Ein Anliegen

    • (1) 06.11.17 - 15:11

      Hallo!

      Manchmal lese ich in diesem Forum, dass es in der Familie eine Krebsdiagnose oder einen schwerkranken bzw.sterbenden Angehörigen gibt. Oft liest man hier, dass man sich wünscht, der- oder diejenige solle kämpfen, oder dass man davon ausgeht, dass der "Kampf gewonnen" wird. Meine Antwort darauf war schon oft, dass ich das in dieser Situation für die schlimmste Aussage überhaupt halte. Sie ist gut gemeint, aber sie ist nicht gut.

      Heute fand ich das:
      http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/umgang-mit-krebskranken-die-falsche-rhetorik-der-angehoerigen-15266490.html?GEPC=s5

      Darin wird das, was ich sagen will, besser ausgedrückt als ich es je selber sagen könnte.

      LG

      • Hi,

        sehe ich mit sehr gemischten Gefühlen.
        Als ich um mein Leben gekämpft habe, hat meine Mutter bei mir am Bett gesessen und immer "Du musst stark sein" und "Du muss kämpfen" geflüstert und das habe ich auch.
        Es hat mich motiviert, aber ich hatte auch kein Krebs.
        Aktuell ist mein 46jähriger Cousin im letzten Jahr an Krebs gestorben und sein 20jähriger Sohn hat diese Sch....krankheit seit diesem Jahr. Wer entscheidet, welche Worte hier die richtigen sind? Doch nur der Betroffene selbst!
        Gut wäre, wenn man sich einfach gegenseitig zuhört--wem "Kämpfe" hilft oder wer einfach nur in den Arm genommen werden will. Aber das ist eben sehr individuell und da können weder du noch ich noch sonstwer drüber urteilen....

        LG

        • Ich arbeite viel mit Schwerstkranken und Sterbenden und ich würde diesen Satz niemals sagen. Es gibt genug andere Dinge, die man zur Ermutigung und zum Trost sagen kann. Beim Kampf soll man gewinnen. Wenn man verliert, hat man selber schuld? War man nicht stark genug? Hast du den Artikel gelesen? Es kommen auch Betroffene zu Wort.

          Mein Mann hatte im Sommer eine Krebsdiagnose, die zum Glück glimpflich abgelaufen ist. Alles ist gut. Nicht einmal kam ihm oder mir in den Sinn, dass wir uns im einem Kampf befinden. Währenddessen hat es ihn erleichtert über sein mögliches Sterben zu reden und wie das mir uns weitergehen kann. Mir hat geholfen, dass wir in alle Richtungen gedacht haben und eben nicht ans Kämpfen oder Siegen. Es ist gut gegangen, aber wenn es das nicht getan hätte, dann würde ich gern mir ihm darüber reden, was noch nötig ist, was er will. Ich würde ihm vergewissern, dass ich immer da wäre, unabhängig davon, welche Entscheidungen er für sich treffen muss.

      (4) 07.11.17 - 06:16

      Meine Mutter könnte davon ein Lied singen, wenn sie "den Kampf gewonnen" hätte.

