Wie trauert man mit einem Kleinstkind um seinen Papa?

    • (1) 26.03.18 - 15:11

      Liebe Alle,

      der Mann einer engen Freundin liegt gerade im Sterben. Er hat mehrere unheilbare und sehr aggressive Tumore im Gehirn.
      Die beiden haben einen kleinen Sohn, der nächste Woche ein Jahr alt wird. Er fragt oft nach seinem Papa und sucht ihn in der Wohnung (der Papa ist leider im Krankenhaus). Er bekommt natürlich mit, dass seine Mama sehr traurig ist.
      Aktuell ist es so, dass der Mann meiner Freundin sich nicht mehr daran erinnern kann, dass er einen Sohn hat. Keiner weiß, ob er nochmal nach Hause kommen wird und wenn ja, in welchem Zustand. Klar ist nur, dass er nur noch Tage bis maximal Wochen zu leben hat.
      Wie vermittelt man das einem so kleinen Kind? Wie fängt man es auf? Zu älteren Kindern würden mir so viele Sachen einfallen...
      Habe ihr gute Ideen oder Erfahrungen? Meine Freundin hat mich gebeten, zu recherchieren, da sie ihre Kräfte gerade für die letzte Zeit mit ihrem Mann braucht.
      Es ist so traurig :(

      Liebe Grüße
      Sophie

      • So traurig es ist, der Junge wird seinen Vater vergessen und sich nur daran erinnern, was ihm an Bildern oder Erzählungen berichtet und gezeigt wird. Ich würde der Freundin vorschlagen, dass sie, sofern sie sich dazu in der Lage sieht, so bald wie möglich Situationen und Anekdoten von Vater und Kind notiert, damit sie sie dem Sohn später erzählen bzw. weiter geben kann. Solche Dinge vergisst man, wenn man zu lange wartet.

        Und ihm später auch immer berichtet, was an ihm sie an seinen Vater erinnert - seine Augen, eine Essenvorliebe, eine bestimmte Art sich zu bewegen etc.
        Ansonsten könnte sie ein Abendritual einführen, z.B. ihm jeden Abend auch einen Kuss vom Papa geben, oder sonst ein Zeichen, das sein Vater ihm "schickt". Dieses Ritual könnte auch nach seinem Tod beibehalten werden.

        Ohje, was für eine herzensschwere Situation.
        LG d.

      Guten Abend,
      das ist wirklich sehr traurig ...
      In der Antwort über mir sind ja schon tolle Dinge genannt worden. Sich eine Gute-Nacht-Routine für den Papa auszudenken finde ich eine sehr schöne Idee, so bleibt er auch irgendwie immer noch "präsent". Ansonsten denke ich, versteht ein Kind in dem Alter weder die Bedeutung "Tod", noch die "Abwesenheit" des Vaters - zumindest nach einer gewissen Zeit.
      Als Beispiel (auch wenn man nichts mit dem Tod eines Vaters vergleichen kann): mein Vater verstarb letzten Monat und als ich meiner kleinen Tochter (bald 2 1/2) erzählt habe, dass der Opa nun bei den Engeln ist, hat sie das auch genauso akzeptiert. Entgegen meiner Erwartung, hat sie auch nie nach ihm gefragt wenn wir meine Mutter Zuhause besucht haben. Sobald sie eine Verbindungen mit ihrem Opa herstellt (bsp. die verlassene Couch auf der er vorher immer lag) erklärt sie uns nur, dass er ja jetzt bei den Engeln ist. Das ist für sie anscheinend völlig logisch - wenn er dort ist, kann er ja nicht hier sein.
      Ich denke Kinder entwickeln für sich ihre ganz eigene Erklärungen und so hart es klingt, sie wachsen damit auf und kennen es nunmal nicht anders. Wenn möglich sollte deine Freundin noch so viele schöne Erinnerungen an und von ihm sammeln wie es geht. Die erste Zeit wird bestimmt nicht leicht werden ... :-(

    Hallo,

    Ich bin pflegemutti von drei Kids. Die zwei ersten kamen sofort bzw ,je einem halben Jahr weg, die jüngste war zwei Jahre alt. Bezugsperson war damals der lebensgefährte der leiblichen Mutter und zwei ältere Geschwister. Mit den jüngeren kam sie dann in eine Bereitschaftdpflegefamilie wo sie mit 3,5 Jahren endgültig die Stadt wechselte undvzubhns kam.

    Unsere Tochter kann sich mit reichlich sieben Jahren an nichts mehr erinnern. Es gibt Momente da tauchen Dinge wieder Aus dem Unterbewusstsein wieder auf aber mehr nicht.

