Abbruch med. Ind. aus Sicht des Mannes

    • (1) 30.10.15 - 11:14

      Hallo Zusammen,

      leider mussten wir am 18.10.2015 unseren geliebten und sehr gewünschten Sohn in der 19. ssw zu den Sternen ziehen lassen. Ich bin total verzweifelt. Ich habe Angst vor dem Tag, Angst vor der Nacht und kann erst dann ein wenig aufatmen, wenn mein Mann wieder bei mir ist. Unser Sohn wurde erst am vergangenen Freitag bestattet. Es ist alles noch sehr frisch. Mein Mann geht seit Montag wieder arbeiten. Bis gestern war meine Schwiegermutter noch bei uns. Nun bin ich alleine Zuhause. Ich würde gerne wieder arbeiten gehen, habe aber das Gefühl, dass ich keinem unter die Augen treten kann ohne zu weinen und konzentrieren kann ich mich auch nicht. Ich wollte diese Woche von Zuhause arbeiten, aber sobald ich fünf Minuten am PC sitze, schweifen meine Gedanken zu unserem kleinen Engel und ich kann überhaupt nichts mehr arbeiten.

      Unser Sohn ist (bzw. war) unser erstes gemeinsames Kind. Ich bin 30, mein Mann ist 33 und ich habe einen zwölfjährigen Sohn mit in die Beziehung gebracht. Wir haben uns von ganzem Herzen eine gemeinsame Familie gewünscht, mit mindestens einem, eher aber zwei gemeinsamen Kindern. Wir sind finanziell und beruflich absolut abgesichert, sodass wir alle Möglichkeiten für weitere Kinder hätten.

      Nun habe ich das dringende Bedürfnis, mit meinem Mann über unsere Zukunft zu sprechen. Vor ein paar Tagen sagte er zu mir "Es wird niemals jemand Papa zu mir sagen." und "Wir verkaufen das Haus, was wollen wir denn damit ohne mehrere Kinder". Ich muss dazu sagen, dass er dieses Haus vor 2,5 Jahren unbedingt kaufen wollte, da es sein Elternhaus ist. Zu diesem Zeitpunkt war von gemeinsamen Kinder noch keine Rede.

      Ich habe drei Tage mit mir gekämpft, ob ich mit ihm reden soll und es dann schließlich gestern Abend getan. Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht bereit bin, all unsere Zukunftspläne nun so radikal über den Haufen zu werfen. Dass ich mir nach wie vor ein Kind mit ihm wünsche. Ich habe viel gelesen, dass es anderen Frauen in einer solchen Situation ähnlich geht und sie auch schnell wieder schwanger geworden sind. Das ersetzt niemals unseren kleinen Schatz, das weiß ich. Aber der Kinderwunsch, den wir hatten, der ist ja nach wie vor nicht richtig erfüllt und besteht bei mir daher noch immer. Ich wollte ihm ja nicht entlocken, dass wir nach zwei Monaten wieder loslegen. Ich wollte nur wissen, ob unsere Pläne denn im Allgemeinen noch immer in die gleiche Richtung gehen. Ich weiß, es ist sehr früh und wir haben den Verlust auch beide bei Weitem noch nicht verkraftet, nicht einmal annähernd. Aber mir würde es unglaublich helfen, zu wissen, dass wir noch immer in die gleiche Richtung laufen und nicht all unsere Pläne sich plötzlich in Luft aufgelöst haben. Er sagte mir aber nur, dass er nicht über die Zukunft nachdenken will, weil sie ihn auch nicht interessiert. Er möchte lieber darüber reden, was wir uns alles vorgestellt haben und was wir jetzt alles nicht erleben können/dürfen. Das möchte ich auch. Aber ich möchte es tun, mit dem Wissen, dass wir das alles noch immer haben können! Aber auf dem Ohr ist er völlig taub, sodass ich am Ende sogar dachte, dass ich bescheuert bin, dass ich soweit überhaupt denken kann.

