fühle mich alleingelassen von Familie

    • (1) 28.02.18 - 14:33

      Hallo zusammen,

      ich melde mich heute in diesem Forum weil meine Mutter im Dezember 17 gestorben ist und ich mich oft sehr alleine und verlassen fühle weil sich seit der Beerdigung kaum jemand meldet und mich fragt wie es mir geht.
      Ich habe eine große Verwandtschaft und ein guter Freundes -und Bekanntenkreis.
      Nur davon merke ich seit der Beerdigung nicht so viel. Von meiner und meines Mannes Familie melden sich gerade einmal 2 Leute immer wieder und fragen wie es mir geht. Ein paar Freunde, Nachbarn und Bekannte auch gelegentlich. Aber vor allem finde ich es so unverständlich, dass da von meiner Familie und auch von meiner besten Freundin einfach nicht mehr kommt, also von den Leuten, die meine Mutter auch schon lange gekannt haben.

      Kurz zum Hintergrund: ich komme aus einer Patchworkfamilie, bin das einzige Kind meiner Mutter
      und hatte 4 Halbgeschwister von meines Vaters Seite her. Seine erste Frau und 3 meiner wesentlich älteren Geschwister sind schon verstorben. Ich bin verheiratet und habe einen Sohn. Wenn sie nicht wären, wäre ich wohl verloren! Nicht mal meine Schwiegermutter fragt nach, wie e mir geht.
      Alle Leute wissen, wie nahe mir meine Mutter stand. Wir waren ein Herz und eine Seele. Ich habe mich immer sehr um sie gekümmert. Jede Woche war ich zwei bis dreimal bei ihr. Wir haben jeden Tag telefoniert. Ich hatte auf jeden Fall das innigste Verhältnis zu ihr. Ich vermisse sie so!!!!

      Mein Vater ist schon länger tot. Meine Halbgeschwister hatten nie dieses enge Verhältnis zu ihrer „Stief“mutter. Sie hatte aber zu allen ein gutes Verhältnis. Nun ist sie tot und ich bin sozusagen „Alleinerbin“, da das eizige leibliche Kind und sie hat kein Testament gemacht. Ob das auch eine Rolle spielt kann schon sein. Das Verhältnis von meinen Halbgeschwistern untereinander war leider auch nicht sehr gut. Ich habe noch Schwägerinnnen und einige Nichten und Neffen in meinem Alter! und einen Halbbruder.
      Jedoch habe ich da in letzter Zeit immer das Gefühl, dass auch er sich distanziert und mich nicht mehr so unbedingt zur Familie zählt.
      Ein Beispiel: am Sonntag hatte er Geburtstag, normalerweise laden sie uns dann schon eine Woche vorher ein, ausgerechnet dieses mal kam nichts! Ich habe ihn dann an seinem Geburtstag angerufen, da hat er gesagt, wenn ihr wollt, könnt ihr ja kommen. Als wirt dort waren, hat von seiner ganzen Familie kein Mensch, auch er nicht gefragt, wie es mir geht. Hallo??? Was soll das denn????

      Auch sonst meldet sich niemand von meiner Familie, obwohl ich zu allen ein gutes Verhältnis habe.

      Ich verstehe es einfach nicht. Meine Freundin weiß auch, wie leer ich mich fühle, ich habe es ihr gesagt, sie erwiderte sie meldet sich und ich warte...... Ist es denn so eine kalte Welt geworden???

      Ich sorge mich mimmer um andere Menschen denen es schlecht geht. Bin aber in letzter Zeit auch oft ausgenützt worden. Ich war immer da, wo um Hilfe geschrien wurde aber wenn es dann wieder besser lief, brauchte man mich nicht mehr. So und jetzt meldet sich niemand.:-(

      Habt ihr auch ähnliche Erfahrungen gemacht?
      Auch mit Patchworkfamilie?

      Bin dankbar für eure Antworten

      Gruß flower73

      • Hallo,
        mein herzliches Beileid zum Tod deiner Mutter! Ich kann nachvollziehen, dass du dich momentan sehr einsam fühlst und mit dem Verhalten deiner Familie nicht zurecht kommst.

        Einiges kann aber darin begründet sein, dass viele gar nicht mit Trauer und in deinem Fall einem Trauernden zurecht kommen. Es fallen zwar Floskeln wie "wenn du Hilfe brauchst melde dich einfach" oder "du brauchst dich nur zu melden dann helfen wir dir", aber eigentlich haben sie selber Angst aktiv etwas zu machen, einen Schritt auf den Trauernden zuzugehen und ein Gespräch zu führen. Sie schützen quasi sich selbst indem sie sich denken "Tja, Hilfe habe ich ja angeboten aber wenn sie nicht anruft wird sie schon zurecht kommen".

