Papa liegt im sterben ????

    • (1) 12.12.16 - 19:18

      Guten Abend...

      Ich schreibe hier,weil ich mich soooo Hilflos fühle.
      Mein Vater hat sich gestern vor zwei Woche an einen Brötchen verschluckt?Also er wäre/ist daran erstickt.Man hat ihn mit Herzstillstand im Bett im KH gefunden.Er wurde 8 Minuten reanimiert,bis sie ihn wieder hatten.Im KH lag er wegen eine Lungenentzündung.Nach MRT aufnahmen und EEG Messung,die keine Hirnaktivitäten außer das Atemzentrum mehr aufweisen,haben sie am Freitag nachdem sie eine weitere Lungenentzündung diagnostiziert haben,alle Behandlungsmaßnahmen abgebrochen....Sein Magen-Darmtrakt funktioniert seit Freitag wohl auch nicht mehr,so das er keine Nahrung mehr bekommt.
      Nun sitzen wir Stunde um Stunde da und können nichts tun????????????.Das tut sooo weh.Ich habe echt Glück,dass ich ein super Mann habe,der sich rührend um die Kinder und alles zuhause kümmert,obwohl er auch noch arbeiten muss...
      Heute wurde mein Vater dann auch noch von der Intensivstation auf Normalstation in ein Einzelzimmer verlegt.Ich weiß doch,dass die das Zimmer für Notfälle brauchen und das mein Vater austherapiert wurde,aber es tut so weh.Es fühlt sich an,als würden sie ihn zum Sterben aufs Abstellgleis fahren????.Auch hat er nun keine Überwachung mehr und die Angst ist da,dass er einfach so verstirbt...Das die Schwestern auf der Normalstation das nicht mitbekommen.Das bricht mir das Herz.
      Es ist so grausam ihn so zu sehen.Selbst die Ärzte hatten gedacht er verstirbt in der Nacht zu Samstag.Ich finde es unerträglich ihm einfach beim Sterben zuzusehen und nichts machen zu können....

      Ich musste mir eben meinen Kummer von der Seele schreiben..????

      • Guten Morgen!

        Ja, das ist eine ziemlich schlimme Situation, die schwer auszuhalten ist. Man wartet auf etwas, von dem man sich wünscht, dass es vorbei sein möge und irgendwie auch nicht.

        Ich möchte allerdings versuchen, deine Sichtweise ein wenig zu verändern:

        "Heute wurde mein Vater dann auch noch von der Intensivstation auf Normalstation in ein Einzelzimmer verlegt.Ich weiß doch,dass die das Zimmer für Notfälle brauchen und das mein Vater austherapiert wurde,aber es tut so weh.Es fühlt sich an,als würden sie ihn zum Sterben aufs Abstellgleis fahren????"

        Eine Intensivstation bedeutet Stress für alle Beteiligten. Patienten wie Personal stehen ständig unter Anspannung, weil es permanent um Leben und Tod geht. Das ist sinnvoll und nötig, wenn man weiß, dass 1. eine echte Chance auf Leben besteht und 2. man sicher ist, dass dieser Stress langfristig für den Patienten Sinn macht. Im Grunde ist es nämlich eine Quälerei. Wenn man weiß, dass dein Vater sterben wird, ist er dort am falschen Ort. Ja, zum einen kann man das Bett dort sinnvoller belegen, aber auch für deinen Vater ist ein Einzelzimmer auf der Normalstation ruhiger und friedvoller als die hektische Intensivstation. Für euch als Angehörige übrigens auch. Das hat nichts mit Abschieben zu tun, sondern damit, dass man eine möglichst ruhige und entspannte Atmosphäre schaffen will.

        "Auch hat er nun keine Überwachung mehr und die Angst ist da,dass er einfach so verstirbt...Das die Schwestern auf der Normalstation das nicht mitbekommen.Das bricht mir das Herz."

        Er benötigt keine Überwachung mehr, weil jeder weitere Befund keine Konsequenz haben wird. Keiner von uns läuft mit ständiger Überwachung durchs Leben. Auch die macht nur für für kurze Zeit einen Sinn, s.o. Ansonsten macht sie Stress.