      Kennt das jemand? Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie sind eure Männer damit umgegangen und wie lange hat es gedauert, bis ihr wieder an die Zukunft denken und auch darüber reden konntet? Wie waren eure Männer dem Kinderthema gegenüber eingestellt und hat vielleicht jemand sogar einen Mann, der es sich anfangs überhaupt nicht vorstellen konnte und dann doch recht schnell seine Meinung geändert hat? Oder wie seid ihr an das Thema ran gegangen? Ist jemand wieder schnell schwanger geworden und wie war es für euch und für euren Mann? Wir haben kein erhöhtes Wiederholungsrisiko, daher haben wir auch keine Angst, dass uns "sowas" nochmal passieren könnte. Ich möchte ihn natürlich nicht überreden oder in die Ecke drängen. Ich weiß, dass das nichts bringt. Aber bin trotzdem dankbar für jeden Tipp, wie ihr und (insbesondere) eure Männer damit umgegangen seid.

      Habt vielen Dank, dass ihr meinen Roman gelesen habt und noch viel mehr Dank für eure Antworten!!!

      • Zu allererst tut es mir sehr leid das ihr das durchmachen müsst. Nichts ist schlimmer als das eigene Kind zu Grabe tragen zu müssen.
        Ich verlor unseren Sohn Silas im Januar 2002 in der 16. SSW. Sein Herz hatte einfach aufgehört zu schlagen, einen Grund konnte man mir nie sagen.
        Männer trauern anders .... Meiner z.b sprach überhaupt nicht darüber. Es dauerte lange ehe er das hinbekam und nachdem wir lange darüber gesprochen haben, konnten wir uns auch mit dem "wie geht es weiter" auseinander setzen.
        Elias wurde im März 2005 also drei Jahre danach geboren. Heute haben wir drei Kinder und eben unser Stsrnenkind Silas.

        Gib deinem Mann Zeit und dir ... Zeit zu trauern und Zeit wieder in den Alltag zu finden. Im Moment ist das alles noch frisch und ich verstehe deinen Mann. So wie ihm ging es mir damals. Auf keinen Fall wollte ich das nochmal erleben müssen, lieber wollte ich alleine bleiben. Das ändert sich als ich begann mich damit auseinanderzusetzen und mich zu fragen ob das so sein müsse. Eine FG, oder auch ein Abbruch aus med Indikation ist sehr oft nur einmalig. Klar gibt es auch viele Fälle die sowas leider häufiger erleben mussten. Aber ich habe genauso viele kennengelernt die mir Mut zu sprachen ich solle es nochmal versuchen.

        Zeit ist da ein gutes Stichwort, denn so etwas braucht Zeit ... Zeit zu Verarbeiten und vielleicht auch zu verstehen.

        Ich würde nicht darauf drängen sondern einfach mal schauen was die Zeit bringt.

        • Hallo henzelinos,

          vielen Dank für deine Antwort. Es ist schön zu wissen, dass es bei Paaren, die etwas Ähnliches durchgemacht haben, auch weiter ging.

          Ich weiß, dass ich ihm Zeit lassen muss und das will ich auch. Er ist mir sehr wichtig und ich kann mir nicht vorstellen, zukünftig mein Leben ohne ihn zu leben. daher ist es mir auch so wichtig zu wissen, dass wir nach wie vor in die gleiche Richtung laufen. Ich muss mich gedulden, ich weiß. Es ist schwer. Ich gebe mein Bestes.

          LG

      Hallo!

      Es tut mir leid das auch euer kleiner Sohn nicht bei euch bleiben durfte.#liebdrueck

      Unser Sohn wurde auch aufgrund med. Indikation still geboren (21.SSW). Bei uns bestand auch kein Wiederholungsrisiko. Auch wenn es total irrational war, wollte ich schnell wieder schwanger werden, da ich das Gefühl hatte, dass nur das mich wieder "heile" machen würde. Meine Seele, mein Herz litt so sehr, das mir heute noch die Worte dafür fehlen. Mein Mann ist auch recht schnell wieder arbeiten gegangen, ihm tat die Ablenkung gut.

      Von weiteren Kindern wollte er auch nichts hören. In ihm war der Schmerz zu groß und es machte ihm so sehr zu schaffen mich so leiden zu sehen und er konnte mir nicht helfen. Das wollte er nie wieder erleben. Das war für mich schwer zu akzeptieren, aber er sagte das er vielleicht in einem halben Jahr anders darüber denkt. So wollten wir uns die Zeit geben.