        Es gibt nur ganz wenige die das Telefon in die Hand nehmen und den Trauernden auch wirklich anrufen, ihm vor allen Dingen zuhören können. Es ist eine Art Angst, die sie nicht wissen lässt wie man damit umgehen soll.
        Dass dich bei einem Treffen keiner direkt fragt wie es dir geht empfinden sie vielleicht auch gar nicht so schlimm wie du. Denn aus der Angst etwas falsches zu sagen, nicht damit Umgehen können wird das Thema Tod lieber gar nicht erst thematisiert.

        Manchen hilft es etwas, wenn in diesem Fall jetzt DU zu einem Vertrauten sagen kannst dass es dir nicht gut geht. Das baut die Hemmschwelle ab und dein Gesprächspartner kann somit besser auf dich eingehen.

        Ich wünsche dir alles Gute.
        Lass die Trauer für dich zu.

        LG#liebdrueck

        • Das Dumme ist, dass man das nicht kann, wenn es einem so schlecht geht - jemanden anrufen und mit seiner Verzweiflung "hausieren gehen". Ich bin ganz sicher selbstbewusst und wortgewandt, aber als es mir richtig dreckig ging, schnürte es mir einfach den Hals zu - ich hätte es auch dem liebsten Freund einfach nicht sagen können, war unmöglich.
          LG Moni

      Mein herzliches Beileid.
      Ansonsten kann ich mich "masinik" nur anschließen. Die meisten Menschen haben außer Floskeln nichts in petto - echtes Mitgefühl, also ANTEILnahme gibt es sehr sehr selten.
      Als mein Mann starb, hat mich mein Sohn kein einziges Mal angerufen, seine Frau auch nicht - und mich gefragt, wie es mir geht......Hätte ich meine Tochterfamilie nicht gehabt, wäre es mir sehr schlecht gegangen.
      Die dummen Floskeln hab ich bei der Beerdigung und danach auch alle gehört - und richtig eingeordnet in die Kategorie "Schwätzer". Hart, aber es ist so.
      Ich Depp bin auch schon immer derjenige, der sich um Leute kümmert, wenn ihnen was Schlimmes passiert - egal, ob eigene Familie, Freunde oder auch Kollegen. Aber man darf nicht von sich auf andere schließen. Leider kommt nicht alles Mitgefühl auch zu einem zurück - darf man nicht erwarten.
      Teils ist es Unsicherheit bei den Menschen, teils einfach Gedankenlosigkeit oder die Einstellung, naja, die wird schon klarkommen, ist ja stark.
      Dass auch starke Menschen mal mit der Schnauze voll am Boden liegen können, geht manchen Leuten einfach nicht ins Hirn.
      Sich darüber zu ärgern, bringt nichts.
      Ach ja, die Kinder und Enkel meines Mannes (war mein 2. Mann) haben schlagartig ab der Beerdigung (bei der sie sich noch zehn Mann hoch den Bauch vollgefuttert haben und nicht mal eine Blumenschale o.ä. mitbrachten) den Kontakt zu mir abgebrochen, einfach so, ohne jeden Anlass/Grund - der Vater/Opa war ja nicht mehr da, zu dem man gerne zum Feiern kam und auch die entsprechenden Geldgeschenke gleich mitnahm.
      Müßig zu erwähnen, dass ich mir für seine Töchter oft genug auch den A**** aufgerissen habe, um das von der Mutter zerstörte Verhältnis für ihn wieder aufzubauen. Dachte eigentlich, ich wäre über die Jahre für sie auch "Familie" geworden - aber so kann man sich täuschen.
      Ich hoffe sehr, Du hast wenigstens ein zwei Menschen, von denen Du Dich verstanden fühlst - halte Dich an sie. Die restlichen lass einfach mal links liegen. Sollte einer von denen zu Dir sagen "hach warum hast du dich denn nie gemeldet"#bla#bla dann sei so frei zu sagen "soll ich dich anrufen und sagen, bitte kümmer dich mal um mich, mir gehts Scheiße? Hättest du da nicht selber draufkommen können?" Manche Leute brauchen so einen klaren Hinweis mal.
      Alles Gute.
      LG Moni

      • Was du unter "Mitgefühl" verstehst, weiß ich nicht. Aber nicht alles was man denkt, was Mitgefühl sei, ist tatsächlich hilfreich. Empathie ist nicht jedem gegeben. Und wenn man selber weiß, dann man schlecht mit trauernden Menschen umgehen kann, ist es besser man sagt gar nichts als Mist zu reden. Denn Mist reden nervt, wenn man trauert. Ich hatte eine Wut auf Leute, die mich mit billigen Phrasen abspeisen wollten. Die haben alle keine Ahnung wie sich das anfühlt, das hilft dann nicht.

