Kindergeburtstag nach Beerdigung

Hallo zusammen,

mich interessiert Eure Meinung zur Frage, ob man einen Kindergeburtstag am Tag einer Beerdigung feiern sollte.

Zum Hintergrund:
Der Patenonkel meines Mannes ist kürzlich verstorben. Die Beerdigung soll an einem Tag stattfinden, an dem unsere Nichte (Tochter meiner Schwägerin) ihren 5. Geburtstag feiert. Meine Schwägerin sieht keine Notwendigkeit den Kindergeburtstag zu verschieben und möchte also direkt nach der Beerdigung den Geburtstag feiern. Mein Mann und ich finden das gar nicht gut und möchten (mit unseren Kindern) an diesem Tag Abschied nehmen und eigentlich keine Party feiern. Aus Respekt an die Familie des Onkels, die wegen des relativ frühen Todes des Mannes/Vaters/Opas sehr traurig und geschockt ist, hätten wir in gleicher Situation die Geburtstagsfeier unserer Kinder einfach verschoben und für uns im ganz kleinen Kreis "gefeiert". Meine Schwägerin möchte ihrer Tochter aber "nicht den Spass verderben" und meint, eine 5-jährige versteht es nicht, wenn an ihrem Geburtstag keine Party stattfindet.

Wie seht Ihr das? Sollte man einfach dem Wunsch der Schwägerin nachkommen und trotz Bedenken und Widerwillen den Geburtstag der Nichte zuliebe mitfeiern? Wir möchten auch nicht als intolerante "Spaßverderber" dastehen, aber sollte man an so einem Tag nicht etwas pietätvoller sein?!

Bin auf eure Meinungen gespannt.....

Ich würde wegen des Trauerfalles absagen.
Ist doch in Ordnung, wenn euch nach der Beerdigung nicht nach Feiern zu Mute ist.

Ob deine Nichte nun ihren Geburtstag feiern darf, oder nicht, hat doch mit eurer Situation in dem Moment gar nichts zu tun #kratz

Hallo

wie ist deine Nichte mit dem Patenonkel deines Mannes verwandt?

Ich würde aber feiern, warum soll man keinen Kindergeburtstag feiern.

Der Verstorbene ist der (Paten-)Onkel meines Mannes und meiner Schwägerin. Also der Großonkel der Nichte. Natürlich KANN man es machen. Ich frage mich nur, wie sich die Familie des Verstorbenen fühlt wenn sie hören, dass die Hälfte der Trauergäste nach der Beerdigung 10 km weiter eine Kinderparty feiert.

Man muss ja dem Kind nicht das Gefühl geben, dass die Beerdigung wichtiger ist wie der eigene Geburtstag - aber kann man es denn nicht den Umständen anpassen und auf eine große Feier verzichten?! Vielleicht haben noch mehr Gäste Unbehagen und gehen nur dem Kind zuliebe hin, obwohl ihnen an diesem Tag anders zumute ist. Klar, das Kind wird traurig sein - aber zählt die Trauer der Anderen nicht genauso?

Das Problem dabei ist, dass die Schwester meines Mannes unsere Sicht überhaupt nicht nachvollziehen kann und jetzt schon sehr sauer mit uns ist, als wir gesagt haben, dass wir nach der Beerdigung wahrscheinlich keinen Geburtstag mehr feiern möchten. Wir hatten vor 2 Jahren einen ähnlichen Fall zur gleichen Zeit mit den gleichen Personen und hatten auf einen feinfühligen Umgang gehofft. Wegen des Trauerfalls wurde ein "kleiner" Geburtstag angekündigt. Allerdings wurden dann Tisch-Feuerwerke gezündet und lauthals gesungen, während im Nachbarort der Rest der Familie um ein Baby getrauert hat... Da waren mein Mann und ich schon kurz davor zu gehen. Und jetzt wieder eine ähnliche Situation. Ich befürchte, bei so einem sensiblem Thema findet man keine Lösung, die alle zufrieden stellt...

