Mein Papa ist gestorben

    • (1) 04.09.16 - 23:09

      Hallo. Ich habe zur Zeit soo viele Gedanken im Kopf. Ich weiß nicht wohin damit und muss es jetzt einfach los werden.

      Ich bin 31 und mein Papa ist am 13.08 mit nur 57 Jahren gestorben. Er hatte seit Jahren rheumatische Arthritis und starken Testosteronmangel. Er nahm wegen der Arthritis relativ viele Medikamente, die ihn lustlos, träge und einfach kaputt machten. Vor 2 Jahren hatte er dann einen Herzinfarkt und konnte in letzter Sekunde gerettet werden. Meine Eltern liefen ab dann von Arzt zu Arzt, damit es ihm besser geht. Vor kurzem kam der Testosteronmangel heraus. Alle seine Symptome konnte man darauf zurückführen. Doch zwei Ärzte haben den Mangel nicht ernst genommen und ließen ihn nur immer wieder Blut abgeben ohne etwas zu unternehmen. Dann fand er endlich eine Ärztin, die ihm nach 2 Untersuchungen das Hormon verschreiben wollte. Er sollte es am 17.8 bekommen. Wir wussten alle, dass es ihm dann endlich Stück für Stück besser gehen würde.
      Aber soweit kam er nicht mehr.
      Am 13.8 rief mich meine Mutter an. Sie ist auf dem Weg ins Krankenhaus. Mein Vater hatte einen erneuten Herzinfarkt und es sehe schlecht aus. Er wurde vom Krankenwagen abgeholt. Ich bin mit meiner Schwester sofort hin gefahren. Wir warteten endlos lange und ich dachte, es ist ein gutes Zeichen. Man macht ja eine Wiederbelebung nicht ewig...
      Nach über einer Stunde wurde meine Mutter rein gerufen und als sie heraus kam, meinte sie nur er ist tot. Ich bin zusammen gebrochen, habe das Krankenhaus zusammen geschrien. Ich meinte immer wieder, sie lügt und habe kaum Luft bekommen. Wir konnten dann nochmal zu ihm. Ich wollte gar nicht wieder gehen. Anschließend waren wir bei meiner Oma und ihrem Mann (Mutter meiner Mutter). Wir schliefen dort und konnten ihn 2 Tage später nochmal aufgebahrt besuchen. Das wollte ich unbedingt. Ich ging allein zu ihm. Kniete mich neben ihn und sah ihn an. Ich bekam plötzlich tierische Angst. Als wenn er mich jeden Moment mit aufgerissenen Augen anspringt. Ich war unter einer Minute wieder draußen. Ich weiß nicht, warum das so war. Aber dennoch wsr es gut für mich, um zu sehen, dass er wirklich tot ist. Seit seinem Tod helfe ich meiner Mutter neben 12,5 Std Job und Kindern bei allem was gemacht werden muss. Die ersten 3 Tage habe ich ganzeigen kurze Phasen gehabt in denen ich weinte und fast zusammen brach. Danach nichts mehr. Außer abendliche Angst, wenn ich draußen allein im Dunkeln meine Zigarette geraucht habe. Das ist mittlerweile weg. Ich lebe mein Leben aber weiter wie bisher (hinzu kommt natürlich die Zeit mit den Papieren und allem was erledigt werden muss). Manchmal denke ich am Tag nur einmal ganz kurz an ihn und dann ist es wieder weg. Ich sehe sein Foto auf meinem Hintergrund meines Handys, aber es macht nichts mit mir. Als wären alle Gefühle abgestellt. Ich kümmerte mich zusammen mir meiner Mutter um die Urnenbeisetzung, um den Grabstein usw. Aber alles so belanglos. Ich kann es nicht beschreiben. Ich bin traurig innerlich, aber es kommt nichts. Wenn ich von Leuten angesprochen werde, rede ich ganz normal. Ich fasse es einfach nicht. Meine Mutter würgt ständig und weint sehr viel. Meine Schwester hält sich raus und meldet sich nicht mal bei uns. Wir hatten alle ein super Verhältnis. Sie meinte direkt nach seinem Tod, sie kann uns nicht so sehen und muss weiter machen. Aber sie ruft nicht mal an und fragt, wie es geht, ob sie helfen kann etc. Sie hat sich heute nicht mal zum Geburtstag ihrer Nichte (3) gemeldet. Keine Ahnung. Vielleicht ist das ihre Art damit umzugehen.

