Verabschiedung eines Verstorbenen mit Kind

    • (1) 11.07.18 - 21:09
      Inaktiv

      Guten Abend ihr Lieben,
      Ich versuche mich möglichst kurz zu halten.
      Gestern Abend bekamen wir den traurigen Anruf, die Oma meines Mannes ist verstorben. Sie lebte bei meinen Schwiegereltern und verstarb in ihrem Bett. Mein Mann fuhr los, um seinen Eltern beizustehen und sich von seiner Oma nochmal zu verabschieden. Ich blieb mit meinen Kinder, 12 J., 7 J. und 16 Wochen zu Hause. War für uns selbstverständlich. Nun waren gestern alle dort, Geschwister meiner Schwiegereltern und Geschwister meines Mannes mit ihren Kindern. Heute wurde ich via WhatsApp von meiner Schwägerin darauf angesprochen, warum ich nicht da war, warum sich meine Kids nicht von ihrer Urlioma verabschieden "durften". Am Freitag ist Begräbnis und ich befürchte, dass ich auch da darauf angesprochen werde. Warum ich nicht da war? 1. Wollte ich meinen Kindern diese Nachricht nicht spät abends überbringen (habe es ihnen heute vormittag gesagt) und 2. bin ich mir sicher, dass meine Kinder es nicht verkraften könnten, ihre tote Urlioma im Bett liegen zu sehen. Handle ich falsch? Was hättet ihr getan?

      • Das sollte jedem selbst überlassen werden, also ihr als Eltern natürlich im Sinne der Kinder. Mein Mann wurde mehr oder weniger damals " gezwungen " seine Omas noch einmal zu sehen, wo sie verstorben waren. Das begleitet ihn heute noch. Für mich war immer klar, ich möchte die Leute so in Erinnerung behalten wie zu Lebzeiten.
        Wie man sich auch entscheidet, da sollte jeder Verständnis für haben.

        • (3) 11.07.18 - 21:17

          Das sehe ich ganz genau so. Jeder sollte selbst entscheiden, wie er jemanden in Erinnerung behalten möchte. Und nur weil andere so handeln, heisst das nicht das man es auch so machen muss. Und ich finde du hast für deine Kinder genau richtig entschieden!

          (4) 11.07.18 - 21:17

          Ich denke auch, dass meine Kinder dieses Erlebnis lange begleitet hätte. Aber danke für deine Aussage "so in Erinnerung behalten wie zu Lebzeiten" jetzt weiß ich, was ich argumentieren kann, wenn man mich am Begräbnis darauf anspricht.

      (5) 11.07.18 - 21:17

      Hi,

      also ich finde das völlig ok so. Das ist keine Nachricht, die man kurz vorm schlafen gehen überbringt. Gerade wenn es vielleicht nich der erste Todesfall ist und die Kinder dann noch Fragen haben und darüber reden wollen.
      Es reicht doch wenn man zum Begräbnis geht. Da kann man auch Abschied nehmen, dazu muss man nicht den toten Körper sehen.

      Selbst ich als Erwachsener habe darauf verzichtet. Ich hätte meine Oma noch Mal sehen können, hab aber darauf verzichtet und behalte sie lieber lebendig in Erinnerung.

      Ich würde es einfach kurz erklären und dann wäre es für mich erledigt.

      (6) 11.07.18 - 21:22

      Hey du, ich kann nur aus meiner Erfahrung raus sprechen.
      Ich finde du hast es richtig entschieden.

      Aber du solltest sie schon mit zur Beerdigung nehmen, vllt das ganz kleine Kind nicht, aber die anderen beiden.

      Quasi meine ganze Familie, bis auf meine Eltern und meine eine Oma sind verstorben bis ich so 14 war. Ich durfte zu keiner Beerdigung gehen, konnte mich nie auf meine Weise verabschieden und leide da heute noch drunter.

    Guten Abend,
    ich spreche dir und deiner Familie erst einmal mein Beileid aus.
    Ich kann nicht aus Erfahrung sprechen, finde aber, dass es eure alleinige Entscheidung ist.
    Wieso, weshalb, warum?
    Eure Kinder, eure Entscheidung.
    Ihr kennt sie am besten.
    Selbst ich, konnte und wollte mit meinen damals 21 und 32 Jahren keinen Abschied am Totenbett von meinen Großeltern nehmen.
    Da hat mich nie jemand gefragt wieso ich nicht da war oder wieso ich nicht wollte, selbst meine Eltern nicht.
    Es wurde direkt akzeptiert und respektiert.
    Ich finde, dass ist jedem seine Entscheidung und ihr als Paar habt diese, für euch als Familie, so getroffen.
    Ich finde es bedarf keiner großen Erklärung.

    Liebe Grüße

(10) 11.07.18 - 21:38

Hallo!
Aus eigener Erfahrung und aus beruflicher Perspektive: frag deine Kinder! Sprich mit Ihnen.