Eigentlich bist Du doch sehr "in Deiner Mitte" mit Deinen Gedanken - Eure Entscheidung ist aus meiner Sicht gefallen und Du solltest sie in aller Ruhe und dezidiert vertreten.
Ich persönlich verstehe Dich vollkommen und bin immer wieder erschüttert, dass unsere "Spaßgesellschaft" nicht einmal an Tagen der Besinnung und Trauer zur Ruhe kommen kann. Auch ein 5-jähriges Kind kann (und sollte!) schon verstehen, dass der Tage einer Beerdigung sich nicht für eine Feier eignet (auch wenn der Patenonkel dem Kinder nicht unbedingt nahe steht). Wo bitte ist das Problem? Jeder Geburtstag lässt sich verschieben. Lass Euch nicht aus der Ruhe bringen. Bleibt bei Euren Gedanken - Eure Schwägerin vertritt offenbar andere Werte und Gedanken, das muss man tolerieren. Umgekehrt muss sie aber auch Euren Zugang tolerieren und akzeptieren. Eine rotzige Antwort würde ich mir da auf keinen Fall bieten lassen.

LG, evi

Ich frage mich nur, wie sich die Familie des Verstorbenen fühlt wenn sie hören, dass die Hälfte der Trauergäste nach der Beerdigung 10 km weiter eine Kinderparty feiert.

Das sehe ich ganz genauso. Auch wenn der Verwandtschaftsgrad nicht so nah ist - aber am Beerdigungstermin eines Familienmitglieds gleich eine Kinderparty zu feiern, fände ich auch ziemlich gedankenlos. Da schreien heute alle nach "Empathie" - aber beanspruchen das nur für ihre persönlichen Belange - andere Menschen ...naja, warum soll man keinen Kindergeburtstag feiern? Schrecklich. Auch den Fall, den Du im letzten Absatz schilderst ....furchtbar. Ich glaube, das könnte ich nicht so einfach wegstecken.
Du hast das richtige Gefühl. Und einem fünfjährigen Kind könnte ich durchaus erklären, dass seine Geburtstagsfeier in Gottesnamen einen Tag verschoben wird.
Wie "hardcore" muss man eigentlich gefühlsmäßig drauf sein, zuerst zu einer Beerdigung innerhalb der Familie zu gehen und dann bei einer Kinderparty fröhlich mitzumachen? Ich könnte es nicht.
LG Moni

>> Sollte man einfach dem Wunsch der Schwägerin nachkommen und trotz Bedenken und Widerwillen den Geburtstag der Nichte zuliebe mitfeiern? <<

wenn ich traurig bin, weil jemand der mir nahe stand, gestorben ist, bin ich nicht in der Lage, dem Wunsch eines anderen, lustig an einer Feier teil zu nehmen, nach zu kommen.

Das versteht selbst ein 5-jähriges Kind!
Es muss dir auch nicht leid tun, dass ihr nicht an der Geburtstagsfeier teil nehmt. Es ist so, wie es ist.

Das hat auch nichts damit zu tun, sich zu sammen zu reissen.
Alles Gute für euch

Hallo,
Tja, also ich persönlich würde am Tag der Beerdigung eines Verwandten, weder eine Kinderparty ausrichten noch dorthin gehen. Was hat das Kind denn davon? Alle sind traurig und in Gedanken woanders. Das spürt auch das Kind.

Allerdings habe ich auch schon nach einer Beerdigung "gefeiert". Damals wurde mein Opa beerdigt. Gegen Abend haben meine Cousinen und ich es einfach nicht mehr ausgehalten und wollten nur noch raus. Hunger hatten wir, bei Oma gabs nur belegte Brote. Also haben wir beschlossen was essen zu gehen und sind zum Griechen gefahren. Dort haben wir unseren Kummer in Ouzo ertränkt und viel gelacht. Haben uns viel erinnert. Und das war gut für uns. Keiner in der Familie hatte ein Problem mit unserer Trauerbewältigung. Aber das ist dennoch etwas anderes, als einen Kindergeburtstag im Anschluss einer Beerdigung zu feiern. Vll kannst du mit der Schwägerin nochmal reden, dass sie die Party um 1 Tag oder aufs Wochenende verschiebt.

