Kind verstorben - Erfahrene hier???

    • (1) 10.02.17 - 08:52

      Hallo ihr Lieben #herzlich

      Vor fast einem Jahr hat sich der älteste Sohn meiner Schwester (mit 21) das Leben genommen.
      Bald nähert sich der erste Todestag und wir haben das Gefühl, die Trauer meiner Schwester läuft nun nochmal zu Hochtouren an!?!

      Sie hat vor ca 2 Wochen vor lauter Verzweiflung die halbe Nacht auf dem Friedhof an seinem Grab verbracht und ist dort bei ziemlicher Kälte m. E. n. in Gefahr geraten zu erfrieren...
      Sie kam völlig durchgefroren und am Boden zerstört in der Nacht zu Fuß bei meiner Mutter an.
      Es ist zeitweise sehr schwer zu ertragen wie sehr sie leidet, man kann irgendwie nicht wirklich etwas tun. "Für sie da sein" wirkt auf mich so lapidar und bedeutungslos.

      Zum Todestag hat sie alle aus der Familie und enge Freunde zu sich eingeladen, so hat sie es ebenfalls an seinem Geburtstag getan.
      Zu seinem Geburtstag haben meine andere Schwester und ich ihm riesige Gasluftballons an sein Grab gebracht und am Ende des Tages war alles voll mit Geschenken, Blumen etc.. Darüber hat sich meine Schwester sehr gefreut!
      Offenbar ist für sie der Schmerz ein klitzekleines bisschen besser zu ertragen, wenn liebe Menschen bei ihr sind und man sich gemeinsam an den schönen Erinnerungen erfreut... Über ihn spricht... Ich glaube sie hat u. a. Angst, dass er einfach in Vergessenheit gerät??!

      Jedenfalls machen wir uns hin und wieder große Sorgen und mich würde einfach interessieren, wie es anderen Müttern geht/ging...

      Natürlich trauern wir auch alle auf unsere Art, aber das ist wohl in keiner Weise vergleichbar mit dem Schmerz den sie als Mama haben muss.

      Danke schon mal fürs Lesen und vielleicht Antworten #danke

      • Mein Beileid zu euerem großen Verlust! Ich habe zum Glück keine direkten Erfahrungen damit. Was ich mich nur bei dem Text gefragt habe,hat sie professionelle Hilfe bei der Trauerbewältigung? Ich denke ihr macht euch zurecht Sorgen. Ein Kind zu verlieren ist das schlimmste überhaupt für Eltern. Aber wenn es sich dann noch selbst umbringt, das macht es um einiges unvorstellbarer, sie wird sich jeden Tag fragen warum. Ich hoffe sie schlittert nicht in eine Depression. Nur so viel, ich habe meine Tante nie wirklich kennengelernt,nach dem Tod ihres Kindes, hatte sie sich bald darauf auch umgebracht. Unterschätzt diese tiefe Trauer nicht. Alles Gute

        Mein Papa ist vor 2,5 Jahren verstorben - er war Mamas erste und einzige Beziehung, die letzten Jahre kam ihre Beziehung viel zu kurz weil man sich in der Pflege der Eltern aufgeopfert hat und dann ist mein Papa unerwartet und zu früh gestorben. Da war so viel Trauer und so viele Schuldgefühle... es ist letztlich wohl nicht vergleichbar mit dem Verust eines Kindes, aber meine Mama hat ähnlich getrauert, wie du es beschreibst. Ich habe sie dabei mal unterstützt und mal auch mit aller Liebe getreten, in ganz dunklen Stunden bin ich auch vor emotionaler Erpressung (Du hast noch deine Töchter und Deine Mutter, sollen wir noch unglücklicher werden?) nicht zurück geschreckt. Meine kleine Schwester hat auch in den irrationalsten Gefühlsausbrüchen noch Händchen gehalten, ich war dann eher diejenige, die auch mal deutliche Worte gefunden hat. Aber grade um die Todestage war sie gar nicht zugänglich, steckte jedes Mal in einer Schleife des Wiedererlebens fest und das anfangs wirklich jeden verdammten Monat. Da konnte auch ich nur Händchen halten und eben aufpassen, dass sie keine Dummheiten macht. Nach 1,5 Jahren wurde es langsam besser, sie war da dann endlich bereit für Psychater und Psychotherapie - parallel dazu konnte ich ihr einen Hund aufs Auge drücken, ein ängstlicher welcher, der ihrer ganzer Fürsorge bedurfte. Rund um den zweiten Todestag war es dann auch nochmal richtig schlimm... aber insgesamt ist sie auf einem richtig guten Weg...
        Mein Tipp an Dich: vernachlässige nicht deine eigene Trauer, bildet ein Netzwerk in dem ihr auch gegenseitig auf Hilfe zurück greifen könnt- ich bin zum Beispiel aus Prinzip nicht mit in die Kirche, das hat die Schwägerin gemacht - nehmt Hilfe von außen in Anspruch und nach so einer nächtlichen Aktion kann man nachdem die emotionale Krise wenigstens ein wenig überwunden ist, auch mal schimpfen. Meistens darf nicht jeder schimpfen, aber einer muss den "bad cop" eben geben - meine Mama hat das rückblickend immer als hilfreich empfunden, wenn auch selten in der Situation ;)

        hallo
        wichtig ist, dass vorallem ein suizid nicht mit einem "normalen" todesfall zu vergleichen ist.

        es gibt eine selbsthilfeorganistation nennt sich agus ev. auf deren seite findest du auch einiges an informationen kannst denen auch ne email schreiben und bekommst nette antworten.
        mehr tipps habe ich leider nicht.
        beste grüße

      • Danke für Eure Antworten...