        • Ich mag die neudeutschen Bezeichnungen nicht. Das Wort Empathie wird mir in letzter Zeit zu inflationär verwandt. Mitgefühl heisst für mich, dass ich wenigstens versuche, mit einem Menschen, den ich mag "mitzufühlen" und dann einfach mit ihm zu reden - oder sogar zu schweigen. Einfach dem Menschen das Gefühl zu geben, dass er nicht alleine ist. Die absolut richtigen Worte gibt's selten im voraus, das ergibt sich. Dass hier keine billigen Phrasen gedroschen werden, versteht sich von selber. Traurig ist bei der TE, dass offenbar alle "nicht in der Lage sind, mit Trauer umzugehen". Da gehört schon sehr viel Gleichgültigkeit dazu - bzw. absolut fehlende Motivation, sich mit ihr zu beschäftigen, deswegen verstehe ich ihre Enttäuschung. LG Moni

          • Da gehört schon sehr viel Gleichgültigkeit dazu - bzw. absolut fehlende Motivation, sich mit ihr zu beschäftigen,...

            Das ist eine Bewertung, ein Urteil. Immer schlecht, noch dazu wenn man nur eine Seite gehört hat und die Menschen nicht kennt.

    Das ist für mich ein klarer Fall.

    Deine Freunde und Bekannten fragen nicht, wie es dir geht, erstens weil sie nicht wissen, ob dir diese Frage angenehm ist, und zweitens weil sie die Antwort fürchten.
    Das hat gar nichts mit Gleichgültigkeit zu tun. Andere Menschen wollen in ihrer Trauer in Ruhe gelassen werden, die meisten! Also denken sie, sie würden dir einen Gefallen tun, wenn sie da nicht in die Wunde fassen.

    Du musst den anderen schon sagen, was du brauchst und erwartest. Die können keine Gedanken lesen. Aber nicht jeder kann mit diesem Anspruch umgehen. Besser wäre, eine besondere Freundin für das Thema Trauerbewältigung oder eine Selbsthilfegruppe oder eine professionelle Trauerbegleitung.

    • Jetzt möchte ich doch nochmal was zu euren Antworten sagen.
      Man muss gar nicht immer fragen, wie es einem geht. Ja, es stimmt, viele Leute können nicht damit umgehen, sie wissen nicht, was sie sagen sollen und können mit der Antwort eventuell nicht umgehen. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten Anteilnahme auszudrücken:
      1. einfach in den Arm nehmen
      2. ihn einzuladen, ihn zu fragen ob man was schönes zusammen unternimmt
      3. zu sagen, dass man an ihn denkt.
      einfach eine Karte mit was Aufmunterndem schicken
      Man kann ja immer noch ablehnen, wenn man keine Lust auf Aktivitäten hat.
      So hab ich es auch schon gemacht.

      Ist alles besser, als gar keine Reaktion und auch oft als die ewige Frage nach dem Befinden.
      Aber selbst darauf kommen die wenigsten. Ich finde es nicht ok, dass ich dann auf andere zugehen muss !

      Es sollte einfach selbstverständlich sein, dass es anders herum funktioniert, dass man sich mehr umeinander kümmert.

      Als Freund und Angehöriger und nicht in einer Trauergruppe. Ich habe kein Bedürfnis mit fremden Menschen darüber zu reden sondern mit Vertrauten. Aber das muss jeder für sich entscheiden.
      LG
      Florentina

      • 1. einfach in den Arm nehmen
        -> es gibt Menschen, die mögen nicht in den Arm genommen werden, finden das übergriffig.

        2. ihn einzuladen, ihn zu fragen ob man was schönes zusammen unternimmt
        -> das käme bei mir als biliges Übertünchen an. Das würde ich nicht wollen, wenn ich trauere.

        3. zu sagen, dass man an ihn denkt.
        -> und was soll ich damit anfangen?

        einfach eine Karte mit was Aufmunterndem schicken
        -> Was würde dich denn aufmuntern wenn du deine liebe Mutter verloren hast.

        Du gehst von dir aus, und du verstehst nicht, dass andere von sich ausgehen und daher kommt deine Wut und Enttäuschung. Das einzige was du tun kannst, ist, deine Verwandten und Freunde anzusprechen und ihnen direkt zu sagen, dass du das oben gesagte von ihnen erwartest. Dass du ihnen deine Bedürfnisse mitteilst.

        • Lieber momo

          1. spiegeln deine Antworten ebenfalls nur deine Ansichten und Gefühle wider

          2. möchte die Mehrheit der Trauernden eben doch irgendeine Form von Anteilnahme und das ist nicht meine Meinung sondern schlicht Fakt!

