Wie mit jungem Witwer umgehen

    • (1) 26.01.17 - 15:48

      Hallo Zusammen,
      ich habe mich hier angemeldet, weil ich über früheres googeln immer wieder auf dieses Forum gestoßen bin, und ich den Beiträgen damals schon gute Informationen entnehmen konnte.

      Ich habe vor ein paar Monaten jmd kennen gelernt, der seine Freundin durch einen Suizid verloren hat. (Ca. 10 Jahre Beziehung, Jugendbeziehung, keine Kinder etc.) Das Ganze ist kein Jahr her. Viel der anfänglichen Initiative und „Schritte“ gingen von ihm aus, er hat mich auch rechtzeitig über seine spezielle Situation informiert und mich indirekt auch gebeten alles langsam angehen zu lassen. Damit war ich einverstanden, wir haben länger darüber geredet und ich habe in den Folgewochen keinen Druck aufgebaut, wenn es Richtung Definition ging. Allerdings fielen von ihm regelmäßig Aussagen, die auf eine „Festigung“ unserer Beziehung schlossen. Er hat mir zB auch ein Weihnachtsgeschenk gekauft.

      Er war bei den Treffen immer sehr lieb (manchmal evtl etwas reserviert, wobei ich nicht sagen kann ob es wg seiner Vergangenheit ist oder Teil seines Charakters), er hat weitere Treffen angesprochen (aber nie konkretisiert) und eben viele nette Sachen gesagt. Per Nachricht am Handy war er jedoch immer zurückhaltender, da sollte ich mir aber keine Sorgen machen, es sei wegen der Arbeit. Ein nächstes Treffen habe ich immer sehr schnell (max 2 Tage später) festmachen wollen.

      Irgendwann war er sehr zurückhalten per Nachricht und neben den Gedanken, dass es wg seiner Vergangenheit ist, kam natürlich auch der allgemeine Gedanke ob er mich mag usw. Ich hatte ein komisches Gefühl und wollte es ansprechen, meiner Meinung nach okay nachdem man sich regelmäßig seit 2 Monaten sieht.

      Daraufhin kam (alles per Mail) dass es doch nicht so einfach ist für ihn wie gedacht, er müsse mir das mal in Ruhe erzählen. Ich habe Verständnis gezeigt und ihm gesagt er soll mir – sobald er mag - einen Termin vorschlagen…daraufhin kam jedoch wieder nur „normaler SmallTalk“, was ich nett abgeblockt habe, da ich gerne erstmal Bescheid wissen wollte woran ich bin. Habe aber völliges Verständnis für seine Tiefs gezeigt und gesagt er soll mir Bescheid geben, damit ich lernen kann, damit umzugehen. Als Antwort kam uA dass „mehr als Freundschaft wahrscheinlich gerade schwer ist“ – den Teil habe ich sehr negative aufgefasst und einige Tage gebraucht um zu Antworten. Auch hier habe ich gesagt, dass ich auch nicht mit einer baldigen Definition über Freundschaft hinaus gerechnet habe und es bei ihm liegt, ob wir uns nochmal sehen oder nicht. „Ja klar auf jeden Fall“ war Teil seiner Antwort, die weitere Konversation war aber sehr kühl (nach meinem Empfinden) – da er noch Sachen bei mir hatte, hatten wir noch kurz Kontakt wann er diese abholt. Für mich kam es so rüber, als ob er die Sachen nur abholen mag ohne groß zu reden. Als er dann da war, war er dann doch kommunikativ, ich habe ihm gesagt, dass sein Verhalten zuletzt mehr als gemein war und er meinte dass er bei allem was wir gemacht haben ein schlechtes Gewissen hatte. Hat danach noch ein normales Gespräch angefangen und wollte zu einer Neuerung in meiner kommenden Woche Infos haben. Die habe ich ihm geschrieben, haben uns nett unterhalten und das wars.

