Beziehung nach der ersten Verliebtheit

Hallo liebe Community,

mein Freund und ich sind seit einem halben Jahr zusammen und im Großen und Ganzen passen wir auch sehr gut zusammen.

Wir sind beide Anfang 30, für mich ist es mehr oder weniger die erste ernsthafte und längere Beziehung, er war über 10 Jahre mit seiner Ex zusammen.

Nun bin ich mir selbst irgendwie unsicher, ob die Themen die jetzt aufkommen irgendwie einfach normal sind und den Alltag zeigen oder es sich jetzt erst wirklich zeigt ob es dauerhaft passt und freue mich über Einschätzungen von euch….

Thema Eltern… wir haben beide ein recht enges Verhältnis zu unseren Eltern und seine mögen mich, meine ihn. Er möchte am liebsten nur noch zusammen mit mir zu seinen Eltern, ich freue mich ehrlich gesagt auch mal, meine Eltern ohne ihn zu sehen und möchte das jetzt auch wieder regelmäßiger machen… Kam in der ersten Verliebtheit alles etwas kurz. Seine Eltern laden sich oft von sich aus ein… Teilweise waren wir jetzt 2x die Woche da. Das läuft dann so ab … Anruf kommt. Wollt ihr zum Essen kommen, aufs Straßenfest, zum Kaffee etc. und er sagt zu. Nicht falsch verstehen, die sind super nett, innerlich denke ich dann aber auch, bevor wir jetzt zu seinen Eltern gehen hätte ich einfach auch gerne mal ein bisschen Zeit für mich, würde dann zu meinen Eltern (er kann mit, muss aber nicht). Aber bevor ich so oft bei seinen bin, geh ich dann auch einfach gerne bei meinen Eltern vorbei, spontan… Aber dann ist die Zeit ja quasi schon verplant weil wir bei seinen eingeladen sind. Ich bin dann innerlich genervt, was er auch irgendwie spürt aber ich weiß nicht wie ich ihm das sagen kann ohne ihn zu verletzen.

Thema Wohnung… Ich wohne quasi bei ihm, wir wohnen beide in Miete. Irgendwie hat es sich so ergeben dass wir ständig bei ihm sind und er eigentlich gerne hätte dass ich bei ihm einziehe. Ich merke aber aktuell, dass mir meine Wohnung auch irgendwie fehlt bzw. ich falls es zum zusammen ziehen kommt nicht zwangsläufig zu ihm ziehen möchte. Die Argumente für seine bzw meine Wohnung halten sich eigentlich die Waage. Generell würde ich das Thema zusammen ziehen auch noch ein bisschen abwarten.

Er plant unsere Zukunft schon zusammen. Gemeinsames Anschaffungen, eigene Immobilie, Familie. Ist ja irgendwie süß und ich fühle mich total wohl bei ihm aber irgendwie setzt mich das auch etwas unter Druck, dass es so viel „wir und unser“ gibt.

Er wurde von seiner Ex betrogen und hat glaube ich wahnsinnig Angst dass ihm das nochmal passieren könnte. Ich habe meistens gute Laune, wenn das mal nicht so ist macht er sich gleich total die Sorgen (meiner Meinung nach hat er Angst dass das was mit ihm zu tun haben könnte- er spürt aber auch jede Gefühlsregung meinerseits, kann ihm da nichts vormachen). Das ist einerseits total schön und liebevoll, aber man darf doch auch mal nicht so gut drauf sein, schlecht geschlafen haben was weiß ich. Ist bei ihm ja auch so.

Wir sind beide gerne draußen und haben ähnliche Interessen. Ich bin aber der Meinung dass man nicht alles immer zusammen machen muss. Beispiel am Wochenende. Ich wollte mich gerne bewegen und hab gesagt ich geh spazieren. Er wollte gerne relaxen. Auch voll ok. Hab gesagt für mich ist es auch voll okay alleine zu gehen und er bleibt daheim. Nein das will er nicht er kommt mit … und fühlt sich dann gestresst. Fasst es so auf, dass es bei ihm langweilig ist und ich deswegen raus möchte. Hat für mich überhaupt gar nichts damit zu tun und wäre für mich auch anders herum voll ok wenn er Sport macht alleine. Neulich hat sein Kumpel am We spontan gefragt ob sie sich treffen wollen, er hat abgesagt weil ich sonst alleine gewesen wäre (wäre für mich aber voll okay gewesen, wir sprechen uns ja ab und ich hab ihm das auch gesagt).

