Vater weg = Stillstand ...

    • (1) 09.06.18 - 20:08

      Hallo liebe Urbia-Familie,
      ich bin 21 Jahre alt und habe meinen Vater nun vor einem halben Jahr aufgrund von Krebs gehen lassen müssen.

      Die Zeit - die seitdem vergangen ist - würde ich wie einen Film beschreiben, der an mir vorbeigezogen ist. Trotz sämtlichen Gesprächen mit meiner kleinen Schwester (20) und meiner Mutter finde ich einfach keinen Umgang mit der Situation. Mein Vater war für mich der emotionale Pfeiler, an den ich mich lehnen könnte und an den ich mich lehnen wollte. Ich bin von Natur aus ein Typ, der sich nicht von jeder Person etwas sagen lässt und sämtliche Aussagen kritisch hinterfragt. Worauf ich hinaus möchte ist, dass es eigentlich nur eine Person in meinem Leben gab, mit der ich diskutieren konnte und bei der ich mich komplett fallen lassen konnte. Es ist dieses Gefühl der Lebenslust, dass man nach einem Gespräch - in das man voller Missmut und Demotivation gegangen ist - schöpfen konnte, dass ich nun dauerhaft vermisse. Ich erkenne mich nicht mehr wieder, frage nach werten die mich ausmachen und suche vergeblich meinen Humor. Ich weiß momentan einfach nicht wohin mit mir.

      Sollte ich mir vielleicht professionelle Hilfe von außen holen?

      Vielen Dank

      • Guten Abend, mir geht es genauso wie dir, nur das meine Mutter verstorben ist. Ich fühle mich irgendwie einfach nicht mehr komplett, mir fehlt ein Teil von mir, kann ich gar nicht genau beschreiben. Ich gehe meinen Altag nach, aber irgendwie fehlt mein Hafen.
        Ich hab 2 kleiner Kinder, ohne sie würde ich vermutlich durchdrehen.
        Es kann nicht schaden wenn man sich Hilfe sucht, aber ich glaube und weiß , das Trauer ein langer Prozess ist. Irgendwann tut es nicht mehr so weh, man kann wieder Lachen, sich freuen und das Leben geniessen, aber es dauert. Bei meinem Papa hat es Jahre gedauert , weil ich mir keine Hilfe gesucht habe. Bei meiner Mama hab ich mir geschworen , das mir das nicht nochmal passiert. Ich geh anders damit um, ich lass die Trauer zu. Ich erinner mich gern und weine viel wenn ich alleine bin, aber dadurch verarbeite ich das ganze.
        Jeder muss seinen eigenen Weg finden mit Trauer umzugehen, aber irgendwann geht es.
        Die Sonne geht auch für dich wieder auf.

        Hallo,

        dein Verlust tut mir leid.

        Ja, du solltest dir Hilfe holen. Gerade für Angehörige von Krebspatienten gibt es viele Angebote und vielleicht ist es sogar sinnvoll, wenn du eine Kur machst. Informationen solltest du über deinen Hausarzt bekommen oder den Arzt, der deinen Vater behandelt hat. Wenn ihr mit einem Palliativnetzwerk vernetzt wart, dann habt ihr sicherlich auch schon Ansprechpartner und Hilfsangebote bekommen. So war es bei uns. Auch nach dem Tod meines Vaters.

        Viele Grüße und alles Gute,
        lilavogel

        Mir tut es auch sehr leid. Ich hab meinen Papa vor bald 6 Jahren verloren und es ist immer noch sehr schmerzhaft. Ich denke fast jeden Tag an ihn. Sein Grab kann ich auch immer noch nicht besuchen. Vielleicht kann Dir einen Trauerbegleitung helfen. Ich hab die ersten Monate aber auch wie Du erlebt. Wie im Trance und irgendwie stand alles still. Es dauert, bis man nach so einem Verlust wieder im Leben ankommt. Ich denke, dass ist normal.

        Liebe Grüße

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