      Ja, sie musste kämpfen....nämlich gegen die mitleidigen Blicke und Sprüche aus ihrem Umfeld, gegen diverse Versuche sie zu irgendwelchen kuriosen Therapien zu überreden, gegen ignorante "Freunde". Selbst die Perücken-Verkäuferin hatte diese Trauermine aufgesetzt und hat total pikiert geschaut, als wir uns bei der Anprobe vor Lachen die Bäuche halten mussten.
      Ich werde nie vergessen, wie sie auf ihrer Geburtstagsfeier wütend aufgestanden ist, auf den Tisch gehauen hat und laut gesagt hat: "So könnt ihr euch bei meinem Leichenschmaus benehmen, ich bin heute hier um meinen Geburtstag zu feiern. Noch lebe ich!"
      Sie musste sich rechtfertigen, warum sie keine weitere Therapie machen wollte. Ihr wurde geraten, doch mal mit einem Psychologen zu sprechen, es sei ja nicht "normal" das man aufgibt. Oder auch gerne gesagt wurde: "Das sind nur die Nebenwirkungen des Morphiums, laß das weg, dann hast du auch wieder Kraft zum kämpfen!".
      Als sie nicht mehr konnte und wollte hat das noch andere Leute auf den Plan gerufen. Ich habe sie "Sterbegaffer" genannt und danach nie wieder ein Wort mit ihnen gewechselt. Sie wollte niemanden mehr sehen, sie durfte zu Hause sterben. Da standen dann unangemeldet angebliche Freunde von ihr. Es kam an der Haustür zu echten Szenen. "Mama hat gesagt, sie möchte niemanden mehr sehen." "Ach komm, nur kurz, wir sind extra hergekommen." "Nein, respektiert doch bitte ihren Wunsch." "Wie du lässt uns jetzt hier vor der Tür stehen? Das ist ja eine Unverschämtheit, deine Mutter ist doch gar nicht mehr klar im Kopf, sie weiß nicht was sie redet. Wir kennen uns seit 30 Jahren. Wir wollen sie jetzt sehen!".
      Ja, irgendwann kam in der Tat der Punkt, an dem jemand kämpfen musste. Nämlich wir, die nächsten Angehörigen. Wir mussten ihre Wünsche und Interessen, in dieser eh schon harten Zeit, ständig durchsetzen. Sei es im Umfeld, sei es bei den Ärzten.

      Ja du hast Recht, all die "Kampf-Floskeln" braucht niemand, lieber gar nichts sagen als solche hohlen Phrasen.

      • (5) 07.11.17 - 07:05

        Danke für deine Antwort! Ich bin froh, dass du verstanden hast, was ich meine.

        Neulich fragte mich eine alte Dame, die bei uns Patientin ist, wie lange sie denn wohl noch leben müsse und wie das sein wird mit dem Sterben. Ich antwortete das, was man so antwortet, u.a. dass sie nicht tapfer sein müsse.
        "Ich muss tapfer sein????", fragte sie erschrocken nach nach, weil sie etwas schwerhörig ist.
        "Nein, Sie müssen NICHT tapfer sein. Wir werden da sein und uns gut um Sie kümmern!"
        Da lächelte sie, lehnte sich zurück und sagte: "Ach, so ein Glück!"

        LG

        • (6) 07.11.17 - 09:30

          In der heutigen Zeit ist der Tod (zumindest in unseren Breitengraden) ja nahezu verpönt. Daher empfinde ich häufig solche Kampfansagen mehr als Zuspruch für den Anwender. Ihn stärken solche Aussagen. Die Option, das man vielleicht gar nichts sagen muß, die steht völlig Außen vor. Die Menschen haben solche Berührungsängste, das sie sich lieber um Kopf und Kragen reden, als einfach mal genau hinzuschauen und hinzuhören.

          Aber es gibt einen Kampf, besonders beim A******ch Krebs. Nämlich einen inneren Kampf des Betroffenen. Einfach diese Entscheidung treffen, mache ich weiter oder höre ich jetzt auf. Greife ich nach jedem Strohhalm oder lasse ich der Natur ihren Lauf. Ich komme noch einmal auf meine Mutter. Sie war eine extrem starke Frau, ihr zu sagen das sie kämpfen oder stark sein soll, das war eigentlich absurd. Sie ging ihr ganzes Leben lang ihren Weg. Eines Tages saß sie vor mir und sagte: "Ich will keine weitere Chemo!", sie schaute mich dabei ängstlich an. So einen Blick kannte ich nicht von ihr, konnte ihn erst nicht zuordnen. "Dann laß es, es ist alleine deine Entscheidung. Und egal wofür du dich entscheidest wir sind da." Da durchzuckte es mich kurz, darf ich so etwas überhaupt sagen? Müsste ich ihr nicht sagen, das sie nicht aufgeben soll? Die klare Floskelfalle. Sie holte tief Luft und der ängstliche Blick war plötzlich verschwunden, sie setzte sich ganz gerade hin und meinte: "Stimmt, es ist meine Entscheidung. Da habe ich gar nicht dran gedacht." Das war der Moment, in dem sie sich selber wiedergefunden hatte. Ab diesem Moment war sie wie befreit und sie hat noch 1,5 Jahre ihr Leben beschwerdefrei genossen. Das war/ist für mich der Inbegriff von Stärke.