        Die Schwestern auf der Station werden sicher häufig nach ihm sehen, die Zeit sich einfach mal eine Weile daneben zu setzen, haben sie nicht. Wenn ihr euch also ausschließlich auf die Begleitung durch das Pflegepersonal verlasst, ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass er allein versterben wird. Ich meine es nicht so böse, wie das jetzt bei dir ankommen wird, aber ihr als Familie seid die, die einfach bei ihm sitzen und das mit ihm aushalten sollten. Sicher ist das schwer, aber dein Vater hat keine Wahl, ob er das aushalten oder lieber weglaufen soll. Du hast gerade das Gefühl, nichts machen zu können, kannst du aber doch. So oft du kannst, setz dich einfach daneben und versuche, ruhig zu bleiben. Weinen darfst du, so viel zu willst, blinder Aktionismus macht es nur unruhig.

        Auch bei uns im Hospiz sterben viele einfach so, wenn niemand im Zimmer ist. Wir sind im Gegensatz zum Krankenhaus gut mit Personal besetzt und ganz oft in den Zimmern. Wenn wir Zeit haben, sitzen wir auch einfach nur daneben und warten ab. Manchmal sind ganz viele involviert. Dann gibt es viele, viele Angehörige, die sich abwechseln, und uns. Trotzdem versterben die Leute allein. So ist das einfach und manche wollen dabei allein sein.

        Dein Vater stirbt bald. Niemand hat ihn abgeschoben. Wenn du es schaffst, dort oft anwesend zu sein und keine Vorwurfshaltung an den Tag zu legen, wird man auch dich begleiten und dir zuhören und dich trösten. Man wird trotz des Stresses im normalen Stationsablauf viel Verständnis für dich haben. Ich persönlich finde es immer schwierig und auch eine sinnlose Zeitverschwendung, wenn Angehörige mit Schuldzuweisungen oder unterschwelligen Vorwürfen vor mir stehen. Das hilft keinem und ich merke, dass ich dann wohl freundlich bleiben kann, aber sehr distanziert bleibe. Wenn Angehörige einfach da sind, weinen, zweifeln, Angst haben und das zugeben, dann kann ich ganz da sein und ganz viel unterstützen. Dann ist es mir ein echtes Bedürfnis, alle zu bestmöglich zu begleiten.

        Ich wünsche euch wirklich alles Gute für die kommende Zeit!

        golm 1512 hat Dir schon eine wunderbare und sehr einfühlsame Antwort gegegen, dieser kann ich mich nur anschließen.
        Es tut weh, sehr weh, einem geliebten Menschen beim Sterben "zuzusehen", ich habe das vor knapp zwei Jahren bei meinem Mann leider auch erleben müssen. Man sitzt hilflos da und möchte doch schreien, weil man nicht helfen kann.
        Halte seine Hand, streichel ihn, rede mit ihm. Kein Mensch weiß, was sterbende Menschen nicht doch noch mitbekommen. Ganz sicher aber bekommt er mit, dass er nicht alleine ist, auch wenn es nicht ununterbrochen so ist.
        Mein Mann entschied sich übrigens auch zum Sterben in dem Moment, als ich aus dem Zimmer ging. Bis ich vom Schlafzimmer vorne war in der Küche, hörte man schon im Babyphon......nichts mehr.......
        Da wurde mir später sehr oft gesagt, dass das so ist.
        Ich wünsche Dir viel Kraft.
        Liebe Grüße von Moni

        Hallo,

        Dass ist furchtbar was du/ ihr grad alle durchmacht! Ja er liegt zum Sterben in dem Zimmer, die Schwestern tun nichts mehr selbst wenn sie es mitbekommen würden! Verabschiedet euch in aller Ruhe! Ich selbst hab es so ähnlich durch mein Bruder verstarb mit 41 Jahren am 08.07.16 an Krebs dass ging so schnell innerhalb eines Jahres! Er hinterlässt zwei Kinder und seine Frau! Als es hieß er liegt im Sterben hat er sich noch weitere 5 Tage durchgekämpft in denen er noch 3 davon ansprechbar war, es war so grausam und man ist hilflos denn außer Morphium dass er bekommen hat konnte man nichts mehr tun! Ich war dabei als er für immer von uns ging! Dass ist dass einzigste was man tun kann, dabei bleiben und ihm dass letzte Geleit geben! Ich wünsche dir und deiner Familie ganz viel Kraft! Ist immer wieder schrecklich sowas zu hören!

        Lg, Marie

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