Ernährungsproblem

Hallo,
unsere Tochter (jetzt 7 Monate alt) hatte schon immer ein komisches Essverhalten. Immer wieder hat sie die Flasche phasenweise verweigert (Stillen ging nicht) und bis heute müssen wir die oft austricksen und ihr erst den Schnuller anbieten, damit sie den Mund öffnet. Das ist natürlich nicht gut, das wissen wir, aber tatsächlich trinkt sie sonst den ganzen Tag einfach viel zu wenig. Als hätte sie kein Hungergefühl.
Nun bekommt sie Brei. Am Anfang hat sie ihn super gegessen, aber nun beginnt es, wie mit der Flasche. Sie isst den Getreidebrei mit und ohne Milch gar nicht mehr und den mittags … na ja, den Mund macht sie nicht auf. Die ersten zwei drei Löffel muss ich ihr tatsächlich etwas aufzwingen. Danach isst sie aber alles auf und macht auch den Mund von allein auf. Ich versteh das nicht. Sie hat den Brei wochenlang völlig freiwillig mit Genuss gegessen. Wir möchten unser Baby natürlich nicht zum Essen zwingen, aber wenn sie weder Flasche noch Brei freiwillig nimmt. Ich weiß nicht weiter… Von allein würde sie viel zu wenig essen. Sie ist ohnehin sehr leicht. Der Kinderarzt sieht keinen Handlungsbedarf, da sie ja zunimmt. Bin schon sehr verzweifelt mittlerweile. Wir haben sie sonst nie zum
Aufessen gezwungen oder etwas zu essen, was sie offenbar nicht mag. Nur mussten wir sie ja irgendwie zum Trinken bekommen, als es nur Milch gab. Ich habe Angst, dass sie eine Fütterungsstörung hat. Was macht man dann?

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Liebe „Mendes“,

damit ich mir ein genaueres Bild machen kann, brauche ich nochmal deine Unterstützung.

Kannst du mir einen typischen Tagesplan deiner Kleinen schicken? Wann trinkt sie wieviel von der Milch?

Wie groß und schwer ist deine Kleine? War sie schon von Geburt an eher zart?

Vielen Dank im Voraus und herzliche Grüße
Anke

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Hallo, das mache ich natürlich.
Sie schläft etwa 10-11 Stunden nachts und bekommt nach etwa 6 Stunden nachts eine Flasche. Da trinkt sie 150-170ml. Eine bekommt sie, wenn es gut läuft, am Vormittag und trinkt nochmal etwa 150ml oder weniger, wenn es nicht gut läuft. Den Brei (Gemüse, Kartoffel, Fleisch oder Fisch) am Mittag isst sie gut, sobald man ihr die ersten zwei Löffel etwas aufgedrängt hat. 😬 Aber danach reißt sie den Mund auf und beugt sich dem Löffel entgegen. Sie isst 190g etwa. Also ein ganzes Glas. Dann wird es schwierig. Irgendwann am Nachmittag versuchen wir nochmal eine Flasche, da sie weder Obst noch Getreidebrei isst. Ab und zu isst sie im Moment eine Erdbeere aus einem Fruchtsauger. Mal trinkt sie die Flasche und mal nicht. Am Abend versuchen wir den Milchbrei, aber da bleibt der Mund ganz fest zu und sie fängt dann auch an zu weinen. Da biete ich ihr den Löffel auch lediglich an und versuche nicht ihn in den Mund zu schieben. Nach zwei Versuchen höre ich auf. Ich möchte nicht, dass sie weint. Sie bekommt dann ein Flasche. Auch die geht oft nur mit dem Schnuller antäuschen und dann schnell Flasche rein- Trick. Das klingt furchtbar, ich weiß. Aber sie isst von sich aus sonst einfach wirklich wenig. Sie hatte 2770g bei der Geburt und liegt laut Heft auf der 10er Perzentile (seit Geburt). 51cm groß. Ich weiß leider nicht genau, wie groß sie jetzt ist, aber etwa 6,5kg und vermutlich um die 68cm.
Heute haben wir aus Verzweiflung einfach versucht ihr ganz kleine Happen Brot mit etwas Butter oder Leberwurst zu geben, als sie mit uns am Tisch saß. Die hat sie mit Begeisterung gegessen. Kein Verschlucken, kein Ausspucken… wir waren ganz erstaunt. Sie isst natürlich noch keine ganze Mahlzeit auf die Weise, aber vielleicht möchte sie lieber kauen als Brei? Selbst in den Mund stecken ging noch nicht. Sie hat nur mit dem Brot gespielt, aber sie hat sich sehr gut mit dem Brot füttern lassen. Wir hoffen, dass das ausbaufähig ist.

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Liebe „Mendes“,

prima – vielen Dank für deine ausführliche Beschreibung!

Mein allererster Tipp: nimm den Druck von deinen Schultern und sieh dir mal die ganzen positiven Dinge an.
Deine Kleine isst ein ganzes Gläschen am Mittag, sie nimmt zu, der Kinderarzt ist zufrieden, … Das alles darf dich gerne beruhigen. Sicherlich gehört sie zu den zarteren, leichteren Kindern – aber das war schon bei Geburt so und sie entwickelt sich genau richtig nach Ihrem Tempo.

Es ist toll, dass deine Kleine das Brot mit Begeisterung gegessen hat. Ich denke das ist die Schraube an der du drehen kannst – sie möchte einfach selbstbestimmt essen. Vielleicht ist sie etwas „genervt“ davon, dass Mama mit dem Löffel und der Flasche immer hinterher ist.

Lass sie das Essen selbst erkunden. Gib etwas Brei auf ihren Finger, ein weiches Löffelchen in die Hand oder weich gedünstete Gemüsestückchen. Deine Kleine ist bestimmt neugierig und wird vor Stolz platzen, wenn es ihr gelingt etwas in den Mund zu schieben. Meist darf Mama dann auch etwas helfen.

Freude am Essen ist der beste Appetitbringer. Greife bei der gemeinsamen Mahlzeit selbst mit Genuss zu und lass deine Kleine einfach mal machen – ohne zu ermutigen, auszutricksen, auf den Teller zu schauen … das ist nicht einfach. Als Mama möchte man nur das Beste für sein Kind und dass es satt und gut ernährt ist. Vertraue aber mehr auf dein Mädchen – sie weiß besser als jeder andere, wann sie Hunger hat und wie viel sie essen möchte. Gib ihr die Möglichkeit selbst zu entscheiden, wann sie essen möchte. Du kannst es ihr anbieten – aber respektiere es, wenn sie nicht möchte.

Die Natur hat solche Phasen mit eingerechnet und ein gesundes Kind verhungert nicht vor einem vollen Teller bzw. einem vollen Fläschchen.

Die Milch könntest du ihr auch mal aus einem Becher reichen – das kann für die Kleinen richtig spannend sein. Hast du das Gefühl sie plagen gerade kommende Zähnchen? Dann kannst du den Abendbrei auch etwas kühler reichen oder einen kalten Beißring vor dem Essen anbieten. Vielleicht mag deine Kleine auch lieber eine herzhafte Variante vom Nachmittags- und Abendbrei – dann mische einfach statt Obst- etwas Gemüsebrei unter.

Bestimmt schafft ihr beiden es gemeinsam, dass ihr bald wieder entspannte Mahlzeiten habt, bei denen deine Kleine gerne isst. Bei Fragen kannst du dich jederzeit an uns wenden.

Alles Liebe und viel Freude mit deinem kleinen Mädchen!

Herzliche Grüße
Anke