Es ruckelt so sehr....

Hallo zusammen,
Achtung, es wird lang.... #gruebel Ich glaube ich muss es ausführlich machen, um zu erklären, worum es geht...
Ich bin seit 2,5 Jahren von meinem Mann getrennt. Unsere beiden Kinder leben bei mir. Mein Mann hat eine andere Frau kennengelernt, lebt jetzt 350 km weit weg. Die Trennung ging also von ihm aus.
Nach der Trennung kamen viele unschöne Lügen heraus... einige kannte ich, hatte sie vermeinlich verarbeitet, andere ahnte ich, weitere erschütterten mich.
Nichstsdestotrotz habe ich ihn geliebt.Ich hatte immer einen festen Lebensentwurf - Kinder, Familie. Meine Männerwahl wurde immer sehr von der Vorstellung eines guten Vaters gesteuert. Ich brauchte nie die großen Abenteuer, Reisen oder ähnliches. Ich wollte Kinder, diese gemeinsam aufziehen, ein solides (aus mancher Sicht vielleicht langweiliges) Leben. Meine Freundin meinte letztens, für mich ist das Leben so flexibel wie Stahlbeton. Ich will es kontrollieren, lasse dem Leben wenig Raum, einfach zu passieren, sich zu entfalten. Das stimmt wohl - und macht sich im Moment bemerkbar.
Mit meinem Ex war scheinbar alles so leicht. Wir waren immer der gleichen Meinung, hatten die gleichen Interessen. Gespräche waren immer anregend, er konnte zu allem etwas sagen. Er was sehr eloquent, wenn er inhaltlich nicht weiter wußte, dann redete eben so, dass man es kaum bemerkte. - Mir ist heute klar, dass Vieles von dem nicht echt war. Viele Dinge, die wir zusammen machten, die ihm wichtig waren, scheint er vergessen zu haben. Sind ihm heut nicht mehr wichtig. So wie er gestrickt ist weiß ich, dass es einer Matrix gleich kam. Es war alles nicht echt, aber es schien so leicht, es schien immer so, als lägen wir im Fluss.
Ich habe vor über einem Jahr einen Mann kennengelernt. Er wohnt 100 km weit weg, hat ein Haus, einen guten Job dort. Er hat einene erwachsenen Sohn, der aber nicht bei ihm aufgewachsen ist und das Verhältnis zur Kindsmutter war schwer. Alles was er je wollte, war das, was ich will. Familie, Kinder. Dementsprechend hat er meine Kinder mit offenen Armen empfangen - und sie ihn auch. Seit er da ist, hat mein Sohn die Trennung besser verkraftet, wir sind wieder vier (jedenfalls an den meisten WE). Er hat ein wirklich unglaublich großes Herz, wir sind politisch einig (was zu finden, Angesichts meines Wohnorts #zitter , gar nicht so leicht ist). Er ist sehr intelligent, begreift schnell, hat einen riesen Wissenschatz, allerdings sehr fachbezogen (Natur, Vögel - sein Job betreffend). Er ist sehr emotional, sieht man ihm nicht an und manchmal denke ich, seine eigene Emotionalität überforderet ihn. Und was wohl am wichtigsten ist: Er ist integer. Eine Eigenschaft die mein Ex nicht besitzt. Ach ja, und Fleiß! Er ist sehr fleißig, wackelt eigentlich den ganzen Tag, ganz viel draußen, immer hilfsbereit, hilft mir ganz viel an meinem Haus und Grundstück. Ich fühle mich geliebt von ihm. Es ist anders als ich es kenne. Man spürt es deutlich.
Er hat zwei Baustellen, die mich unglaublich fertig machen. Möchte nicht näher darauf eingehen, denn sie sind in Bearbeitung.
Trotzdem ruckelt es bei uns. Interessenmäßig schien ich mit meinem Ex im Fluss zu liegen, bei meinem Partner sind es eher Pfützen, die sich ab und an aneinander reihen. Ihm reicht die Natur, die Familie, die Kinder. Das alles möglichst ortsnah. Ich liebe es mit ihm zusammen, aber es reicht mir einfach nicht! Mir fehlt manchmal der geistige Input, was total unfair ist, denn er ist sehr schlau und oft faktisch. Ich bin emotional in manchen Dingen, möchte Denkanstöße, aber eben nicht nur im Bereich Natur. Ich möchte über früher und heute sprechen, über Geschiche, die über unsere Wohnorte hinaus geht, über die Veränderung der Gesellschaft, ich suche nach Lösungsvorschlägen, ich möchte mich auch mal aufregen darüber. Wie gesagt, ich brauche keinen Urlaub, aber ich liebe Städte und alte Gemäußer und Burgen und Museen. Er weiß das, er versucht ja auch, aber immer wenn ich etwas plane, dann gibt es entwedere ein Kontra, ein negativer Einwurf (meist zu weit). Oft auch ein Witz, wenn ein Thema zu emotional wird - oder ich es werde. Das wirkt so hilflos, dabei hat er das nicht nötig. Kurz gesagt, sein Leben ist ebenso Stahlbeton (Nach dem Motto: Kenn ich nicht, wollt ich nie, muss ich jetzt?) und er oft zu passiv.
Was mir fehlt sind gemeinsame Ziele und ein Funken Euphorie. Aber manchmal - wir hatten dieses WE gemeinsam - bleibe ich hier fast leer zurück. Nicht leer an Liebe oder Zuneigung, aber irgendwie leer an... Leben?
Das erste Jahr war rosarot, wie es sein muss und jetzt - gerade über den Winter, wo man nicht so viele draußen sein kann, kommen eben die Unterschiede deutlich hervor. Sich abends hinsetzen und eine Serie schauen geht nicht, er fühlt sich fehl am Platz.
Ich versuche dem Leben Raum zu geben, ihm Zeit zu geben, damit wir uns finden. Aber es fällt mir schwer, nicht zu wissen, ob wir eine Chance haben. Es fällt mir schwer, Zeit verstreichen zu lassen und zu warten.
Ich war immer fürs Kämpfen. Ich hab in meiner Ehe gekämpft, auch wir hatten so unsere Probleme. Anderer Natur eben. Vielleicht suche ich auch den Kampf? Sind meine Sorgen berechtigt? Brauche ich Zeit? ... Ich weiß es nicht.
Ich bin in Therapie und verarbeite einige Dinge. Habe auch depressive Episoden, daher traue ich mir selbst nicht. Das hier angsprochene Thema werde ich nächste Woche mit in die Therapie nehmen. Daher würden mich eure Gedanken interessieren.
Danke für das Lesen, sorry wegen der Masse Text und bitte nicht böse sein, wenn ich vielleicht einige Anregungen ohne Antwort nur aufnehme.
Einen schönen Abend!