          • (7) 07.11.17 - 13:33

            Ja, genau das meine ich!
            Es geht darum, den anderen ernst zu nehmen und ihm beizustehen und zu bestärken. Es geht nicht darum, die eigenen Ängsten anderen überzustülpen. Schon gar nicht denjenigen, die selber ganz gefangen sind in ihren Ängsten und Nöten.

      Alle Achtung !
      So jemanden wie Dich wünsche ich mir an meiner Seite wenn ich jemals betroffen sein sollte!!
      Liebe Grüße Iris

      • (9) 14.11.17 - 10:48

        Danke. Sollte das Schicksal zuschlagen, dann werden deine Kinder bestimmt genauso denken und handeln.
        Meine Mutter und ich waren wie Feuer und Wasser. Ich bin im Nachgang sehr dankbar, das sie meine Hilfe angenommen hat. Keine Zeit in meinem chaotischen Leben hat mich so nachhaltig geprägt und verändert. Ich empfinde es als große Ehre, ihre letzte Zeit so intensiv an ihrer Seite verbracht zu haben. Das ging nur, weil sie es zugelassen hat. Für sie war es nicht selbstverständlich, für mich schon.
        Alles Gute.

        • (10) 16.11.17 - 10:15

          Du sprichst mir aus der Seele.......#liebdrueck
          Ich arbeite seit ein paar Monaten auf einer Palliativstation und da sehe ich das genauso, nicht bei jedem,ganz klar .Aber ich empfinde es auch als Ehre diese Menschen ,die mir ja nicht freiwillig anvertraut sind , auf diesem so wertvollen Stück ihres Lebens zu begleiten!
          Das gibt auch mir so viel.....
          Auch für Dich alles Gute!
          Liebe Grüße Iris

Zuallererst: Danke für den sehr lesenswerten, sehr anregenden Text, den du hier empfohlen hast. Ich hab ihn mit großem Gewinn gelesen.

Und ich teile viele der Grundaussagen des Texts. Viele Menschen, nicht nur Angehörige, auch Betroffene, verfallen dieser Rhetorik, weil wir als "Kämpfer" Handelnde sind und nicht Erleidende, und weil uns diese Rolle an uns selbst und unseren Lieben besser gefällt. Dass wir etwas nicht durch eigenes Tun, nicht durch einen noch so großen Kampf, schaffen können, das widerstrebt uns zutiefst.

Und ja, Kampfrhetorik kann es den Menschen schwer machen, gerade auch, wenn es eine Krebserkrankung ist, von der es keine Heilung gibt.

Es gibt aber auch eine andere Seite. Heutzutage überlebt die Mehrheit der Menschen bei uns eine Krebserkrankung. Einige um einige, einige um viele Jahre, einige sterben gar nicht daran. Und unter diesen Erkrankten gibt es auch die Mutlosen, die Zuspruch brauchen. Diejenigen, die sich unter einem Kampf etwas vorstellen können, unter Therapie und den Vorgängen im Körper nicht. Denen das Ertragen von Leid leichter ist, wenn sie sich in die Metapher eines Kampfs hineindenken.

Ich finde, der Artikel bringt einen interessanten Aspekt, und vor allem ist es ein Artikel gegen die Gedanklosigkeit in der Kommunikation mit Schwer- und Schwerstkranken. Das ist sehr, sehr wichtig und nicht hoch genug zu würdigen. Schwierig wird es für mich da, wo auch dieser Text versucht, einem hochkomplexen Thema wie Kommunikation mit einfachen Regeln beizukommen.

Letztlich wird uns nichts anderes übrigbleiben, als im Kommunizieren wachsam zu bleiben, wachsam auf die Bedürfnisse des Kranken zu achten. Da kann dann auch mal die Kampf-Metaphorik das Mittel der Wahl sein - nur eben nicht als reflexhaft angewandetes Phrase.

  • Hallo!

    Natürlich kann ein einziger Artikel nicht die ganze Komplexität der Materie abdecken.