      Das ist etwa 2 Wochen her und seitdem ist Funkstille. (Vor dem ganzen Vorfall hatten wir quasi täglich Kontakt) Hätte er die Vergangenheit nicht, würde ich sagen der Mann hat kein Interesse, sonst würde er sich melden. Ganz einfach. So weiß ich nicht wie ich mich verhalten soll, weil ich nicht weiß wie er evtl tickt und daher schreibe ich euch. Es kann keiner aus meinem Bekanntenkreis aus Erfahrung sprechen bzw die Ratschläge beziehen sich immer eher ohne Rücksicht auf seine Vergangenheit.

      An sich denke ich auch, dass er wohl kein Interesse an mir hat, ich nicht toll genug bin, da er doch sonst Kontakt aufrecht halten würde. Allerdings ist da eben dieser große Unbekannte Faktor und die Tatsache, dass in den zwei Monaten es echt schön war und es dann von heute auf morgen gekippt ist.

      Wäre sehr über eure Meinungen, wie ich mich verhalten soll dankbar! Auch wenn ihr schreibt, dass ich da keine Mühe mehr investieren sollte ;)

      • Hallo,

        Du drängst ihn indirekt bzw. hast ihm wirklich ein schlechtes Gewissen gemacht.

        Er hat seine Freundin geliebt, vergiss das nicht. Wäre nichts dazwischen gekommen, hätte er evtl. gar kein Interesse an Dir. Das vergisst man nicht einfach mal so, selbst wenn das NON PLUS ULTRA vor einem steht. Da hängt das Herz dran, Gemeinsamkeiten.

        Jeder Mensch geht mit Trauer anders um. Würde mir das passieren, ich glaube ich würde auch blocken. Ich wäre nach einem Jahr noch nicht fähig, alles über Bord zu werfen und liebestechnisch komplett neu anzufangen. Freundschaft ja, sowie ich merken würde, das geht weiter - blockiere ich.

        Wie gesagt, er hat sich nicht "nur" von seiner Beziehung getrennt. Sie hat sich umgebracht, sie kommt nie mehr wieder, ausgelöscht. Vielleicht versteht er bis heute nicht, warum. Macht sich Vorwürfe, dass er Schuld hat. Durchaus möglich, dass er deswegen kühl und zurückhaltend wirkt, weil er dachte, sein Verhalten war damals schuld - was natürlich vollkommener Quatsch ist. Und das möchte er unter keinen Umständen wiederholen.

        Mein Tipp:

        Lass ihn in Ruhe. Versuche nicht Verständnis aufzubringen bzw. ihm das einzureden, dass Du das alles verstehen kannst - das kannst Du nicht, weil Du es nicht erlebst und ich glaube Du willst es auch gar nicht (Du findest ihn gut - hast aber wahrscheinlich kein Interesse daran, mit seiner Ex verglichen zu werden bzw. alles über sie zu erfahren).

        Gewisse Dinge musst Du nicht verstehen und kannst Du auch nicht ändern. Entweder er meldet sich zur richtigen Zeit oder er lässt es bleiben. Das hat sonst nur wenig Sinn. Er muss den Schritt machen, wenn er es für Richtig hält, den Kopf frei für Dich hat. Das kann durchaus dauern.

        LG
        Caro

        • Hallo Caro, lieben Dank für deine Antwort.

          Wie genau meinst du, habe ich ihn unter Druck gesetzt? (Habe daran auch schon gedacht...)

          Ansonsten war meine Wortwahl "Verständnis" wohl nicht ganz richtig. Ich maße mir nicht an, sein Verhalten zu verstehen. Genau hier liegt ja mein Problem, ich kann mich sonst sehr gut in anderen Personen versetzten, hier geht das leider nicht und ich weiß daher nicht wie ich "richtig" handeln kann.
          Er kam mir so vor, als ob er traurige Tage etc vor mir verheimlichen möchte, in seinen Nachrichten hat er sich dafür entschuldigt, dass er anders ist. Mit Verständnis meinte ich, dass das ja völlig okay ist und er mir das sagen kann. (Dann weiter, dass ich noch lernen muss damit umzugehen etc...aber wenn ich davon keine Kenntnis habe er mich verunsichert und traurig macht (hier wahrscheinlich auch wieder Druck aufgebaut...))