LG

Wo ist da der Unterschied?

Da finde ich das Kummer in Ouzo ertränken viel schlimmer.

*Haben uns viel erinnert.*

DAS ist der Unterschied.

Sie haben kein anderes Happening gefeiert, sie haben der toten Person gedacht.

Vielleicht mal überlegen: Wenns meine eigene Beerdingung wäre, was wäre mir lieber? Wenn meine Verwandten sich abends einen geben und über Erinnerungen mit mir sprechen?

Oder wenn sie nach der Beerdigung woanders Geburtstag feiern?

Unterschied erkannt? ;-)

Ob ihr nun den Geburtstag der Nichte mitfeiert oder nicht ist eure Entscheidung und die sollte auch akzeptiert werden.

Aber vielleicht ist so eine Geburtstagsfeier für manche gar kein so schlechter Ausklang für eine Trauerfeier.
So ein familiärer Kindergeburtstag ist doch nichts anderes als ein gemeinsames Kaffeetrinken. Man sitzt noch ein bisschen länger zusammen, redet, erinnert sich, ist aber gleichzeitig durch den Geburtstag etwas abgelenkt und merkt ganz deutlich, dass das Leben weiter geht. Ich finde das nicht pietätlos. Es trauert jeder anders. Auch das solltet ihr akzeptieren.

Außerdem das Kind hat nunmal Geburtstag, den kann man nicht mal eben aufs nächste Wochenende verschieben. Sicherlich werden ihr etliche Verwandte trotz Beerdigung gratulieren, vielleicht bekommt sie das ein oder andere Geschenk. Und sie wird sich natürlich auch ordentlich freuen und das auch nicht verbergen. Also warum nicht weiterfeiern

Aber natürlich würde ich zum einen sehen, was die enge Familie des Patenonkels plant und darauf Rücksicht nehmen. Wollen sie sich zurückziehen und ihre Ruhe haben oder wollen sie gerade nicht alleine sein und duch Famileinmitglieder zu Hause abgelenkt werden oder wollen sie vielleicht sogar mit auf den Geburtstag der Nichte?

Hallo,

eine schwierige Situation.

Die Großmutter meiner Mutter verstarb an ihrem 4. Geburtstag. Früher auf dem Land lief es etwas anders als heute ab - die Oma wurde im Haus aufgebahrt und die Verwandten und Nachbarn sind gekommen, um Abschied zu nehmen. Der Geburtstag meiner Mutter war quasi vergessen und für ein kleines Kind ist das schon irgendwie dramatisch, denn zum einen stirbt ein Mensch und zum anderen ist ein Geburtstag gerade für Kinder eine ganz wichtige und tolle Sache. Und bis heute schwingt das irgendwie mit, denn ihre ganze Jugend über war an ihrem Geburtstag die tote Oma Thema.

Entscheiden muss das natürlich jeder selbst, aber ich würde den Geburtstag des Mädchens nicht übergehen. Du schreibst so viele Worte in Anführungszeichen: "gefeiert", "nicht den Spaß verderben". Das zeigt, das du für dich, deinen Mann und deine Kinder lieber den Tag in Trauer verbringst. Das ist okay, aber ich finde es einfach schade, wenn man darüber hinaus die freudigen Ereignisse an diesem Tag vergisst und ihnen keine Beachtung schenkt.

Viele Grüße,
lilavogel

Vielen Dank für Eure Antworten...

