Krebs ist ein Ar......

    • (1) 27.09.18 - 20:23

      Ich habe vor nun fast genau 2 Monaten meinen Vater durch Lungenkrebs verloren. Leider wurde dieser zu spät erkannt. Er hatte bereits viele Hirnmetastasen und ebenfalls welche in der Nebenniere und den Lymphknoten.
      Von der Diagnose zu seinem Tode waren es grade mal 4 Wochen. Wir bekamen die Diagnose mit der Geburt unseres Sohnes.
      ... Ein Leben kommt, ein Leben geht. Bei uns stimmte dieser Spruch leider.

      Es gab bisher nicht viel Zeit zu trauern durch die Geburt unseres Kindes und einem Kleinkind nebenbei. Zudem mussten wir natürlich ganz viel Papierkram erledigen.
      Nun tritt langsam die Ruhe ein. Und alles fällt grade auf mich herab.
      Heute sprach ich mit meiner Mutter über das "Sachen wegräumen" meines Vater. Also Kleidung entsorgen.
      Und das macht alles so endgültig irgendwie.

      Ich habe seinen Tod noch gar nicht verarbeitet und habe das Gefühl, es ist nicht alles gesagt worden.
      Rückblickend tut es einfach so weh, dass wir nicht da waren, als er von der Erde ging.
      Wir wussten, dass es bald passiert. Sein Bruder war an diesem Freitag bei ihm bis in die Abendstunden.
      Meine Mutter und ich wollten Samstag morgen zu ihm. Aber diese Nacht erlebte er nicht mehr.
      Er starb kurze Zeit nachdem sein Bruder gefahren ist.
      Aber ich mache mir trotzdem Vorwürfe, dass er diesen schweren Schritt alleine gegangen ist. Er hatte solche Angst vor dem Sterben sagte man uns noch. Und dass die Ärzte ihm leider nur ein Medikament geben können und ihm die Angst etwas nehmen...
      Aber wir. Wir waren nicht da.

      Ich hätte ihm noch so viel sagen wollen. Aber es ging alles so schnell.
      Er hat seinen Enkel immerhin noch kennen lernen dürfen. Das gibt mir ein wenig Kraft.
      Ich hätte so gerne noch ein Bild von beiden gehabt. Nun ist es zu spät dafür...

      Vermutlich gehören all diese Gefühle zur Trauer dazu. Grade zerreißen sie mir das Herz.

      Danke, dass ich meine Gedanken hier los werden kann.

      In stillem Gedenken an meinen lieben Papa, der uns viel zu früh verlassen musste.
      Mery

      • Liebe Mery,
        mein Beileid. Ich weiß dass ein plötzlicher Verlust sehr schmerzhaft ist. Mein Vater ist vor 24 Jahren einfach tot umgefallen. Auch ich konnte mich nicht verabschieden.
        Lass all deine Trauer und Gefühle zu, egal wie lange du für den Trauerprozess brauchst.
        Ganz liebe Grüße

        Hallo mery,

        Du hast mein tiefstes Mitgefühl. Ich kann dich so gut verstehen, meine Mutter ist kurz nach meinem dreizehnten Geburtstag ihrer Krebserkrankung erlegen.

        Obwohl sie über drei Jahre krank war, ist sie dann auch so plötzlich gestorben, dass wir uns nicht mehr verabschieden konnten.

        Ja, Krebs ist wirklich ein riesen Arschloch.

        Deine Gefühle jetzt sind ganz normal und gehören zur Trauer dazu, wie Du selbst schon erkannt hast. Das Beste was Du tun kannst, ist diese Gefühle zu-und rauslassen.
        Rede darüber, mit deinen Angehörigen, die auch betroffen sind oder auch mal mit Außenstehenden oder wenn du magst in einer trauergruppe. Mir hat es gut getan, zu sehen, dass ich mit diesem Schicksal nicht allein bin.

        Besonders am Anfang ist es sehr schwierig, man kämpft mit sich und die Tatsache, dass ein geliebter Mensch nicht mehr da ist und man ihn in diesem Leben auch nie wieder sehen wird, muss erstmal langsam im eigenen Bewusstsein ankommen, das braucht Zeit.

        Das alles zu verarbeiten und zu lernen damit zu leben, dauert dann noch mal ein gutes Stück länger.

