Traurig über unsensibles Verhalten

    • (1) 23.10.18 - 08:42

      Hallo ihr Lieben,

      Nachdem ich gestern sehr traurig war über das Verhalten meiner Schwiegermutter, muss ich es glaub ich einfach loswerden, damit es mir besser geht.
      Ich hatte vor 5 Jahren eine stille Geburt im 5.ten Monat. Das ist schon lange her und eigentlich auch gut verarbeitet.
      Da wir schon 2 Kinder haben die ja auch wussten, dass ich ein Baby bekomme, hatten wir auch schon einen Namen ( Geschlecht war ja schon sichtbar). Wir haben dann eine Kerze gebastelt mit seinem Namen und vor allem die Mädchen wünschen sich manchmen, dass wir zusammen die Kerze anzünden.
      Der Name war und ist bei allen bekannt und die Kerze gibt es auch seit 5 Jahren.
      Jetzt ist von einer guten Freundin das Baby kurz vor der Geburt gestorben, und in solchen Momenten holen die kinder von selber seine Kerze um an ihn zu denken.
      Jetzt war gestern meine Schwiegermutter da, sie sieht die Kerze und fragt meine Tochter: Oh , wer ist denn Linus?
      Meine Tochter antwortet, dass das doch das Baby von der Mama war, das zu klein war um zu leben als es auf die Welt kam.
      Darauf hat sie nur gesagt: Das war ja noch gar kein Baby!
      Mich hat diese Aussage sehr traurig gemacht und geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf!
      Sie muss sich den Namen nicht merken, aber einem Kind zu sagen, dass das kein Baby war finde ich unmöglich... es war alles dran, er war zeitgerecht entwickelt, nur hat eine Infektion wehen ausgelöst und klar er hatt nie eine Überlebenschance, aber trotzdem gehört er ja zu uns. Vor allem für die Kinder ist er ihr Sternenbruder der auf sie aufpasst.

      Sorry ich musste das Einfach losweren und eigentlich sollte es mich auch gar nicht so verletzten...

      Danke fürs zuhören
      Linus2013

      • Das tut mir sehr leide für dich und ich finde es sehr schön, wie ihr eurem Kind/Geschwisterchen gedenkt. Solche Dinge finde ich immer sehr schön, wenn es in den Alltag mit einfließt und einfach dazu gehört.
        Zum Ausspruch deiner Schwiegermutter: Ich glaube, das ist einfach der früheren Generation geschuldet, man sprach gar nicht viel über Fehlgeburten, die medizinische Technik war noch nicht so weit, dass man vor der Geburt so eine enge Beziehung zum Kind aufbauen konnte, heute gibt es so hochauflösende Ultraschallbilder, man befasst sich in der Schwangerschaft sehr viel mehr mit dem kleinen Leben, dass in einem wächst. Früher war es mehr pragmatisch, schwanger und wenn das Kind dann da war, dann war es ein Kind, vorher wurde das häufig weder mental noch im Gespräch als solches wahrgenommen.
        Und so eine Äußerung wie bei dir sollte bestimmt auch so gemeint sein, dass deine Kinder nicht traurig sein sollten, ich vermute, dass sie es sogar nicht gut fand, dass deine Kinder so detailliert Bescheid wussten, auch dies eine typische Sache der "älteren", "man" erzählt Kindern so etwas doch einfach nicht!
        Deshalb: Sei nicht traurig, sie hat es bestimmt nicht böse gemeint, sie hat einfach eine andere Sichtweise.
        Meine Tante hatte mehrere Fehlgeburten und hat ein Kind bei der Geburt verloren, sie war ein sehr sensibler Mensch und hat sehr darunter gelitten bis ihre dann einzige lebende Tochter zur Welt kam. Sie war eigentlich die einzige in der "Elterngeneration" mit der ich viel über meine Fehlgeburten gesprochen habe. Selbst meine Mutter, ein supersensibler, liebevoller Familienmensch war mehr so der Meinung "ach das war ja noch so früh, das ist nicht so schlimm, du bist ja noch im passenden Alter, du kannst ja noch Kinder bekommen". Mit meiner Schwiegermutter hab ich nie darüber geredet.
        Alles Gute für euch und bewahrt euch eure Gedenkkerze!

