Mental Kraft schöpfen

    • (1) 01.04.18 - 17:15

      Hallo liebe Urbia Mitglieder. Meine geliebte Oma wird bald ihre erlösende Reise antreten. Sie leidet an Bauchspeicheldrüsenkrebs und sie wartet darauf endlich "gehen" zu können. Ich werde sie begleiten. Allerdings weiß ich nicht ob ich das schaffe. Wir sind eine recht große Familie und jeder unterstützt jeden. Meine Tante wohnt direkt neben an und kommt mindestens dreimal Täglich rüber. Ich weiß auch gar nicht so recht was ich mir mit diesen Beitrag erhoffe. Da ich ziemlich sensibel und nah am Wasser gebaut bin, bringt mich beinahe jede ungewohnte Situation aus der Fassung. Ich/wir versuchen es ihr noch so schön und erträglich zu machen solange sie noch bei uns ist. Und das ist nicht leicht. Jetzt gerade sitzt sie am Küchentisch (wie die letzten Tage auch) mit dem Kopf auf ein paar Kissen, ich sitze mit meinem Baby auf dem Boden und höre sie leise atmen, während zugleich ihr vertrauter Geruch in meine Nase steigt. Es zerreißt mir das Herz. Ab und zu wird sie wach, dann reden wir ein bisschen, schimpfen über diese scheiß (Sorry) Krankheit, kuscheln oder erfreuen uns gemeinsam an der guten Laune ihres Urenkel. Ich übernehme auch sehr gerne ihren Haushalt, das lenkt etwas ab.

      Nun frage ich mich, wie es wird wenn sie....ich will es gar nicht aussprechen bzw schreiben. Wenn sie es "geschafft" hat? Mir graut es vor der Leere, der vielleicht plötzlich auftretenden Kälte.. Sie ist so ein guter Mensch und wird auf grausame Art und Weise von uns genommen. Sie leidet so arg... Ich möchte das sie endlich Frieden findet, und doch soll sie bei uns bleiben. Ohne sie wäre ich nie ein guter Mensch, wie ich es jetzt bin, geworden.

      Ich möchte diesen Schmerz betäuben. Und ich habe so große Angst vor dem Schmerz der noch kommt...

      Bitte lass es nur ein Alptraum sein 😞😢

      • Hallo - dass es kein Alptraum ist, weißt Du. Du weißt auch, dass Du sie gehen lassen musst - Du willst es nur noch nicht wahrhaben. Herz und Verstand sind einfach zwei vollkommen unterschiedliche Dinge. Das habe ich auch bemerkt, als ich am Sterbebett meines Mannes saß. Mein Verstand wusste, dass der Mann keine Kraft mehr hat und todkrank ist - mein Herz wollte ihn einfach nur behalten.
        Keiner weiß, wie es werden wird, wenn sie stirbt. Und jede Reaktion von Dir ist in Ordnung - wirklich jede. Egal, ob Du weinst oder es nicht kannst. Grübel darüber nicht nach. Nimm Deine Oma in den Arm und sag ihr, wie lieb Du sie hast - alles andere kommt wie es kommt.
        Vielleicht kannst Du ihr dann sogar gönnen, dass sie keine Schmerzen mehr leiden muss - das hat mir bei meinem Mann auch ein kleines Bisschen geholfen.
        Ich wünsche Dir ganz viel Kraft - es ist schön, dass Deine Omi soviel Liebe von ihrer Enkelin bekommt und sie nicht alleine ist; das ist heute leider nicht immer selbstverständlich.
        Ganz liebe Grüße von Moni

        • Danke für deine lieben Worte ♥️

          Ja, ich weiß das es Realität ist. Ich weiß das ich sie nicht bei mir behalten kann. Aber, ja das doofe aber... :( Wer möchte schon einen geliebten Menschen freiwillig gehen lassen? Ich möchte nicht das sie weiter leiden muss. Sie ist bereit zu gehen, und fragt ständig wie lange sie das noch mitmachen muss. Es ist sehr sehr hart 😢

          Mittlerweile hat sie sehr viel Wasser in den Beinen. Ich habe sie über 30 Minuten massiert, dann stand sie auf und war begeistert wie gut es geholfen hat. Ich würde alles tun um ihr diesen Weg, soweit mir möglich, zu erleichtern. Ich habe halt echt Angst davor in ein tiefes dunkles Loch zu fallen. Meinem Mann habe ich das auch schon gesagt und ich hoffe er ist stark genug für uns beide. Denn leider ist mein zu Hause über 300 km entfernt von meinen Großeltern. Und ich muss irgendwann wieder zurück, dort werde ich mit meiner Trauer überwiegend alleine sein und muss trotzdem funktionieren, da ich noch zwei weitere Kinder habe. Ich habe Angst vor einem psychischen Absturz, den ich nicht mehr in den Griff bekomme. Meine Oma spielt eine so enorm große Rolle in meinem Leben. Ich hatte oft Alpträume sie zu verlieren, und jetzt ist es bittere Realität.

          • Du hast Deinen Mann, Deine Kinder - ich denke mal, die werden Dich schon auffangen.
            Ich kann es nur nochmal wiederholen - mach Dir heute noch keine Gedanken, was "danach" sein wird - man steigert sich sonst in eine Panik rein, die niemandem hilft. Deine Oma möchte das ganz sicher nicht. Je älter Du wirst, desto öfter musst Du Dich von lieben Menschen verabschieden - und es ist jedesmal anders und jedesmal schlimm. Aber auch wenn es noch so abgedroschen klingt, das gehört zum Leben leider dazu und niemand kann dem ausweichen. Liebe Grüße von Moni

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