Fernbeziehung/Ehe | 35 Jahre | Kinder bekommen?

Hallo Zusammen,

ein paar Sätze vorab.
Mein Mann und ich (beide fast 35J.) sind seit 16 Jahren zusammen, seit einem Jahr verheiratet und führen eine Fernbeziehung/Ehe (300 km). Unseren Kinderwusch haben wir bislang immer wieder verschoben (Studium, Fernbeziehung, erster Job etc.).
Nun fängt mein Mann demnächst einen neues Job an (Großstadt, 200 km Entfernung), etwas in meiner Nähe zu finden ist für ihn nicht so leicht. Heißt wir haben weiterhin eine Fernbeziehung.

Seit Anfang des Jahres ist das Thema Kinder der Öfteren Gesprächsthema und ich bin mir unsicher, ob ich in unserer aktuellen Situation überhaupt Kinder bekommen möchte.
Viele Punkte sprechen gegen Kinder:
- Fernbeziehung (alleine in der Schwangerschaft und danach)
- Es wäre unvernünftig während der Schwangerschaft zu meinem Mann zu ziehen und ggf. den Job zu kündigen. Ich verdiene mehr, wohne in einer Kleinstadt "Kita-Platz" und arbeite in einem sehr familienfreundliches Unternehmen.
- "Alleinerziehend" für unbestimmte Zeit
- Das mein Mann in Elternzeit geht ist eher unwahrscheinlich und jobtechnisch ungünstig.
- Das Thema erneut zu vertagen, ist für mich keine Option. Ich persönlich möchte nicht, wenn überhaupt, erst mit 38J. oder später das erste Kind bekommen. Heißt Kinder wir entscheiden uns jetzt für oder gegen Kinder...

Was denkt ihr?
War oder ist jemand in der selben Situation?

Über Eure Antworten / Kommentare freue ich mich.
Viele Grüße, Mina

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Ehe als Fernbeziehung mit Kindern, das kannst du total vergessen. Um den Alltag und Partnerschaft zu meistern, wird einer von euch ein bisschen zurück rudern müssen, damit ihr als Eltern eine Chanze bekommt. Ich habe so viele Paare, die an sowas total zerbrochen sind und Wochenendpapa ist fürs Kind auch blöd. Aus einer Milion Gründen.

Also entweder suchst etwas, was in der Nähe ist, wo dein Mann den neuen Job anfängt. Dein Job jetzt ist bestimmt nicht das einzige Unternehmen, das diese Voraussetzungen bietet... Wenn er es dort, wo du lebst schwer hat, muss du halt in den Umkreis von max.50km um seine neue Arbeitsstelle rutschen. Das hier hat nichts mit den Kindern, sondern auch grundsätzlich mit euch als Paar zu tun.. 16 Jahre lebt ihr so als Wochenendbeziehung?

Alleinerziehende auf unbestimmte Zeit bedeutet im Grunde dem Kind den Papa 5/7 Tagen zu erziehen... der wird die "netten" Sachen evtl. alle verpassen - erstes mal Lächeln, krabbeln, stehen, Laufen... er wird aber auch die nicht so netten verpassen - die durchgeweinten Nächte, wenn das Baby krank ist oder zahnt. Und es ist so so wichtig all diese Sachen zu sehen und dabei zu sein. Er kommt fürs Wochenende zu euch, spielt mit dem Kind und geht sich in seine Wohnung ausruhen... und kann seinen Eltern stolz die Fotos vom Enkel zeigen..

Wie gesagt, ich sollte nicht urteilen, aber so wie ihr lebt, seit ihr Partner für Sex und Freizeit, den Rest eures Lebens lebt ihr autark und so wie es euch kompromisslos passt, das mit der Ehe ist noch nicht so ganz angekommen. Dass es Kompromisse und Zusammen bedeutet. Jeden Morgen zusammen aufwachen...jeden Tag zusammen Frühstücken... sich alle Aufgaben teilen und besprechen.. Ich würde unter diesen Voraussetzungen kein Kind in die Welt setzen wollen.