Mein Job ist deutlich stressfreier und weniger zeitintensiv als seiner, das habe ich aber auch bewusst so ausgesucht und will es nicht mehr anders. Ich weiß wie es anders sein kann und genieße es jetzt, die Freizeit am späten Nachmittag zu haben. Für mich heißt das nicht, dass das die Zeit ist in der ich den kompletten Haushalt erledige… Kochen und einkaufen mache ich. Dass sein Job ihn anders fordert ist mir klar, trotzdem könnte er sich ja auch nach was anderem umschauen was er auch nicht möchte da ihm die Arbeit trotzdem Spaß macht. Ist ja auch okay, er ist erwachsen, aber er möchte von mir dann emotional unterstützt werden das auszuhalten.

Ich hab manchmal das Gefühl, so lange alles nach seinem Kopf läuft ist alles gut und die Laune auch, wenn nicht ist er schnell eingeschnappt. In der ersten Verliebtheit habe ich meine Bedürfnisse auch eher hinten angestellt, muss das aber jetzt ein bisschen ändern sonst bin ich nicht zufrieden auf Dauer. Und er spürt jetzt auch wahrscheinlich irgendwie, dass mich das beschäftigt und fragt sich was los ist. Am Wochenende hat er das angesprochen, er will relaxen, ich was machen. Gab dann kurz schlechte Stimmung. Gehört meiner Meinung nach auch mal dazu und ist auch wichtig über das zu sprechen was einen beschäftigt. Er war dann der Meinung lieber in Zukunft nichts mehr zu sagen bevor es schlechte Stimmung gibt- meiner Meinung nach nicht richtig so.

Hört sich jetzt irgendwie so negativ an… Das sind jetzt eben die Sachen die mich beschäftigen. Wir harmonieren an sich gut und hatten auch schon einen wunderschönen Urlaub zusammen.

Wahrscheinlich alles nichts großes und ich mache mir viel zu viele Gedanken, trotzdem ein paar Sachen die ich ansprechen möchte aber nicht so richtig weiß wie. Sind das normale Themen und Kompromiss oder wie seht ihr das? Merke momentan, dass mir die Erfahrung fehlt…

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Hallo,

im ersten Moment hört es sich sehr schön an.

ABER:
Ich lese bei Dir leise Zweifel. Und die kann ich absolut nachvollziehen.
Es zeigt sich eine Tendenz zum "Klammeräffchen". Dem kannst Du noch entgegenwirken.

Du musst mit ihm reden und Dich auch mal abgrenzen. Jeder Mensch braucht Freiräume!

Und sag auch mal nein zu Besuchen bei seinen Eltern.

Auf keinen Fall zusammenziehen. Behalt Deine Wohnung! Ansonsten würde die Beziehung ersticken!

Wenn er einsichtig ist, ist er bestimmt der Richtige. Sonst leider nicht.

LG

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Nach der Verliebtheitsphase zeigt sich die wahre Beschaffenheit einer Beziehung. Nämlich dann, wenn sich beide (oder einer) nicht mehr so stark anpassen und wieder ihre eigenen (völlig legitimen) Bedürfnisse in den Vordergrund rücken. Können beide damit gut umgehen, passt man gut zusammen und harmoniert. Ist einer eingeschnappt und will "lieber nichts mehr ansprechen" ist das ein Zeichen dafür, dass es doch nicht so gut passt. Viele Paare trennen sich auch einfach nach der ersten Phase wieder. Ich würde es offen ansprechen, was dich beschäftigt. Ich-Botschaften formulieren. Ohne Schuldzuweisungen. Möchte er eine Beziehung auf Augenhöhe, wird er dich verstehen. Will er nur ein Äffchen, dass nach seiner Melodie tanzt, wird es "Stimmung" geben.
Alles Gute

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Ich finde es schon normal, dass es (kommt übrigens immer wieder vor!) Themen gibt, wo man sich vllt nicht gleich so einig ist.

Man muss da drüber reden. Immer wieder. Ich glaube, das größte Problem ist, dass dein Freund gleich alles sehr persönlich nimmt. Sag ihm, dass du manchmal halt nicht super Laune hast oder alleine sein möchtest, das ist ok! Er muss sich da keine Gedanken machen :)

Schaff dir Freiräume, das ist ok! Wenn er damit nicht umgehen kann, dann passt es auf Dauer vllt nicht, aber man muss abwarten.

Ihr findet aber bestimmt Lösungen :)

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Hört sich wirklich leicht erdrückend an.

Thema Eltern: Seine Eltern laden euch ein. Sagt er dann am Telefon sofort für euch beide zu? Bei uns wäre es so, dass er vill für sich zusagt, und mich separat nochmal fragt, ob ich Zeit und Lust habe. Wenn nicht , geht er halt alleine. Wenn er direkt für euch beide zusagt: Woher kommt die Annahme, dass du ständig Zeit hast? Triffst du dich auch mal mit Freundinnen separat? Finde es wichtig, dass er nicht über deine Zeit bestimmen darf- nur über seine eigene. Meiner würde mich sogar noch je nachdem fragen, ob ich was für uns geplant habe, bevor er was anderes zusagt. Zweimal die Woche was mit seinen Eltern unternehmen ist ja schon eher häufig. Wichtig finde ich aber auch ,dass du lernst, deine Bedürfnisse zu kommunizieren. Wenn du keine Lust hast, weil du lieber was anderes machen möchtest, sollte das auch absolut in Ordnung sein. Er muss das halt wissen, wenn du bisher immer gesagt hast : "aja super, gerne" obwohl dem nicht so ist, kann er ja auch nichts ändern.

