Ich kann bzw will es einfach nicht wahr haben:'(

    • (1) 18.05.17 - 19:50

      Hallo ihr Lieben,

      ich weis garnicht wie ich richtig anfangen soll, deshalb erzähle ich euch einfach die ganze Geschichte. Ich hoffe das mir vllt der ein oder andere hier seine Erfahrungen sagen kann oder wie er den Tod eines geliebten Menschen verarbeiten und realiesieren konnte. Ich sage schon einmal vorab Vielen Dank.

      Vorab aber noch ein paar Infos damit ihr es besser verstehen könnte.

      Es geht um meine Oma
      Sie war 76 Jahre Sie hatte ab Ende Januar rapide abgebaut und ihre Demenz wurde immer schlimmer
      Wir mussten jeden Tag zu ihr und ihr die Tablette geben und ihr im Alltag helfen

      Ich hatte ein super super enges Verhältnis zu ihr. Sie war wie eine zweite Mutter eine beste Freundin für mich.....

      Alles hatte dieses Jahr Anfang März angefangen. Meine Mutter besuchte meine Oma jeden Tag. An diesem Montag war aber alles anders. Sie kam bei ihr an und alle Vorhänge waren noch zugezogen. Was sehr untypisch für Oma war, denn sie war ein Frühaufsteher.

      Meiner Mutter kam in die Wohnung und von Oma war nichts zu sehen oder zu hören. In ihrem Wohnzimmer fand sie dann einen umgekippten Tisch vor Scherben auf dem Boden und Blutflecken. Sie ging ins Schlafzimmer meiner Oma und fand sie dort total appartisch und dehydriert im Bett vor. Im ersten Moment dachte Mama sie wäre tot. Doch Oma reagierte nach einigen malen "wecken" und Mama rief sofort den Notarzt. Der erste Gedanke war Schlaganfall doch der Notarzt gab Entwarnung. Sie war komplett unterzuckert und wäre Mama nicht noch rechtzeitig gekommen wäre sie ins Koma gefallen und gestorben. Als ich das erfuhr machte ich mich sofort auf den Weg ins Krankenhaus. Dort angekommen ging es ihr schon wieder besser.

      Wir redeten mit dem Arzt und erzählten ihre Krankengeschichte. Das sie seid Januar über 10 Kilo abgenommen hatte das wir vermuten das sie Dement ist und das sie sehr sehr oft starken Durchfall hat und das Tage lang.

      Es wurden die Tage darauf viele Untersuchungen gemacht und es kam raus das sie Mittelschwere Demenz hatte und Magenkerbs.
      Wir mussten uns entscheiden ob wir eine Op machen lassen oder nicht. Doch Oma wollte kämpfen und somit haben wir uns für eine Op entschieden.

      Ihr wurde Ende März der komplette Magen entnommen und aus einer Dünndarmschlinge ein neuer Magen geformt.

      Die Op hatte sie gut verkraftet. Sie lag 4 Tage auf der Intensiv und dann wurde sie wieder auf die normale Station verlegt. Und ich weis es noch als wäre es erst gerade eben gewesen. Wir haben uns verabschiedet und sie drückte mich gab mir einen Kuss und sagte ich habe doch ganz doll lieb. Einen Tag später kam gegen Mittag der Anruf Oma muss in die Notop sie hat eine schwere Blutvergiftung die den ganzen Organismus betroffen hatte. Da sich eine Naht aufgelöst hatte und die ganze "Magenflüssigkeit" in den Bauchraum ausgetreten ist. Am nächsten Tag besuchten Mama und ich sie auf der Intensiv und sie sah wirklich nicht gut aus. Sie wurde mit 10 Litern Flüssigkeit versorgt damit sie Kreislauf stabil bleibt. Dementsprechend war sie sehr aufgequollen. Noch dazu kam das sie eine leichte Niereninsuffiziens entwickelt hatte. Es folgten noch 2 Eingriffe. Dann stabilisierte sie sich langsam wieder.