    ".. nur eben nicht als reflexhaft angewandetes Phrase."
    Darum geht mir! ES geht um die gedankenlosen Phrasen, mit denen "Mitleidene" ihre eigene Angst zu übertünchen versuchen.

    "Diejenigen, die sich unter einem Kampf etwas vorstellen können, unter Therapie und den Vorgängen im Körper nicht. Denen das Ertragen von Leid leichter ist, wenn sie sich in die Metapher eines Kampfs hineindenken."

    Das sehe ich ein bisschen anders, kann aber respektieren, dass du das so denkst. Ich allerdings denke, dass es ausreichend andere Metaphern gibt, um jemanden in seinem Krankheits- und/oder Therapieverlauf zu unterstützen. Die Kampf-Metapher kann einem jederzeit um die Ohren fliegen, nicht wahr?

    LG

    • << Die Kampf-Metapher kann einem jederzeit um die Ohren fliegen, nicht wahr?>>

      Dessen muss man sich bewusst sein.

      Aber auch da gibt es Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Ich habe viel mit Sportlern zu tun, bin selbst auch einer, hab auch schon mal mitbekommen, wie ein befreundeter Sportler gegen eine Krebserkrankung gekämpft hat. Nein, ich verwende den Begriff hier nicht gedankenlos, im Gegenteil. Für den war die Therapie ein Kampf, genauer gesagt ein Rennen. Ihm wäre, aus meiner Sicht, die Metapher auch nicht um die Ohren geflogen, wenn sich eine Niederlage abgezeichnet hätte. Er hätte vielleicht in Frieden gehen können, wenn er in seiner Metaphorik einen Kampf verloren hätte, aber nicht, wenn er eine Therapie erfolglos hat anwenden lassen.

      Es hat viel mit dem zu tun, wie man die Begriffe "Kampf" und "Sieg" und "Niederlage" für sich selbst verwendet. Deshalb ist der Artikel so wichtig: Gedankenlosigkeit kann da wirklich zur emotionalen Katastrophe werden. Und in vielen, vielleicht den meisten Fällen, sind Kampfmetaphern tatsächlich falsch.

      Aber würde ich nun an Krebs erkranken, ich würde kämpfen. Vielleicht gewinnen, vielleicht verlieren, ganz sicher kämpfen. Um Stärke, um Zuversicht, um Würde (eher als um jeden einzelnen Tag). Mir würde dieses Bild helfen. Ich wüsste aber auch, dass ich auch in diesem Bild nach großem Kampf im Reinen mit mir selbst das Rennen würde aufgeben können.

      Danke für die tolle Anregung, die du gegeben hast.

      • Okay, ich bin voll unsportlich. Deshalb ist mir der Begriff "Kampf" in diesem Sinne völlig unzugänglich, was nicht bedeutet, dass er für andere etwas mutmachendes haben kann. Darüber muss ich dann jetzt wohl mal nachdenken. Persönlich werde ich das Wort "Kampf" in diesem Zusammenhang weiter nicht einsetzen, weil er für mich etwas anderes bedeutet.

        Wir pflegten mal einen Boxer. Der war ein ganz sanfter Mann und als er die Diagnose bekam, hat er zu seinem Arzt gesagt, dass er keine Therapie mehr wünscht, bei ihm "würde gestorben"! Er musste sehr "kämpfen", um seinen Willen zu kriegen und er ist sehr aufrecht gestorben.

        Manchmal gibt es aber auch Menschen, die ihr Leben für den Sport geben oder gegeben haben und die nur in "Kampf" denken können und nicht daran, dass man sich auch mal fügen muss, dass man manches geschehen lassen muss. Das kann schwierig werden.

        "Danke für die tolle Anregung, die du gegeben hast."

        Und ich danke euch allen hier für die netten und nachdenklichen Antworten. So habe ich mir das gewünscht.

        LG

(15) 07.11.17 - 10:14

Hallo!

Mein Mann hat beide Eltern in jungen Jahren an den Krebs verloren. Er war allerdings nicht mehr so jung um es nicht bewusst und in allen Facetten mitbekommen und verstehen zu können.