          Deren Beziehung lief wohl nicht mehr gut, über kurz oder lang wäre die Trennung gekommen. Vielleicht war ihre Depression aber ein Grund weswegen er da geblieben ist und (auch wenn er sagt, er weiß er ist nicht Schuld) sich Vorwürfe macht, das nicht verhindert zu haben.

          Ich finde es auch okay, etwas von ihr zu erfahren. Das Verhältnis macht es, aber ob sie nun der Tod oder ein normales Beziehungsende getrennt hat, ist für mich der Expartner einfach ein Wegbegleiter der Person die mich mag und eben Teil vieler Geschichten der Vergangenheit, daher für mich kein Problem wenn derjenige erwähnt wird.

      Hallo,

      ich habe zwar nicht ganz die selbe Situation aber vielleicht hilft es dir dennoch wenn ich etwas dazu schreibe...
      Mein Partner hat vor 5 Jahren seinen Bruder durch Suizid verloren. und ich kann dir sagen die partnerschaft ist nicht immer einfach...er hat seinen bruder über alles geliebt und ihm jahre lang versucht zu helfe...es gab vorher sogar schon 2 versuche und eine betreuung in einer geschlossenen einrichtung...er rappelte sich etwas und mein freund dachte hey es läuft..kurz darauf war er tod...bis heute gibt sich mein freund in schlechten zeiten mit die schuld an dem tod von seinem bruder..hätte er vielleicht mehr tun können...dazu kommt die wut...warum hat er mich allein gelassen wieso hat er das getan usw...er hat dadurch einige merkwürdige einstellungen entwickelt mit denen man umgehen muss..zb gibt es für ihn das wort liebe nicht mehr denn wenn sein bruder ihn im stich lassen konnte könnte das auch jeder andere. deswegen würde er niemals sagen ich liebe dich und will das auch unter keinen umständen von mir hören...er wird auch nicht sagen für immer denn alles kann morgen vorbei sein und das leben geht trotzdem weiter...auch so dinge wie angst dass den nahe stehenden menschen etwas passiert...das sieht er ganz anders...er sagt ganz klar und wenn du morgen stirbst dann muss ich trotzdem weiter leben und werde dies auch...
      weihnachten und ähnliches ist extrem hart denn sein bruder (für ihn seine zweite hälfte) ist nicht da...
      viel rat kann ich dir nicht geben..außer nachsicht nachsicht nachsicht selber zurückstecken nix fordern wie sich was entwickeln könnte dass er dir sagt er hat interesse oder ähnliches du wirst lernen müssen sein handeln positiv zu werten und nix explizites von ihm zu erwarten...
      mein partner und ich wohnen inzwischen mit meinen kids zusammen aaaber nicht weil er sagte hey ich will mit dir zusammen bleiben oder so...sondern weil er sagte naja er muss eh aus der wohnung da kann er auch zu mir ziehen weil er viel hier ist und zahlt eben mir die miete...also alles sehr pragmatisch aber er zeigt dafür mit anderen dingen ganz klar dass ich zu ihm gehöre und ihm wichtig bin.

      beste grüße

      • Was dein Partner betreibt, ist selbstzerstörerisch. Mit seinem Verhalten kann es ihm passieren, dass er nie jemanden "für immer" findet. Thema selbsterfüllende Prophezeihung.
        Hat er schon versucht, seinen Verlust in einer Therapie aufzuarbeiten?
        Ich meine, man kann es sich in so einer "Leidenssituation" auch bequem einrichten: "außer nachsicht nachsicht nachsicht selber zurückstecken nix fordern"