      Die Ärzte sprachen mit uns schon über die Entlassung aber das sie ein Pflegefall bleiben würde und wir uns überlegen mussten ob wir sie zuhause pflegen wollten oder ob sie in ein Pflegeheim kommen soll. Oma hatte eine Trachialkanüle da sie nicht ausreichen selber atmete und ab und an mit einer Maschiene unterstützt werden musste Stunden weise. Deshalb kam Reha nicht in Frage. Einen Tag nach dem Gespräch kam es wieder zu Komplikationen. Sie musste wieder in den NotOp da wieder Flüssigkeit in den Bauchraum ausgetreten war. Allerdings war Oma schon so schwach das die Ärzte nur einen kleinen Eingriff machten um ihr zu helfen. Der Chefarzt redete mit uns das sie nur maximal 20% Überlebenschance hat.

      Wir wussten das Oma es nicht gewollt hätte das sie nur noch an Maschienen gelebt hätte. Somit beschlossen wir das keine weiteren NotOps mehr gemacht werden sollten. Zu dem Zeitpunkt lag sie schon 3 Wochen auf der Intensiv und hatte schon viel zu viel durchgemacht. Sie reagierte garnicht mehr auf uns und war nie wirklich wach.

      Früher hatte sie uns noch wahrgenommen und uns realiesiert und auf uns reagiert wenn wir mit ihr gesprochen hatten oder ihr etwas erzählten. Uns war innerlich klar das Oma es nicht schaffen würde aber wir hofften trotzdem.

      Wir wollten das Oma selber entschied ob sie kämpft oder gehen will.

      Nach dem letzten Eingriff vergingen 10 Tage mit Antibiotika. Dann wurde und gesagt das die Naht nicht heilt aber sie eine Trenage gelegt hatte wo die austretende Flüssigkeit reinlief und sie damit leben kann ohne Probleme solange die Flüssigkeit aber auch raus läuft und nicht wieder in den Bauchraum.

      Einen Tag später wurde sie auf die Palliativ Station verlegt.

      Wir bekamen einen Anruf das es ihr sehr schlecht geht und das sie ihr sehr starke Schmerzmittel geben mussten damit sie ruhig wurde. Uns wurde gesagt sie wird bald sterben. Wir machten uns so schnell wir konnten fertig doch dann kam der Anruf sie ist gestorben (3.05.17)
      Meine Mutter war fix und fertig wir wollten dabei sein. Sie auf ihrem letzten Weg begleiten. Doch das war nicht mehr möglich.

      Wir fuhren ins Krankenhaus und verabschiedeten uns von Oma. Ich konnte nicht weinen nichts.
      Ich spielte ihr ihre Lieblingsoperette vor und wir waren noch 2 Stunden bei ihr.

      Am Samstag dem 13.05 war die Trauerfeier und Beerdigung. Ich hatte für Oma ein paar letzte Worte geschrieben die ich gesagt habe. Es war eine sehr "schöne" Trauerfeier.
      Doch auch als ich die Urne sah war es für mich unbegreiflich.

      Ich dachte das ich vllt eine Art Schock hatte und es deswegen nicht wahr haben wollte und ich es dann zur Beerdigung begreife, aber nichts.

      Ich will sie immernoch besuchen und anrufen.
      Ich kann einfach nicht trauern und los lassen.
      Mein Kopf oder mein Inneres weigert sich dagegen. Es fühlt sich falsch an. Ich will es einfach nicht begreifen wahr haben oder realisieren das Oma nicht mehr da ist. Ich bin die ganze Zeit rund um die Uhr für meine Mutter da und bin stark für sie und alle anderen.

      Es macht mich fertig aber ich realisiere es einfach nicht. Ich besuche sie auf dem Friedhof und denke nein sie ist doch garnicht hier.... ich frage mich ob etwas mit mir nicht stimmt. Ich meine jeder Mensch trauert anderes aber ich kann das einfach nicht warum denn nur?
      Es tut so unheimlich weh und ich vermisse sie aber denke ich darüber nach dann sagt mir mein Kopf sie ist doch noch da.

      Danke das ihr den Beitrag gelesen habt.

      Entschuldigt den extrem langen Text.