      Wie es aber der Zufall so will, bin ich nach nur drei Monaten wieder schwanger geworden. Wir haben nicht verhütet #hicks da ich eh schwer schwanger werde. Unsere kleine Maus kam nur 11 Monate nach ihrem Bruder auf die Welt und hat uns alle wieder mit dem Leben versöhnt. Auch wenn unser kleiner Schatz nie vergessen wird.

      Ich wünsche euch ganz viel Kraft, versucht gemeinsam einen Punkt zu finden der für euch beide annehmbar ist. Wunder geschehen immer wieder....

      LG Francie

      • Liebe Francie,

        es tut mir sehr leid, dass auch ihr dieses Schicksal erleiden musstet!#liebdrueck

        Deine Worte machen mir Mut. Gestern hatten wir Besuch von einem befreundeten Pärchen. Mein Mann hat zwischendurch tatsächlich auch mal gelacht. Hinterher sagte er, dass es ihm gut getan hat und dass er auch kein schlechtes Gewissen deswegen hat. Das macht mir auch Mut und gibt mir Kraft. Ich hoffe, dass wir davon etwas für die kommenden Tage mitnehmen können.

        Ich glaube nicht, dass dein schneller KiWu irrational war. Ich lese es erstaunlich oft in diesen Foren und mir selbst geht es ja auch so. Merkwürdig fand ich allerdings, dass wohl die meisten Männer auch direkt wieder bereit waren und viele Frauen sehr schnell wieder schwanger wurden. Dass mein Mann da so völlig anders zu denken scheint, hat mich sehr verunsichert. Mittlerweile glaube ich, dass es sich auch bei ihm vielleicht bald ändern wird. Ich bin einfach immer viel zu sehr der "Planer", während er eher der "Denker" ist.

        Ich wünsche euch alles Gute mit eurer Maus.

        Liebe Grüße und einen schönen Sonntag.

        • Hallo!

          Ich habe mir immer gesagt, dass wenn unser Marten nach uns kommt, hätte er sich gewünscht das wir lachen und kein schlechtes Gewissen haben müssen. Das hat mir geholfen.

          In der Trauer gibt es leider immer ein auf und ab. Zwei Stufen die Treppe hoch und drei hinunter. Aber die Abstände in denen man herunter fällt, werden irgendwann länger und man rappelt sich immer weiter hoch. Der Schmerz muss gelebt werden um ein Teil von einem selbst zu werden und irgendwann nicht mehr jeden Moment weh zu tun. #liebdrueck

          Haltet zusammen, haltet euch fest....

          Alles Gute Francie

    Hallo!

    Erstmals mein herzliches Beileid. Auch wir haben unsere Tochter in der 29. SSW verloren. Ich hatte eine Schwangerschaftsvergiftung und hatte einen Not-KS. Unsere Tochter lebte 4 Tage. Es ging ihr gut. Leider bekam sie dann eine Blutvergiftung an der sie verstorben ist. Die Welt brach für uns zusammen. Ich konnte auch keinen klaren Gedanken am Anfang mehr fassen. Mein Mann war eine Woche daheim bei mir danach ging er wieder arbeiten. Für mich war es auch die Hölle alleine zuhause. Ich bin nach 3 Monaten wieder arbeiten gegangen. Ich hatte totale Angst wegen den Arbeitskollegen. Aber die haben sich super toll mir gegenüber verhalten. Ich wollte zuerst kein Kind mehr. Ich war fertig mit der Welt. Nach 6 Monaten war ich wieder schwanger. Wir freuten uns sehr. Ich hatte natürlich viele Ängste während der Schwangerschaft ob das gleiche passiert. Es verlief alles super. Wir bekamen ein gesundes Mädchen. Zwei Jahre später nochmals ein Mädchen. Wir sind superglücklich zwei gesunde Kinder zu haben. Mein Mann hat auch anders getrauert als ich. Aber wir sind sehr zusammen gewachsen. Es ist alles noch sehr frisch bei euch. Lass deinem Mann Zeit. Ich war auch wütend, traurig, alles mögliche.

    Ich wünsch euch alles Gute. Liebe Menschen um euch die das Erlebte mit euch tragen.

    Bei der Trauer gibt es kein richtig oder falsch.

    Alles Liebe
    Gabi

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