Partner hat einen ungesunden Lebensstil

Hallo,

ich bin noch nicht allzu lange mit meinem Partner zusammen und habe die "Red Flags" während der Kennenlernphase sozusagen ignoriert. Mein Partner trank damals bei jedem Treffen Alkohol, manchmal auch unter der Woche am Abend eine Flasche Wein, am Wochenende bereits am Nachmittag einen Spritz und das ging dann bis abends so weiter. Er gestand mir auch, ein kleines Alkoholproblem zu haben. Ich hatte zuvor noch keine Berührungspunkte mit Alkoholproblemen und war mir daher auch nicht sicher, wie tragisch das Ganze ist. Vor allem weil er in seinem Berufsalltag funktioniert. Irgendwann habe ich mitbekommen, dass seine Lebewerte auch schon nicht mehr die besten sind. Leider war das für ihn kein Denkanstoß.

Ich hatte dann angesprochen, dass mich sein Konsum stört und ich gehen werde, wenn er das nicht in den Griff bekommt. Das ist nun schon ein paar Monate her und er hat den Alkoholkonsum in meiner Anwesenheit ziemlich runtergeschraubt. Er trinkt auch mal einen Tank nichts, manchmal ein Bier wenn wir im Biergarten essen aber trinkt danach immerhin Zuhause nichts mehr. Sobald wir allerdings auf einer Feier oder mit Freunden von ihm unterwegs sind (kommt nicht jede Woche vor) trinkt er ein Glas nach dem anderen. Hatte kürzlich auch gelesen, dass es so etwas wie "bingen" beim trinken gibt. So ähnlich kommt mir das vor.

Nun mein eigentliches Problem: Mein Freund und ich sehen uns nicht täglich, manchmal nur 2 Tage die Woche, da er beruflich viel reist. Ich habe Angst, dass er seinen Alkoholkonsum nicht so einfach runterschrauben konnte und während seiner Reisen Alkohol trinkt. Mich würde wegen seiner Gesundheit auch schon ein Glas Wein pro Tag stören.
Ich bin 32 und möchte gerne eine Familie. Ich ertappe mich dabei, dass meine Angst immer größer wird, dass ich eigentlich garnicht richtig weiß, worauf ich mich einlasse. Ein Kind mit einem (nicht trockenen) Alkoholiker möchte ich nicht. Allerdings weiß ich ja auch garnicht was passiert, wenn ich nicht da bin. Also weiß ich nicht, ob ich ihm unrecht tue oder ob ich lieber gehen sollte. Ich hatte ihn schon mal nebenbei darauf angesprochen. Er meinte daraufhin, dass ich anstatt ihm zu misstrauen ruhig mal sagen könnte, wie toll er schon seinen Konsum runtergeschraubt hat.

Hinzu kommt, dass ihm gesunde Ernährung und Sport nicht so wichtig sind und mir schon. Ich liebe ihn aber frage mich mittlerweile immer mehr, ob mir das Risiko zu groß ist um eine Familie mit ihm zu gründen und wie lange ich die Situation noch "beobachten" kann. Auch wegen meines Alters :)

Konntet ihr vielleicht ähnliche Erfahrungen sammeln und habt Ratschläge für mich?

Liebe Grüße

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Guten Abend Valerie800,

Nach deiner Schilderung betreibt dein Partner einen gravierenden Alkoholmissbrauch, da seine Leberwerte schon erhöht sind. Bei Feiern scheint er einen Kontrollverlust über die Trinkmenge zu haben. Für mich spricht einiges dafür, dass er auf dem besten Weg zum Alkoholiker ist, wenn er nicht schon Alkoholiker ist.

Du sagst, er habe seinen Konsum nach deinem Drängen reduziert und er erwarte dafür auch schon etwas Lob von dir.
Jetzt hast du große Sorge vor einer Familiengründung mit ihm.
Mit deiner Sorge hast du völlig recht, ich würde dir von einer Familiengründung in der derzeitigen Situation dringend abraten.

