Junge will Röcke/Kleider und Glitzer tragen

Hallo liebe Dr. Retzel!

Mein Sohn (3,5) möchte am liebsten Kleider, Röcke, pinke Schuhe, Glitzer tragen. Er weiß dass er ein Junge ist, dennoch möchte er diese deklarierten „Mädchesachen“ tragen weil er die Farben so schön findet und gerne helle Farben mag.
Er hat seit jeher lieber die Nähe zu den Mädchen aus seiner Krippengruppe und hatte auch (vorallem durch die Geburt seiner Schwester (1,5J)) immer einen „Beschützerinstinkt“ ihnen gegenüber. Nun bin ich mir unsicher ob es sich nur um eine „rosa Phase“ handelt die eben entwicklungsbedingt völlig normal ist oder ob da irgendwas dahintersteckt, ein unerfülltes Bedürfnis oder so. Ich weiß ich kämpfe auch mit meinen inneren Glaubenssätzen und stelle mich ihnen, möchte jedoch auch nicht dass Fremde ihn als „süßes Mäderl“ bezeichnen oder dergleichen.
Soll ich nun dem ganzen im Sinne von Verkleidungsspielen Raum geben oder es gar auch überall erlauben (abgesehen von den Schuhen möchte ich nicht dass er diverse Kleidungsstücke in der Öffentlichkeit trägt…) weil er selbst die Ablehnung der Gesellschaft erfahren soll?

Vielen Dank im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen, Christine

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In dem Alter steckt vermutlich nicht "mehr" dahinter. Ist doch ganz normal. Lass ihn sich ausprobieren, wenn er will, auch draußen.
Mein Sohn hat eine größere Schwester, daher hat er Zugriff auf Keider, Röcke, Ballerinas, pinke Gummistiefel, ...
Bis jetzt wollte er noch nicht mit Kleid in die Kita, aber er dürfte.
Bei uns in der Familie gilt: Alle dürfen jegliche Kleidung bzw alle Farben tragen.

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Hallo,

die Sängerin Sukini hat zu diesem Thema ein tolles Lied verfasst:

diese welt zerfällt in rosa und blau
irgendwie gibt es nur zwei farben wieso eigentlich genau
und diese beiden farben sind genauestens sortiert
für jungen und mädchen hab das bis heute nicht kapiert
grün braun rot gelb schwarz lila türkis
warum tragen nicht alle kinder alle farben die es gibt (https://genius.com/Sukini-glitzer-lyrics).

Ich glaube, Sie tragen die richtige Antwort bereits in sich, aber Sie machen sich Sorgen, haben Ängste, dass ihr Kind deswegen ausgegrenzt wird. Vielleicht geht es deshalb weniger um das, was ihr Kind gerade zeigt und möchte, sondern um den Umgang mit gesellschaftlichen Erwartungen und eben den sog. Glaubenssätzen.

Reden Sie mit dem Kind darüber, aber thematisieren Sie es auch nicht über. Für ein Kind ist es wichtig mit dem Grundgefühl groß zu werden "ich bin richtig und wertvoll". Wenn Sie sich im Alltag und in ihren Entscheidungen daran orientieren, so kann das sehr hilfreich sein.

Wenn ich es richtig verstehe, ist es zuhause kein Thema, aber Sie möchten nicht, dass ihr Sohn so gekleidet in den Kindergarten geht, oder?

Können Sie das mit dem Kindergarten besprechen? Fühlen Sie sich dort gut unterstützt? Die ErzieherInnen können das auch einmal in der Gruppe besprechen, z.B. beim Morgenkreis "Alle Farben (und auch Glitzer) sind für alle da". Das könnte Druck und Sorgen aus der Situation rausnehmen.

Alles Gute und herzliche Grüße,


Eliane Retz

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Liebe Frau Dr. Retz!

Danke für die ausführliche und hilfreiche Antwort.
Prinzipiell stört mich das Tragen der Kleider nicht. Nur eben der Gedanke dass andere eben meinen er wäre ein Mädchen mit der begleitenden Rechtfertigung meinerseits dass er eben derzeit auch gerne Glitzer und Kleider mag. Auch hinterfrage ich ob er sich und sein Geschlechtsidentität in Frage stellt oder ob es nur eine Phase ist oder gar eher sogar für seine Entwicklung wichtig ist… Manchmal meint er nämlich dass er eine Prinzessin ist weil er, wenn er Kleider anzieht ja eine sein „muss“.

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Hallo,

es ist völlig nachvollziehbar, dass Sie sich Gedanken machen. Aber: Sie müssen das anderen gegenüber nicht groß erklären und sich schon gar nicht rechtfertigen. Sie können das kurz und knapp als "das ist aktuell einfach so" benennen.

Gibt es auch einen Papa - was sagt der dazu?

Wenn ich Sie richtig verstehe, dann beschäftigt Sie der Gedanke, ob das bereits ein Hinweis auf eine verstärkte Auseinandersetzung mit der eigenen (Geschlechts)-Identität sein könnte und ob das Thema dann in der Pubertät zu einem größeren Thema wird. Das ist aber aktuell noch viel zu früh, um hier eine Aussage treffen zu können.
Ihr Sohn ist jetzt in einem Alter, wo er verstanden hat, dass es Jungen und Mädchen gibt, aber er weiß z.B. nicht, welche z.T. starren Stereotypen es bis heute in Bezug auf männlich/weiblich gibt.

Würden Sie in Schweden leben, wäre das, was Sie gerade erleben, sehr wahrscheinlich viel weniger problematisch. Dort gibt es die sog. geschlechtsneutrale Erziehung. Jungs können dort rosa tragen, einen Dutt, längere Haare etc. und dies bleibt dort völlig unkommentiert. Sie sehen - es hat viel mit der Gesellschaft zu tun, in der man lebt.

Wenn Sie sich weiterhin viele Sorgen machen, dann nehmen Sie bitte Kontakt mit einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin oft. Diese bieten oft auch einzelne Elterngespräche an. Dort können Sie das Thema dann in Ruhe einmal besprechen, wie Sie das gut begleiten können.

Herzliche Grüße,

Eliane Retz

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Ich glaube es ist nur eine „Phase“. Er findet es halt schön und warum dann verbieten. Viel mehr ist die Frage warum sich die Gesellschaft daran stört und wie man damit umgehen kann. Vielleicht spielt es ja gar keine Rolle was fremde Menschen denken?

Meine Bruder, mein Neffe und meine Cousins hatten auch eine Zeit in der sie gerne Röcke getragen haben und durften, das Thema war in der Schule allerdings schon lange kein Thema mehr( war auch im Kindergarten in der Zeit). Ich würde es erlauben, wozu verbieten? Und sollte es doch so sein, dass sich herausstellt er fühlt sich in seinem geborenen Geschlecht nicht wohl hast du oder ihr unterstützt und gezeigt, dass ihr euer Kind liebt wie es ist und es akzeptiert!

Alles Liebe 🥰