Vater verstorben, Mutter hat neuen Freund

    • (1) 21.09.18 - 02:26

      Hallo, erstmal mein herzliches Beileid für alle die jemand verloren haben!

      Ich habe auch vor zwei Jahren meinen Vater verloren, zwei Monate nach der Geburt meiner Tochter.
      Er war schon länger Zeit sterbens krank, aber irgendwie verdrängt man das in der Hoffnung das er wieder gesund wird!

      Mein Mutter hat nach zwei Jahren wieder einen Mann gefunden.
      Ich war geschockt!
      Natürlich will ich das meine Mutter wieder glücklich wird, also versuche ich mich darüber zu freuen.
      Ich möchte auch nicht das sie mit 50. Jahren den Rest ihres Lebens alleine verbringt!

      Aber mir fällt es unglaublich schwer!
      Ich weiß nicht wie ich damit jemals klar kommen soll!
      Jedes mal wenn ich den Mann sehe erinnert mich das daran, dass mein Vater verstorben ist.
      Ich empfinde es irgendwie für mich nicht richtig, er wird nicht den Platz meines Vaters einnehmen, aber trotzdem ist er jetzt dort, an der Seite meiner Mutter...
      ... Wo eigentlich nur mein Vater hin gehört!

      Ich sehe die Situation gespalten, als Frau kann ich es total verstehen!
      Als Tochter wünsche ich mir das meine Mutter glücklich ist, aber es gehört niemand anderes als mein Vater an ihre Seite!

      Wisst ihr was ich meine, bzw habe ich mich verständlich ausgedrückt?

      Kann mir jemand helfen eine Lösung zu finden? Das es mir leichter fällt mit der Sache um zu gehen.

      Im Moment halte ich den Kontakt kurz , da es mir sonst schlecht geht, körperliche Beschwerden...

      Vielleicht hat jemand einen guten Rat für mich.

      Vielen Dank

      • Guten Morgen,

        ich kann zwar nur bedingt mitreden: meine Eltern sind nur geschieden. Nichtsdestotrotz ist es bei mir ähnlich gewesen am Anfang. Ich habe die jeweiligen neuen Partner abgelehnt. Tief im Inneren will ich auch, dass beide glücklich sind, aber zusammen gehören sie für mich nicht mehr, auch wenn ich die neuen Partner beide nicht unbedingt liebe. Sie werden nie das andere Elternteil ersetzen, aber ich kann es meinen Eltern gönnen, dass sie nochmal glücklich sind.
        Bei mir hat viel Zeit geholfen - mittlerweile ist die Trennung fast 17 Jahre her und bestimmt auch der räumliche Abstand - knapp 700km.
        Da Du aber ja auch körperlich darunter leidest, würde ich Dir empfehlen, evtl eine Trauerberatung zu machen bei einer Psychologin oder einer anderen Organisation.
        Ich wünsche Dir alles Gute und dass Du irgendwann sehen kannst, dass dieser neue Mann Deine Mama wieder zum Lachen bringt und sie glücklich macht.

        Liebe Grüße
        Nisi

      Hallo!

      Das hört sich ein bisschen so an als seist du in der Trauer um deinen Vater stecken geblieben. Trauer hört nie auf, aber sie verändert sich. Deine Mutter hat den nächsten oder sogar den übernächsten Schritt gemacht, du bist stehen geblieben.

      "....aber es gehört niemand anderes als mein Vater an ihre Seite!"

      Das ist eine sehr harte Aussage, die sowohl dich als auch deine Mutter beschränkt. Dein Vater behält ja seinen Platz, aber der ist nicht mehr ausschließlich an der Seite deiner Mutter. Deine Mutter gehört sich selbst und nicht einem Toten.

      Niemand verlangt, dass du den neuen Partner toll findest. Er ersetzt nicht deinen Vater und das will er wahrscheinlich auch nicht. Er ist etwas Neues im Leben deiner Mutter und er kann was Neues in deinem Leben werden, muss er aber nicht. Wenn du ihn nicht magst, kannst du auf Distanz zu ihm bleiben, aber du musst akzeptieren, dass deine Mutter ihren eigenen Weg geht.