Mein Mann und ich haben es gestern Abend nochmal diskutiert und sind für uns zu dem Entschluss gekommen, dass wir aus Rücksicht auf die trauernde Familie des Onkels keinen Kindergeburtstag mitfeiern werden. Meine Schwiegermutter hat innerhalb von nur 10 Monaten erst ihre Mutter und nun auch noch ihren Bruder verloren.

Ja, auch der Geburtstag ist wichtig und sollte nicht übergangen werden. Mein Mann und ich sind vielleicht einfach nur über die Kaltschnäuzigkeit meiner Schwägerin verärgert, denn es ist KLAR, dass der Geburtstag gefeiert wird - andere Meinungen zählen ja nicht. Trauer hin oder her, WIR FEIERN mit allem was dazu gehört! Als vor 2 Jahren das Baby des Cousins am plötzlichen Kindstod verstarb, hat meine Schwägerin gesagt, sie kann den ganzen Wirbel nicht verstehen, es wäre doch nur ein Baby gewesen, dass noch gar nicht lange auf der Welt war. Ich brauche nicht beschreiben, was wir für einen Zoff deswegen hatten....!

Ich habe aus euren Antworten auf jeden Fall gelernt, dass auch bei so einem Thema viel Toleranz gefragt ist. Jeder geht mit Trauer anders um. Wir werden akzeptieren, dass der Geburtstag stattfindet. Anscheinend ist es gar nicht so unüblich, den Tag nicht nur trauernd zu verbringen. Danke Euch für diese Erkenntnis....

Es ist ganz verständlich, dass man nach einer Beerdigung sich auch Zeit nehmen möchte um den Tod zu verarbeiten.. Oder je nachdem einen Strich vielleicht unter den Verlust ziehen, damit man weiter leben kann.. Heißt nicht, dass man nicht mehr trauern kann, aber ich hoffe du verstehst was ich sagen mag..

Ganz ehrlich auch am nächsten Tag würde ich jenachdem wie sehr mich der Verlust mitnimmt, nicht gehen.. Ganz ehrlich wenn dir vorgeworfen wird, dass du nicht trauern darfst, würde ich mich mir überlegen ob solche Menschen, egal ob Familie oder nicht, der richtige Umgang für mich wären!

Nimmt euch die Zeit!

Hast du selbst Kinder?

Ja, ich habe Kinder (7 und 3). Ich kann mir denken, warum die Frage gestellt wird... Auch meine Kinder wären sicher traurig, wenn ich ihnen sagen würde, dass wir den Tag ruhiger als geplant verbringen würden und einige aus der Familie vielleicht doch erst ein paar Tage später kommen. Aber das wäre unser persönlicher Umgang damit.

Meine 7-Jährige hat das Ganze am Rande mitbekommen und gesagt, wenn das ihr Geburtstag wäre, würde sie ihn nicht an einem Tag feiern wollen, an dem alle anderen so traurig sind. Ein 5-jähriges Kind ist da vielleicht noch nicht so weit - aber ich denke, man könnte den Tag auch so schön gestalten, ohne andere zu "nötigen", nach einer Trauerfeier noch eine Kinderparty besuchen zu müssen. Dem ein oder anderen mag das nichts ausmachen, ok, aber uns ist das ein befremdliches Gefühl.

Es ist in so einer Runde einfach auch schwierig den ganzen Rahmen zu erklären. Der Verstorbene war nicht irgendein alter, entfernter Verwandter, sondern der Patenonkel (bei uns sagt man Petter) meines Mannes, der mit Mitte 60 recht unsanft aus dem Leben gerissen wurde. Das vielleicht einfach noch zur Erklärung...

