Puhh...meine Kinder wollen mit zur Aufbahrung.

    • (1) 26.09.18 - 21:51

      Hallo.
      Meine Oma ist gestern ganz plötzlich gestorben. Sie war eine tolle Uroma und meine Kinder haben sie geliebt. Wir haben schon viiieeel geweint und tun es auch immer noch...
      Nun ist am Freitag die Aufbahrung und ich werde mich definitiv nochmal von ihr persönlich verabschieden. Meine Kinder haben davon erfahren und wollen nun auch hin und sie nochmal sehen.
      Mein Großer(11) nicht. Er sagt er möchte sie so in Erinnerung behalten. Ich glaube er möchte einfach nicht mehr weinen und hat einfach Angst. Gut er bleibt zu Hause. Mir sogar lieber. Aber was mache ich mit den beiden Kleinen(6&4). Sie wollen unbedingt! Ich habe ihnen schon erklärt, dass sie evtl. ganz anders aussieht, sie nicht mehr mit einem redet, einen anfassen, lächeln geschweige denn angucken kann. Und dass sie ganz kalt sein wird. Trotzdem wollen sie hin. Ich denke ich kann ihnen das nicht verwehren. Andererseits was ist, wenn sie dieses Bild der toten Oma nicht mehr ais dem Kopf bekommen?
      Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll.

      • Hallo,
        mein herzliches Beileid!
        Ich finde es gut, wenn die Kinder ihre Uroma sehen wollen. Dann können sie begreifen, im wahrsten Sinne des Wortes, dass die Uroma tot ist. Viel schlimmer könnte die Phantasie der Kinder über Tote sein. Ich war selbst 7 Jahre alt, als meine Oma verstarb und ich hätte es meinen Eltern sehr übel genommen, wenn ich nicht meine Oma nochmal sehen könnte.
        Viel Kraft!

        Wenn sie das wollen, würd ich sie auf jeden Fall mitnehmen.

        Bissel vorbereiten würd ich allerdings schon. Einen toten Menschen zu erblicken, hat sich mancher Erwachsener bisher noch nicht getraut. Also bissel Vorbereitung darauf, was sie erwarten wird, würde ich schon empfehlen.

        In der Regel sehen aufgebarte Menschen nicht schlimm aus. Sie werden ja zurecht gemacht und sehen oft einfach wie schlafend aus.

        Ich selber hab ich heute daran zu knabbern, dass es in meiner Kindheit noch üblich war, die Kinder aus solchen Sachen außen vor zu lassen. So durften wir Kinder nie mit ins Krankenhaus und auch als meine Oma dann starb, durften wir nicht zur Beerdigung.

        Das hat dazu geführt, dass ich mir komische Dinge im Kopf vorgestellt habe, wie es abläuft auf einer Beerdigung und was es mit dem Aufbahren auf sich hat.
        Außerdem fehlt mir bis heute ein Abschluss mit meiner Oma. Sie war einfach irgendwann "weg".

        Später haben wir das mit den Eltern besprochen. Ihnen war nicht bewußt, dass sie uns damit eine recht wichtige Sache vorenthalten haben, nämlich die Möglichkeit, Abschied zu nehmen.

        Mitnehmen. Sie möchten es doch. Tabuisiere doch nicht etwas Natürliches.
        2 meiner Kinder haben ohne Schaden 2 Tote gesehen (1 Kleinkind und eine 19 jährige)
        Sie wollten und keiner hat Schaden davon getragen.

      • Danke. Ihr bestärkt mich in meiner eigentlich schon gefallenen Entscheidung. Leider stoße ich in meinem Umfeld nur auf Unverständnis. Ich werde fast schon angefeindet... das hat mich natürlich extrem verunsichert. Aber ich denke wenn sie es unbedingt wollen, dann hilft ihnen das auch. Ein richtiger Abschied ist sooo wichtig. Wir nehmen noch Briefe und Bilder mit. Letzte Worte sozusagen. Danke euch.

        • Meine Enkelin hat das Sterben von zwei Opas miterlebt. Beim ersten Opa war sie vier, bei meinem Mann 8 Jahre alt, das war sie sogar mit in der Wohnung, als er starb. Sie WOLLTE sich von ihm ganz alleine im Schlafzimmer verabschieden, schickte sogar ihre Eltern raus. Dann kam sie raus....was sie ihm noch erzählt hatte, sagte sie niemand.
          Bitte erfüll Deinen Kindern den Wunsch - so schlimm ist es wirklich nicht.
          Alles Liebe für euch.
          LG Moni

          • Schön, dass sich deine Enkelin so persönlich verabschieden wollte. Ich finde das auch sehr wichtig, meine Töchter haben sich auch beide von ihrem Opa, mit dem sie immer zusammen gewohnt haben verabschieden wollen, sie waren beide direkt nach dem Tod und auch in der Totenkapelle noch bei ihm, die Große hat ihm einen Brief mitgegeben, die beiden hatten ein ganz besonderes Verhältnis zueinander, die Kleine eine ihrer Kuschelrobben, die sie sammelt. So konnten sie gut Abschied nehmen und haben alles gut verarbeiten können.