        Und das als Oma. Manche Menschen sind so merkwürdig

        ich kann Dich verstehen... -- aber auch wenn es unsensibel ist: -- meine Mama (74 Jahre alt) denkt auch bis heute noch, dass ein Baby mit 5. - 6. 7. Monaten im Bauch noch gar nicht fertig ist. Das ist die Generation. Da war viel nicht aufgeklärt und nicht erläutert...

        sie hatte als ich 5 Jahre bin ein Totaloperation wegen einem Geschwür an einem Eierstock und als sie aufgemacht hatten, haben die Ärtze entschieden, alles zu entfernen. ---Bis heute denkt SIe, das war "sicherheitshalber" -- ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das Krebs in irgendeinem Vorstudium (oder schlimmer ) war und damals die Frauen einfach nicht so deutlich aufgeklärt wurden. Es passierte alles unter vorgehaltenen Tüchern. Auch Fehlgeburten wurden hinter einem Tuch entbunden und den Müttern nicht gezeigt (war die Auffassung bis vor 20 Jahren oder so)

        Warum erzähle ich dir das? --- Aufklärung, und Bilderbücher, 3D-Ultraschall hin oder her... -- die ältere Generation ist glaube ich einfach nicht in der Lage, das zu "erfassen"

        Meine Freundin hatte vor einem Jahr eine stille Geburt in der 17ssw. -- ich will gar nicht erzählen, was meine Mutter dazu gesagt hat, - aber es trifft schon das, was ich oben erzählt habe... dieses Verständnis von "nicht fertig" -- eine unfertige Kugel oder was weiss ich, was sie sich da vorstellt... ---- das scheint die Generation zu sein....

        dass Dich so eine Äusserung verletzt. Natürlich! ... aber vielleicht kann sie gar nicht anders denken? -- sieh es mal von dieser altmodischen Generation heraus... --- dann geht dir eine unbedachte Aussage, die gar nicht verletzend gemeint war, vielleicht nicht ganz so ans Mark....

      • Find ich unmöglich von deiner Schwiegermutter... Ja, die ältere Generation ist da manchmal komisch aber wir leben im Jahr 2018 und man kann sich informieren, nachfragen, miteinander reden. Der Mensch soll ja angeblich eine hoch entwickelte, lernfähige Spezies sein, da hätte deine Schwiegermutter ruhig auch mal bei dir nachfragen könenn. So quasi, wie war das für dich, grund/Auslöser, was sagen die Ärzte... was soll den dein kleines sonst gewesen sein außer dein Baby? Immer dieses totschweigen und verdrängen.
        Find ich gut dass das kleine in eurer Erinnerung weiter lebt. Alles gute.

        Huhu!
        Erstmal tut es mir sehr leid, das dein kleiner Linus nicht bleiben durfte.!
        Wie auch schon andere hier geschrieben, ist diese Generation eben anders bzw eigentlich fast garnicht aufgeklärt worden, was Entwicklung eines Babys während der Ss angeht. Damals wurde eine Fehlgeburt oder stille Geburt tunlichst verschwiegen oder es wurde halt nicht darüber gesprochen. Die Babys wurden auch sehr würdelos behandelt 😞
        Ich hatte eine Fg in der 12ssw und es wurde eine Sammelbestattung gemacht. Ich fahre regelmäßig auf den Friedhof und zünde eine Kerze an. Ich erzähle das inzwischen nur noch meiner Mama und meinem Mann, weil ich sehe wie meine Schwiegermutter innerlich mit den Augen rollt. Mein Vater, der erst 1 Jahr später davon erfahren hat, sagte knallhart; Da gab es nichts zu kremieren, das hat ein puff gemacht und alles war weg.. Fand er unmöglich und war nur ein Zellhaufen ect...
        Die Freundinnen meiner Schwiegermutter kamen im Supermarkt auf mich zu, nicht um mir zu sagen das es ihnen leid tut, sondern das es halt passieren kann...
        Die denken sich nichts dabei..
        Nimm es ihr nicht übel. Evtl sprichst du mal mit ihr, und erklärst das es ein richtiges Baby mit Armen und Beinen war..?
        Ich drücke dich unbekannterweise!
        Vlg

      • Es tut mir sehr leid, dass euer Linus nicht bei euch bleiben konnte. Den Kommentar deiner Schwiegermutter finde ich völlig unangebracht, um es milde auszudrücken. Ich bin manchmal schockiert, wie viele Menschen so kalt sind. Vielleicht verschließen viele die Augen vor einer solchen Situation, weil sie denken, man könne leichter damit umgehen, wenn man etwas Trauriges herunterredet oder ignoriert. Oder sie ist, wie hier viele meinen, schlicht uninformiert.

        Ich finde es interessant, was hier über die verschiedenen Generationen geschrieben wurde, denn ich denke, dass der Irrglaube, dass ein Kind im Mutterleib wochen- und monatelang nur ein Zellklumpen sei, vielleicht gar nicht so alt ist. Meine Urgroßmutter hatte auch eine Fehlgeburt und hat sehr wohl getrauert, auch noch Jahrzehnte später, und das trotz anderer Schicksalsschläge und obwohl die Kindersterblichkeit damals ja ohnehin noch höher war. Aber sie bekam das Kind eben nicht im Krankenhaus, sondern zu Hause und sah somit, wie weit ihr Kind schon entwickelt war. Hingegen waren letztes Jahr manche meiner Freunde verblüfft über meine Bilder vom 3D-Ultraschall in der 23. Woche — sie hatten sich das Kind in diesem Stadium z.T. noch nicht richtig menschlich vorgestellt.

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