Hallo,
erst einmal mein herzliches Beileid! Also ich gehe jetzt einfach mal von mir aus....der Tod gehört für mich zum Leben und wird meiner Meinung nach viel zu sehr tabuisiert! Wenn ich sterben würde und meine Verwandtschaft deswegen einen Kindergeburtstag absagen würde, wäre ich wohl ziemlich enttäuscht! Das Leben geht vorwärts und es bedeutet für mich nicht, dass man den geliebten Menschen weniger vermisst, nur, weil ein kleines Kind von 5 Jahren sich so sehr auf seinen Geburtstag freut und den auch für mich ganz klar feiern sollte! Wenn ihr das nicht mit eurem Gewissen vereinbaren könnt, dann würde ich absagen, allerdings ohne den Eltern ein schlechtes Gesissen zu machen. Jeder Mensch trauert anders und das sollte respektiert werden, aber trotzdem geht das Leben weiter- egal wie. Deshalb sollte man jeden Moment nutzen...und was ist in der Trauer nicht tröstlicher als ein Kinderlachen? Ich wünsche euch alles Gute!

...das hast Du sehr nett geschrieben, vielen Dank.

Wie gesagt, wir respektieren den Wunsch nach einer Feier. Der Nichte sei natürlich, wie jedem anderen Kind auch, ein toller Geburtstag gegönnt...

Danke für den Hinweis mit dem schlechten Gewissen machen. Das Grat bei der Absage ist natürlich schmal, aber wir werden es versuchen neutral zu formulieren.

Hallo,

das ist nicht einfach zu beantworten. Aber ich würde wahrscheinlich dort hingehen. Das Mädel hat nichts mit dem Patenonkel zu tun gehabt.Das die Beerdigung nun auf ihren Geburtstag gelegt wurde ist dumm gelaufen, jedoch wäre es für mich makaberer wenn der Geburtstag an dem Todestag gefeiert werden würde.

Geht früh auf die Beerdigung, geht danach essen - schlaft eine Runde und danach geht ihr hin. Das bringt Euch auf andere Gedanken und das kleine Mädchen freut sich über den Besuch von Onkel und Tante. In dem Moment wo sie Euch mit leuchtenden Augen empfängt wisst Ihr dass es richtig war dorthin zu gehen.

Ich könnte Deine Ansicht sehr viel mehr verstehen wäre es ein sehr naher Angehöriger, aber ich glaube der Patenonkel hätte nicht gewollt wenn Ihr Trübsal macht und dafür ein kleines Mädchen traurig ist wenn der Onkel und die Tante nicht kommen.

VG Geli

>>Geht früh auf die Beerdigung, geht danach essen - schlaft eine Runde und danach geht ihr hin. <<
kann aber auch nur klappen, wenn die Beerdigung früh am Vormittag statt findet.

Ich denke wo ein Wille ist , ist auch ein Weg. Jedoch beschleicht mich so ein wenig das Gefühl das hier nicht gewollt wird und somit auch kein Weg gefunden werden möchte.
Eine Alternative könnte auch ein langer Spaziergang oä. sein nach dem emotionalen Moment der Beerdigung um wieder zu festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Aber das ist alles Ansichtssache

weiteren Kommentar laden

ich weiß nicht, woher die Annahme kommt, es handelt sich nicht um einen nahe stehenden Angehörigen?! Wenn dem nicht so wäre, hätte ich die Frage nicht gestellt. Ob Tante, Mutter, Nachbar oder Freund - in welchem Verwandtschaftsgrad man zum Verstorbenen steht, sagt doch nichts über die Beziehung zueinander aus. In diesem Fall ist es so, dass man sich nahe stand! Man wohnte nah beieinander, man sah sich regelmäßig, man mochte sich.

Die Beerdigung fand nachmittags statt. Weder darauf, noch auf die Gestaltung des Geburtstags haben wir Einfluss. Und, ja, es stand für meinen Mann uns mich nicht wirklich zur Debatte, ob wir auf den Geburtstag gehen oder nicht. Und fehlte absolut der Zugang zur Motivation, an so einem Tag noch feiern zu wollen - deshalb habe ich die Frage hier gestellt. Ich verstehe es nun, dass es manchen Menschen vielleicht beim Trauern hilft, anderen ist es wichtiger, dass das Kind nicht enttäuscht ist usw. Alles ok! Aber wir haben nie nach einem Weg gesucht, doch auf den Geburtstag gehen zu können. Sondern danach zu verstehen, warum man nach einer Beerdigung feiern muss.

