Geht es dabei nur um das Thema, dass sie auch nach 20 Jahren dem ONS nachtrauert?

3

Nicht nur.
Ich habe vor allem auch damit zu kämpfen, dass ich aufgrund ihrer katastrophalen Erfahrungen in ihrer Kindheit immer wieder von ihr als "Täter" gesehen wurde.
Diese beiden Dinge multiplizieren sich für mich. Jahrelange Ablehnung für mich, weil ich als Mann in ihren Augen nur ein Täter sein kann. Gleichzeitig die Glorifizierung eines anderen Mannes aus ihrer Vergangenheit.
Ich gebe offen zu, dass mir diese Dinge zusetzen - vor allem deren Dauer und die Unmöglichkeit, sie vom Gegenteil überzeugen zu können.

4

Wie Du schon schreibst, Dir "setzen diese Dinge zu".
Wahrscheinlich mehr als gedacht....

Nein, ich glaube nicht, dass eine Beziehung ohne Sex für Deine Frau funktionieren wird.

Aber Du musst für Dich entscheiden, ob Du nochmal mit ihr bei 0 anfangen kannst. Dafür musst Du natürlich auch mit Vergangenem abschließen. Wenn Du dazu bereit bist, dann solltest Du Dir therapeutische Hilfe holen.

Sonst würde ich sagen, trenn Dich.
Für sie ist Sex wichtig und Du würdest wohl sonst immer grübeln, ob sie sich den nicht woanders holt.

5

Boah, ganz ehrlich? Trenn dich.
Du wirst doch gerade vom Opfer zum Täter (Sexentzug).
Ich hab keine Ahnung, was dir deine Frau angetan hat in den letzten Jahren. Aber offenbar bist du nicht willens, ihr zu verzeihen, während sie - so mutmaße ich aufgrund deines Post - neue Nähe sucht und einen Neuanfang will.

Ihr steht also an völlig unterschiedlichen Punkten. Ob ne Ehe ohne Sex möglich ist, ist gar nicht die Frage. Die Frage ist, ob ne Ehe/Beziehung Sinn macht, in der Fehler nicht verziehen werden können. Und ich denke die Antwort lautet hier: Nein.

6

Also, dieser Beitrag und auch der andere, auf den du dich beziehst, werfen bei mir eine Menge Fragen auf.
Irgendwie scheint da für mich einiges nicht so recht zusammenzupassen und lassen mich aufhorchen.
Zuerst einmal ist da die Tatsache, dass ihr 20 Jahre lang phasenweise krasse Zeiten durchgemacht habt und trotzdem leidet deine Libido erst seit 7 Monaten.
Auch das Thema mit dem Ex ist schon lange Thema, auch die emotionalen Verletzungen gibt es nicht erst seit gestern.

Das ist merkwürdig.

Außerdem ist da noch was, und zwar die Art wie du genau schreibst. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber es klingt irgendwie komplett erschöpft, resigniert, müde.

Wie ist dein Allgemeinbefinden, deine Motivation, dein Antrieb?
Hast du Schlafstörungen?
Wie ist deine Stimmung im Allgemeinen ?