Die Vorstellung des kontrollierten Trinkens bei einem Alkoholiker oder hochriskanten Trinker ist nach meiner Erfahrung eine reine Illusion, ich bin selbst trockener Alkoholiker. Die Gefahr beim Versuch des kontrollierten Trinkens besteht für mich darin, mir selbst und meinen Angehörigen eine vorübergehende trügerische Sicherheit zu vermitteln, es habe sich doch alles zum Besseren gewendet. Ich habe meinen Konsum jetzt doch im Griff.

Dieses Gefühl scheint derzeit auch dein Partner zu haben, er will ja auch von dir wegen seines derzeit reduzierten Konsums gelobt werden.
Für mich ist das eine trügerische Hoffnung, die oft, um nicht zu sagen fast ausnahmslos, enttäuscht wird. Es beginnt dann ein Teufelskreislauf aus Versprechungen, Lügen und wachsender Verzweiflung. Wenn dann noch kleine Kinder dazu kommen, ist die Familienhölle perfekt.
Die ständigen partnerschaftlichen Diskussionen und Zerwürfnisse um den Konsum unterhalten nur die Sucht, man spricht dann von einer Co-Abhängigkeit.

Für mich wäre der einzige Ausweg eine konsequente Abstinenz für deinen Partner. Da ich in deiner Schilderung dafür bei ihm keinerlei Einsicht und schon gar keine Bereitschaft erkennen kann, stürzte dich bitte nicht in dein Unglück. Die Gefahr für dich, dadurch verschlungen zu werden, halte ich für groß

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Ist er auch ungefähr 32?
Ich gebe zu ich trinke ähnlich wie dein Partner, bin eine Frau und meine Leberwerte sind in Ordnung/gut (vor 2 Monaten einen großen Checkup gemacht)
Ich finde dieses Verhalten nicht normal und suche mir jetzt Hilfe.

Ich vermute daher er trinkt mehr als du mitbekommst und er zugibt.

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Das ist definitiv kein normales Trinkverhalten. Ich bin mir sicher, dass er seinen Konsum in Deiner Gegenwart mit Mühe reduziert, aber wenn er alleine ist, doch zum Glas greift.
Er ist schon zumindest in der emotionalen Abhängigkeit. Und da kannst Du ihm leider auch nicht raus helfen. Der Antrieb, etwas zu ändern, muss von ihm selber kommen.

Vielleicht stöberst Du mal im Netz nach interessanten Podcasts, Texten oder Videos zum Thema. Da gibt es mittlerweile viele gute Seiten, die das Thema sehr empathisch angehen. Vielleicht könntet ihr das auch mal gemeinsam machen.
Viel mehr, fürchte ich, kannst Du nicht machen. Er wird bei zu viel Druck dichtmachen. ("Ich bin doch kein Alkoholiker. Ich hab das schon im Griff....")

Alles Gute!

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Er trinkt mehr als du mitbekommst.
Aufhören oder ich bin weg ist Unsinn. Es ist eine Sucht und selbst, wenn er sie für dich ablegen wollte,...
Das gelingt nur wenigen.

Dann wirst du wohl irgendwann weg sein oder du akzeptierst das Trinken. Wird aber vermutlich nicht klappen.

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Ich würde ihm Deine Pläne, Wünsche und Bedenken offen darlegen in einem Gespräch. Er muss dann wissen, was zu tun ist, wenn er ähnliche Wünsche und Pläne hat, mit Dir. Jedoch würde ich mich trennen, wenn weiterhin nichts passiert. Denn man kann nie einen anderen ändern, bei aller Liebe. Und man kann allein nur durch Liebe leidet sowas überhaupt nicht kompensieren. Du würdest da in eine Abwärtsspirale rutschen mit Kind im Schlepptau, das sollte besser gar nicht erst passieren.