      Und andersherum: Was würdest du dir von deinem Partner wünschen, wenn du die Erste bist, die gehen muss. Soll er für den Rest seines Lebens (und bei deiner Mutter kann der Rest des Lebens noch ganz schön lang sein) dir hinterher trauern, darf er sich nicht neu verlieben? Die Zeit mit dir wäre doch dann nicht weg oder ausradiert. Würdest du ihm nicht wünschen, dass er hoffentlich glücklich weiterlebt?

      Der Tipp, dass du dir professionelle Hilfe suchst, ist ein guter, denke ich. Unterschwellige Vorwürfe an deine Mutter würden euer Verhältnis nur unnötig belasten.

      LG

    • (5) 21.09.18 - 14:15

      Hi,
      Deine Mutter ist erst 50 Jahre alt. Sie wird noch 15 Jahre und mehr arbeiten müssen, hat noch 30 Jahre oder so vor sich.

      Soll Sie jetzt schwarz gekleidet, griesgrämigen Gesicht von der Arbeit auf den Friedhof huschen, sich danach ein Singelessen in der Micro warm machen und darauf hoffen, daß Du mit dem Enkelkind vorbei kommst, oder anrufst.......Tag ein, Tag aus.......?

      So wie Du einem Baby zugesehen hast, wie daraus ein Kindergarten Kind wurde, hat Deine Mutter getrauert. Ist auf den Friedhof, in die Kirche, an die Orte, wo sie mit ihrem Mann glücklich war. Hat das essen gekocht, und dann 3 Tage von gegessen, da sie ihn noch eingeplant hatte.

      Sie wird das eine oder andere Paar Socken, peinlich berührt in den Schrank gelegt haben, das sie für deinen Vater gekauft hat, weil sie erst daheim gemerkt hat, das da keiner mehr ist.

      Sie hat 2 seiner Geburtstage und Weihnachten ohne ihn überstanden. Es ist doch schön, das sie wieder jemanden an seiner Seite hat.

      Du konntest nicht so trauern, du hattest ein Baby bekommen. Du musstest funktionieren, und da Du vermutlich nicht mehr daheim wohntest und jetzt wohnst, war das vermissen und akzeptieren, das er nicht mehr da ist, ganz anders. Du bist nicht jeden Tag mit konfrontiert worden, hast keine 2 Jahre, jeden Tag, mit arbeiten können.

      Deine Mutter ist aber jetzt soweit, wenn er nicht der letzte Vollpfosten ist, gönn ihr das Glück.

      Geh öfters auf den Friedhof und besuche das Grab deines Vaters. Fang eine Gesprächstherapie an, bei der Caritas bekommst du zeitnah Termine. Der neue braucht und wird nicht dein Vater ersetzen, du bist selber Mutter, hast Dein eigenes Leben. Aber der neue, wird deiner Mutter hoffentlich das Leben wieder ein Stückchen heller machen.