        • Guten Morgen,
          es ist vielleicht etwas falsch rüber gekommen. Er hat es inzwischen immer besser aufgearbeitet und die Tief Phasen sind selten geworden. Mit nichts fordern meine ich dass man halt gerade am Anfang nicht sagt ich will von dir hören dass es für immer ist oder sonst etwas...klar fordere ich auch dinge wie zuverlässigkeit treue wertschätzung etc...aber ich stell mich zum beispiel nicht hin und sage "liebst du mich?" denn ich weiß wie er dazu steht und ganz ehrlich ich brauche diese worte nicht wenn er sagt ich hab dich lieb du bist mir wichtig du bist eine tolle frau etc und mir und allen anderen zeigt dass ich die einzige für ihn bin...
          und das mit dem nix ist für immer und wenn es endet dann geht das leben weiter und der oder die nächste kommt. das mag sich hart anhören aber im endeffekt ist es die realität..und wenn jemand diese harte realtität kennen gelernt hat dann ist es einem halt umso bewusster...
          und mit selber zurück stecken meine ich zum beispiel sich von bestimmten traumvorstellungen zu lösen wie zum bsp. dass es für immer ist (es gibt genug menschen die für immer sagen und sich nicht dran halten)...und nachsicht ist denke ich sehr wichtig wenn halt doch mal wieder ein tief kommt dass man denjenigen dann nicht rund macht für verhalten sondern weiß hey das ist nicht auf mich bezogen sondern er hat einfach gerade ein tief

          beste grüße

          • Winni, ich glaube ich weiß was du mir sagen möchtest. Leute die sowas erlebt haben, "ticken" einfach anders. Man muss erstmal lernen deren individuelles Verhalten zu deuten und richtig einzuordnen.

            Bei dir ist ja sehr schön, dass dein Freund dir seine Verhaltensweisen erklärt, damit du es nachvollziehen kannst. Das war leider das einzige, was ich von meinem Typen "verlangt" habe, Bescheid zu wissen, wann es ihm schlecht geht bzw dass er einfach offen redet und zB sagt, dass er gerade für ein paar Tage seine Ruhe braucht usw.

        Meinst Du wirklich, dass man schon eine Therapie braucht, wenn man sich nicht nach einem Jahr auf die nächste Beziehung einlassen kann?? Andererseits habe ich schon viele Leute erlebt, die in einem solchen Fall sagen "der hat sich aber schnell getröstet". Wie macht man es denn nun recht?
        Jeder muss ganz für sich allein entscheiden, wann er nach dem Tod des Partners (ist ein ganz anderer Fall als eine Scheidung) wieder bereit ist, Nähe zuzulassen und sich auf einen Menschen wieder voll einzulassen. Das hat doch auch absolut nichts mit Selbstzerstörung zu tun. Sorry, aber das ist wirklich falsch. LG Moni

        Hallo!

        Ich habe auch schon erlebt dass Leute sagen mein Gott die Frau ist kaum beerdigt hat er schon eine Neue. Das geht keinen was an. Ich kenne Männer die haben sich relativ schnell wieder nach dem Verlust der Ehefrau verliebt. Kenne aber auch das Gegenteil. Sie sind schon jahrelang alleine. Andere reden sowieso immer. Egal wie man es macht. Aber ich denke eine gewisse Trauer ist normal aber wenn es dann zu Selbstmitleid wird ist es krankhaft.

        LG GAbi

        • Da hast Du recht - ich bin sicher, die Grenze von Trauer zu Selbstmitleid ist fließend, das merkt man selber vielleicht nicht mal gleich. Da muss man sich schon sehr gut beobachten können.
          Aber das gibt es nicht nur bei Trauer, auch bei Krankheiten oder schon, wenn die Kinder mal erwachsen sind und das Haus verlassen (schmunzel). Eigentlich oft im Leben.
          Mir fehlt mein Mann wirklich sehr und ich bin auch manchmal sehr traurig, dass wir keine gemeinsame "Rentnerzeit" mehr verbringen konnten. Aber es überwiegen doch die positiven Aspekte, dass ihm wenigstens ein langes und schmerzhaftes Leiden erspart geblieben ist.
          LG Moni

          • Hallo!

            Wir haben auch unsere erste Tochter verloren. Es war sehr schlimm. Wir hatten viele Höhen und Tiefen. Und zum Glück dreht sich die Erde weiter. Heute ist die Trauer nicht mehr so oft da, wir haben wunderschöne Erinnerungen an unsere Kleine. An Weihnachten ist es immer noch sehr traurig oder an ihrem Geburtstag. Wünsche dir auch alles Gute und finde es schön wie du mit dem Verlust umgehst.

            LG Gabi

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