Angst und Depression Kita

Liebe Frau Dr. Retz,

Ich leide seit mehreren Jahren unter depressiven Episoden und einer Angststörung. Sicher, sind diese Phasen nicht dauerhaft aber gerade in herausfordernden Situationen erscheinen sie immer wieder. Wie offenbar auch andere Mütter, beschäftigt mich das Thema Eingewöhnung und Loslassen sehr. Die Elternzeit während dieser schrecklichen Pandemie hat sehr an meinen Kräften gezehrt, sodass ich zunächst sehr froh war, dass unsere Tochter bald eingewöhnt wird. Ich spüre immer größere Angst und Erschöpfung, bin selbst in einer Therapie, die mir sehr gut tut. Letztlich zerfrisst mich häufig mein schlechtes Gewissen, dem Kind gegenüber nicht immer "gut zu funktionieren" oder gar krank zu sein. Die Angst zum Thema Kita und Eingewöhnung zwingt mich aktuell sehr in die Knie und ich frage mich, wie wir unsere Tochter unterstützen können. Wir haben keine Familie im Umfeld, sodass die Kita auch eine tolle Möglichkeit für sie sein kann Kontakte und Bindung zu anderen Kindern und Erwachsenen einzugehen. Haben Sie Tipps, welche "Methoden" uns aktuell helfen können, diese Phase gut zu "meistern", welche Hilfestellungen kann es geben für uns als Eltern? Welche Hilfestellungen für unsere Tochter? Sie ist ja noch sehr klein (24 Monate).

1

Hallo,

ja, die Pandemie war für viele Mamas in Elternzeit eine große Herauforderung, da so viele Angebote (Kurse, Treffen mit anderen) nicht oder nur sehr eingeschränkt stattfinden konnten.

Zunächst möchte ich Ihnen gerne rückmelden, dass ich es richtig toll finde, wie Sie an ihren Themen arbeiten und sich damit auseinandersetzen. Das kostet Sie sicherlich viel Kraft, aber dennoch ist es eine so wichtige innere Reflexionsarbeit, die Sie das gerade leisten!

Sicherlich - Ihre Tochter ist noch klein, aber in diesem Alter ist eine Eingewöhnung gut schaffbar, wenn Sie Zeit und Geduld mitbringen. Zum Thema Kita-Eingewöhnung habe ich in Wild Child ein ganzes Kapitel dazu geschrieben: https://www.amazon.de/-/en/Eliane-Retz/dp/3492062490 Ich würde Ihnen deshalb empfehlen dort einmal reinzulesen. Denn das ist ein so umfassendes Thema, sodass es eben ein ganzes Buch-Kapitel umfasst.
Wenn Sie dann noch Fragen haben, melden Sie sich gerne erneut.

Wichtig in der Eingewöhnung ist vor allem Zeit und Geduld. Wenn es eine gute Kita ist, wenn die eingewöhnende Fachkraft feinfühlig ist, dann kann eine Eingewöhnung aber manchmal auch sehr schnell gehen. Wichtig ist, dass Sie aktiv den Prozess unterstützen, indem Sie ihrer Tochter Sicherheit geben (natürlich kann auch der Papa die Eingewöhnung übernehmen).

Herzliche Grüße,

Eliane Retz

2

Liebe Frau Dr. Retz,

vielen Dank für Ihre Antwort.
Macht es Sinn dem Kind in diesem Alter bereits eine Depression zu erklären?


Macht es aus Ihren Augen Sinn den zukünftigen Erzieherinnen von der aktuellen Diagnose zu erzählen?

In der Vergangenheit musste ich stationär behandelt werden. Falls noch einmal so eine Situation auf uns zukommen sollte, gibt es einen guten Weg dem Kind die Abwesenheit der Mutter zu erklären? Trägt das Kind Schaden davon?

3

Hallo,

da Sie sich aktuell in Psychotherapie befinden, fände ich es wichtig, dass Sie dort einmal ihre Fragen thematisieren. Wie eine eigene Depression besprochen wird, hängt natürlich sehr mit der aktuellen Situation zusammen und mit den Belastungen, die sich dann im Alltag zeigen. Sich in den Psychotherapie-Stunden damit zu befassen, was man sagen kann, ist auf jeden Fall wichtig.

Sollte ein stationärer Aufenhalt erneut wichtig sein, dann können Sie dort auch unterstützt werden, wie Sie das kommunzieren.

Wann & ob Sie das den Erzieherinnen erzählen, liegt in ihrer Entscheidung. Wahrscheinlich ist dafür eine Vertrauensbasis notwendig.

Herzliche Grüße,

Eliane Retz