Kalte Füße sobald es Zukunftspläne gibt

Ich bin seit einem Jahr mit meinem Freund zusammen und konnte mich am Anfang auch voll und ganz auf die Beziehung einlassen.

Ich bin 32 Jahre alt und das ist auch meine erste ernsthafte Beziehung. Ich bin nicht hässlich oder unbeliebt, aber ich konnte mich nie wirklich auf jemanden einlassen. Zu meinen Eltern habe ich eine enge Beziehung.

Wir harmonieren super zusammen und haben ähnliche Interessen und Vorstellungen vom Leben. Das sieht auch unser Umfeld so.

Zu Beginn konnte ich mir alles vorstellen, er ist ein toller Mensch und ich liebe ihn.

Seit allerdings eine gemeinsame Zukunft konkreter wird merke ich wie ich mich innerlich distanziere, weniger interessiert und emotional ihm gegenüber bin bzw dann irgendwelche Gründe suche warum er doch nicht so toll ist. Ihm gegenüber nicht mehr so liebevoll bin. Wir müssen wenige Kompromisse machen aber ich hab Angst seit das alles konkreter wird und er spürt auch dass ich irgendwie anders bin.

Wir können uns Familie vorstellen und ich weiß auch dass ich so jemanden nicht so schnell wieder finden würde und wir in unserem Alter auch nicht mehr ewig dafür Zeit haben bzw man nie eine Garantie für irgendwas hat.

Er bezieht mich in Entscheidungen für die Zukunft ein und ich schaffe das irgendwie nicht mehr, weil es mir Angst macht. Ich liebe ihn und er ist super. Ging es jemanden schon mal genauso und was würdet ihr machen an meiner Stelle?

das weiß ich vom Verstand her auch alles und innerlich geht es mir trotzdem so und das beschäftigt mich total.

1

Riskiere einfach den Sprung ins kalte Wasser.
Wenn du jedesmal kalte Füße bekommst, kommst du nie weiter.
Du verlierst vielleicht sogar einen Menschen, den du liebst.
Sollte es mit eurer Beziehung nicht klappen, ist es nicht der Tod.
Aber wenn du es bisher nie gewagt hast, wirst du nie erfahren wie schön es vielleicht sein hätte können.

2

"Ich bin 32 Jahre alt und das ist auch meine erste ernsthafte Beziehung. Ich bin nicht hässlich oder unbeliebt, aber ich konnte mich nie wirklich auf jemanden einlassen. Zu meinen Eltern habe ich eine enge Beziehung."

Darf ich fragen, ob du noch zuhause wohnst?
Dein o.g. Absatz im Text erinnert mich an eine Bekannte.
Sie hat eine so dermaßen starke Bindung zu ihren Eltern, dass es ihr unmöglich macht eine Beziehung einzugehen, wenn der Mann nicht gewillt ist, bei ihr im Haus ihrer Eltern mit einzuziehen.
Sie selber lebt noch in ihrem Kinderzimmer und hockt abends zusammen mit ihren Eltern auf der Couch zum TV gucken.
Es handelt sich um eine kluge, gut aussehende Frau, die jede Menge Verehrer hat. Aber spätestens, wenn einer von ihnen Zukunftspläne mit ihr schmieden will - und die Gefahr besteht, dass er WOANDERS als bei ihren Eltern mit ihr leben will, beendet sie lieber die Beziehung, als dass sie auch nur 500 m vom Elternhaus entfernt einziehen würde.#schock

3

Also wenn das mit 32 Deine erste "ernste" Beziehung ist, dann hst Du schon einen längeren Anlauf gebraucht. Was ja nicht tragsich ist.

Wenn Du seit einem Jahr mit ihm "zusammen" bist, was genua meinst Du mit "ernst"? Also ist nicht immer ernst wenn man mit jemandem zusammen ist als Paar? Oder meinst Du, dass Du Dich angekommen fühlst, er der erste ist, der Dich besser versteht und besser annimmt als anderen vorher?

4

Naja, also ihr seid jetzt ( erst ) ein Jahr zusammen.
Und mit „ jetzt wird es ernst“ ist vermutlich zusammenziehen, Familienplanung, heiraten gemeint. Zukunftspläne.
Das ist schon recht schnell und verbindlich nach einem Jahr Beziehung.
Deshalb meldet sich vermutlich dein Bauchgefühl…und das kann ich verstehen, würde mir nicht anders gehen.

Mit 32 hast du schon noch einige Jahre für die Familienplanung Zeit, du musst keine Torschlusspanik bekommen.
Deshalb, Tipp: schaltet einen Gang runter.
Sage ihm offen und ehrlich, dass du glücklich bist, wie es jetzt ist und das erstmal noch genießen möchtest.
Warum auch die Eile? Lasst euch Zeit. In ein zwei Jahren sieht man weiter.
Das wäre mein Rat.