Meine Schwiegermutter hat gestern Rotz und Wasser geheult, stundenlang. Alle waren sehr ergriffen. Die Enkel des Verstorbenen sind so alt wie das Geburtstagskind ist. Gestern war wirklich niemanden mehr nach feiern zumute...

Nur mal am Rande: wir feiern alle Geburtstage, die der Kinder und unsere eigenen, grundsätzlich am Wochenende (nach). Fast alle Verwandten und Freunde sind berufstätig und wir würden niemanden abverlangen, 4x im Jahr für uns Urlaub nehmen zu müssen... Wir verschieben also auch, ohne das jemand traurig wäre...

Ich finde nicht, dass es da DIE Verhaltensweisen gibt.

Mir wäre es organisatorisch vermutlich zu hektisch, um von Beerdigung (an die meist ein Kaffeetrinken angeschlossen ist) auf Kindergeburtstag umzuschalten und die letzten Vorbereitungen für die Party zu treffen.

Außerdem finde ich es despektierlich, dass du von Kaltschnäuzigkeit deiner Schwägerin sprichst, als würde nur deine Meinung gelten und man sich nach deinem Schema verhalten muss.

Aber jeder trauert anders und wir haben in letzter Zeit mehrere Trauerfeiern erlebt. Meine Freundin starb mit 49 zwar nicht überraschend, aber doch plötzlich. Sie hatte einen eher humorigen Abschied für alle geplant. Ungewöhnliche Musik bei der Beerdigung, die uns schmunzeln ließ. Wir sind abends auch noch essen gegangen.

Der Klassenkamerad meines Sohnes nahm sich das Leben. Nach der Beerdigung trafen sich die meisten abends zu einer Abschiedparty. Das gemeinsame Kaffeetrinken mit dessen Familie ließen die jungen Leute aus und entschieden sich für ihre Art des trauerns. Dazu gehörte für sie eben eine Party mit Musik und auch Spaß. Sie hatten genug gelitten vom Verschwinden des Jungen bis zu dessen Auffinden bzw. der Beerdigung. Sollte man da jetzt sagen "es gehört sich nicht, eine Party zu feiern"?

Mein Schwager wird in absehbarer Zeit sterben. Er ist gerade mal Anfang 50. Er sagt uns jetzt schon, dass er nicht möchte, dass wir alle von Trauer überwältigt werden. Wir sollen das tun, wonach uns der Sinn steht, nicht in schwarzer Beerdigungskleidung erscheinen, wenn uns nicht danach ist und auf sein Wohl anschließend einen trinken.

Dieses Geschiss um alles, was sich gehört oder nicht gehört, geht mir persönlich mächtig auf den Geist. Zumal sich nicht einmal die engsten Freunde und die engsten Verwandten darum gern einen Kopf machen sondern die aus der zweiten und dritten Reihe haben offensichtlich keine anderen Sorgen.

Tut mir leid, dass Du so viele Unglücksfälle in Deinem Umkreis hast.

Und schade, dass es bei dir so angekommen ist, als würde ich nur meine Meinung zählen lassen. Wie ich in einigen Beiträge schon geschrieben habe: Ich habe sehr wohl verstanden, dass jeder anders trauert - was ich auch absolut ok finde! WIR haben die Party akzeptiert - unsere Absage wurde NICHT akzeptiert.

Ich habe eine Äußerung meiner Schwägerin zum Thema hier veröffentlicht. Warum nenne ich sie kaltschnäuzig? Weil Kaltschnäuzigkeit nichts anderes heißt wie Rücksichtslosigkeit oder Gefühllosigkeit. Wer den Tod eines Säuglings nicht bedauert, weil "er ja nur so kurz gelebt hat und noch gar kein richtiger Mensch war", der ist für mich kaltschnäuzig. Aber bitte, auch dazu darf jeder seine Meinung haben!