      Alles gute!
      Hermine

    Hallo Steffi,

    deine Situation ist wie meine vor ein paar Jahren. Mein Papa verstarb 2012 ganz
    unverhofft und plötzlich. Es war furchtbar für uns alle. Meine Mutter hat 2 Jahre später ihren jetzigen Freund kennen gelernt. Auf einmal war er da. Ich war auch total geschockt und wußte nicht wie ich damit umgehen sollte.
    Meiner Schwester ging es ähnlich, wir tauschten uns aus. Für Mutti ist es ja eigentlich schön, nicht mehr so allein usw. Irgendwie hatte ich das Gefühl, wenn ich mit dem Mann einverstanden bin, dann würde ich meinen Vater "verraten"....
    Meine 1. Reaktion meiner Mutter gegenüber war, "Wehe, es verschwindet ein Foto von Vati..." Sie stehen heute noch alle. In schwachen Momenten habe ich ganz für mich
    alleine Rotzblasen geheult. Je mehr Zeit verging, desto mehr merkte ich, er tut meiner
    Mutter gut. Er hat nie versucht meinen Vater zu ersetzen. Er geht mit meiner Mutti
    zusammen auf den Friedhof und hält mit ihr alles schön. Ich hatte immer Angst das wir vielleicht nicht mehr soviel über mein Vati reden würden, das das irgendwie komisch ist. Zum Glück hat sich das nicht bestätigt. Meine Mutti redet heute noch viel über meinen Vater, Siggi ist dabei, es ist nicht mehr komisch. Innerlich habe ich ordentlich mit mir gekämpft. Dieses Jahr war das erste Jahr wo ich dem neuen Freund was zum Geburtstag geschenkt habe (die anderen Jahre nur ne Karte).
    Es kam von Herzen. Meine Mutter ist glücklich, mein Vater unvergessen und nach wie vor geliebt. Siggi ist für meine Mutter da, er ist denke ich auch glücklich.

    Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen.

    LG Peggy

    • Vielen Dank, freut mich das du einen Weg gefunden hast, damit umzugehen!
      Das ist momentan für mich unvorstellbar, ich habe das Gefühl seit dem der Freund meiner Mutter da ist, geht es mir schlechter.
      Nicht nur Bauchschmerzen und Übelkeit sondern auch Schlaflosigkeit, weil ich immer daran denken muss.

Ich bin einige Jahre älter als Deine Mutter und mein Mann ist vor 3 1/2 Jahren gestorben. Sollte ich jemanden kennenlernen und eine neue Beziehung eingehen, würde sich meine Tochter Kritik aber ganz sicher verkneifen, wenn es nicht gerade Vollhonk ist. Es wäre für sie sicher auch seltsam, sie wüsste aber auch, dass das vorrangig meine Sache ist.
Für Dich war es nicht einfach und wenn Du aus der Situation nicht herauskommst, dann such Dir bitte dringend jemand, der Dir bei der Trauerbewältigung hilft und mach Deiner Mutter keine Vorwürfe; das ist vollkommen unangebracht und auch unsensibel. Sie hat ihren Mann gepflegt und mitgelitten und ihn dann doch verloren, sie hat ein neues Glück mehr als verdient, sie hat noch hoffentlich viele Jahre vor sich. Glaubst Du, Einsamkeit ist schön?
Der neue Partner wird NIE genau den Platz Deines Vaters im Herzen Deiner Mutter haben, das geht garnicht. Er hat einen anderen Platz, aber den hast Du zu respektieren.
Nimm mir meine offenen Worte bitte nicht übel, aber Du musst zusehen, wie Du mit dem neuen Familienmitglied erwachsen umgehen lernst; eine professionelle Trauerbegleitung kann Dir dabei wirklich helfen. Ich habe meinen Vater auch sehr geliebt und auch er starb sehr früh. Mir war klar, dass meine Mutter irgendwann wieder jemand haben wird.
Hast Du Dich mit dem Mann überhaupt schon mal unterhalten oder lehnst Du das auch ab? LG Moni

  • Als mir meine Mutter davon erzählte, fragte sie mich ob es für mich okay wäre, ich sagte ihr das sie selbst wissen muss ob sie für was neues bereit ist!
    Als ich später versuchte mich zu distanzieren, fragte sie mich ob ich ein Problem mit ihrem Freund hätte!
    Ich sagte ihr das ich mit ihm persönlich kein Problem habe, da ich mir kein Urteil erlauben kann, weil ich ihn nicht kenne! Aber es mir sehr schwer fällt, dass ich noch Zeit brauche.
    Sie hat das so hingenommen, allerdings musste ich ihr das jetzt schon zum zweiten Mal sagen.
    Ich weiß nicht wie lange sie das noch so akzeptieren wird, das ich auf Distanz gehe.
    Bald habe ich Geburtstag und ich habe gar keine Lust zu feiern und Weihnachten würde ich auch am liebsten ausfallen lassen, weil mein Mutter ihn überall mit hin nimmt! Zu Hause ist sie auch nie alleine anzutreffen, ich dachte zuerst schon er wäre eingezogen, aber noch ist das nicht der Fall.

