Update vom: Update: Wie schafft ihr es immer wieder weiter zu machen

Guten Morgen ihr Lieben,

da ihr mir wirklich alle offen und ehrlich geantwortet habt, wollte ich euch ein kleines Update geben.

Mein Mann ist seit 9 Tagen trocken.
Er versucht wirklich alles um mich glücklich zu machen derzeit. Er steht morgens mit auf, mit mir und den Kindern. Kocht mir sogar Kaffee...gibt sich viel Mühe. Das muss ich ihm zugestehen.

Ich habe während der letzten Woche auch viel über mich nachgedacht und die letzten Jahre. Mir ist bewusst geworden, dass ich von Anfang an von unserer Beziehung Co Abhängig von ihm war. D.h. nicht auf den Alkohol bezogen, sondern auf die Beziehung und Liebe zu ihm.

Ich hatte eine verkackte Kindheit und somit extrem feine Antennen. Habe jahrelang so gelebt dass es ihm gut geht, ihn auf ein Podest gestellt. Er war mein Leben, es drehte sich von vorne bis hinten alles um ihn. Ungelogen, dachte ich, ich kann ohne ihn nicht leben. Ich dachte, ich sterbe wenn er mich verlassen sollte irgendwann.
Wie eine Droge. Bekam ich Zuneigung von ihm, puschte es mich, bekam ich keine, zog es mich in ein tiefes Tal. Daher habe ich es so lange geduldet... sein trinken und sein Egoismus.

Ich bin also auch "krank" gewesen.
Nun ist es so, dass ich mir denke, verkloppt mich nicht, dass ich all die Jahre, zu viel an Zuneigung ihm gegenüber erwartet habe die er gar nicht erbringen konnte und wollte. Natürlich auch mit dem Alkohol im Zusammenhang.

Ich habe das Gefühl, Jahre verschwendet zu haben.
Ich habe das Gefühl, über 200% gegeben zu haben und habe es von ihm auch erwartet.

Er versucht jetzt wirklich alles um unsere Beziehung zu halten und ich merke dass ich aufgewacht bin. Der Druck ihm alles Recht machen zu müssen ist weg. Das Gefühl meine Probleme nur mit ihm bewältigen zu können ist weg. Meine Liebe ist weg. Wie ein Akku der leer ist und dennoch fühle ich mich stark, weil ich mich von dieser Droge befreit habe.
Noch nicht gänzlich...das steht ehrlich gesagt noch auf der Kippe.

Nun, wo wir beide wissen, was die Problematik der letzten Jahre war, sollte man dem ganzen nicht doch eine Chance geben?
Haut mich ruhig....

Mittwoch habe ich Termin bei der Suchtberatung für Angehörige. Ich hoffe dann sehe ich so klar wie ihr.
Liebe Grüße

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Guten Morgen,

du sagst, deine Liebe sei weg und dein Akku leer. Ich würde bei "Akku leer" ansetzen und erstmal für mich was tun. Du stehst jetzt an erster Stelle, denn wer selbst ertrinkt, kann niemand anderen retten.

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Hey!

Das klingt so, als wärst du von Anfang an emotional abhängig gewesen.
Hm. Mein Rat wäre, selbst mal an eine Therapie zu denken. So kannst du ergründen, warum du sehenden Auges weitermachst, obwohl du dir deiner Abhängigkeit und der fehlenden Liebe bewusst bist.
Es gibt auch Foren für Angehörige von Alkoholikern; dort kannst du mit Menschen schreiben, die ähnliches durchhaben.
Ich würde nicht sagen, dass er nun trocken ist. Vermutlich macht er bloß eine Trinkpause, bis er glaubt, die Kohlen aus dem Feuer geholt zu haben. Dann kannst du damit rechnen, dass er dir entweder erzählt, gar nicht abhängig zu sein, weil er ja 2 Wochen nicht getrunken habe, oder er wolle nun kontrolliert trinken.. oder alkoholfrei. Das wären so die Klaussiker.

Fühlst du dich von deinen Eltern bedingungslos geliebt? Ich tippe mal auf nein.
Deswegen bleibst du in dem Muster. Vielleicht solltest du das aufarbeiten.

Liebe Grüße
Schoko

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Schoko mein Vater meine Mutter und mich geschlagen. Meine Mutter fast mehrmals tot geprügelt. Sie hat zugesehen wie er mich schlug. Sie konnte nicht helfen. Mein Vater ist total paranoid.
Mein Stiefvater hat uns rausgeholt, da war ich 6.
Und er war und ist immer ein sehr kalter Typ. Meine Mutter hat sich aufgeopfert für ihn. Ich war quasi immer Mitläufer.
Meine Mutter und mein Stiefvater kümmerten und kümmern sich nur ums sich selbst....