      • Deine Oma war schwer krank, Du hast Dich von ihr verabschieden können. Wo sie nun auch immer ist, ihr geht es besser.
        Du brauchst Zeit, viel Zeit, um das zu verarbeiten und zu trauern. Lass Dir von niemandem sagen, WIE Du das machen sollst, jeder trauert anders. Hast Du schöne Fotos von Deiner Oma? Mach Dir ein eigenes kleines Album, schreib darin auch auf, was Du mit ihr erlebt hast und was sie für Dich war. Ein kleines Erinnerungsalbum - das wird Dir helfen, auch wenn viele Tränen fließen. Du wirst noch lange immer wieder mal denken, dass sie doch gleich bei Dir sein muss - das ist normal.
        Ich habe vor 2 Jahren meinen Mann verloren und stehe immer noch "fremd" an seinem Grab. Er ist mir zuhause viel näher. Und ja, selbst heute schießt mir noch manchmal durch den Kopf "das muss ich ihm erzählen, wenn ich heimkomme" - wenn ich unterwegs irgendwas erlebt oder erfahren habe. Und im gleichen Moment weiß ich doch auch, dass ich ihm nichts mehr erzählen kann - oder nur noch seinem Bild.
        Behalte Deine Oma in Erinnerung - dann "lebt" sie immer für Dich.
        Ganz liebe Grüße von Moni

        • Hallo Monika, ,

          Es tut mir leid zu lesen, dass Dein Mann verstorben Ist!

          Ich war einige Jahre nicht hier im Forum, kann mich aber noch an Deine Beiträge Deine Enkeltochter betreffend erinnern. Eines meiner Kinder ist in einem ähnlichen Alter und Deine Beiträge haben mir immer Mut gemacht :-D

          Viele Grüße

          Tine

      Hallo,

      Das tut mir sehr leid für dich, aber Ihr habt alles mögliche getan und Euch verabschiedet. Das ist wichtig.

      Mein Mann starb innerhalb von Sekunden an einem Herzinfarkt ohne jede Vorwarnung. Mir ging und geht es wie Dir. Diese Gefühle sind normal, wenn man hier überhaupt von normal sprechen kann.

      Es wird ein langer Weg, ich wünsche dir viel Kraft. Behalte immer die schönen Momente mit Deiner Oma im Herzen.

      Alles Liebe

      Tine

      Mir fällt noch ein, dass ich wochenlang auch nicht richtig weinen oder trauern konnte, bei der Trauerfeier auch nicht, es lief alles ab wie in einem Nebeldunst.
      Ich musste sehr viel erledigen, mich um die Kinder kümmern, zur Arbeit. Erst nach über 2 Monaten brach es ganz ganz schlimm aus mir heraus. Es wird auch nicht besser. Ich merke dass alles furchtbar langsam geht und ich zu nichts wirklich Lust habe.

      • Ach jee - Du bist auch alleine? So ein plötzlicher Tod ist ja auch grausam.
        Ja es geht furchtbar langsam, sich daran zu "gewöhnen" - ich habe keine Ahnung, ob man sich überhaupt mal so ganz daran gewöhnt, alleine zu sein.
        Und solche Tage, an denen ich zu überhaupt nichts Lust habe, gibt es leider genug.
        Dann noch die netten Mitmenschen, die einen fast beneiden, weil man ja nun alles machen könne, was man möchte und unabhängig ist (ich habe meinen Mann einige Monate gepflegt - und schon ca. ein Jahr vorher wurde er immer schwächer). Dass das überhaupt kein Kriterium ist, geht in manche Dummköpfe einfach nicht rein.
        LG Moni #liebdrueck

    Liebe nessra,
    Es tut mir sehr leid, dass du deine Oma verloren hast. Du schreibst so voller Liebe und Zuneigung über sie. Und du/ihr hast/habt alles getan, um es ihr irgendwie erträglicher zu machen. Ich kenne leider viele Fälle, wo die Menschen erst starben wenn die Lieben nicht da sind. Sie können dann eher loslassen. Sie versuchen zu kämpfen. Für die Menschen die sie lieben. Ihr hättet das nicht ändern können.
    Ich kenne beide Seiten. Ich bin selbst schwer krank und mehrfach fast gestorben. Ich hätte nicht loslassen können wenn meine Familie dabei gewesen wäre. Ich glaube deshalb haben sie mich nie allein gelassen. Damit ich kämpfe.