          3. bin ich in den letzten Tagen auf andere zugegangen mit dem Ergebnis, dass sie alle gedacht haben, mir würde es ja schon wieder besser gehen, sie selbst so viel um die Ohren haben, selber Sorgen haben und und.... darauf kann ich verzichten

          4. Bis zu zwei Wochen nach der Beerdigung sehr wohl alle in der Lage waren auf mich zuzugehen und für mich da waren und das hat mir sehr gutgetan!

          Also sind wohl alle wieder zur Tagesordnung übergegangen und denken, es wird mir schon gut gehen.

          Und dann finde ich noch ganz allgemein, dass es einen Unterschied macht, ob du alleine bist mit deiner Trauer oder ob es noch andere Menschen gibt, die diese Person genauso vermissen und die Trauer mit dir teilen. Das ist leider bei mir nicht der Fall. Die anderen hatten nicht dieses enge Verhältnis zu ihr.

          Ich bin froh über meinen Mann, meinen Sohn und meine netten Gruppen und Kreise und über die netten Arbeitskollegen und eben doch noch einige Leute die für mich da sind.

          LG florentina

          • Menschen, die selbst so einen harten Verlust nicht erlebt haben, können sich überhaupt nicht vorstellen wie es dir geht.

            Als vor Jahren der Ehemann einer Bekannten an Krebs verstorben war, hab ich mich gewundert warum sie 2 Wochen danach noch so trauerte. Ich war der irrigen Meinung gewesen, dass sie nach jahrelanger Krebskrankheit des Mannes doch schon gewußt hatte, was auf sie zukommt und das hätte verarbeiten können.

            Später starb meine beste Freundin an einer Krankheit und ich war am Boden zerstört; bei mir dauerte es ein volles Jahr, bis ich einigermaßen übers Gröbste hinweg war. In der Zeit hatte ich eigentlich nur eine Person, mit der ich drüber reden konnte. Alle anderen wollten ich mit billigen Phrasen abspeisen und das machte mich wütend. Selbst meine eigene Familie hat den Tod schnell abgehakt und verstand mich nicht.

            Als der Sohn und die Frau eines guten Freundes starben, wollte der hinterbliebene Ehemann, mit dem ich oft zusammen war, nicht an seinen Verlust erinnert werden. Es kamen manchmal Menschen und fragten wie es ihm gehe. Er sagte uns fast unter Tränen, dass ihm diese Frage jedesmal seine Wunde aufreiße und er deswegen nicht dran erinnert werden wollte. So habe ich fast nie davon gesprochen. Ich habe ihn aber anderweitig unterstützt.

            Manche Menschen können reden, andere nicht. Manchen tut es gut, wenn man mit ihnen spricht, andere wollen in Ruhe gelassen werden. Jeder ist individuell. Jeder handelt nach seinen eigenen Erfahrungen. Du auch. Bei dir höre ich ganz klar heraus, dass du deine Maßstäbe hast und verletzt reagierst, wenn andere nicht deine Vorstellungen teilen und danach handeln. Trauern ist hart. Und ich denke, eine Portion Wut gehört immer auch dazu, weil Wut und Trauer ganz ähnliche Gefühle sind. Wut ist die Trauer, die sich nach außen richtet. Paß aber auf, dass du in deiner Trauer nicht Beziehungen beschädigst, denn die brauchst du später noch.

            • Hallo Momo,

              Wenn jemand jetzt nicht für mich da sein will, wann denn dann?

              Ich sage es allen, was ich möchte und wie sie mir helfen können.

              Und wenn dann niemand bereit ist, mir beizustehen weil er sich immer nur um seinen eigenen Kreis dreht, denjenigen brauche ich später auch nicht mehr. Wenn dann wieder mal was schlimmes passiert, glaubst du dann ist er da? Das ist nicht so, dafür bin ich in meiner gutmütigen Art schon zu oft ausgenützt worden. Ich war für andere da solange es ihnen schlecht ging, als es ihnen besser ging, brauchten sie mich nicht mehr.

              Ich werde denn Kontakt nicht aktiv abbrechen aber ich rechne nicht mehr mit ihnen. Dann werde ich auch nicht mehr enttäuscht.

              LG florentina

              • Richtig, wenn sie dir nicht helfen wollen oder können (wie auch immer), dann musst du dich damit abfinden. Dann ist das eben so. Dann kannst du nur hoffen, dass du eines Tages echte Freunde findest, die dich auch dann noch unterstützen, wenn es ganz schwierig wird. Je weniger man erwartet, desto weniger wird man enttäuscht.

                • Hallo Momo,
                  Vielen Dank für deine Antworten und deine rege Diskussion mit mir.

                  Also, ein paar gute Freunde, Bekannte und 2 Familienmitglieder habe ich dann doch noch die für mich da sind. Und an die halte ich mich und bin dankbar.

                  LG florentina

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