Tod meines Vaters, ich erkenne meine Mutter nicht mehr ! Hilfe !

    • (1) 08.10.17 - 20:01

      Hallo zusammen !
      Mein Name ist Tom ich bin 45 Jahre alt und habe vor fast 5 Monaten meinen Vater (87) aufgrund einer Leberzirrhose verloren. ( Nur so nebenbei es hat nie getrunken, Verdacht bestand zuletzt auf einer Medikamentenvergiftung über Jahre hinweg). Wir haben seit Januar 2017 wo es meinem Vater immer schlechter ging, uns in gewisser weise schon von ihm " verabschieden" können. Er ist am 3.06.2017 verstorben. Es war ein absoluter Horror diese Krankheit miterleben zu müssen.
      Ich wohne mit meiner Mutter (85) in einem Haus, und ich habe meine eigene abgetrennte Wohnung.

      Nun zu meinem eigentlichen Problem;
      Es ist klar, und ich möchte das hier betonen das sich meine Mom gerade in einer sehr sehr schweren Situation befindet. Ich weiß das und sehe es jeden Tag. Sie ist noch voll in ihrer Trauer gefangen und ich unterstütze sie wo es nur geht. Ich habe sämtliche Laufereien Behördengänge und alles erledigt weil wie man sich vorstellen kann, ist meine Mutter mit 85 nicht mehr allzu fit in solchen Dingen. Anträge ausfüllen usw.
      Die letzten Wochen und Monate war ich für sie da, habe sie unterstützt wo es nur ging.
      Allerdings hat sich meine Mutter mittlerweile in ein andere, negative Person verändert und ich habe niemals gedacht das man sich so verändern kann.
      Sie ist größtenteils böse geworden. An allem etwas auszusetzen. Das passt ihr nicht, das geht ihr nicht schnell genug. Sie wittert überall Verleumdung, Hass,Neid , ihr gegenüber und ich meine auch das sie sich auch "Geschichten" ausdenkt. Das der oder der etwas gesagt hat, obwohl es vielleicht nicht so war.
      Es kostet so endlos viel Kraft das alles irgendwie zusammen zu halten. Dafür zu sorgen das die eigene Mutter, nicht komplett abdriftet in ihre Welt die nur noch aus negativem besteht. Sie ist Beratungsresistent , und alles was ich vorschlage was ihr vielleicht helfen könnte, lehnt sie von Haus aus ab.
      Zu allem Überfluss, habe ich vor 2 Monaten noch eine Partnerin kennengelernt und sie möchte auch das ich öfters bei ihr bin. Aber das ist mittlerweile für meine Mutter nicht mehr akzeptabel. Ich kann nicht in den Urlaub fahren, darf meine Mutter nachts nicht alleine lassen weil sie Angst hat und meine Mom beschwert sich pausenlos das ich mehr zeit mit meiner Partnerin verbringe als mit ihr. Meine Mutter ist noch rüstig und ich bin doch immer für sie da. Ihr ist das aber alles zu wenig.... Und wenn es ihr zuviel wird schmeisst sie mich dann mal gerne eben aus dem Haus. Es ist alles so sehr verstörend so etwas mitmachen zu müssen. Und jeden Tag die Androhung von meiner Mutter " wenn ich nicht mehr arbeiten kann, bringe ich mich um".... :-/
      Wir haben jetzt nächsten Donnerstag einen Termin bei ihrer Hausärztin weil ich nicht mehr weiter weiß was ich tun soll. Ich hoffe das mir jemand irgendeinen Ratschlag geben kann, denn so langsam werde ich wahnsinnig hier. Danke fürs lesen und bitte schreibt mir eure Gedanken. Ich bin für jeden Tipp dankbar....

      Lg Tom

      • Hallo Tom, das klingt sehr belastend.
        Ich finde es gut, dass du sie zu ihrer Hausärztin begleitest. Nach dem was du beschreibst könnte die Wesensveränderung auch auf eine Demenzerkrankung hindeuten. Vielleicht hast du die Gelegenheit vorab mit der Ärztin zu sprechen, evtl. auch telefonisch,, damit sie diese Möglichkeit prüft.
        Alles Gute!

        • Danke Doremi. Es ist wirklich sehr belastend. Auf der einen Seite tut sie mir unendlich leid, auf der anderen Seite muss ich aufpassen das ich nicht daran kaputt gehe... Schrecklicher Zustand im Moment... Danke für deine Worte Doremi.

      Hallo,

      für mich hört sich das sehr danach an als wäre deine Mutter noch mitten in der Trauerphase (Wut, Angst, Schmerz eben totales Gefühlschaos) steckt. Sie lässt ihren Gefühlen freien Lauf. Einerseits natürlich gut, denn einen geliebten Menschen zu verlieren ist schrecklich und man wird leicht depressiv. Andererseits für dich natürlich schlimm mit anzusehen, weil du deine Mutter so überhaupt nicht kennst. Einen Termin bei der Hausärztin wahrzunehmen ist auf jeden Fall richtig. Du kümmerst dich wo du nur kannst aber das sollte alles auch eine Grenze haben einfach zum persönlichen Schutz. Ich habe das aus beruflicher Sicht wirklich schon oft erlebt dass sich Kinder regelrecht für ihre Eltern aufgeben aber selber daran fast kaputtgehen. Dass man sich um seine Eltern kümmert steht außer Frage aber trotzdem hat man auch noch sein eigenes Leben/ eine Partnerin. Die solltest du auch nicht vernachlässigen denn macht sie diesen Zustand lange mit? Sie schafft sicherlich einen guten Ausgleich zu der Situation mit deiner Mutter. Und das ist wichtig. Vielleicht wäre es auch eine Möglichkeit deiner Mutter eine Betreuungskraft zu besorgen die einfach mal mit ihr spricht, mit ihr spazieren geht oder etwas spielt. Über ambulante Pflegedienste bekommt man solche Kräfte. Ja ich weiß das wird sie wahrscheinlich auch nicht annehmen wenn du ihr das vorschlägst, aber manchmal hilft es tatsächlich wenn mal jemand vorbeikommt und einfach dann da ist.