Und er empfindet es tatsächlich als Hohn, wenn von ehemaligen Krebspatienten gesagt wird "ich habe den Kampf gewonnen" (insbesondere Pharma-Werbung im TV). Im Umkehrschluss bedeutet es, für seine Eltern, dass sie den Kampf verloren hätten? Warum, haben sie nicht richtig engagiert gekämpft? Waren sie zu schwach, zu faul, zu wehleidig, zu unfähig es mit diesem Schicksal aufzunehmen? Haben sie die falschen Entscheidungen getroffen? Haben sie sich nicht gut / ausreichend informiert? Haben sie ihn mit Absicht "im Stich" gelassen?

Im Gegenzug haben wir beim Nachbarn kürzlich miterlebt, wie es auch ohne martialische Sprüchen geht ....

LG, I.

  • (16) 07.11.17 - 15:26

    Hallo!

    "... wie es auch ohne martialische Sprüchen geht .... "

    Es geht in der Tat vollkommen ohne martialische Sprüche und ohne Floskeln. Man kann die Erkrankung ernst nehmen, ohne den Betroffenen allein auf die Erkrankung zu reduzieren. Das ist gar nicht so schwer, wenn man sich darauf einlassen kann und nicht versucht, seine eigenen Ängste zu verdrängen. Man darf sie ja haben, die Ängste, aber sie sollten nicht die Hauptrolle spielen.

    LG

(17) 07.11.17 - 11:55

Habe dein Posting in T&T gelesen und bisschen darüber nachgedacht.

Egal, ob Du selbst betroffen bist oder jemand aus Deiner Nähe: hier einiges aus dem "Nähkästchen", was vielleicht nützlich, da ich auch schon in jungen Jahren und leider auch viel im Leben mit dem Tod konfrontiert war.

Mein x - eine wahre "Kämpfernatur" - 2x dem Tod von der Schippe gesprungen, einmal obwohl eigentlich unmöglich. Geplatztes Aneurysma, von Ärzten beurteilte 1%(!)-Überlebenswahrscheinlichkeit und x erzählt im Nachhinein selbst von x unbändigen Lebenswillen, der im Moment als es passierte, wahrscheinlich alle möglichen Mechanismen in Gang setze und der der Beginn des "Kampfes" war. War eine relativ "schnelle" Geschichte, deswegen weiß ich nicht inwieweit x Kampfparolen unterstützt hätten - x hat sich wahrscheinlich selbst welche gesagt, vermute ich sehr stark. Im Prinzip möchte ich einfach nur sagen, auch Unmögliches kann passieren und die Hoffnung sollte zuletzt gehen.

Mein x, recht ähnlich, eine im Prinzip tödliche Krebsart, geringe Chance durch OP bestand und es funktionierte. Also nicht doch lieber auf "Risiko gehen" anstatt "in Ruhe & Zeit abzuschließen"? Hätte x sich gegen die Op entschieden, hätte x wahrscheinlich noch 6 Monate gehabt, mit OP: relativ riskant und wahrscheinlich, dass Tod schneller Eintritt (so habe ich das damals von den Ärzten verstanden).

Mein x, dummer Unfall: waere beinah bei lebendigem Leib und vollem Bewusstsein in Mähdrescher gezogen worden, keiner der ihn abschalten konnte, mit aller Macht dagegen gewehrt, Umstehende haben vielleicht doch was bewirkt?? (Ich glaube jetzt zwar nicht, dass sie x zugerufen haben, "Kämpfe", unbewusst aber wahrscheinlich schon und allein das reichte wahrscheinlich aus um x letzte Kraft noch zu mobilisieren (Oberteil hatte sich in den Spitzen verhängt und x wurde gewürgt und gezogen) - just wirklich im letzten Moment schaltete jemand die Maschine aus)
- geht jetzt ein bisschen in eine andere Richtung, kann man aber auch als eigentlich aussichtslosen Kampf definieren.

Verstehe, was Du mit dem Posting sagen möchtest und habe es im ersten Moment komplett unterschrieben.