      Was mir auch einfällt, ich habe für die Beisetzung ein langes Gedicht geschrieben. Wie ich mich fühlte, an diesem Tag, wie er war, was er für uns war und was es nun bedeutet für uns. Ich habe es in der Kapelle vorgetragen. Das war der schwerste Schritt für mich. Aber das war mein letzter Wunsch für Papa. Ich musste es machen und habe es zum Glück geschafft.

      Ich schreibe und schreibe... Was ich gern wüsste wäre, ob das jemand kennt. Dieses Verhalten, wie ich es habe. Ich möchte so gern los heulen und mich in den Schlafalschen weinen. Aber es kommt nichts.

      Ich bin eigentlich sehr emotional. Bei Beziehungsaus habe ich zB sehr sehr viel geweint. Auch bewusst rein gesteigert. Ich brauche das und das tat mir immer sehr gut.

      Jetzt geht es nur nicht. Warum?
      Ich dreh noch durch.

      Ich freue mich über viele Antworten.
      Lieben Gruß

      • Sorry für die 2 Autokorrekturen. Ist hoffentlich trotzdem zu verstehen.

        Hallo du,

        ich kann dich so gut verstehen.

        Mir geht es genau wie dir... Ich bin 38 und meine Papa ist Ende April mit 58 Jahren auch ganz plötzlich an einer Sepsis verstorben...

        Das ganze kommt einem einfach nur unwirklich vor und du willst nichts mehr, wie aufzuwachen und alles ist wie vorher stimmts?

        Am Anfang hab ich auch mehr geweint, wie jetzt.. Es ist sehr viel zu tun, Mama helfen wie du schreibst.. Da kommst einfach nicht so zur Ruhe, zumal du ja auch noch ein kleines Kind hast... Meine Schwester ist auch keine Hilfe, wie bei dir - die hält sich fein aus allem raus...

        Ich hab an der Beisetzung auch etwas vorgelesen - war mir auch superwichtig...

        Ich denke, die Tränen und die Trauer werden bei dir schon noch kommen, mach dir keinen "Druck" deswegen. Jede Art der Trauer ist vollkommen in Ordnung, hat mir meine Therapeutin versichert. Und wenn du jetzt nicht weinen kannst, dann ist das genauso ok, wie wenn deine Mama immer wieder in Tränen ausbricht. In der Trauer kann man nichts erzwingen, es kommt, wie es kommt...

        Du kannst mir gern PN schicken...

        Ich wünsch dir viel Kraft.

        LG,
        Angelika

        Liebe mika-Maus,

        mein Vater starb da war ich 33 und ich habe auch sehr lange gebraucht bis ich überhaupt realisiert habe was da passiert. Ich habe über Wochen funktioniert - habe meine Mutter unterstützt, alles organisiert war für alle in der Familie der Ansprechpartner und noch 500 km zwischen meinem Heimatort und meinem Wohnort gependelt ... ach so ja Vollzeit gearbeitet habe ich auch.

        Ich war wie unter Schockstarre - es gibt viele Arten mit dem Verlust umzugehen und auch viele Phasen. Ich zum Beispiel habe noch heute TRänen in den Augen wenn mich jemand auf meinen Vater anspricht obwohl er seit über zehn Jahren Tod ist.

        Setz dich nicht unter Druck nur weil du nicht weinst heißt es nicht, dass Du nicht trauerst.