Als wir bei meinem Vater raus sind, kam das Jugendamt zu mir und fragte mich, ob ich mein Vater sehen will und was ich mir wünsche. Ich habe mit 7 Jahren gesagt, weil ich dachte es wäre meine Pflicht und es gehört sich so, zu sagen dass ich mir wünsche dass meine Eltern zusammen gehören, dass ich mein Vater sehen will.

Ich habe mich dafür gehasst, ich wollte nie zu ihm alle 14 Tage l. Ich habe es gemacht bis ich 14 war, weil ich dachte jeder erwartet es von mir.

So verquer bin ich.
Und trotzdem zeige ich meinen Kindern Liebe, schenke ihnen Respekt und zu jeder Stunde ein offenes Ohr.
Weil ich es besser machen möchte als meine Eltern!

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Das klingt schrecklich. Ich kann dir da wirklich nur raten, deine Vergangenheit aufzuarbeiten und wirklich zu schauen, ob dieses Umfeld dir und den Kindern gut tut.

Wieso gibst du ihn noch eine Chance, statt ihn dir vom Hals zu halten? Das soll nicht vorwurfsvoll gemeint sein, sondern sachlich.

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Such dir eine Al Anon-Gruppe und lies “Wenn Frauen zu sehr lieben”.

9 Tage Trocken ist nichts! Und ich finde es normal, dass du emotional tot bist in Hinblick auf deinen Mann, denn das, was du Liebe nennst, ist ja Coabhängigkeit, d.h. du interpretierst als Liebe, dass dein Partner dich braucht, du Kontrolle ausübst, dich kümmerst, stark bist. Das alles müsstest du nicht mehr, bliebe dein Partner trocken. Und das kann sich anfühlen, als ob du deinen Partner nicht mehr liebst.

Außerdem wirst du ausgebrannt sein. Das Leben an der Seite eines Abhängigen ist extrem anstrengend! Hoffnung, Enttäuschung, Groll, Verzeihen… und das alles immer wieder von vorne. Was meinste, was da an Disco in deinem Hirn passiert? Für deine Partner und auch für dich wird sich ein trockenes Leben bisweilen langweilig anfühlen… das Drama ist ja weg.

Geht dein Partner in eine Selbsthilfegruppe? Hier tagen AA und Al anon oft zur gleichen Zeit und manchmal treffen sich beide Gruppen sogar in einem Raum. Bei den Al Anons wirst du merken, dass es vielen Menschen so geht wie dir.

Es ist natürlich auch vollkommen legitim, deinen Partner zu verlassen. Ich würde mich allerdings sehr kritisch fragen, warum du das jetzt tust, wo er Bereitschaft zeigt, trocken zu werden. Warum bist du nicht in der nassen Zeit gegangen? Was erträgst du gerade nicht?

Sich diese Fragen zu stellen, ist wichtig, damit du deine eigenen coabhängigen Strukturen überwindest. Unabhängig von deinem Partner. Das wird eh eure Aufgabe sein: euch emotional zu “entwirren”. Trocken bleibt dein Partner nur, wenn er das nicht aus Verpflichtung dir gegenüber tut. Er muss das für sich wollen und für sich durchziehen wollen. Und du musst lernen, wer du bist und wie du lieben willst, wenn du nicht Partnerin eines Abhängigen bist und deine Emotionen unabhängig von ihm regulierst.

Hab etwas Geduld mit dir und dem ganzen Prozess.

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Wachtelei, vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

Ich weiß dass Alkoholiker zum Rückfall neigen. Ich habe es in erster Hand bei meiner Mutter erlebt.
Ich habe ihm auch Klipp und klar gesagt, und das meine ich auch so, dass sobald er auch nur irgendwas alkoholisches anfasst, er gehen darf.
Ich ertappe mich bei den Gedanken quasi darauf zu warten, dass er sowieso wieder anfängt zu trinken.
Und ich Frage mich, wie lange es dauert bis er wieder anfängt.
Ich vertraue ihm nicht, da er meine Bedürfnisse jahrelang ignoriert hat. Wie soll ich weiterhin vertrauen fassen dass alles gut gehen wird.

Ich schwebe in der Luft mit meinen Gedanken und Gefühlen.
Ich bremse meine Gefühle stark aus für ihn, aus Angst wieder in ein Loch zu fallen.

Ich kümmere mich um mich, habe einen Termin für die Suchtberatung. Und meine psychische Geschichte nehme ich auch in Angriff.

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„Der Druck ihm alles Recht machen zu müssen ist weg. Das Gefühl meine Probleme nur mit ihm bewältigen zu können ist weg. “

Das ist gut! Das solltest du dir unbedingt beibehalten, klar das ist kein Geheimnis. Am besten, immer wieder neu kontrollieren.