Nun, ein bisschen differenzierter:
- auf der einen Seite kein "echter Kampf" bei Krankheiten, wo es tatsächlich nur in der eigenen Hand liegt ob man überlebt oder stirbt,
- dann wiederum doch Kampf sinnvoll, siehe oben - da Kämpfen auch unmöglicheswahr machen kann,
- dann wiederum der DRUCK & die "Müdigkeit" in der Krankheit (will nicht kämpfen, warum ausgerechnet ich, wenn ich mich für Weg a entscheide, fehlt mir Zeit für Weg b), - dann Gefühle des eigenen Versagens/Unzulänglichkeit/Verantwortungslosigkeit gegenüber Mirbetroffenen (doch zu schwach, was falsch/nicht richtig gemacht, egoistisch?!)

"Liebe" solche Postings, da sie Menschen zum Nachdenken anregen und meinen so geliebten anderen Blickwinkel einnehmen und offenbaren ...

Wir brauchen definitiv mehr Sensibilität und mehr Menschen, die andere ab und zu mal "aufklären"/auf etwas hinweisen.

Wie es dann jeder entscheidet, bleibt ihm überlassen, aber er hat immerhin mal darüber nachgedacht und Implikationen "gesehen".

  • (18) 07.11.17 - 13:27

    Hallo!

    "... auch Unmögliches kann passieren und die Hoffnung sollte zuletzt gehen."

    Ich habe mit meinem Beitrag nicht das Gegenteil behauptet. Wenn sich jemand in eine Therapie begibt, dann bitte hoffnungsvoll und zuversichtlich. Selbst, wenn ich für mich in derselben Situation vielleicht anders entscheiden würde, würde ich denjenigen dennoch in seinen Entscheidungen voll unterstützen. Man kann da sein, man kann hoffnungsvoll sein und mutig, man kann ablenken, aber kämpfen?

    Dein Mähdrescher-Beispiel passt nicht so ganz in das, was ich sagen will. Jeder von uns kämpft in einer Paniksituation. Dann kann man gar nicht abschätzen, ob das Sinn macht oder nicht, dann regiert nur der Fluchtgedanke, nehme ich an. Bei einer unheilbaren Erkrankung hilft Weglaufen nie.

    Ich wünsche mir einfach eine ehrlichere Kommunikation mit Kranken und Sterbenden und damit letztendlich auch mit sich selbst.

    LG

    • (19) 10.11.17 - 15:23

      Adieu golm,

      Ich wünsche Dir alles, alles Gute! Mehr von Dir in dieser Richtung ... Menschen muss man die Augen öffnen und wer kann das besser als jemand der (in diesem Fall hier nun leider) Erfahrung besitzt.

      Trotz Nicht-Glauben an Mächte oder das Schicksal, habe ich einzig und allein beim Tod tatsächlich "die Gewissheit": er ist von Anfang vorbestimmt und tatsächlich zu einem bestimmten Zeitpunkt gegeben. Und dann empfange ich ihn auch demütig, dass ist nämlich der einzige Preis, den ich allein für das Geschenk des Lebens zu zahlen habe und auch bereit bin (und jedes Leben ist "toll" & "kostbar", jeder hat & sollte die Chance haben für sich das beste daraus zu machen) ... ;-)

      • (20) 10.11.17 - 20:47

        ",,,wer kann das besser als jemand der (in diesem Fall hier nun leider) Erfahrung besitzt."

        Nein, ich besitze diese Erfahrungen nicht "leider" (oder meintest du mich mit dieser Aussage gar nicht?), sondern bewusst ausgewählt und schon seit vielen, vielen Jahren. Dass mein Mann nun in diesem Sommer kurzzeitig ebenfalls eine Krebsdiagnose bekommen hat, war "leider" so, aber ich glaube, das war noch nicht vergleichbar mit dem, was Menschen erleben, wenn die Erkrankung wirklich das Ende bedeutet.

        Ich habe mir all diese Erfahrungen selbst gewählt, "verliebe" mich oft und kann wieder abgeben. Meistens.

        Ich danke dir für deine Antworten und freue mich, dass das hier nicht aus dem Ruder gelaufen ist.

