Meine Mutter wird an Krebs sterben

    • (1) 15.04.18 - 10:51

      Meine Mutter ist 50 vor 5 jahren wurde bei ihr ein Hirntumor diagnostiziert. Op, bestrahlung, chemo folgten. In der letzten zeit ging es ihr sehr gut, so das ihre diagnose in hintergrund rückte... Letzte woche hatte sie ein MRI, es wurde ihr mitgeteilt dass sie ein rezidiv hat und sie noch die möglichkeit für eine chemo habe, dies zögere es hinaus... meine mutter spricht sehr offen darüber, für mich ist es sehr sehr schwer zu akzeptieren dass sie sterben wird. Gerne möchte ich mehr für sie da sein, wohne aber seit 2 jahren 2 stunden von ihr entfernt, habe zwei kinder und ein drittes ist unterwegs. Sie erträgt die kinder nicht mehr, den lärm, das gestritt etc. Ich wurde mit 16 schwanger und habe noch ein studium absolviert, sie zog meine älteste tochter 5 jahre auf...nun ist meine älteste 11 jahre, meine mutter ist für sie wie eine mutter. Ich fühle mich so schuldig dass ich soweit weggezogen bin. Kann mit niemanden über meine mutter sprechen, da ich immer beginne zu weinen. Ich möchte stark wirken... meine mutter ist für mich meine engste vertrauensperson, auch wenn wir oft streit hatten.

      • Liebe Nora,
        das ist eine sehr schwere Situation, und die schlechten Nachrichten sind noch relativ frisch und müssen erstmal sacken. Ich würde meine Mutter ohne Kinder besuchen, um persönlich mit ihr sprechen zu können.
        Deine Mutter muss schwerwiegende Entscheidungen treffen, will sie die Chemo machen oder lieber nicht? Gibt es andere Möglichkeiten (Bestrahlung)?
        Hat deine Mutter einen Partner, auf den sie sich verlassen kann, oder ein Netz enger Freundinnen? Hast du Geschwister, die näher wohnen, und mit denen du dich abstimmen kannst? Hast du einen Partner, der deine Kinder versorgen kann, wenn du deine Mutter besuchst? Fühlt sich deine Mutter medizinisch in guten Händen? Will sie eine Zweitmeinung einholen?
        Ich bin selbst krebserkrankt und habe auch drei Kinder. Es dauert eine Weile, bis man eine Vorstellung hat, was richtig ist. Dabei hilft es, ein Gegenüber zu haben, mit dem man die Möglichkeiten bespricht, der einem keine Empfehlungen gibt, sondern der einfach nur achtsam zuhört, bis man sich selbst im Klaren ist, wofür und wogegen man sich entscheidet. Deine Mutter klingt gefasst, so wie es sich anhört. Hör' genau hin, was sie sagt, auch auf Andeutungen. Hat sie eine Prognose bekommen, geht es um Wochen, Monate, Jahre?
        Ein Hospiz in Euerer Nähe könnte ein Möglichkeit sein, dass du sie regelmäßig begleiten kannst.
        Miteinander sprechen, über ihre und über deine Ängste, die medizinischen und palliativen Möglichkeiten, darüber, in welchem Umfeld deine Mutter ihre Zeit verbringen will, nur im ehrlichen Gespräch findet Ihr einen angemessenen Weg.

        Und: es ist überhaupt nicht schlimm, wenn du weinst, es ist ganz normal. Weinen entlastet von zu großem Druck.
        Wünsche Dir und Euerer Familie ganz viel Kraft in dieser schweren Zeit.
        d.

        Oh je, Du Arme, das muß eine ganz, ganz schreckliche Situation sein.
        Könntest Du eventuell immer mal wieder für ein paar Tage (Wochenende) zu ihr fahren und Dein Mann hütet die Kinder? Oder Du nimmst nur die älteste Tochter mit und läßt die jüngere betreuen?
        Versucht beide die Zeit noch so gut es geht zu nutzen, die euch bleibt. Unternehmt etwas Schönes, geht chick zusammen essen, besucht eine schöne Veranstaltung, geht an einem besonderen Ort spazieren. Macht Fotos, sprecht miteinander. Es ist auch völlig normal, dass Du weinen mußt. Laß das zu! Auch wenn Du in ihrer Gegenward weinen mußt, dass zeigt ihr doch nur, dass Du Dich um sie sorgst.
        Sprecht offen miteinander, auch darüber, ob sie Angst vor dem Sterben hat.
        Regelt alles für die Zeit später (Patientenverfügung, Vollmachten,...)
        Sprich auch mit Deinen Kindern (besonders der ältesten) darüber. Gib auch ihr die Möglichkeit, langsam an das drohende Sterben heran geführt zu werden, damit es sie nicht unvermittelt trifft.
        Hast Du liebe Verwandte/Freunde, mit denen Du Dich austauschen kannst, die Dich auffangen und bei denen Du Trost findest?
        Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit! #liebdrueck

        Hallo,

        es tut mir so leid für deine Familie. Krebs ist ein schwerer Schicksalsschlag.

        Jeder geht anders mit so einer Diagnose und Krankheit um und vielleicht ist es ja auch ganz gut, wenn ihr euch nicht immerzu seht und sie vor Augen hat, dass sie bald Abschied nimmt und nicht mehr bei euch ist.

        Bei mir ist es mein Vater, der bald sterben wird. Die Chemo musste abgebrochen werden, weil sein Körper nicht mehr mitmacht, er wird innerhalb der nächsten Wochen an Leberversagen versterben. Er lebt mit uns in einem Haus und zieht sich größtenteils zurück. Nicht nur, weil er fast immer schläft, sondern auch, weil er es einfach psychisch nicht aushält. Die Nähe schmerzt, die Angst wächst, die Ungewissheit nagt.

        Für mich persönlich ist der Anblick meines Vaters nicht gut auszuhalten. Sein Wesen hat sich sehr verändert, sein Körper vergiftet sich durch das Organversagen langsam selbst und das betrifft auch seine Persönlichkeit. Der körperliche Verfall ist unübersehbar. Er sieht ganz anders aus, er riecht ganz anders, es schmerzt einfach ihn so zu sehen. Das sind wohl auch die Bilder, die in den nächsten Jahren in meinem Kopf sind und da meine Kinder noch jung sind, werden dies wohl die einzigen Bilder sein, die sie von ihm in ihren Köpfen haben.

        Versuche es positiv zu sehen, auch wenn das in dieser Situation ganz schlimm klingt. Schenke deinen Kindern Unbeschwertheit und schöne letzte Erinnerungen an deine Mutter. Behalte deine Mutter auch in guter Erinnerung und versuche, tapfer zu sein. Tränen dürften und müssen geweint werden, aber nicht vor ihr und auch jetzt gerade nicht vor den Kindern. Die Zeit dafür kommt, aber jetzt ist die Zeit stark zu sein.

        Alles Gute für euch,
        lilavogel

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