    Es gibt eine schöne buchreihe für geliebte Menschen "was ich an dir Liebe " . Mein ältester Sohn hat so ein selbst gestaltetes Buch seiner leiblichen Schwester die auch woanders lebt zur jugendweihe geschenkt. Ich finde das eine schöne Art.
    Unsere pflegetochter kann /will sich nicht an ihre Vergangenheit erinnern. Sie weiß aber noch dass es in der ersten pflegefamilie zwei Hunde gab wovon einer jetzt ein Stern am Himmel ist.

    Viel Kraft geli

(8) 28.03.18 - 08:52

Es wurden schon tolle Ideen aufgeschrieben.
Zusätzlich könntest du die Mama entlasten indem du mit dem Kidn etwas unternimmst, falls sie es zulässt. Ehrlich gesagt finde ich, das man sich mehr Gedanken um die MUtter machen sollte, als um das Kind. Denn das versteht nun wirklich noch nichts. Die Mutter braucht Kraft und Raum für sich, damit sie auch dem Kind gerecht werden kann.
Das Kind spürt nur das etwas nicht stimmt, witer ist es in der Entwicklung noch nicht. Klingt makaber, wenn der Vater jetzt stirbt ist es leichter für das Kind. Die Sucherei nach dem Papa, die verletzt doch eigenltich nur deine Freundin bis ins Mark. Das Kidn fragt einfach nur weil seine Routine durcheinander ist, es wird bald nicht mehr fragen.
Deine Freundin ist diem die in nächster Zeit einen wahnsinnigen Spagat vollbringen muß. Sie braucht deine (und andere Unterstützung).
Ein Kind in dem Alter kann man nichts erklären. Die Mutter ist diejenige, die wirklich aufgefangen werden muß.

Als der Vater meiner Tochter starb, war sie "schon" 3. Man konnte ihr also schon etwas besser erklären, WIESO Papa nicht nach Hause kommt.

Ich würde deiner Freundin auf jeden Fall raten, dass sie möglichst viele Erinnerungen, wie Fotos und Videos behält und sicher irgendwo verwahrt. Evtl auch den Pullover, den Papa oft trug, oder das Parfum, das er immer benutzte.

Der Tod meines Mannes war damals sehr plötzlich, also gab es auch keine Gelegenheit sich zu verabschieden.
Wir haben dann eine hübsche verschließbare Box besorgt, und da alle "Papa-Sachen" (Fotos & Co) reingelegt.
Dann noch ein bisschen über ihn erzählt und die Box verschlossen. Meine Tochter hat dann noch gewunken und ihrem Papa so Tschüss gesagt.
Das wäre vielleicht etwas, das schon ein 1Jähriger versteht.


So gemein das jetzt klingt, aber "zum Glück" ist das Kind noch so klein. Er versteht das ganze Thema Tod nicht und wird vermutlich auch später den Papa nicht so sehr vermissen. Meine Tochter war - und ist - immer mein Sonnenschein in traurigen Momenten. Sie hat mir sehr geholfen, da wenn ich mit ihr gespielt habe, einfach alles in Ordnung war.
Natürlich ist es eine sehr traurige Situation, aber ich habe gemerkt, dass Kinder SEHR viel besser mit Tod & Trauer umgehen können, als wir Erwachsenen.

Ich wünsche deiner Freundin alle Kraft, die sie braucht!

Es klingt hart, aber in so jungen Jahren vergisst man sehr schnell.

Meine Mutter war ca 15 Monate alt, als ihr Vater damals an Krebs gestorben ist. Sie hat keinerlei Erinnerungen daran, auch nicht an die Trauerphase. Meine Oma hat mein Opa daheim begleitet (ich gehe davon aus das meine Mutter da mit herum"gesprungen" sein muss). Sie sagt bis heute noch (er ist im Mai 1961 gestorben mit 28 Jahren), dass er zu ihr im Sterbebett gesagt hat "Das sie doch das Kind schnappen soll und auf die andere Seite, das die bald ne Mauer bauen werden und die dann nicht mehr raus kommen." Aber meine Oma dachte gar nicht daran, weder abzuhauen und ihn zurück zu lassen noch danach irgendwas davon umzusetzen, wo sein Grab ja dann im Osten wäre und für sie unerreichbar.

Der kleine wird vor allem verwirrt sein. Solange sein Vater noch lebt ist der Begriff "Papa" ja noch im Alltäglichen Sprachgebrauch und für ihn ist es auch ungewohnt das er nicht da ist. Mein Sohn fing schon das suchen nach Papa an, da war mein Mann 3 Tage auf Schulung weg und Junior 9 Monate alt. Aber je länger die Spanne ist, wo Papa nicht wieder kommt, desto weniger wird er suchen und so weniger wird er fragen. Fragen wird er erst wieder später. Wenn er merkt das andere einen Papa haben und wo seiner denn ist.

Das klingt zwar hart... aber für den Jungen ist es tatsächlich psychologisch betrachtet, besser das es jetzt passiert als wenn es in 3 Jahren der Fall wäre.

Mein Beileid!

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