        LG

(21) 07.11.17 - 12:38

Ich habe früher auch Sterbende begleitet und bin selbst Brustkrebspatientin, kenne deshalb beide Blickwinkel.
Alles was "verlogen" ist, ist ein Missklang, der den Patienten und seine Begleiter voneinander trennt. Denn im Herzen fühlt man, dass der Tod eine reale Möglichkeit ist, ab dem Zeitpunkt der Metastasierung sogar eine überaus wahrscheinliche. Man hat keine Zeit und keinen Nerv mehr für Floskeln und Small-Talk. Alles Zweckoptimistische, Markige, Oberflächliche gibt dem Kranken das schmerzliche Gefühl des Unverstandenseins.

Ich rate allen Angehörigen und Freunden von Krebskranken zuzuhören, wenig selber zu reden und schon gar keine Rat-Schläge zu geben. Wer zuhört und die Angst und Sorgen einfach mit aushält, statt sie kleinzureden oder zu kommentieren, der hilft am allermeisten.
Und ein zweiter Rat ist es, dafür zu sorgen, dass es zwischendurch auch was zu Lachen gibt. Da sind viele auch zu gehemmt. Auch Schwerkranke und Sterbende können und wollen nicht rund um die Uhr an den Krebs denken müssen. Da tut es gut, wenn ein naher Freund zwischendurch für Momente der Ablenkung sorgt oder sich auch traut über einen makaberen Witz herzlich mit zu lachen.
d.

P.S. Liebe golm, deine Antworten in dieser Rubrik sind mir schon öfter wohltuend aufgefallen. Danke und viele Grüße!

  • (22) 07.11.17 - 13:31

    Hallo!

    "Auch Schwerkranke und Sterbende können und wollen nicht rund um die Uhr an den Krebs denken müssen. Da tut es gut, wenn ein naher Freund zwischendurch für Momente der Ablenkung sorgt oder sich auch traut über einen makaberen Witz herzlich mit zu lachen."

    #schein
    Da bist du bei mir an der richtigen Adresse. Makaberen Humor kann ich und mein Umfeld wundert sich jedesmal , warum niemandem alles im Halse stecken bleibt und keiner entsetzt schweigt. Das passiert nicht, weil ich nur bei Menschen rabenschwarz bin, die aufrichtig liebe, bewundere, die mir sehr am Herzen liegen. Die verstehen genau, was ich wie meine und lachen sich schlapp, um mir am nächsten Tag vielleicht auch weinend in den Armen zu liegen. Geht alles.

    LG

Ich bin innerhalb von sechs Monaten an zwei Sterbebetten von Krebskranken gesessen. Zuerst bei meiner besten Freundin, die unwahrscheinlich tapfer eineinhalb Jahre gegen Leukämie GEKÄMPFT hat; es war ein mörderischer unmenschlicher Kampf, den sie nicht gewinnen konnte. Über 60 überlebt man keine aggressive Leukämie. Sie war in eine Studie aufgenommen - ich würde heute sagen, als Versuchskaninchen - aber sie wollte ihren Enkel kennenlernen, ihre Tochter war schwanger, als es begann.
Als ich mich von ihr verabschiedete, sagte sie mir, wenn sie vorher gewusst hätte, was auf sie zukam, hätte sie es nicht gemacht. Alles gesagt.
Wenige Monate später mein Mann.......als ich die Diagnose vom Arzt erfuhr, war mir sofort klar, dass ich ihm keinen "Kampf" antun werde, das hatten wir uns schon Jahre vorher versprochen. Er war schon viel zu schwach und bei einer Op wäre er wohl auf dem Tisch geblieben, auch nach Aussage eines sehr menschlichen Arztes. Ich holte ihn schnellstens heim(der Patientenverfügung/ Betreuungsvollmacht sei Dank) und er durfte friedlich und ruhig nach wenigen Tagen in seinem Bett sterben.
Man kann das nie verallgemeinern. Ich würde wohl auch kämpfen - bei reeller Aussicht auf Erfolg. Wenn es nur noch eine Lebensverlängerung unter Qualen ist (keiner kann sich die Folgen einer aggressiven Chemo und Bestrahlung vorstellen) dann definitiv nicht. Dann hoffe ich auf gnädige Ärzte, die mir das Ende erleichtern. Wir haben ein Hospiz am Ort, Patientenverfügung/Betreuungsvollmacht ist geschrieben. LG Moni

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