        Alles Liebe und eine #kerze für deinen Vater
        lisboeta

        • Danke dir.

          • Hallo,

            das sind ja alles ziemlich traurige Storys. Auch von mir eine #kerze im Gedenken. Vor einigen Wochen ist der Freund meiner Mutter bei einem Autounfall gestorben. Nun könnte man ja meinen, dass mich das Ganze nicht wirklich mitnimmt. Dachte ich erst, ... ist aber nun doch anders. Diese Trauerphase ist so mit die härteste bisher, vor allem weil die ganze Familie so involviert erscheint. Besonders belastend für uns ist auch, dass meine Mutter sich seitdem erst wahnsinnig zurückgezogen hat, wir erstmal nicht wussten wie zu helfen sei und sie bis her auch nicht wirklich angefangen hat (zumindest nicht erkennbar) zu trauern. Wir sind zwar so oft wie möglich für sie da, aber das hilft auch nur begrenzt.

            Dazu kommt, dass sie sich seit einigen Tagen sehr für Kartenlegen (am Telefon) und so interessiert. Sie hat auch schon mal da angerufen. Kennt ihr diese Seite : http://www.yourspiritualnetwork.com ? Wie bewertet ihr das?

            • Ich weiß nicht recht ..., das klingt schon nach einer merkwürdigen anwandlung. und außerdem kostet das ja auch. hat sie denn nicht das bedürfnis mit ihrer familie über die ganze situation zu reden? das würde für mich erstmal mehr sinn ergeben. weil nahestehende personen ja sehr viel mehr über sie wissen und sie mit sicherheit besser beraten können, als irgendjemand fremdes am telefon. ihr solltet das beobachten und einfach weiter für sie da sein.

      Hallo, es tut mir sehr leid für dich. ich bin auf deinen Beitrag gestoßen weil ich mich in ähnlicher Situation befinde. Mir gings vor ein paar Wochen ähnlich, man funktioniert einfach, man hat auch vielleicht einfach keine Zeit für sich und für die Trauer. Setz dich nicht unter Druck, und ich glaub niemand unterstellt einem Gefühllosigkeit , wenn man erst einmal eine Weile braucht um weinen zu können. Es sind teilweise Freunde von mir in Tränen ausgebrochen wenn ich von allem erzählt habe was war und wie es ist aber ich selber kam mir genauso komisch vor, weil ich es einfach so emotionslos erzählen konnte. Mittlerweile hat sich bei mir das Blatt gewendet, mir fällt es schwer irgendwas anzusprechen und ich weine viel, nachts oder wenn das Baby Mittagsschlaf hält. Ich denke es braucht die Zeit bis man wirklich realisiert hat was passiert ist, so tief drinnen und dann kann man irgendwann weinen.
      Liebe Grüße

      Hallo......weißt Du, jeder trauert anders und die Zeit ändert auch die Trauer und ich verstehe es auch nicht - aber so ist es halt....
      ich musste Fremden erzählen, vom Tod meiner Mutter aber keinen Freunden.Freunde.....eigentlich habe ich viele - nö, denen wollte ich gar nichts erzählen aber Fremden, das ging. Ich weine auch oft wenn ich einen wunderschönen Himmel sehe oder aber ein Lied höre, was mich berührt und nach Außen hin bin ich jetzt kühl und cool. Ich denke einfach, es geht EUCH gar nichts an und ich denke, jeder trauert anders. Seit dem Tod meiner Mama habe ich einen anderen Blick auf mich erhalten. Am Anfang war ich richtig zornig und böse, wenn nicht so reagiert wurde wie ich es mir vorstelle. Mittlerweile ist eine Gutmütigkeit in mir eingezogen die ich nicht kannte und ich habe mich distanziert von Freunden, die es immer so gut meinen. Keine Trauer ist falsch und ich habe das akzeptiert. Ich glaube das kann man aus der Trauer lernen

      Fühl Dich verstanden auch wenn wir verschieden sind....

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