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Für mich liest sich dein Bericht beklemmend.
Warum muss dein Partner in absolutem Gleichklang mit dir stehen? Warum muss er dieselben Interessen teilen? Warum muss er alle Eigenschaften besitzen, die dazu dienen sollen, deine Bedürfnisse zu befriedigen?
Diese Erwartungshaltung ist nicht nur belastend und überfordernd, es ist schlichtweg unmöglich so einen Menschen zu finden und ich persönlich empfinde es nicht einmal als erstrebenswert.
Die Welt ist sehr groß und es gibt so viele Menschen, mit denen du über Politik und Gesellschaft sprechen und philosophieren kannst. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, dir geistige Inputs zu holen. Du zweifelst trotz einer langen Liste an positiven Eigenschaften an eurer Partnerschaft, weil dein Mann dir nicht alles sein kann? Kein Mann (und kein Mensch) kann dir alles sein. Verabschiede dich doch einfach von diesem Anspruch und alles wird leichter werden. Liebe deinen Mann, um seiner selbst willen. Du willst doch auch um deiner selbst willen geliebt werden und nicht, weil dein Partner 18 von 20 Häkchen auf seiner persönlichen Checkliste setzen kann.
Dein Partner macht deinem Bericht zufolge nichts falsch. Ich glaube, dass er nicht der Grund dafür ist, dass du dich nicht lebendig fühlst. Dieses Gefühl der Leere ist in dir selbst. Kein Außenstehender kann das füllen, für kurze Zeit vielleicht, aber nicht dauerhaft. Nur du kannst der Quelle dieses Gefühls auf den Grund gehen. Das machst du ja auch, durch die Therapie.
An deiner Stelle würde ich die Dinge, die ich gerne tun möchte, einfach tun. Mach doch die Städtekurztrips alleine bzw. mit einer Freundin oder einer Reisegruppe, während dein Partner im Wald nach Vögeln Ausschau hält. Am Sonntagabend habt ihr dann beide viel zu erzählen.
Für mich ist es das Wichtigste, dass man sich insgesamt gesehen und geliebt fühlt in einer Partnerschaft. Natürlich gehört für mich auch dazu, dass man gerne Zeit miteinander verbringt. Je älter ich werde, desto erfrischender und belebender empfinde ich es jedoch, wenn man alleine seinen Interessen nachgeht, anstatt betrübt zu Hause zu sitzen, nur weil der Partner das Interesse nicht teilt. Vielleicht beginnst du damit und schaust mal, was passiert. :-)