        Ja, meine Schwester geht eigentlich zu einer Trauerbegleitung, pausiert allerdings gerade, weil sie sich in eine 2 monatige Umschulung gestürzt hat (viel zu früh das Ganze glaube ich).
        Ich hoffe sie nimmt den Gang zur Traurbegleitung bald wieder auf. Sie hat auch noch 4 andere Kinder. 2 Erwachsene, 1 Teenie und ein 4 jähriges Nesthäkchen, außerdem hat sie (schon immer) viele Tiere und ist im Tierschutz engagiert...

        All dieses ganze Drumherum hilft ihr beizeiten irgendwie auch nicht aus der Krise, aber wenn ich das richtig deute, kann man als Außenstehender auch nicht viel tun. Wir sind ohnehin alle für sie da, behalten sie aktuell aber auch n bisschen mehr im Auge, weil wir uns natürlich Sorgen machen.

        • Hallo,

          Ich selbst habe auch ein verstorbenen Kind. Allerdings nicht ein erwachsenes, welches Suizid begangen hat.

          Als sehr positiv schätze ich die Suche nach Nähe deiner Schwester ein. Sie igelt sich also nicht ein. Auch, dass sie eine Umschulung macht, und in anderen Bereichen aktiv teil nimmt ist sehr positiv.

          Zeiten wie Feiertage, Geburtstage etc sind unglaublich schwer. Ich finde, von außen betrachtet, geht sie sehr gut damit um.

          Trauerbegleitung etc. ist definitiv nicht für jeden das Richtige. Und diesen Spruch: dass kann man nicht alleine schaffen, du musst dir Hilfe holen, bringt mich regelmäßig auf die Palme #sorry. Denn es weiß nunmal KEINER. Und wenn wenn es für Frau A unabdingbar war, ist es für Frau B vielleicht nur eine zusätzliche Belastung.

          Ich denke ihr macht das richtige. Lasst ihren Sohn nicht nicht in Vergessenheit geraten, nennt seinen Namen, erzählt auch ohne Aufforderung von ihm (Erinnerungen, lustige Momente etc). Ich glaube da spreche ich für alle verwaiste Eltern: ihr Sohn ist trotzdem "wahr" und genauso präsent wie die lebenden Kinder.

          Erschreckt euch nicht wenn die Trauer mal wieder voll da ist, nehmt es einfach an. Deine Schwester wirft jeder "schlechte Tag" aus der Bahn, diese kommen unerwartet, von jetzt auf gleich.

          An den "guten" fühlt sie sich ggf. für die positivenen Gefühle schlecht...

          Alles Liebe #klee

      Hallo!

      Das tut mir sehr leid für deine Schwester. Wir haben leider unsere erste Tochter auch verloren. Es ist das Schlimmste was Eltern passieren kann. Wir waren so was von fertig mit dieser Welt. Grausam. Hat deine Schwester einen Partner? Ich glaube ohne meinen Mann wäre ich in der Klapse gelandet. Ehrlich. Wir hatten jetzt beide nicht das Bedürfnis so oft ans Grab zu gehen. Für mich war und ist sie nie dort. Für mich lebt sie in meinem Herzen weiter. Es gibt immer Auf und Ab´s. Aber sie muss sehr verzweifelt sein, wenn sie dort die halbe Nacht verbringt. Kann sie über den Verlust reden? Es ist wichtig dass sie wenigstens einen lieben Menschen hat der sie versteht und es muss nicht immer reden sein aber der sie auch in Arm nimmt und ihr einfach sagt ich verstehe dich.

      Wir selber haben soviel doofe Sprüche ertragen müssen. Manche Leute können mit dem Thema Tod nicht umgehen. Anstatt sie leise sind drücken sie noch einen Spruch nach dem anderen.

      Vielleicht wäre eine Trauergruppe etwas für deine Schwester. Damit sie auch sieht es gibt leider auch sehr viele andere Personen denen ähnliches passiert ist.

      Sei für sie da. Es ist wirklich schwer und Trauer ist so verschieden. Mir und meinem Mann geht es an ihrem Geburtstag und Weihnachten auch nicht gut. Sie fehlt.

      Alles Liebe für euch alle!
      Babi

      Mein Sohn ist vor Fast 3 Jahren gestorben.

      Es ist wichtig zu merken, dass an Todestag, Geburtstag und anderen wichtigen Tagen, die Freunde und Verwandschaft den Verstorbenen nicht vergessen haben. Das 2. Jahr ist für manche noch schlimmer als das 1. weil man es bewusster erlebt. Das erste ist oft wie im Nebel.

      Ich beantworte noch gerne Fragen wenn du welche hast.
      #winke

      Hallo,

      das der schmerz kurz vor dem ersten todestag nochmal gross wird ist ganz normal, auch wie sie mit "ihrer" trauer umgeht, jeder trauert anders.
      Nachdem ersten todestag fühlt es sich an als würde eine riesen Last von ihr fallen.
      Es sind immer wiederkehrende verschiedene Momente die aussenstehende kaum nachvollziehen können.
      Sei einfach für sie da so gut du kannst, aber du solltest es auch respektieren wenn sie alleine sein möchte.

      Alles Gute noch für euch!

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