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Für mich würde die Partnerschaft schon mal nicht passen!
Habt ihr überhaupt mal zusammen gelebt? Ich hätte panische Angst wie das wirkliche zusammen Leben verläuft! Sich am Wochenende nur zu sehen zähle ich nicht als zusammen Leben!

Allein das niemand von euch beiden für die Beziehung verzichten will usw.. Ich denke es wäre besser wenn ihr kein Kind bekommt! Kinder bedeuten Rücksicht seine Bedürfnisse zurück zu stecken!

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Vielen Dank für eure Antworten.

Wir haben bereits zweimal für insgesamt 8 Jahre zusammengelebt und kennen somit die positiven und negativen Aspekte des Zusammenlebens als Paar.

Vielleicht hört sich meine Aussage „ich möchte meinen Job nicht aufgeben“ egoistisch an, sollte es jedoch nicht.
Ich vertrete eher Stand, warum muss heutzutage immer noch „nur“ die Frau zurückstecken, in Elternzeit gehen, ggf. umziehen, ihren Job aufgeben (auch wenn sie mehr verdient)?!

Vor 2,5 Jahren (haben da zusammengelebt) bot sich mir die Chance einen super Job in einer anderen Stadt anzunehmen oder Vorort zu bleiben und evtl. eine Familie zu gründen. Sprich: Kinder oder Kündigen?! Wir beide haben uns für das Zweitere entschieden, obwohl wir immer Kinder wollten, und gesagt mein Mann kommt nach.
Nun hat es mit dem Nachkommen nicht wirklich funktioniert und die Zeit wird langsam knapp.

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Ich glaube das er bzw ihr auch nicht wirklich nach kommen wollt! Und ich denke das euer Kinderwunsch bzw der Wunsch nach Familie nicht gross ist! Das liest sich immer mehr raus

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Ich habe beruflich eine Frau kennengelernt die dieses Modell gelebt hat. Sie war in Mitteldeutschland mit dem 2. Gemeinsamen Kind schwanger , ihr Mann lebte und arbeitete in Österreich. Brim ersten hat sie alles allein gemeistert inkl. Geburt. Danach ist sie in die Nähe ihrer Familie gezogen. Die haben viel Betreuung usw übernommen. In der Konstellation waren soweit ich das beurteilen kann alle sehr zufrieden. Ich denke ihr lebt ja eh schon ungewöhnlich was das Zusammenleben als Paar angeht und kennt das so auch beide gut. Warum sollte es nicht weiter und darüber hinaus mit kind(ern) gut funktionieren. Und man kann immerhin sollte es holprig sein immenoch zusammenziehen ;) Auch in 5 Jahren oä sollte sich beruflich was ergeben. Also ich wüsste nicht was dagegen spricht wenn ihr beide das so in der Form wollt ! Gibt genug Familien wo ein Partner beruflich vieeeeel weg ist.

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Naja jedes Leben ist individuell . Bei meinem Freund zb sein Vater is ein hohes Tier und fliegt durch die Welt . Es ist trotzdem groß geworden und das Verhältnis ist Sehr gut. Natürlich Ist es für seine Mama nicht einfach gewesen aber es geht alles wenn man will.

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Beziehung und Familie heißt permanent Kompromisse machen. Das ist jetzt für einen von Euch beiden dran oder der Verzicht aufs Kind ist der Kompromiss, den ihr beide eingehen müsst.

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Vollkommen richtig.

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Völlig egal ob Fernbedienung oder im gleichen Haushalt, für mich wäre wichtig Wochen Stellenwert das Thema Kinder für meinen Mann und wie weit er bereit wäre Kompromisse einzugehen. Es muss ja auch nicht soweit kommen dass man seinen Job aufgibt, aber könnte er sich vielleicht vorstellen die 14 Monate Elternzeit gerecht aufzuteilen? Welchen Teil kann er beitragen? Kann er vielleicht Arbeitsstunden reduzieren um mehr an Lebensmittelpunkt der Kinder zu sein? In wie weit wäre Remote arbeiten eine Option? Für mich wäre es ein Problem wenn mein Partner bezüglich Kindern so ein geringes Interesse hätte dass er zu keinerlei Kompromissen bereit ist, ganz unabhängig davon ob man diese Kompromisse dann eingeht.