      Das ist jetzt alles aus pflegerischer Sicht geschrieben und sind alles Erfahrungen die ich in Heim und mobilem Dienst gemacht habe. Vielleicht hilft es dir was.

      lg Luna

    • Hallo,
      das hört sich wirklich nicht schön an und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es sehr, sehr schwierig ist, wenn es sich um die eigene Mutter handelt, man es eigentlich total gut mit ihr meint und alles für sie tun würde, sie es aber mit ihrem Verhalten sehr schwierig gestaltet.
      Viele Bausteine, die du schilderst klingen für mich (noch dazu ihr Alter) nach einer Demenz, gerade dieses total negative, alle sind böse, schlecht, wollen ihr was... und dazu das "nicht allein-bleiben" wollen bzw. können.
      Meine Mutter hat seit einigen Jahren eine mittlerweile sehr schwere Demenz, und ich habe sie bis vor kurzem noch allein zuhause versorgt, aber das Gefühl, ich tue alles was ich kann und darüber hinaus und es ist ihr nie genug, hatte ich fast die ganze Zeit.
      Es gibt sehr fordernde Demenz-Erkrankte, die dies natürlich nicht aus Bosheit machen, es ist Teil ihrer Krankheit, jedoch macht es dies für den betreuenden Angehörigen nicht einfacher. Und oft, im Fall meiner Mutter war es so, steht das in krassem Gegensatz zu ihrem früheren Wesen.
      Ich wünsche dir Hilfe von deinem Hausarzt, weitere Diagnostiken machen zu können und rate dir, dir frühzeitig Hilfe zu holen! Ich habe dies erst nach einigen Jahren getan und weiß heute, dass es für mich schon knapp an der Kante war, dass ich selber zusammen geknackst wäre.
      Alles Gute!

      Hallo Tom,
      leider kann ich nicht helfen, aber ich kann dich verstehen.
      Der Vater meines Freundes ist Ende Juni gestorben und die Mutter ist auch absolut negativ eingestellt und es hagelt nur Vorwürfe, dass wir nicht rund um die Uhr um sie herum sind. Wir sind beide berufstätig. Mein Freund besucht sie 3 Mal in der Woche, wir unternehmen jedes Wochenende zu dritt etwas. Sie ist aber trotzdem unzufrieden.
      Letzten Samstag sagte sie so etwas wie sie wartet drauf, dass sie stirbt, deshalb kann sie keine Pläne machen (wir fragten sie, ob sie zu einer Silvesterveranstaltung mit uns will). Mein Freund sagte mir dann, dass sie es ihm gegenüber schön öfter erwähnt hat, dass sie sterben will. Sie ist erst 76.
      Wir wissen auch nicht recht wie wir mit der neuen Situation umgehen sollen. Ich habe hier in Urbia vor einigen Tagen nach Tipps gefragt und welche bekommen. Wir versuchen die negativen Töne von ihr zu "überhören" und motivieren sie dazu andere Menschen in ihr Leben zu lassen. Bisher mit wenig Erfolg.
      Alles Gute für euch

    • Das ist wirklich sehr traurig. Ich denke es ist trotzdem wichtig für Dich dass Du viel Zeit mit Deiner neuen Partnerin verbringst und durch sie Kraft tanken kannst. Ich bin selbst Mutter von zwei Jungs (12 und 9) und ich finde die Vorstellung ganz schlimm, wenn ich ihnen irgendwann im Wege stehen sollte. Ich denke, Deine Mutter hat das in jungen Jahren genauso gesehen. Du musst Dein Leben leben. Eine Mutter möchte, dass ihre Kinder glücklich sind. Auch wenn es sicher oft schwer ist, wenn sie ausziehen, heiraten, vielleicht beruflich weit weg ziehen und man die Enkelkinder kaum sieht. Ich wünsche mir für meine Kinder, dass sie sich nicht durch mich beengt fühlen oder verpflichtet.

      Deine Mutter ist in einer Extremsituation und hat sich vom Wesen her verändert. Da kann niemand etwas für. Selbstverständlich hat man als Sohn die Pflicht für seine Eltern da zu sein, wenn sie alt sind. Aber nicht in dem Maße in dem sie für einen da waren als man selbst hilfebedürftig war. Ich finde man ist als Kind nicht dazu verpflichtet. Man muss sein eigenes Leben führen und es nicht für die Eltern aufgeben. Ich glaube es gibt keine Eltern auf der Welt die das wollen. Wenn sie das jetzt von dir fordert, dann liegt das daran, dass sich ihr Wesen so verändert hat und sie nicht mehr so "klar" denken kann.

      Hilf ihr wo du kannst, aber gib dich selbst nicht auf.

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