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Du kannst seinen Alkoholkonsum schwer kontrollieren.
Also gibt es nur eine Möglichkeit: verlasse ihn. Mit so jemand solltest du keine Familie gründen. Das wäre unverantwortlich der Kinder gegenüber.

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"ein kleines Alkoholproblem"!? Nunja...es steht und fällt mit dem Vertrauen...Leider ist das schwierige, dass suchtkranke Menschen bagetellisieren und vertuschen. Das ist nunmal die Sucht, sodass es mit dem Vertrauen schon mal per se schwierig ist.
Aus deiner Position kannst du nicht herausfinden, ob es Sucht oder Alkoholmissbrauch ist. Im Zusammenhang mit seinen Leberwerten, an 2 Tagen/Woche weniger trinken als "Erfolg" verbuchen, der Anerkennung verdient und seiner Selbstansprache als "kleines" Problem tippe ich auf Sucht oder zumindest starkes Tänzeln an der Grenze zu Sucht. Auch, dass er keine Abstinenzmotivation zu haben scheint, ist kritisch (aus Alkoholmissbrauch wird irgendwann Sucht).
Es gibt im Internet Selbsttests zur Alkoholabhängigkeit. Vielleicht ist er bereit, ihn für sich wahrheitsgemäß zu beantworten?
Sei offen, benenne deine Zweifel und Grenzen und deine Mindestanforderung - das Spielen mit offenen Karten. Er soll alles auf den Tisch legen. Nur das kann Ausgangsbasis für ein EVENTUELLES Miteinander sein

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Mein Vater hat Jahrzehnte getrunken und trotzdem immer gearbeitet. Das geht.

Bei der Häufigkeit und den Mengen, die dein Partner trinkt/getrunken hat glaube ich fast nicht, dass er es so locker holter die polter schafft.
Der Körper hat sich längst an den Alkohol gewöhnt, die Leberwerte sagen es deutlich.
Wenn man die Statistik her nimmt, schaffen es nur die Wenigsten dem Alkohol für immer adieu zu sagen. Dein Partner trinkt zwar weniger, aber er trinkt und damit ist die Gefahr wieder abzurutschen groß. Sieht man an Festen bei ihm.

Für mich wäre er kein Mann um eine Familie zu gründen. Es wäre mir zu oft, zu viel. Wie gesagt ich bezweifle es, dass er es so einfach alleine schafft. Entzugserscheinungen sind nicht ohne. Ich vermute er trinkt mehr, wenn du nicht dabei bist. Vodka riecht man z. B. nicht. Du würdest es nicht merken, wenn er heimlich bei dir ein Schlückchen macht.

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Es ist super, dass du dir jetzt schon Gedanken darüber machst, was das für ein gemeinsames Kind bedeuten könnte.

Mein Vater war Alkoholiker und ich habe diverse seelische Schäden davon getragen. Auch er hat im Job immer funktioniert. Viele Jahre hat er nur am Wochenende getrunken, dann aber exzessiv. Irgendwann ist er nur noch ausgegangen um trinken zu können. Freitags und samstags. Irgendwann dann jeden Tag. Wir Kinder haben uns immer weinend vor die Haustür gesetzt und haben versucht ihn aufzuhalten, damit er uns nicht verlässt und weil wir ihn nicht betrunken erleben wollten.

Letztes Jahr ist er aufgrund des Konsums gestorben. Da waren drei seiner Kinder noch in Ausbildung.

Pass bitte auf, dass du nicht in eine Coabhängigkeit rutscht. Das Problem ist, dass man als Partner einem Alkoholiker nicht helfen kann. Und unbehandelt wird das Problem nur immer größer. Da hilft es auch nicht, dass er einfach weniger trinkt.

Bei Alkoholproblemen hilft nur Therapie und dauerhaft null Alkohol.

Bearbeitet von NaAlk