        Ich will jetzt auch nicht sagen, die Zeit heilt alle Wunden, denn wo Wunden sind, bleiben Narben. Und die tun manchmal auch ganz schön weh. Aber man lernt mit diesem Schmerz zu leben. Bis der irgendwann unwichtig wird, die negativen Dinge verblassen und man akzeptieren kann, dass es Dinge gibt, die ungesagt geblieben sind.
        Und die schönen Erinnerungen überwiegen. Auch wenn du es jetzt nicht glauben kannst, es werden Tage kommen, an denen du zwar noch traurig bist, dass dein Vater nicht mehr da ist, der Gedanke an ihn dir aber nicht die Tränen in die Augen treibt, sondern ein Lächeln auf die Lippen zaubert, weil du stolz und glücklich bist, dass er dein Vater war und dir so viel von sich mitgegeben hat, das immer bestand hat, auch wenn er jetzt nicht mehr da ist.

        Vielleicht hilft es dir ja jetzt am Anfang, wenn du zb abends oder in sonst einem ruhigen Moment eine Kerze für ihn anzündest und innerlich mit ihm zwiesprache hältst oder ihm einen Brief schreibst, mit allem was dir auf der Seele liegt und diesen Brief mit einem Luftballon symbolisch zu ihm in dem Himmel steigen lässt.

        Oder es fällt dir selbst ein kleines Ritual ein, das sich für dich gut anfühlt.

        Und wenn du an Gott glaubst (auch wenn du vielleicht gerade sehr wütend auf ihn bist, weil dein Vater gestorben ist), dann bete.
        Das hilft mir immer.
        Ich persönlich bin ein gläubiger Mensch und ich bin fest davon überzeugt, dass alle meine lieben, die vor mir diese Welt verlassen haben, bei Gott sind und wir uns am Ende dieses Lebens wiedersehen werden.

        Ich wünsche dir alles Gute, viele Menschen die dir zuhören und für dich da sind und euch als Familie liebe und zusammenhalt.

        Lg waldfee

        Ich fühle sehr mit Dir.
        Mein aufrichtiges Beileid.

        Mein Papa ist vor 4 Wochen eingeschlafen. Er hatte auch Lungenkrebs. Bei ihm ging leider auch alles sehr schnell. Zwischen Diagnose und dem Tag an dem er einschlief sind nur 2 Wochen.

        Ich wünsche Dir von Herzen ganz viel Kraft!
        Alles Liebe

        diezicke

      • Liebe Mery, mein herzliches Beileid - ich kann gut nachfühlen, wie es Dir geht. Habe 2014 meine beste Freundin an Leukämie verloren und keine 6 Monate saß ich am Sterbebett meines Mannes. Am Sonntag erfuhr ich, dass er todkrank ist und sterben muss (vorher war er "nur" krank, man dachte aber, es wird mal besser) und am Freitag starb er schon. Der einzige gute Gedanke dabei ist, dass ich ihn noch heimholen konnte und er zuhause sterben durfte.
        Vielleicht hat Dein Vater entschieden, alleine zu sterben. Ich saß am Bett meines Mannes und ging nur kurz mal raus, in dem Moment starb er. Man hört sehr oft, dass es so ist.
        Lasst euch Zeit mit dem Wegräumen, wenn es nicht sehr eilt. Man braucht viel Zeit für Trauer - und soll nur das machen, was man auch verkraften kann. Ich habe heute noch ein paar Sachen von meinem Mann, die ich nicht weggeben werde. Liebe Grüße von Moni

        (6) 03.10.18 - 19:49

        Hallo,

        mein Beileid. Habe meinen Mann letztes Jahr auch an den Lungenkrebs verloren.
        Er wurde noch operiert und alles, es war aber leider auch zu spät.

        Sich jetzt Gedanken zu machen, was hat man falsch, was hat man richtig gemacht...man wollte noch soviel sagen.....nicht mehr drüber nachdenken. Das alles ist Vergangenheit und ich glaube dein Vater hätte sicherlich nicht gewollt das ihr euch in irgendeiner Form Vorwürfe macht.

        Mein Mann ist auch alleine gestorben. Ich glaube viele wollen alleine sterben und deswegen sterben sie auch alleine. Ich war kurz vorher noch bei ihm gewesen.