            • Auch schön, da wird einem ganz warm. Ich habe es schon oft erlebt, auch im Bekanntenkreis, dass Kinder ganz verstört waren, wenn sie nur immer hören mussten, der Opa/die Oma sind nun im Himmel usw. -und hatten keine Chance, sich zu verabschieden. Man kann - und SOLL - nicht alles von Kindern fernhalten.
              Meine Enkelin suchte sogar die Urne aus für ihren Opa - und war ganz stolz darauf, wie schön sie war. Sie liebte ihn sehr - und für sie war das sowas wie ein letzter Liebesdienst.
              LG Moni

      Hallo,

      als jemand, der lange in Mexiko gelebt hat sage ich Dir: nimm sie mit! Unsere deutsche Tabuisierung von Tod ist so ungesund und hilft überhaupt nicht bei der Trauerarbeit. Kaum ist ein geliebter Mensch tot, wird er schwupps wupps abgeholt und ward nicht mehr gesehen. Deckel zu, ab ins Loch und verscharrt das Ganze. Das klingt jetzt sehr drastisch aber genau so ist es ja letztendlich. Die Trauer dürfen dann alle mit sich selbst ausmachen, beim Leichenschmaus (also bitte!) oder halt später am Erdloch mit Stein drauf auf irgendeinem gruselig stillem Friedhof. Wir sollten allesamt lernen, keine Berührungsängste vor toten Menschen mehr zu haben und den Tod als zum Leben dazugehörig zu begreifen. Viele Mexikaner holen regelmäßig die Gebeine wieder aus der Grabkammer, putzen und schmücken sie und veranstalten Familienfeste auf dem Friedhof. Kleine Kinder füttern den Totenkopf mit Kuchen und fragen "Oma", ob sie noch mehr möchte. Nein, das ist keine Barbarei und es sind auch keine "Wilden". WIR haben ein Rad ab, weil wir so verklemmt sind und uns deshalb die Trauer fertig macht, nicht sie.

      Also, hör nicht auf die Anfeindungen. Nimm sie mit und sei stolz auf Dich, da sie bei Dir Natur und Menschlichkeit begreifen lernen.

      Wir haben unseren kürzlich an Krebs verstorbenen Papa in einer Urne zu Hause auf der Fensterbank in der Sonne (ja, in Deutschland, das geht mit einem kleinen Trick). Auf jedem Familienfest ist er dabei und steht mitten auf dem Tisch. Er war immer ein liebenswerter, lustiger Chaot und hätte seine Freude daran, wie meine Schwester ihn in der Bahn in einer Tüte herumträgt oder Freunde beim Anblick der Urne fragen: Oh, ist das die neue Alexa? Und wir sagen: Nee, das ist unser Papa. 😅 Wir haben nächtelang mit der Urne im Arm im Bett gelegen und geweint und tun es heute auch noch manchmal. Und obwohl ich Atheistin bin, gibt es mir dennoch das Gefühl, daß er da ist. Genau hier. Und auch immer bleiben wird. Was soll er denn da draußen in der Kälte auf dem städtischen Friedhof? Mit dem verbindet mich gar nichts und wenn ich nachts weine und ihn vermisse, muß ich mir nur die Urne holen und mich nicht anziehen und zu irgendeinem Grab stiefeln. Ist der Friedhof nachts nicht eh geschlossen?

      Unsere verstorbene spanische Oma steht im übrigens Flamencotanzzimmer meiner Mutter und kann so beim Training zuschauen. 😉 Sie hat in Deutschland immer gefroren. Nicht auszudenken, um diese Jahreszeit auf einem Friedhof rumzuliegen! 😄

      Ich wünsche Dir viel Kraft für die kommende Zeit. Omas sind etwas ganz besonderes!

      Ich habe mit ca 12 Jahren unfreiwillig einen Blick auf meinen toten Opa im Sarg geworfen und es war ein richtiger Schock.
      Diese Farbe, dieser "Blick".............die Bilder habe ich noch heute im Kopf und ich würde niemals meine Kinder einen Toten sehen lassen.
      Ich weiß nicht, ob ich es nun im Erwachsenenalter verkraften würde

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