Mutter stirbt - selbst schwanger

    • (1) 03.05.18 - 21:31

      Ich weiß nicht wo ich anfangen soll. Mein Leben steht Kopf...ich weiß nicht was ich fühlen soll. Alles ist so durcheinander.
      Angefangen hat alles letztes Jahr im Juni, da bekam meine Mama die Diagnose Lungenkrebs. Nach Chemotherapie und Bestrahlung konnte sie Ende letzten Jahres operiert werden und es sah soweit sehr gut aus, keine Metastasen und keine Tumorzellen im operierten Gewebe mehr nachweisbar.
      Ich habe mich au gefreut, darauf, dass ich sie weiterhin habe, dass sie mich mit der restlichen Schwangerschaft unterstützen kann und dann auch da ist, wenn unser zweites Kind zu Welt kommt. Es schien alles mit dem neuen Jahr besser zu werden.

      Leider hielt dieses Hoch nicht lange, denn im Januar diesen Jahres wurden Hirnmetastasen festgestellt und leider geht es seitdem relativ schnell bergab.

      Meine Mama war neben der Mutterrolle meine beste und irgendwie auch einzige Freundin. Wenn ich jemand zum Reden brauchte, war es immer sie gewesen. Wir haben uns regelmäßig gesehen und nahezu täglich telefoniert. Durch ihre Krankheit habe ich schon viel von ihr verloren und fühle mich sehr alleine.

      Noch bis vor 1,5 Wochen lag sie in der Klinik nahe meines Wohnortes (ich wohne ca 170km von meinen Eltern entfernt) und ich war nahezu täglich in der Klinik bei ihr. Ich habe einfach das Bedürfnis Zeit mit ihr zu verbringen. Seit nun 1,5 Wochen ist sie Zuhause, also bei meinem Vater, und wird dort versorgt...
      Ich freue mich für sie, dass sie heim konnte, aber nun komme ich nicht mehr so ohne Weiteres zu ihr. Zum einen die Entfernung und zum anderen stehe ich ca 3 Wochen vor der Geburt unseres zweiten Kindes. Ich möchte die Strecke deshalb nicht mehr alleine fahren, was nur Besuche am Wochenende mit Mann und Kind möglich machen. Jetzt bin ich eifersüchtig auf eine Schwerster meiner Mutter, die nahezu täglich einfach bei meiner Mama vorbei kommt...ich wiederum sitze hier und warte seit vorgestern auf Rückmeldung meiner Eltern, ob es okay ist, wenn wir Sonntag zu ihnen fahren. Immer wieder werde ich vertröstet.
      Ich weiß, meine Eifersuchts-Gedanken sind bescheuert und ich will sie auch nicht haben, aber es verletzt mich so sehr, dass auch ich (glaube ich zumindest) eine sehr wichtige Person für meine Mama bin, wochenlang auch wirklich viel bei ihr bin, plane und organisiere...und nun, nun stehe ich gefühlt auf dem Abstellgleis.

      Ich weiß noch nicht mal, ob ich mich auf unser Baby freuen kann oder ob es mich sogar nur stört, dass es bald soweit ist. Ich bekomme mich immer wieder ein wenig mit meinem Vater in die Haare, weil er vieles anders sieht als ich und ich ärger mich eben über jene eine Schwester meiner Mama.
      Dazu kommt, dass ich all das mit niemandem mehr teilen kann...
      Mein Mann ist Arzt und sieht alles in Bezug auf meine Mama rein medizinisch und wirklich Freundschaften habe ich nicht...durch unseren Umzug vor 1,5 Jahren sind alte Freundschaften eingeschlafen und neue noch nicht entstanden.

      Wahrscheinlich ist auch mein Text etwas konfus, aber in meinem Kopf schwirrt so viel durcheinander...

      Danke fürs Lesen

      • Hallo!

        Das ist eine schwierige Situation.

        Ich verstehe gut, dass du gern näher bei deiner Mutter sein möchtest, und innerlich wütend bist, dass das jetzt nicht so geht. Bei dir kommt ja wirklich alles zusammen. Du wartest auf dein Kind, du wärst gern woanders und irgendwo weit weg stirbt deine Mutter.

        Die Positivseite ist jedoch, dass du sicher weißt, dass sie gut versorgt ist. Sie ist zuhause, es wird sich gekümmert. Wenn du auf deine Tante auch nicht gut zu sprechen bist, so ist sie doch da und unterstützt deine Eltern. Ich weiß nicht, wie dein Verhältnis vorher zu ihr war. Wenn es immer schon kompliziert war, wird es jetzt nicht einfacher werden. Es ist allerdings ein schlechter Zeitpunkt, die Situation jetzt zur Sprache zu bringen. Eifersucht ist kein guter Ratgeber.

        Ich denke, deine Eltern und auch deine Tante wollen dich schützen und dir in deinem jetzigen Zustand nicht alles zumuten. An deiner Stelle würde ich in einem ruhigen Moment, in dem du gerade ein bisschen weniger wütend und eifersüchtig bist, dort anrufen und sachlich sagen, dass man dich einbinden soll, dass es dir schwerer fällt, wenn man dich außen vor lässt. Du machst dir so oder so viele Gedanken, da können sie dir auch ehrlich sagen, wie der Zustand tatsächlich ist, weil du ansonsten ewiges Kopfkino mit tausend verschiedenen Szenarien haben wirst.