        Als ich dann Zuhause angekommen war, rief ich nochmal das Krankenhaus an. Sie wollten das ich mich melde, weil sie Angst um mich hatten. Bin ja alleine nach Hause gefahren. Als Sicherheit, das mit mir alles ok war. Mein Mann lag da schon auf der Palliativstation.
        Fast 5 Minuten später nach meinem Anruf rief mich das Krankenhaus dann an, sagte, das mein Mann gerade gestorben sei. Die Schwester meinte, sie hätte ihm noch gesagt das ich gut nach Hause gekommen sei.....danach ist er gestorben.

        Die letzten Worte an mich von meinem Mann waren: Nimm mich mit..
        Er wollte unbedingt wieder nach Hause, doch dazu kam es nicht mehr.

        So wirklich trauern konnte ich bisher auch noch nicht, weil ich einfach - bis heute - Zuviel um die Ohren habe. Unser ganzes Leben neu Ordnen, ohne meinen Mann. Das fordert meine ganz Kraft. Bin hier alleine mit meinem Kind, da meine Familie weiter weg wohnt.

        Das du solche Gedanken hast, ist ganz normal und man sollte die Trauer auch zulassen um damit umgehen zu können. Nimm dir Zeit dafür. Ich habe Diese Zeit leider noch nicht wirklich um zur Ruhe zu kommen.

        LG Sonja

      • Mein Beileid. Mein Vater starb vor 17 Jahren auch „ganz alleine“. Sein bester Freund war noch an seinem Bett, musste dann aber gehen. Meine Mutter sollte 5 Minuten später kommen - als sie ins Zimmer kam, war er tot. Mittlerweile bin ich selbst als Ärztin (Onkologie) im Krankenhaus oft mit dieser Situation konfrontiert und der festen Meinung: Menschen sterben ganz bewusst „alleine“ - in der Pause zwischen zwei Besuchen, wenn die Angehörigen für ein kurzes Telefonat das Zimmer verlassen oder mal 5 Minuten in die Cafeteria verschwinden. Ob es ist, weil der Sterbende das mit dem Tod mit sich alleine ausmachen will, die Angehörigen nicht belasten möchte, oder oder oder. Ich weiß es nicht und die Gründe mögen unterschiedlich sein. Aber ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, dass da mehr als der Zufall mitspielt. Bei meiner Oma war es ganz anders. Sie starb vor 15 Jahren, wir hatten ein enges Verhältnis und in der Nacht ihres Todes (der sich bereits abzeichnete) war ich bei ihr. Allerdings habe ich mich irgendwann in einen Aufenthaltsraum auf ein Sofa gelegt und bin eingeschlafen. Alles war dunkel und ruhig, es war mitten in der Nacht als ich nach kurzem Schlaf wieder aufwachte und wusste „Ich muss zur Oma.“ Ich betrat ihr Zimmer, nahm ihre Hand und sie Starb. Da bin ich mir sicher, sie wollte nicht alleine sterben.

        Es passiert so viel unterbewusst und der Tod ist und bleibt ein Mysterium. Du schreibst, dein Papa hatte Angst vorm Sterben und gehst wahrscheinlich deshalb davon aus, dass er nicht alleine sein wollte in seinen letzten Minuten. Vielleicht hat er aber genau in diesen letzten Minuten eine inneren Frieden finden, die Angst gehen lassen können. Vielleicht wollte er es euch nicht „zumuten“ ihn dabei begleiten zu müssen.

        Sicher sagen kann ich dir nur: Auch ich wollte meinem Papa noch so viel sagen, es waren noch so viele Fragen offen, hätte ihn auch so unendlich gern die letzten Momente seines Lebens begleitet.
        Man kann seinen Frieden damit schließen. Es wird immer eine Wunde bleiben, aber das Leben - auch oder gerade die schönen Tage darin - geht weiter.

        Aktuell ist meine Mutter unheilbar an Krebs erkrankt (ja, es ist einfach scheiße), aber ich weiß, dass es weitergeht und auch wieder hellere Tage gibt. Ich versuche nun zumindest nicht mehr so viele Fragen offen zu lassen. Und bin gespannt, ob sie mich dann in den letzten Minuten bei sich haben möchte.

        LG Isi

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