Dein letzter Absatz, das ist eigentlich genau mein Problem - kein Mensch will sich heute mehr Gedanken darüber machen was sich gehört und was nicht. Diese rücksichtslose Gesellschaft geht MIR nämlich mächtig auf den Geist. Andere Meinungen sind mir sehr wohl wichtig. Egal ob sie aus der ersten oder der dritten Reihe kommen. Wenn man Mitgefühl und Rücksichtnahme nicht mal von "engsten Freunde und engsten Verwandten" erwarten kann, von wem denn dann?????

Ist doch schön, wenn ich aus der dritten Reihe mir Gedanken darüber mache, ob ich jemandem auf den Schlips trete. Glaube mir, ich habe auch genug eigene Sorgen. Das heißt aber noch lange nicht, dass mir die Befindlichkeiten von anderen egal sind.

Guten Morgen

Also erstmal herzliches Beileid.

Bin zwar etwas spät dran, dennoch möchte ich zu dem ganzen Gespräch eben noch etwas sagen.

Ich denke jeder geht mit Trauer anders um. Habe das unlängst selbst erfahren.

Meine Mutter ist gestern vor 3 Wochen verstorben.

Am Tag der Beerdigung war mir nach Ruhe und Rückzug und auch am Tag danach. Als sie starb auch.
Meine Tochter (16) machte die Musik so laut das unser Dachgeschoss bebte. Das war ihre Art damit klarzukommen. Haben dann den Kompromiss des Kopfhörers gefunden.

Ich finde es ok, wenn die Dame ( Schwägerin glaub ich) feiert. Ich finde es genauso absolut tolerabel das ihr nicht hingeht. Jeder nach seinen Bedürfnissen.

Finde Deine Entscheidung gut und gut das Du Dich nicht verstellst des lieben Friedens Willen.

Schönen Tag

Also ich würde auch absagen wenn es euch nicht passend erscheint und wenn sie vernünftigt sind verstehen sie das auch. Aber das der Geburtstag stattfindet, finde ich persönlich nicht schlimm. SChließlich kann das Kind nichts dafür und ehrlich gesagt wird der Verlust der Feier für eine 5jährige schlimmer sein als der Todesfall sag ich mal. Und der Onkel hätte das möglicherweise auch gar nicht gewollt.

Ela

Also meistens ist ja nach der Beerdigung ein Leichenschmaus und da geht es durchaus nach einiger Zeit auch lustig zu.

Mein Vater ist im Oktober verstorben und meine Tochter hat alle aufgemuntert..Wenn da mehr Kinder sind die lachen und sich freuen.... umso besser. das Leben geht weiter. Also wieso nicht den Leichenschmaus sozusagen mit dem Kindergeburtstag verbinden. Ich fände daran jetzt nichts schlimmes - aber es müssen sich alle dabei wohl fühlen.

Ich finde es aber auch nicht zu viel verlangt wenn man einem 5 jährigen mädchen erklärt, dass die Party einen Tag später statt findet weil der Onkel gestorben ist.

ich habe gelesen, dass du geschrieben hast: "die hälfte der Trauergäste 10km weiter dann Geburtstag feiert" ...

dann ist das kein Kindergeburtstag, -- sondern ein Familiengeburtstag...

ich denke, viele hier haben an "Kindergeburtstag" mti 5 Kindern aus dem Kindergarten gedacht ...
-> da fällt die antwort anders aus, als wenn die halbe Verwandschaft zum klassischen Familien-Kindergeburtstag kommt...

also: Kindergeburtstag nur fürs Kind mit Kindern hätte ich JA gesagt.

Family-Geburtstag an so einem Tag finde ich ebenfalls höchst unpassend....