Ich freue mich für dich, dass dein Mann aufgewacht ist. Aber 9 Tage sind leider tatsächlich nichts. Selbst bei 9 Wochen würde ich sagen, kommt erstmal bei 9 Monaten an.
Aber ein Anfang ist besser als nichts.

Alles Gute

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Dankeschön für deine Worte. Ich weiß...9 Tage sind überhaupt nichts.

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Klingt so, als bräuchtest du auch dringend ne Therapie. Er sowieso, von „9 Tage trocken“ bin ich jetzt noch nicht super beeindruckt.

Ihr seid an einem Punkt, wo ich sehr wenig Zukunft für eure Beziehung sehe. Vor allem ohne Hilfe von außen.

Bestenfalls kriegt ihr es kurzzeitig hin und in 3 Jahren ist alles beim alten.

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Bitte lass es wirklich eure letzte Chance sein, nach 9 Tagen ohne Alkohol hat man gerade mal die Entgiftung durch. Von einem Leben gänzlich ohne kann da noch keine Rede sein.

Seinen Egoismus, wie du es selbst schreibst, wird er aber sicher nicht ablegen. Er holt dir momentan die Sterne vom Himmel, weil gerade die Luft dünn wird.

Bitte bereite gedanklich dennoch ein Leben ohne ihn vor, nach eurer Vorgeschichte(n) halte ich eine gemeinsame Zukunft für unwahrscheinlich.

Ich wünsche dir, dass ich mich irre.

Alles Gute

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Ich bereite mich gedanklich auf ein Leben ohne ihn vor. Hab, um für mich sicherer zu sein, die Finanzen durchgerechnet usw. Obwohl es nicht viel zu rechnen gibt, da er den Familieneinkauf und das Auto bezahlt. Den Rest zahle ich. Ich habe fast 2000€ Fixkosten jeden Monat.
Das wäre auch mal zu klären 🙄

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Geht er denn auch zur Suchtberatung oder nur du?

Grundsätzlich finde ich es gut, dass du dir über deine Co Abhängigkeit im Klaren bist und würde das, um in Zukunft, ob mit ihm oder einem anderen Mann, definitiv in einer Psychotherapie aufarbeiten. Das kann man in den meisten Fällen nicht selbst durchbrechen, diese Muster, Strukturen, Ängste.

Konkret auf deine jetzige Gefühlslage bezogen denke ich, dass du dich "am längeren Hebel" fühlst und Oberwasser hast und daher deine Gefühle abgeebbt sind. Er macht und tut und kriecht zu Kreuze und das erste Mal überhaupt spürst du diese "Macht". Das klingt alles sehr trocken, aber eine Beziehung ist nix anderes als ein Ausbalancieren von Macht. wichtig ist, dass es eben ausbalanciert ist und das war es bei euch nicht. Ich würde das an deiner Stelle noch etwas beobachten und nicht vorschnell Entscheidungen treffen, die weitreichend sind. Und ich würde aber auch nicht alles mit dem Alkohol entschuldigen, das geht einfach nicht, die Verantwortung für sein Handeln trägt man immer selbst. Es ist auch sein tief verankerter CHARAKTER, den du kennst. Er ist wie er ist, da macht der Alkohol nicht viel Unterschied meine ich.

Bearbeitet von waterworld
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Liebe waterworld,

ich danke dir für deine Antwort.
Wenn ich etwas nicht habe und fühle, ist es Macht. Ich bin und war nie ein Mensch, der sich einem anderen gegenüber, überlegen fühlt. Das lässt meine Natur und meine Kindheit gar nicht zu.
Ich bin eher verunsichert ob seine derzeitigen Mühen nur eine kurzweilige Welle ist, da er seine entsprechenden Handlungen die letzten Jahre mir gezeigt haben, dass es nach 2-3 Wochen wieder mit dem alten Muster weiter geht.
Er hält es nicht für notwendig eine professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Ich habe morgen Termin bei der Volkssolidarität. Ich erhoffe mir selbst mehr Klarheit was mich betrifft, aber auch was diese Sucht bedeutet.

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Er hält es nicht für notwendig eine professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.


Dann weißt du alles was du wissen musst

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Sry, aber 9 Tage trocken ist gar nichts.Wenn dein Mann jetzt nicht in eine Entzugsklinik geht, kann ich dir aus leidvoller Erfahrung sagen, das wird nichts. Du scheinst emotional Abhängig zu sein, du brauchst dringend therapeutische Hilfe, genauso wie dein Mann...Sich wirklich bemühen, würde anders aussehen.
Mein Vater hatte auch Trinkpausen etc, nie professionelle Hilfe, geändert hat sich unterm Strich nichts. Die Trinkpause wurde dann in Form von noch mehr Alkohol quasi aufgeholt.