Grüße

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Langer Text, ich habe mal versucht, das in einem Satz zusammenzufassen, was ich an Fragestellung verstanden habe. Geht es Dir darum, dass er zwar ein interessanter und toller Mann ist, aber ihr im Alltag und mit den Grundinteressen überhaupt nicht übereinstimmt und Euch da auf einer ganz anderen Ebene bewegt? Konkreter frage ich mich, wenn Du abends eine Serie schauen willst, was will er an einem normalen Abend unternehmen?

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Es ist ja immer so, dass man sich überlegen muss, ob man mit dem anderen und seiner Art leben kann und will.
Für mich liest sich das so, als ob er nicht der Richtige für Dich ist, sorry.

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Hallo

schwierig, vielleicht hängt es mit seinen zwei anderen Baustellen zusammen?Die machen dich fertig.Bist du stabil derzeit?
Er ist emotionaler als du?
<<<<Sich abends hinsetzen und eine Serie schauen geht nicht, er fühlt sich fehl am Platz.<<
Generell? Oder nur vorm TV?

Es ist für mich schwierig deine Situation zu erfassen.

L.G.

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Ich finde du vergleichst ihn viel zu viel mit deinem Exmann ..

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Ich hab's nicht verstanden...

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Du hörst dich wahnsinnig kompliziert an.

>>>Interessenmäßig schien ich mit meinem Ex im Fluss zu liegen, bei meinem Partner sind es eher Pfützen, die sich ab und an aneinander reihen.<<<

Aber der ganze tolle "Fluss" mit deinem Ex hat ja auch nicht gereicht, oder?

Dann sei doch jetzt erst mal mit Pfützen zufrieden, ihr seid noch nicht lange zusammen und zudem in einer Fernbezieung.

Vielleicht solltest du deinem neuen Mann mehr Zeit geben und für dich selber mal überlegen, ob du nicht ungeheuer anspruchsvoll bist vom dem her, was du erwartest. Was gibst du denn?

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Also, mein Rat .. was ich so herausgelesen habe. Wenn dir leben fehlt und er eher skeptisch dagegen steht... Sag ihm nicht was du vor hast .. Plan einen längeren Trip, mit ein paar Sehenswürdigkeiten. Mach eine schöne Zeit daraus vielleicht findet er ja doch geschmack daran. Ein perfekter "Fluss" ist nicht immer das wahre, du hast ja gemerkt, dass die Beziehung so nicht unbedingt auf ewig hält, denn um es so poetisch zu sagen wie du.. jeder Fluss bildet irgendwann eine Verzweigung.
Versuch aus den Pfützen, einen See zu bilden und wenn das nicht klappt, du immer noch das Gefühl hast es fehlt was... Wird er nicht der Richtige sein.
Du willst ja nicht zum Schluss, bereuen oder?
LG 😊

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Hallo!

Interessen können sich entwickeln.

Bevor mein Mann mich kennen gelernt hat, war er NIE in einem Museum. Heute geht er gerne mit. Lesen? gar nichts, mittlerweile liest er jeden Tag die Tageszeitung, das schaffe ich nicht so oft.

Das kann man doch wirklich sich erst mal entwickeln lassen, und schauen, was dabei raus kommt.

Und nebenbei habe ich ganz gerne auch noch ein paar eigene Interessen. Er muss ja nicht 1:1 dasselbe toll finden wie ich.