Mutter liegt im künstlichen Koma

    • (1) 05.08.16 - 00:18

      Ich hoffe ich bin hier richtig gelandet!

      leider weiß ich gerade nicht wie und wo ich anfangen soll und hoffe natürlich sehr, dass ihr dem ganzen jetzt irgendwie folgen können.

      Meine Mutter liegt seit Samstag Abend im künstlichen Koma, in das man sie reingelegt hat um den Körper beim Heilungsprozess zu entlasten. Meine Mutter ist 46 Jahre alt, COPD Patientin, Leberzirrhose im Endstadium, Alkoholikerin seit 5 Jahren. Ich bin 19 Jahre alt. 2012 gab man ihr noch 1 Jahr zu leben. Zuerst hieß es Nieren- und Leberversagen, dann kamen blutende Magengeschwüre dazu weshalb sie ins Krankenhaus ging weil sie Blut erbrochen hat. Die Blutwerte sind miserabel, von der Blutgerinnung möchte ich garnicht erst anfangen. Der HB lag am
      Montag bei 5,7 und aktuell nach 7 Blutkonserven bei 8,0. Sie wurde an eine Beatmungsmaschine gehängt, weil die selbstständige Atmung nicht möglich war. Kreislaufstabilisierende Medikamente bekommt sie auch. Am Montag sagte der Oberarzt das aufwachen aus dem Koma wäre das kleinste Problem, das größere Problem wäre wie sie ist wenn sie wach wäre, wegen dem Entzug. Dienstag stellte man die Maschine runter damit sie selbst mitatmet, Mittwoch wollte man sie aufwachen lassen. Am Mittwoch hieß es jedoch plötzlich dass sie nicht aufwachen wird, die Werte hätten sich verschlechtert, der Kreislauf würde das nicht mitmachen. Man stellte die Beatmung wieder auf die Maschine um. Mittwoch hat mir ein Assistenzarzt gesagt, dass er ehrlich sein will und sie nur noch "am Leben" sei wegen den Maschinen und wenn man die abstellen würde wäre sie tot. Donnerstag, also heute habe ich mit einem Arzt gesprochen der meine Mutter die letzten 3 Nächte versorgt und betreut hat und auch dieser meinte die Prognose sei jetzt zurzeit sehr sehr schlecht und dass man nur noch hoffen kann das die Leber sich erholt, ansonsten würde keine Chance mehr bestehen. Man würde aber natürlich nicht aufgeben, das beste hoffen und alles was in deren macht steht unternehmen. Warum ist man Montag noch der Meinung man könne sie aufwachen lassen und Dienstag Abend ist plötzlich alles so schlecht das man es garnicht erst wagen möchte?

      Natürlich sollen die kein Risiko eingehen, bevor sie sie wach werden lassen und plötzlich Notfallmäßig wieder intubieren müssen. Dann doch lieber langsamer und sicherer angehen. Meine Mama hat unheimlich viel Wasser eingelagert welches sie scheinbar durch die niereninsuffizienz nicht ausscheiden kann. Heute wurde sie an die Dialyse gehängt mit der Hoffnung auf Besserung.

      Die wollen jetzt unbedingt mit meinem Vater sprechen der sich jetzt auch Urlaub genommen hat und einen Betreuer festlegen, den sie anrufen würden wenn was ist, eine OP wäre und diese Person würde dann entscheiden ob ja oder nein. Ich weiß zurzeit leider nicht wo mir der Kopf steht, sitze oft auf der Intensivstation an ihrem Bett, streichle und halte ihre Hand und spreche mit ihr, weil ich natürlich hoffe sie würde mich hören. mir ist bewusst das ich nichts machen kann und auch in ihrem schlechten Zustand nicht helfen kann.

      Mir wird niemand sagen können wie die Chancen stehen, ich möchte auch nicht das mir jemand das schön redet, denn ich weiß, dass die Lage zurzeit sehr kritisch ist.

      Hat vielleicht jemand ähnliche Erfahrungen?