Kinder haben oft einen vor
unverkrampfteren Umgang mit dem Tod als Erwachsene. Kinder wissen sehr gut, was sie sich zumuten können. Der Tod gehört zum Leben. Das wird auch bei der Beerdigung deutlich. Das können Kinder schon früh begreifen und werden dadurch auch davor geschützt als Erwachsene kopfüber in solch eine Situation zu purzeln, die über viele Jahre verdrängt wurde.

Ein toter Mensch sieht selten schlimm aus. Da hat man oft Horrorvorstellungen. Viele sehen einfach sehr friedlich aus. Das ist dann kein schlimmes Bild, was sich festsetzt. Deshalb würde ich es Kindern immer ermöglichen- WENN sie es selbst wollen. Wenn nicht: dann natürlich nicht.

Mir hat man die Möglichkeit damals genommen, die Uroma noch mal zu sehen. Ich war damals 5. ich war lange sauer auf meine Eltern und habe den Gedanken lange mit mir rumgetragen.

Aber: es ist wichtig, dass ihr das als enge Familie miteinander regelt. Egal, was die Schwägerin oder sonstwer meint, denkt oder sagt.

Alles Gute für euch!
Viele Grüße, Baracha

  • (11) 11.07.18 - 21:46

    Das hab ich leider nicht gemacht, da ich diese Nachricht nicht so spät abends meinen Kindern überbringen wollte. Ich hoffe, meine Kinder werden es mir nicht böse nehmen, wenn die anderen Kinder am Freitag von der "Verabschiedung" berichten werden :(

    • (12) 12.07.18 - 00:04

      Die Situation ist jetzt so wie ist. Den beiden größeren Kindern kannst du erklären, warum du so entschieden hast. Ich denke, sie werden es verstehen. Mach dir nun keine Vorwürfe. Wichtig ist, dass sie die Chance haben, sich überhaupt zu verabschieden. Und das haben sie bei der Beerdigung!

      Alles Gute!
      Baracha

(13) 11.07.18 - 21:46

Ich finde auch das du richtig entschieden hast. Sie sollen ihre Uroma so in guter Erinnerung behalten. Nicht jeder kommt damit klar tote Menschen zu sehen, und Kinder können es meistens auch noch nicht so richtig verstehen.

(14) 11.07.18 - 22:00

Du hast überhaupt nichts falsch gemacht. Ich bin der Meinung, dass Kinder noch nicht unbedingt einen toten Menschen sehen müssen, verabschieden können sie sich auch auf der Beerdigung. Meine Oma ist dieses Jahr gestorben und ich konnte leider nicht auf die Beerdigung gehen, da ich im KH lag (wurde genau an diesem Tag eingewiesen), ich wollte also gehen mit meinem 10Tage altem Wurm, hätte aber meine 3 einhalb jährige Tochter nicht mitgenommen, weil sie es einfach nicht verstanden hätte. Deine können vom Alter her mitgehen, aber vorher sehen, muss nicht unbedingt sein. Eine Mama darf das entscheiden für ihre Kinder und du brauchst dir überhaupt nix vorwerfen lassen.

LG Nicole mit 18Wochen altem Wurm 👶

(16) 11.07.18 - 22:27

Ich finde es nicht gut, dass du es FÜR deine Kinder entschieden hast. Mit 12 und 7 sind sie alt genug, das selbst zu entscheiden. Wenn die Kinder sie nicht so sehen wollen, ist das okay. Aber wenn sie es gewollt hätten, hast du ihnen tatsächlich die Möglichkeit genommen, sich zu verabschieden.

Wohlgemerkt, ich sage nicht, dass die Kinder und du den anderen Verwandten zuliebe hätten hingehen sollen.

Der Sohn meiner Freundin hat seiner Oma mit 5 Jahren Lebewohl gesagt und ihr eine Rose aufs Bett gelegt. Weil ER es wollte.

LG

  • (17) 11.07.18 - 23:01

    Ja, die Möglichkeit hab ich Ihnen genommen, aber doch zu Ihrem eigenen Wohl? Ich glaube, sie hätten mitfahren wollen aber ich glaube auch, so schätze ich meine Jungs ein, hätten sie mit der Situation nicht gut umgehen können. Mein jüngerer Sohn hat heute Vormittag 2 Stunden intensiv getrauert. Gestern Abend hätte er sich dann wohl in den Schlaf geweint. Ja ich fühle mich auch etwas schuldig, ihnen die Entscheidung abgenommen zu haben, aber ich glaube es war richtig so. Naja ich weiß nicht...

    • (18) 12.07.18 - 09:38

      Meine persönliche Einstellung ist, dass man als Eltern den Kindern nicht alles abnehmen oder fern halten soll, sondern ihnen hilft Wege durch schwere Situationen zu finden. MEIN Weg wäre daher gewesen, den Kindern zu sagen, dass Oma gestorben ist und zu Hause im Bett liegt und sie zu fragen, ob sie Oma noch mal sehen möchten. Wenn sie Nein sagen, ist das natürlich völlig okay.