Und ich glaube du musst dich fragen welchen Stellenwert das Thema Kinder bei dir hat. Ich hab meinem damaligen Freund nach 10 Jahren Beziehung (da war ich gerade 30) gesagt, dass ich ihn zwar Liebe, aber Kinder zu bekommen für mich einen wichtigen Teil meines Lebens darstellen, ohne wäre ich unglücklich und wenn das für ihn keine Option sei verlasse ich ihn lieber bevor ich ihn irgendwann hasse weil ich wegen ihm zu lange gewartet habe.

Im Endeffekt kam es dann doch anders, ich hab ihm dann irgendwann gesagt dass ich ihn doch nicht verlassen kann weil ich ihn zu sehr liebe, aber ob wir das mit den Kindern nicht doch irgendwie bin kriegen und inzwischen erwarte ich Nr. 4 von ihm - aber ich glaube es war damals dennoch wichtig dass ich klar kommuniziere welchen Stellenwert das Thema bei mir hat.

Nebenbei, ich hab auch teilweise mehr verdient als mein Mann, ich war beim ersten Kind noch GF meiner eigenen GmbH mit diversen Angestellten. Meine Mutter ist auch immer direkt nach dem Mutterschutz wieder in den Job einstiegen und ich dachte - kein Problem, das mache ich auch. Ich hatte schon Pläne in welchen Intervallen ich im Büro abpumpen muss. Und dann kam dieses Baby und ich dachte in den ersten sechs Wochen ich kriege mein Leben nie wieder in den Griff und ich kann dieses kleine Würmchen auf keinen Fall alleine lassen ;-) Das hat sich aber dann auch irgendwann gelegt. Was ich aber sagen will: ein Kind kriegt man nicht nebenbei. Für mich war es als hätte mein Leben sind weitere Dimension bekommen.

Ich wünsche dir alles alles Gute für eure Entscheidung!

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Ich denke ihr solltet euch einig sein/werden und überlegen wie wichtig euch jeweils der Kinderwunsch ist. Für uns war es keine Option darauf zu verzichten, daher muss sich der Rest dann fügen.
Während der ersten war mein Partner auch 2 bis max. 3 Nächte die Woche weg, das fand ich nicht soooo schlimm. Mir ging es aber auch die meiste Zeit recht gut, wir haben viel telefoniert. Seit Beginn des Mutterschutz ist er wegen Corona fast immer hier und nur an einzelnen Tagen mal weg, was ich nicht schlimm finde wenn die dann wegen Fahrtzeit auch mal länger sind. Wie wir das langfristig machen, mal sehen. Aber ich glaube die Situation ist anders als bei euch wie es sich anhört.

Grundsätzlich würde ich sagen, wie oben geschrieben...überlegt was Priorität hat und ob ihr euch einig seid. Ich denke auch in ungewöhnlichen Konstellationen kann man zurecht kommen wenn Beide es wollen. Aber es ist natürlich dann anstrengender. Es gibt auch andere Väter die öfter auf Dienstreise müssen, Kraftfahrer sind, Piloten im Fernverkehr usw.

Letztlich müsst ihr es selber wissen, aber ich würde sagen ein Kind ist wichtiger als der tolle Job. Wenn da nicht gerade die Existenz dran hängt, wird es sich auch anders weiter leben lassen.

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Danke für deine Worte.

Wir haben die Tagen nochmal darüber gesprochen und uns gegen Kinder entschieden, eine reine Kopf-/ Vernunftentscheidung.... unser Herz/Bauch sagt was anderes.
Wir finden Kinder super und sobald Freunde mit Kindern vorbeikommen hat mein Mann nur noch Augen/Ohren für die Kleinen...Spielen, Malen, auf Schatzsuche gehen...

Ich bin nur noch traurig und könnte den ganzen Tag heulen. Vielleicht braucht es Zeit und ich werde/muss mit der Entscheidung zurechtkommen oder ich rede es mir nur ein...wer weiß das schon.