      • Ach Mädchen, was musst Du schon mitmachen....ich drück Dich mal ganz vorsichtig.#liebdrueck
        Willst Du meine ganz ganz ehrliche Antwort? Ich sehe wenig Chancen mehr für Deine Mutter, noch ein einigermaßen lebenswertes Leben schaffen zu können. Dazu hat sie leider selber viel zu viel beigetragen, dass es nun so schlecht aussieht. Leberzirrhose im Endstadium löst irgendwann das Multi-Organversagen aus, wie sehr oft auch bei schweren Chemo-Behandlungen, habe ich bei meiner leukämiekranken Freundin leider auch hautnah miterlebt.
        Die Niereninsuffizienz passt da auch dazu.
        Ich habe vor eineinhalb Jahren mein Mann aufgrund Bronchialkrebs verloren - er hat lebenslang viel geraucht, erst die letzten Monate nicht mehr, da war es zu spät.

        Der Alkohol hat bei Deiner Mutter sehr viel kaputtgemacht, ich fürchte, es wird für eine Therapie auch zu spät sein.
        Mach das, bleib bei Deiner Mutter, streichle sie und sag ihr alles Liebe und Nette, was Du ihr noch sagen möchtest. Niemand weiß, was sie nicht doch versteht. Ich fürchte, das ist alles, was Du noch für sie tun kannst.
        Hatte sie eine Patientenverfügung? Möchte sie überhaupt mit Maschinen versorgt werden, auch wenn keine Hoffnung mehr besteht? Mein Mann hat es nicht gewollt, war auch so verfügt. Und es war gut so, denn Leben war es keines mehr in seinen letzten Tagen.
        Ich wünsche Dir ganz viel Kraft, um die nächste Zeit zu überstehen.
        Liebe Grüße von Moni

        Hallo meine Liebe,
        erstmal drück ich Dich herzlich auf diesem Wege - eine schwere Zeit, die Du durchlebst! Mit meinen Eltern haben wir viele, viele Wochen und Monate auf Intensivstationen verbracht - meine Mama starb mit 50 nach langer Krankheit, ich war damals 24.

        Mein Papa hat eine ewige Krankengeschichte - Alkoholkrank seit ich denken kann, Nierenversagen, viele Jahre Heimdialyse, irgendwann bekam er eine Spenderniere, viele, viele, viele Herzerkrankungen, unter anderem ein beinahe tödlich endender Aortenriss direkt beim Herzen... die Liste liesse sich noch erweitern - ich will Dir nur sagen, dass wir viele Situationen wie Deine momentane erlebt haben, unter anderem war mein Papa auch oft im künstlichen Koma und einmal haben sie ihn dann nach ein paar Tagen aufwachen lassen, das klappte aber nicht wirklich, ein Hirnschlag wurde vermutet... am Ende entschied man, das künstliche Koma zu verlängern, ein paar Tage später ein weiterer Versuch, der klappte auch und es ging ihm dann recht schnell erstaunlich gut. Ich war an Tag 3 nach dem Aufwachen bei ihm und er wollte, dass ich ihm die Aktienkurse vorlese... nicht mal 12 Stunden später sass ich im Wartezimmer vor der Intensivstation und wartete auf Einlass, als plötzlich ein Notfallteam an mir vorbei schoss, bis ganz hinten in das Zimmer, in dem mein Vater lag... keine Ahnung, wie lange es dauerte - nach einer gefühlten Ewigkeit kam eine Schwester und sagte zu allen WArtenden, dass sie nun rein könnten und dann sah sie mich an und sagte: "Frau M., zu Ihnen kommt gleich ein Arzt".... Mein Papa war der Notfall und er wäre um ein Haar gestorben, obwohl ich 12 Stunden vorher noch mit ihm Aktienkurse studiert hatte...

        Will sagen: in solch intensiven Krankheitssituationen kann alles schnell gehen - von schlecht zu besser aber auch umgekehrt... Am Ende kannst Du nur da sein, sie begleiten, für Dich selbst diese Zeit auch nutzen, um dich gedanklich auch mit der Möglkichkeit vertraut zu machen, dass es ihr letzter Weg ist und ganz am Ende besteht die große Herausforderung darin, sie loszulassen.... man möchte sie so gern halten, will sie nicht gehen lassen, aber jemand sagte am Tag vor dem Tod meiner Mama zu mir: "Tessa, es ist die größte Form der Liebe, wenn man einen geliebten Menschen gehen lässt, ihm den Frieden gönnt und ihn loslässt".....

        Mein Papa ist zwischenzeitlich auch verstorben - nach vielen, vielen Intensivstationszeiten - die nächste sahen wir schon kommen - durfte er ganz friedlich zu Hause einfach einschlafen....

        Ich wünsch Dir alle Kraft!
        Tessa

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