      Meine Schwester leidet heute noch darunter, dass sie meinen Vater nicht mehr sehen konnte.

      Menschen neigen dazu den Tod zu tabuisieren und weg zu schieben. Er gehört aber zum Leben. Es sterben Angehörige, Haustiere und Menschen auf dem offenen Meer. Für mich ist es wichtig, Kindern den Umgang damit beizubringen. In ihrem eigenen Tempo aber ohne für sie zu entscheiden, ob etwas gut für sie ist oder nicht.

      LG

      • Ich sehe das genau so und würde es immer den Kindern überlassen, die in den meisten Fällen viel batürlicher mit dem Thema umgehen als ihre Eltern.
        Vielleicht ein blödes Beispiel aber ich habe meinen Eltern nie wirklich verziehen, dass sie unseren Hund praktisch hinter meinem Rücken einschläfern lassen und beerdigt haben, ohne mir die Chance zu geben, ihn zubegleiten und zu verabschieden. Ich war damals 6 Jahre und in meibem Leben schon viele verstorbene Abgehörigegesehen oder sterben sehen und das war nichts Gruseliges, was man nicht verkraften kann, sonder für mich hilfreich, um zubegreifen, dass es ein endgültiger Abschied ist.
        LG

        • (20) 15.07.18 - 22:17

          Als unser Kater eingeschläfert werden musste, habe ich den Tierarzt gebeten zu warten, damit ich meinen Sohn, damals 11, aus der Schule holen konnte. So hat er es auch gewünscht. Er hat beim Tierarzt Abschied genommen und dann draußen gewartet, weil er das mit der Spritze nicht sehen wollte.

          Der Tierarzt hat dann, als der Kater tot war und bei mir die Schleusen aufgingen, zu mir gesagt, dass ich meinen Sohn einen großen Gefallen getan habe, sich bewusst verabschieden zu dürfen. Dass viele Eltern die Tiere einschläfern lassen, wie es deine getan haben und die Kinder viel länger leiden, weil ihnen der Abschied fehlt.

          Meine Oma kam aus der Generation Tod=Tabu und hatte selbst wahnsinnige Angst davor. Das möchte ich vermeiden. Als mein Sohn klein war, hat er mal einen toten Vogel gefunden. Da hat er auch gefragt, in der Vogel schläft und ich habe das verneint. Es sind gute Anlässe, den Kindern den Tod näher zu bringen und ihnen zu erklären, dass er Teil des Lebens ist und dazu gehört. Und im Idealfall erst, wenn wir steinalt sind.

          Ich hoffe, dass er einen gesunden Weg finden wird, mit den Verlusten, die niemand verhindern kann, umzugehen, zu trauern und wieder nach vorn zu schauen.

          LG

    (21) 12.07.18 - 22:10

    Genauso habe ich auch gedacht. Mein armer Sohn wird das nicht verkraften seine Oma tot zu sehen. Er hat es selbst entschieden, dass er mit will. Erst hat er gezögert und später lag er bei seiner toten Oma im bett und hat geweint, danach hat er ihr ein Bild gemalt das sie mit in den Sarg nehmen sollte. Danach ging er besser mit der Situation um wie mancher erwachsener. Und ich habe gemerkt, dass er genau die Art Verabschiedung gebraucht hat auch wenn ich es sehr schlimm fand das mit anzusehen

(23) 11.07.18 - 22:28

Ich finde du hast richtig gehandelt. Mein Sohn war damals auch 7 als sein Uropa gestorben ist. Das hat ihn sehr lange begleitet, obwohl er nicht einmal zur Beerdigung war. Jetzt vor einem halben Jahr sind beide Uromas verstorben und da wurde ich auch gefragt, warum er (inzwischen 9 Jahre) nicht mit war. Aber ich weiß es hätte ihn noch mehr aus seinem Gleichgewicht gebracht als die Nachricht allein. Selbst für Erwachsene sind Beerdigungen schon schwer genug, wie sollen denn Kinder mit so etwas zurecht kommen. Also mein Sohn wird erst wenn ich mir sicher bin, dass er sowas gut wegsteckt, zu einer Beerdigung gehen. Man unterschätzt finde ich die emotionale Belastung sehr schnell, ich hätte auch nie gedacht, dass mein Sohn da so drauf reagiert und es hat ihn wirklich selbst 1 Jahr später noch sehr beschäftigt und aus dem Gleichgewicht gebracht.

  • (24) 11.07.18 - 22:53

    Danke für deine Antwort. Ich sehe das auch so, ich denke es ist genug, wenn meine Kinder zur Beerdigung kommen und sich dort verabschieden. Aber die Familie meines Mannes sieht das wohl anders.

    (25) 15.07.18 - 21:52

    Vielleicht hat er auch so lange damit zu tun gehabt, weil ihm ein (be)greifbarer Abschied gefehlt hat. Kinder gehen meist viel selbstverständlicher mit dem Tod um als Erwachsene, die in ihrer Kindheit von dem Thema abgeschirmt wurden.
    L g

Top Diskussionen anzeigen