Wäre es übergriffig ein paar Zeilen zu schicken?

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    • (1) 23.11.17 - 15:30

      Hallo!

      Mir ist leider keine bessere Zeile für den Betreff eingefallen.
      Ich erhoffe hier mir ehrliche Meinungen.

      Folgende Situation: Ich bin Elternvertreterin in der Klasse meiner jüngeren Tochter (3. Schuljahr) und habe deshalb auch ab und zu mal mit den verschiedenen Lehrern zu tun. Zu allen habe ich ein sehr nettes Verhältnis.
      In der Klasse meiner Tochter gibt es einen Lehrer, der von Anfang an mehrere Stunden pro Woche in der Klasse war und sowohl bei Kindern und Eltern sehr beliebt ist.
      Vor einigen Wochen kam er jedoch plötzlich nicht mehr in der Schule und dann kam die Mitteilung, dass er auf unbestimmte (längere) Zeit ausfallen würde.
      Vor Kurzem habe ich nun durch die anderen Lehrer die schreckliche Nachricht erfahren, dass seine Frau schwerst an Krebs erkankt ist und man wohl bald mit dem Schlimmsten rechnen muss. Er ist nun beurlaubt und kümmert sich um seine Frau.
      Mir persönlich ist das sehr nahe gegangen. Ich hatte Tränen in den Augen, als ich davon hörte.
      Im Laufe der letzten Tage hatte ich den Gedanken, ihm einige nette Zeilen zu schreiben. Etwas Aufbauendes, mitfühlendes. Das man an seine Familie denkt, ihm Kraft und Stärke für das Kommende und gute Freunde und liebe Menschen an die Seite wünscht, So in etwa. Nichts, was nach "Beileid" klingt, die Frau lebt immerhin und ich wünsche sehr, dass es ihr doch noch besser geht oder sie zumindest noch etwas Zeit bekommt. Es ging wohl alles sehr, sehr schnell.

      Allerdings gebe ich zu, dass ich das fast sofort wieder verworfen habe. Wir kennen uns eher nur flüchtig und ich dachte dann, dass es eher aufdringlich wahrgenommen werden könnte, als als Geste des Mitgefühls.

      Ehrliche Meinung: Macht man sowas? Hier waren doch leider schon einige Menschen in der Situation, dass nahe Angehörige todkrank waren. :-( Wie wäre so etwas bei Euch angekommen? Freut Ihr Euch über eine nette Geste, auch wenn sie von beinahe Fremden kommt? Oder ist es angebrachter und respektvoller so etwas nicht zu machen und allerhöchstes eine Trauerkarte zu schicken, wenn die Zeit gekommen ist?

      Schonungslos und ehrlich! Ich bin gerade verunsichert und weiß nicht, ob ich da vielleicht in die falsche Richtung denke.

      Vielen Dank!

      • Du bist Elternvertreterin, er ist Lehrer Deines Kindes, also kennst Du ihn ja ein bißchen besser als "nur am Flur mal vorbeigelaufen" ?!
        Dann kannst Du es tun, wobei wirklich nichts drinstehen sollte à la "viel Kraft für die kommende Zeit" - das könnte so ausgelegt werden, dass man schon mit dem Ende rechnet - und DAS will man nicht lesen oder hören.
        Ich müsste lange überlegen, was ich schreiben würde, ehrlich, obwohl ich wirklich auch schon die unangenehmsten Karten schreiben musste.
        Aber ich glaube, ich hätte mich "gefreut" (mit Absicht in Gänsefüßchen) wenn ich eine nette Karte bekommen hätte, als mein Mann schwerkrank war. Auch von "nur Bekannten".
        LG Moni

        Ich fände es nicht unangemessen, dem Lehrer eine Karte zu schicken. Was ihr vielleicht machen könntet, dass die Kinder eine große Karte für ihn machen und der Elternbeirat zusammen. Ich fände die Idee sehr schön, dass man an einen denkt.

        Ich würde es nicht tun.
        Ich finde das fühlt sich an wie "Tratsch". Ich habe bei meiner Krebserkrankung sehr empfindlich darauf reagiert, wenn Personen, denen ich es nicht selbst gesagt hatte, sich nach meinem Befinden erkundigten. Einmal war ich richtig außer mir deswegen.

        Zudem sind Lehrer für mich ein beruflicher Kontakt. Gerade, wenn man sehr belastet ist, tut es gut, wenn es auch Lebensbereiche gibt, um als es "Rückzugsort" der Krankheit oder der Trauer zeitweilig zu entfliehen.

      • (7) 24.11.17 - 15:51

        Ich habe mich über alle Karten und lieben Worte gefreut als meine Mama starb. Viele der Menschen, die da schrieben kannte ich gar nicht oder nur flüchtig. Es waren Kollegen und teilweise sogar Freunde aus dem Studium die sich meldeten.

        Schreib nur, wenn du das Bedürfnis hast. Ich finde es eine schöne Geste.

        (8) 25.11.17 - 11:54

        Hm, der Brief soll nur von dir kommen oder quasi durch dich im Namen der Eltern? Zweiteres fände ich jetzt noch halbwegs okay, ist halt so ein "Anstandsding", würde ich registrieren und gut wäre es gewesen. Berührt hätte es mich nicht und geholfen schon überhaupt nicht.
        Aus meiner Sicht ist da die obligatorische Trauerkarte der Eltern "besser".

        Uns gingen diese Briefe im Vorfeld mächtig auf den Senkel, das hatte nichts mehr mit "wir sind in Gedanken bei euch" zu tun....es waren einfach vor triefende, schnulzige und in der Tat leere Worte. Also zumindest wir, als enge Angehörige, konnten damit nichts anfangen.

        Danke schön für Eure Antworten!

        Ich werde noch mal darüber nachdenken.
        Wenn ich mir zu unsicher bin lasse ich es und schicke dann eine Trauerkarte, wenn es "soweit" ist. :-(

        LG

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