Thema Wohnen: gibt es Gründe, warum er seine Wohnung zum Zusammenziehen bevorzugt? Ich würde sagen, ihr seid jetzt tatsächlich in der Phase, wo die rosarote Brille langsam abklingt. Ich bin mit meinem jetzt 9 Monate zusammen, da bemerkt man dann doch das ein oder andere, was nicht so perfekt läuft. Würde dir auf jeden Fall raten, noch ca 1 Jahr zu schauen, wie die Beziehung läuft. Mal schlechte Zeiten zusammen durchmachen. Wie läuft es bei einem Streit. Wie reagiert er, wenn du eine andere Meinung hast. Bei uns in der Ecke (keine Großstadt) ist der Immobilienmarkt ne Katastrophe. Man sollte sich also wirklich sicher sein, bevor man seine Wohnung kündigt. Ich würde es auch bevorzugen, wenn man sich zusammen etwas Neues sucht- es sei denn, der Partner findet die Wohnung des anderen wirklich toll.

Wenn er übermäßig Angst hat, nur weil du mal nicht so toll gelaunt hast und das auf Dauer, würde es mich wirklich nerven. Würde ich ihm auch sagen, dass es dir zuviel ist. Man sollte dem anderen auch vertrauen können, gerade wenn derjenige keinen Grund zu Misstrauen gibt.

Thema Freizeit: Auch das würde mich nerven😅 Bei dir klingt es recht gesund, bei deinem Freund klammernd. Ich finde aich, man sollte auch getrennt Sachen voneinander unternehmen können, gerade wenn der andere keine Lust darauf hat. Dass er seinem Kumpel absagt, weil er meint du könntest nicht alleine sein, fände ich auch unattraktiv. Ich finde es schon gut, wenn der Partner noch seinen eigenen Interessen nachgeht. Auch hier: Vill musst du deutlicher kommunizieren, dass es okay für dich ist oder du es dir auch wünschst, dass er auch was alleine unternimmt. Bin mal gespannt, ob euer Sexleben sich nicht verschlechtert, ich persönlich fände dieses klammernde wirklich unattraktiv.

Zu dem emotional unterstützen wegen des Jobs schreibst du nicht viel, desw. kann man da nicht wirklich was zu raten.
Ist ja jedenfalls schon nett, dass du kochst und einkaufen gehst, wenn ihr beide Vollzeit arbeitet.

Dein Partner hört sich wirklich etwas unsicher an. Meiner tendiert auch leicht in diese Richtung, obwohl er null Grund dazu hat. Wäre es ausgeprägter zum Beispiel wie bei deinem, käme ich damit wohl nicht zurecht. Wir sind übrigens auch 34 und 29. Dein Bauchgefühl schlägt leicht Alarm, dass du dich aktuell so nicht wohlfühlst. Ihr müsst das kommunizieren, deine Wünsche und er muss das ernstnehmen und versuchen dir auch deinen Freiraum zu lassen, ohne dass er es persönlich nimmt. Ansonsten sehe ich wirklich schwarz. Kann aber sein, dass er das mit noch mehr Zeit auch gut hinkriegt. Wäre euch zu wünschen!

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"Ich wollte mich gerne bewegen und hab gesagt ich geh spazieren. Er wollte gerne relaxen. Auch voll ok. Hab gesagt für mich ist es auch voll okay alleine zu gehen und er bleibt daheim. Nein das will er nicht er kommt mit …"

Warum bist du dann bei ihm? Nicht falsch verstehen, aber dann bleib doch in deiner Wohnung mal übers WE oder eben einen Tag davon und mach das, wonach dir ist. Im Prinzip wohnt ihr ja nicht zusammen, also bist du sein Gast, während du bei ihm bist, ergo würde ich mich auch irgendwie verpflichtet fühlen mitzugehen 🤔

Grundsätzlich sind das insgesamt ziemlich viele Sachen, die du da aufzählst, und das für die kurze Dauer von sechs Monaten Beziehung.

Dir bleibt nichts anderes übrig als mit ihm zu reden, deine Wünsche und Erwartungen mitzuteilen und zu schauen, ob ihr Kompromisse finden könnt, mit denen ihr glücklich und zufrieden seid. Grundsätzlich scheint er etwas zu klammern, was vermutlich am Betrug durch die Ex-Freundin liegt, aber du nicht ausbaden darfst.