    • Wenn der neue Partner ok ist, deiner Mutter gut tut und sie nicht versucht zu verändern, so versuche auch du ihn zu akzeptieren!

      Es kann viiiiiel schlimmer sein...ich habe meine Mutter durch den Tod und meinen Vater durch die neue Partnerin verloren, weil er sich völlig verändert hat. :-(

      Ich kann es nur wiederholen, lass Dir endlich helfen. Wenn Du 15 wärest, könnte ich Deine Reaktion noch verstehen, aber Du lebst selber in einer Partnerschaft und bist erwachsen, da sollte man souveräner reagieren können. Wenn Dir ein bißchen an Deiner Mutter und an der Familie liegt, tu was.
      Zu trauern ist die eine Sache, alle Familienfeiern zu boykottieren und bockig zu sein die andere.
      Ehrlich - ich wäre als Deine Mutter ziemlich enttäuscht von Dir und würde Dir das wohl auch so sagen. Denk mal dran, was Dein Vater zu so einem Verhalten sagen würde? Glaubst Du nicht, er gönnt seiner Frau ihre neue Beziehung? Wenn er sie geliebt hat, dann ganz sicher. Mein Mann sagte zu mir, als er schwer krank war, ich solle nicht alleine bleiben, er würde das nie wollen......
      LG

      Ganz ehrlich!
      Du solltest dir schnellstens Hilfe suchen. Ich habe 2001 meinen Vater verloren, da waren meine Eltern noch nicht mal 50 Jahre. Ich hatte damals noch gar keine Kinder und war mit meinem Mann noch nicht verheiratet, so dass mein Vater seine Enkel nie persönlich kennengelernt hat.

      Nach zwei Jahren hat meine Mutter einen anderen Mann kennengelernt. Ich habe dieses immer akzeptiert, obwohl ich diesen Mann nicht mochte. Das ganze hat dann nicht so lange gehalten.
      Einige Zeit später lernte meine Mutter ihren heutigen Mann kennen. Er ist sehr nett und ein toller Opa, sogar für mich eine "Papaersatz" geworden.

      Ich bin so froh, dass meine Mutter wieder "glücklich" ist. Mein Vater ist weiterhin gegenwärtig. Meine Kinder wissen genau, dass ihr Opa nicht mein Papa ist. Wir reden immer noch oft über meinen Vater und das ist auch gut so.

      LG Basket

      PS: Ich persönlich habe sehr lange gebraucht über den Tod meines Vaters hinwegzukommen. Ich rede oft mit ihm, dass hilft und ich weiß, dass er sehr stolz auf alles gewesen wäre, was ich bisher geschafft habe!

      >>>weil mein Mutter ihn überall mit hin nimmt!<<<

      Du redest über den Mann, als ob er Hund wäre.

      Vielleicht solltest du dich auch mal zusammenreißen und dem Mann eine Chance geben.

      Dein Verhalten deiner Mutter gegenüber solltest du auch mal überdenken.

Meine Mutter ist vor acht Jahren verstorben. Sie war schwer krank und wir haben Sie als Familie bis zu ihrem Tod gepflegt.
Ich war damals traurig und musste meinen Kinderm helfen über den Verlust hinweg zu kommen.... mir hat es immer geholfen mir klar zu machen, das der Tod letztlich eine Erlösung war und meine Mutter friedlich eingeschlafen ist. In der Zwischenzeit hatte mein Vater zwischenzeitlich eine neue Partnerin, wir haben es akzeptiert auch wenn wir sie nicht besonders mochten....ich habe mir immer gesagt, es ist sein Leben und er soll glücklich sein. Zur Zeit ist er Single aber sollte sich das wieder ändern, warum nicht die Vergangenheit mit meiner Mutter war schön aber das Leben geht weiter...einen unglücklichen Trauerklos als Vater wäre mir nicht lieber.

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