    Ich hab aber auch schon viel verloren. Ich möchte dir die zwei einschneidensten Erlebnisse schildern.

    Am 05.10.2011 verlor ich meine beste Freundin. Sie starb an einem geplatzten Aneurisma. Die Not-Op's konnten sie auch nicht retten. Ich konnte mich nicht verabschieden. Und auch heute hab ich noch das Gefühl, dass sie mich anruft oder mich besucht. Als wär sie garnicht gestorben. Ich konnte anfangs garnicht weinen. Ich hab nichts gefühlt. Ich begann mich zu ritzen. Einfach um IRGENDWAS zu fühlen. Erst Monate später konnte ich die Trauer zulassen.
    Dann gibt es einen aktuellen Fall. Am 17.01.17 musste ich meine Tochter in der 21SSW still zur Welt bringen. Ich konnte nicht weinen. Bestimmt die ersten zwei Wochen. Dann hatte ich einen fürchterlichen Zusammenbruch. Doch auch danach kam die Trauer nicht so recht. Ich konnte und wollte es nicht wahr haben. Das ist auch heute noch so. Mittlerweile weine ich zwar viel. Aber ich hab gelernt, dass jeder Trauerfall anders ist.

    Gib dir Zeit. Du kannst dich nicht dazu zwingen zu trauern. Ich denke eh, dass du schon trauerst. Vielleicht anders als du es erwartest. Irgendwann wenn du nicht mehr für deine Mama stark sein musst wird es wahrscheinlich ausbrechen. Trauer verläuft nicht linear und nie gleich. Lass dir von niemandem sagen, wie du trauern sollst oder wie lange. Und setz dich selbst nicht unter Druck. Das hab ich getan. Ich dachte, wenn ich nicht weine, dann vermisse ich nicht. Aber so ist es nicht.

    Es ist noch so frisch bei dir.
    Ich wünsche dir und deiner Familie ganz viel Kraft.
    Alles Liebe

    Traurige Grüße

    Ela mit sechs Sternenkindern ganz fest im Herzen

    • Liebe Ela,

      vielen lieben Dank für deine netten Worte.

      Ich versuche irgendwie einen Weg zu finden um es zu verarbeiten. Aber irgendwie fühlt sich alles schlecht und falsch an. Ich habe immer noch das Gefühl sie kommt mich bald wieder besuchen. Und dieses Bedürfnis ich muss sie anrufen oder bei ihr vorbei fahren und mal nach dem echten Schauen.

      Ich weis irgendwann wird es "leichter" und ich werde es realisieren und verarbeiten können. Doch ich habe so Angst davor. Angst vor dem Schmerz der damit verbunden ist. Ich weis nicht ob es vllt egoistisch klingt aber die ganze Zeit des Krankenhausaufenthaltes die Besuche das zusehen wie sie leider aber kämpft das hat uns alle (Familie) und mich so enorm viel Kraft und Tränen gekostet und auch sehr oft tat es einfach nur weh sie da so liegen zu sehen und ihr nicht helfen zu können, das ich einfach nicht noch mehr Schmerz zulassen will.

      Ich versuche mich langsam damit zu befassen das sie einfach nicht mehr da ist. Ich rede jeden Tag mit ihrem Bild und erzähle einfach alles was mir in den Sinn kommt.

      Es fühlt sich zwar in dem Moment gut an aber später überkommt mich wieder dieses Gefühl dieser Selbstschutz.

      Seid ein paar Tagen trage ich jetzt eine Kette mit einem Herz worin etwas Asche von Oma drin ist und seid dem Moment als ich sie angelegt habe fühlt es sich so an als wäre sie wieder ganz nah bei mir.

      Irgendwie hilft mir das sehr. Ich fühle mich Oma jetzt wieder so nah und ich kann sie "berühren".

      Was dir passiert ist tut mir unfassbar leid.

      Sein eigenes Kind zu verlieren ist wohl das aller schlimmste für eine Mutter. Ich wünsche dir ebenfalls ganz ganz viel Kraft.
      Aber egal wo du bist oder wie dein Leben weiter geht deine Tochter wird immer bei dir sein und sicherlich stolz auf ihre Mami sein.

      Ganz viel Kraft und liebe Grüße Nessra

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