Er meinte, wir können erstmal abwarten wie es sich mit seinem neuen Job entwickelt und in einem Jahr mit der Familienplanung anfangen. Doch die Situation wäre in einem Jahr dieselbe und ich würde mir in dieser Zeit viele Hoffnungen machen, um dann doch enttäuscht zu werden/sein.

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Och nee, das ist ja schade!

Ich bin nicht der Meinung, Kinder um jeden Preis. Aber Herzenswünsche sollte man nicht übergehen. Man wird es eines Tages garantiert bereuen. Ich spreche da aus Erfahrung.

Ein Baby zu bekommen wird Euch vor viele Herausforderungen stellen und auch mal zum Heulen bringen. Aber da ist so viel Licht, so viel Freude, da sind so viele Momente reinen Glücks ...
Gestern saßen wir zu dritt im Wohnzimmer. Da habe ich etwas gemacht, worauf unser Süßer (1 Jahr alt) lauthals gelacht hat. Es war so ansteckend, dass mein Mann und ich Tränen in den Augenwinkeln vor lauter Lachen hatten.

Ich hoffe, Ihr findet doch noch eine Möglichkeit, Kopf und Bauch gerecht zu werden. ;-)

Alles Gute! #winke

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So, auch wenn ich deinen letzten Beitrag gelesen habe, möchte ich dir doch noch von unseren Erfahrung berichten.
Der wichtigste Satz lautet: das Leben ist nur in sehr geringem Maße planbar!
Mein Mann und ich haben denkbar in inkompatible Berufe (Offizier und Pastorin). D.h. er alle 2-3 Jahre einen anderen Arbeitsort und ich naja für mindestens zehn Jahre immer auf einen Ort festgelegt. Wir hatten von Anfang an eine Fernbeziehung. Schon nach drei Monaten hat er gesagt, dass er eine Familie mit mir möchte und wir haben überlegt ob wir das hinkriegen. Wir haben beschlossen: das wichtigste ist unser Wunsch und unser Wille. Und alles andere kriegen wir hin. Das „alles andere“ unter anderem bedeuten würde, dass er beide Beine verlieren würde, haben wir natürlich nicht geahnt... (So viel zur Planbarkeit des Lebens) Trotzdem konnte er weiter in seinem Beruf arbeiten und zwei Jahre nach der Amputation wurde unsere Tochter geboren. Unter der Woche bin ich mit ihr alleine, er arbeitet 300 km weit weg. Jeden Abend telefonieren wir per FaceTime miteinander und haben unser gemeinsames Abendritual. Unterstützung haben wir in Form von Kita plus Kindermädchen für meine Abendtermine und durch die Großeltern. Wenn es bei mir dicke kommt mit den Terminen am Wochenende beschränkt sich unsere gemeinsame Zeit auch mal auf den Sonntagnachmittag... aber in unseren Augen kommt es eben auch auf die Qualität der gemeinsamen Zeit und nicht nur auf die Quantität an. Das Leben heute ist sicher anders, als wir es uns vor 8 Jahren ausgemalt haben, aber es ist unser Leben. Unsere Tochter ist glücklich, und wir sind es auch!
Hab den Mut, lebt euer Leben, auch wenn es ungewöhnlich und nicht der Norm entsprechend sein sollte!

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Dankeschön für deine Sicht zum Thema und die Schilderung deiner Erfahrungen. Das macht einem Hoffnung alles zu schaffen, wenn man es wirklich möchte.😊

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Liebe Mina, ich möchte dir Mut machen... Natürlich geht Familie auch in diesem Modell! Aus dem, was du schreibst, lese ich vor allem raus, dass euer beider Herz und Bauch ein Kind möchte. Und ich lese raus, dass du es bereuen wirst, wenn es irgendwann nicht mehr klappt. Wie viele wirklich ungünstige Situationen gibt es für viele, viele Kinder... eure gehört aus meiner Sicht nicht in die Kategorie, zu der man sagt "Hätten sie lieber kein Kind bekommen.". Ja, möglicherweise geht es optimaler. Aber meine Intuition sagt ganz klar "Ja, mach es!". Es wird sich alles finden und einspielen. Ganz sicher.