        In deinem Wohnort könntest du dich an einen ambulanten Hospizdienst wenden. Sie werden dir zuhören und vielleicht nochmal einen ganz anderen Denkansatz für dich haben. Möglicherweise helfen sie dir auch bei einem Gespräch mit deinem Vater und deiner Tante. Manchmal geht das besser, wenn eine neutrale Person moderiert. Das geht ja auch am Telefon.

        Alles Gute!

        • Danke dir für deine Rückmeldung. Meine Mutter hatte gestern einen guten Tag, sodass wir mal wieder ein paar Minuten sehr gut miteinander telefonieren konnten.
          Ich habe ihr da auch gesagt, dass ich sie sehr vermisse und es schade finde, dass ich diese Woche so wenig mitbekommen habe und sie meinte, dass sie mich auch sehr vermisst und sich sehr freuen würde wenn wir am Wochenende vorbei kommen.
          Dieses Telefonat, wenn es auch nur wenige Minuten waren, tat mir sehr gut.

      So hart es klingen mag: aber beim Lesen Deines Textes dachte ich mir mehrmals: höchste Zeit, dass Du Dich abnabelst und echte Freundschaften aufbaust, auch ausserhalb Deines Elternhauses. Selbstverständlich ist ein enges Verhältnis zur Mutter wunderbar und schön und natürlich ist Deine Situation im Moment sehr schwierig. Du musst aber Deine Mutter auch gehen lassen - und nicht nur Du willst Dich verabschieden, auch Dein Vater, Deine Tante: alle, die mit Deiner Mutter zu tun haben. Du musst loslassen. Dein Baby kommt bald und wird (zu Recht!) Deine gesamte Aufmerksamkeit beanspruchen. Das ist einfach der Lauf der Dinge. Das weiß auch Deine Mutter sicherlich. Sie geht und Dein Kind kommt. Bitte such Dir Menschen, die Dich tragen und stützen können in Zukunft - es ist schwierig, so einsam zu sein.
      LG, evi

      • Es ist nicht einfach Freundschaften aufzubauen, wenn man sehr oft den Wohnort wechselt.
        Ich habe in den letzten 10 Jahren eigentlich nie länger als 2-3 Jahre wo gewohnt. Klar, hab ich dort ein soziales Netzwerk jeweils aufgebaut gehabt, aber Freundschaften entstehen meiner Meinung nach nicht nach wenigen Wochen oder Monaten, sondern brauchen Zeit - zumindest bis man sich dem Gegenüber dann mit solchen Sorgen anvertraut. Ich bin einfach niemand der einer neuen Bekanntschaft gleich mal vor heult, dass die Mutter schwer krank ist und der Vater psychische Probleme hat etc.
        Meine Mutter war aber in all der Zeit dennoch immer da und da sie mich sehr jung bekommen hat, ist unser Verhältnis einfach schon immer gut.
        Ich habe inzwischen meine eigene Familie und ich habe sehr wohl einen Freundeskreis, aber für tägliche Sorgen, Unterstützung bei der Erziehung unsrer Tochter oder sowas, war meine Mutter, als stetige Konstante in meinem Leben, immer eine wichtige Bezugsperson. Und deshalb bezeichne ich sie gerne als beste Freundin.

        Klar wollen sich mehrere von ihr verabschieden und klar kann und darf das auch jeder. Es ist aber auch so, dass die Ehe meiner Eltern schon seit vielen Jahren nicht mehr das Wahre ist und es ständig Streit gab, auch seit der Diagnosestellung. Ich bin froh, wenn sie es schaffen jetzt nochmal etwas ins Reine zu kommen, aber ich ärger mich darüber, dass ich alles medizinische organisieren und planen sollte (auch die Vollmacht in dem Bereich habe), mich aber scheinbar mehrere versuchen raus zu halten, seit meine Mutter Zuhause ist.

        • Ja, das ist leider am Ende des Lebens der Eltern oft so - ich hätte niemals geglaubt, dass meine drei Geschwister und ich uns jemals streiten würden, und doch war es beim Tode meines Vaters so....auch in der Zeit davor, als er sehr krank war. Das ist bitter und tut weh. Das verstehe ich - es ist einfach auch eine schwere Erkenntnis, dass jeder anders mit Krankheit und Tod umgeht und anders trauert. Und leider ist es auch oft so, dass EINE (meist die Tochter!!!) organisiert und die anderen zwar davon profitieren, dann aber selbst Anspruch darauf erheben zu wissen, was am Ende für die Mutter/den Vater gut ist. Da kann ich Dir nur von ganzem Herzen Liebe, Geborgenheit und Gelassenheit wünschen - soweit dies möglich ist. Manche Wunden brauchen ein wenig, bis sie heilen....
          Lg, evi

Top Diskussionen anzeigen