Liebe Grüße,
Cersei

5

Hallo, du solltest nach der Ursache für deine Ängste suchen. Hast du generell Angst vor Veränderungen? Ist deine Bindung zu den Eltern so stark, dass du dich schwer auf eine andere Bindung einlassen kannst? Was genau befürchtest du?
Den heutzutage ist es ja Gott sei Dank nicht mehr so, dass man aus einer unglücklich verlaufenden Beziehung /Ehe nicht mehr raus kann.
Da du schreibst, du konntest dich noch nie auf eine Beziehung näher einlassen, wäre vielleicht ein Besuch bei einen Psychologen zu empfehlen. Im Gespräch mit ihm kannst du vielleicht die Ursache deiner Ängste finden, und wenn du die Ursache weißt, ist das schon der halbe Sieg.
Alles Gute noch
Nike

6

Ich wohne schon lange nicht mehr daheim und das ist auch gut so 😉 Ich habe trotzdem eine recht enge Bindung zu meinen Eltern, gerade auch während der Corona Zeit, als sich Freunde sehr zurück gezogen haben. Würde es eher als freundschaftlich bezeichnen und trotzdem fällt es mir manchmal schwer, zu akzeptieren dass ich einfach nicht mehr ganz so viel Zeit habe, obwohl mir das auch keiner übel nimmt.

Bzw wahrscheinlich ist die Bindung zu ihnen schon eher einen Tick zu eng bzw ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht mehr so viel Zeit habe, aber mein Verstand weiß ja dass es gut und wichtig und völlig normal ist mein eigenes Leben zu führen.

Mit ernst könnte man schon zusammenfassen dass er der erste Mann ist, mit dem ich mir eine Zukunft gemeinsam, Familie grundsätzlich vorstellen kann und mich auch angekommen fühle. Und genau diese Verbindlichkeit finde ich schön und sie macht mir gleichzeitig Angst.

Veränderungen mag ich, egal in welchem Bereich, tatsächlich nicht so gerne. Ich mag es, wenn die Dinge in verlässlichen Bahnen laufen, wobei es ja immer mal Phasen gibt in denen das mehr oder weniger ist.

Vermutlich macht mir irgendwie genau diese Vertrautheit, die ja aber auch schön ist, Angst. Auch, irgendwie emotional abhängig zu sein bzw. sein Tempo für eine Zukunftsplanung geht auch schneller als meine. Wobei mir mein Gefühl sagt, dass es mit uns beiden klappen wird…

Im Prinzip würden wir auch bei zb gemeinsamen Finanzen keinen Stress bekommen und ich konnte mir auch vorstellen, das auf lange Sicht zusammen zu führen. Und jetzt bin ich innerlich blockiert.

Weiß einfach nicht so recht wie ich damit umgehen soll.

7

Von Stefanie Stahl gibts Bücher zum Thema Bindungsangst und Bindungstypen ist sehr interessant was sie alles dazu schreibt.

Vielleicht findest du die Zeit zu lesen. Oder du suchst einen Coach/Therapeuten mit dem/der du diese aufkommende Angst ergründen kannst.

Manchmal ist die Professionelle Sicht auf so Alltagsprobleme seeeehr hilfreich.

9

Hi, genau den gleichen Vorschlag wollte ich auch gerade machen.

"Jein! - Bindungsängste erkennen und bewältigen"

ist verdammt gut.

Liebe Grüße,
Tiger

8

Was hast du zu verlieren? Probiere es doch aus, spiele mit offenen Karten, sage ihm was dich bedrückt, es nichts mit ihm zu tun hat, sondern es Ängste in dir sind vor der neuen Situation. Geht Essen und besprecht das. Ich habe das mit meinem Partner genauso gemacht. Hatte auch Angst das er mich nach dieser Aussage fallen lässt, hat er aber nicht. Das gesündeste ist immer offen zu sagen was einen bedrückt. Denn der andere sieht das eventuell gar nicht als ein riesen Problem an, wie du es tust gefühlt. Und weiter noch, wenn ihr dann zusammen gezogen seid, bedeutet es doch nicht das Ende, wenn du merkst das es dir nicht gefällt, du das nicht kannst, wird dich niemand aufhalten das ganze aufzulösen-du bist nicht gefangen, heiraten sollst du ja nicht gleich und Kinder planen sofort. Erstmal ankommen, spüren wie es sich anfühlt, reinwachsen und dann schauen.

10

Vielleicht brauchst einfach noch einbisschen Zeit wenn du ein schlechtes Gefühl hat dann warte noch etwas nach einem Jahr hast du jemanden noch lange nicht richtig kennen gelernt